Neues Umfeld kurz vor Therapiebeginn

Nun haben wir den Umzug mehr oder weniger schadlos über die Bühne gebracht und es ist einigermaßen Ruhe eingekehrt.

Beim Einwohneramt gemeldet habe ich mich logischerweise auf den amtlichen Namen. Geht ja nicht anders und wär mir auch wurscht da.

Bei der Haspa habe ich es genauso eingerichtet wie bei der Sparkasse vorher: Das Konto wird zwar auf den amtlichen Namen geführt, aber Gut- und Lastschriften auf den neuen Namen sind möglich. Der für mich als Student zuständige Jugendbetreuer dort war sehr nett und hat mich auch am Telefon brav mit „Herr“ angesprochen, nachdem er beim ersten Termin meinte „Mein Kollege hat sich offensichtlich vertan, er hat einen Herrn eingetragen.“ Nachdem ich ihn aufklärte, war er sehr verständnisvoll.
Mein Ansprechpartner in Bonn hingegen hatte trotzdem ich ihn, auf seine Frage hin, gebeten hatte, mich als „Herr“ anzusprechen, gleich bei der nächsten Gelegenheit wieder „Frau“ gesagt.

An der Hochschule habe ich, nachdem ich mich noch auf meinen amtlichen Namen beworben habe, mittlerweile den Vornamen im EDV-System ändern lassen und werde jetzt dort entsprechend männlich geführt. Die Dame beim Studierendensekretariat sagte nur „Ach, das ist jetzt die Übergangsphase?“, als ich ihr meinen DGTI-Ausweis vorlegte.
Schwupps bekam ich auch den Studentenausweis sowie das Semesterticket etc. auf den neuen Namen frisch ausgedruckt.

Anfangs war meine grösste Sorge gewesen, ich könne durch meinen weiblichen Namen in irgendwelchen Listen bei meinen Kommiliton(inn)en „als Frau auffliegen“.
Inzwischen mache ich mir nur noch Gedanken um mein bescheidenes Passing. Es ist so übel, dass selbst jene, die meinen Vornamen wissen und mich auch mit diesem ansprechen, in der dritten Person mitunter „sie“ verwenden.
Ich lasse mir nichts anmerken, weil ich durch ein „Ich bin aber keine ’sie‘!“ nur mehr Aufmerksamkeit darauf lenken würde und zudem keine Diskussionen provozieren will.

Dh also, es gibt jetzt im Grunde niemanden mehr in meinem (all)täglichem Umfeld, dem ich mich als Frau vorgestellt hätte. Eigentlich habe ich das nie explizit getan, aber ok…
Jede/r sollte mich jetzt also bitte als Mann einsortieren, was an der Uni offensichtlich überwiegend gut akzeptiert wird. Nur die Pronomina irritieren mich manchmal. Explizit als Frau behandelt fühle ich mich jedenfalls nicht. Wie es sein wird, explizit als Mann behandelt zu werden, weiss ich (noch) nicht.
Jedoch habe ich die schöne Erfahrung machen dürfen, dass ich mich in den Pausen ganz selbstverständlich mit den anderen Jungs in einen Kreis stellen kann…
Klingt trivial, aber früher ging das nie. Ich stand immer abseits. Ich kann zwar nicht jedes Gesprächsthema teilen, aber das geht den anderen genauso. Von daher hat es jetzt den Anschein von „normal“. *froi
Es kann natürlich sein, dass ich jetzt weniger gehemmt bin als mit dem falschen Label, aber ich halte es für einen direkten Zusammenhang mit der (nach aussen hin) Umstellung von w auf m.

Beim Kippen holen bin ich, wie übrigens im letzten Sommer schonmal, wieder nach dem Ausweis gefragt worden. Daraus schliesse ich, dass ich wohl für einen 15-jährigen gehalten wurde.
Grundsätzlich muss mein Passing aber ziemlich mies sein, denn meist werde ich für eine Frau gehalten. Manchmal sogar als „Dame“ bezeichnet. Furchbar. ^^

Ich kann nur hoffen, dass sich das bald bessert.

Übernächste Woche habe ich endlich den heiss ersehnten Termin mit meinen Psychotherapeuten. Inzwischen will ich von dem aber nichts weiter als die Indikation für die Hormonbehandlung.
Als ich das erste Mal bei ihm war, im September letzten Jahres, war ich noch sehr unsicher. Ich vertraute meinem Gefühl nicht und versuchte es rational zu erklären. Suchte nach Antworten, nach einem Wegweiser. Durch diverse Gespräche mit anderen Transleuten habe ich erfahren, dass es diese Antworten aus dem Mund eines seriösen Therapeuten – der sich ja neutral verhalten soll – ohnehin nicht geben wird. Von daher war es sicher nicht schlecht, dass ich das halbe Jahr jetzt schonmal zum Sortieren genutzt habe. Andernfalls wäre ich wohl sehr enttäuscht, wenn ich vom Therapeuten nicht die von mir erhoffte Hilfestellung dieser Art hätte bekommen können.

Ende April will ich dann auch Termine beim UKE machen, OP-Vorgespräch zur Mastek und Kennenlernen eines potentiellen Gutachters bzw. eines alternativen Therapeuten. Bei dem anderen habe ich den Eindruck, dass er mich bisher nur hingehalten hat…
Vielleicht bin ich zu ungeduldig. We will see.

BTW:
Mein Binder fängt an zu schlackern, wodurch ich mich frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, den anzuziehen.
Ich habe nachgemessen und bin daher sicher, dass ich mir das nicht einbilde. Als ich den im November bestellt hatte, war meine BUW noch 112cm und liegt jetzt bei 108cm (Brustumfang hat sich reduziert von 129cm auf 124cm).
Kein Wunder, dass ein 110cm-Binder nix bewirkt. Also hab ich mir gleich bei Laura Méritt zwei neue bestellt. Mit einem hat man immer Probleme, mit dem Waschen hinterherzukommen.

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