Therapiebeginn

Seit Oktober trage ich in der Öffentlichkeit idR Binder, nur zu Hause und am WE nicht. Einkaufen oder gehe ich ohne, um das Gewebe zu schonen. Aber wenn ich verabredet bin, halt nicht. Damit bin ich eigentlich soweit ganz gut gefahren. Mir gings mit dem Outing schlagartig besser.
Im Dezember hatte ich mich für die Transition entschieden. Im März habe ich in Hamburg gleich (soweit das ging) überall nur noch mit dem neuen Namen angefangen. Darum kam da das ungute Gefühl dazu, es könnte jemand rausfinden (was albern ist, da ich im Grunde null Passing habe).

Tja, jetzt hat es angefangen mit den wöchentlichen Sitzungen. Zwei hab ich hinter mir und ich weiss nicht, wo das noch hinführt.

Beim ersten Termin ging es mit meiner Biographie los. Es liegt bei mir, was ich thematisiere. Ich dachte halt, da hab ich leichtes Spiel, weil ich das eigentlich alles schon x-mal durchgekaut habe. Aber ich musste feststellen, dass mich vor allem die Grundschulzeit doch noch nicht so kalt lässt, wie ich dachte.
Traumatisiert bin ich davon, na schön. Das wusste ich auch vorher.
Nach dem Termin war ich total matsche und hatte irgendwie das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen. Alles wird nochmal hinterfragt.

Dazwischen habe ich dann, trotz wieder aufkommender Zweifel, meinen Antrag auf Vornamensänderung abgeschickt.

Beim zweiten Termin haben wir uns in der Gegenwart aufgehalten, weil ich irgendwie das Studium mit meiner Prüfungsangst und den sozialen Hemmungen über die Bühne kriegen muss. Er hat an meinem Namenswunsch herumgekrittelt und mir wegen zu hohem Ausgrenzungspotentials davon abgeraten.
Auch dieser Termin hat mich wieder verunsichert, aber nicht so weit runtergezogen wie der erste. Mag auch daran liegen, dass ich eher an der Oberfläche blieb. Das Erlernen neuer Techniken im Umgang mit Mitmenschen ist ja eher technischer Struktur und nicht so emotional belastet. Erst in der Anwendung…
Am Wochenende habe ich geübt, mich selbst zu spüren, andere zu spüren. Sehr anstrengend. Ich hab wohl die richtige Dosis noch nicht drauf.

Beim Autofahren ist mir negativ aufgefallen, dass ich Titten habe. Ja ok, das is jetz blöd formuliert und klingt wahrscheinlich lustig. Normalerweise verdränge ich, dass die Dinger da sind. Aber diesmal habe ich sie ganz deutlich gefühlt. Wenn ich das Lenkrad anfasse, haben meine Oberarme/Ellbogen Kontakt mit den Teilen. Es war kein angenehmes Gefühl, gelinde gesagt. Ich hab mich gefragt, ob es besser gewesen wäre, einen Binder anzuziehen.

Bei der nächsten Gelegenheit habe ich ohnehin einen Binder angehabt. Bei der Hinfahrt wars ok und hinsichtlich des oben geschilderten Beispiels wesentlich angenehmer. Es hat nur ein bisschen unter den Achseln geziept und es fühlte sich eben so an, was wenn da was weggedrückt wird. Dem ist ja auch so.
Bei der Rückfahrt wars unerträglich, unter der Brust schnürte der Binder derart ein, dass es richtig weh tat. Ich musste anhalten und ihn ausziehen. Danach wars dann sehr erleichternd, den nicht mehr anzuhaben. Zwar hab ich dann die Scheissdinger wieder gespürt, aber im Vergleich wars positiv. Ich konnte wieder normal atmen.

Am besten wäre es zweifellos ohne Binder und ohne Titten.

Bei der nächsten längeren Fahrt wiederum wars seltsamerweise so, dass ich nicht nur mit den Armen die Titten gespürt hab, sondern auch mit den Titten die Arme. Das mag sich logisch anhören, dass man sich berührende Körperteile aus zwei Perspektiven spüren kann, aber ich bin es anders gewohnt. Normalerweise, wenn die zB auf meinem Bauch liegen, dann spür ich vom Bauch aus, dass die drauf liegen, aber ich spür von den Titten aus nix.
Darum war das für mich ein Novum und sehr verwirrend.
Hm, andere Leute spüren… ich glaub ich weiss wieder, warum ich das sein gelassen hab.^^

Beim Spieleabend waren wir acht Leute. Das sind ziemlich viele Schwingungen auf einem Haufen. Wir haben Bang gespielt und ich war der Sheriff. Am Ende waren nur noch zwei andere und ich im Rennen. Einer musste ein Hilfsscheriff sein und einer ein Outlaw. Ich konnte aber beim besten Willen nicht sagen wer wer war. Dabei spielte der eine auf meiner Seite und der andere auf der Gegenseite. Trotzdem konnte ich Freund und Feind nicht unterscheiden. Beides war möglich. Klar, das ist nur ein Spiel, aber es gibt mir doch sehr zu denken….
Als ich einen Spielzug gemacht hab, der das Ganze noch verlängerte, bekam ich den Unmut der anderen zu spüren, die bereits ausgeschieden waren. Die langweilten sich nämlich schon. Sowas erkenn ich dann doch.

Sonntag früh hab ich deutliche Aggressionen wahrgenommen zwischen meinem Freund und dessen Mutter. Es hatte vorher schon angefangen, aber Sonntag war der Gipfel. Auch mich ging sie an. Da war es ganz deutlich, dass sie auf der Sachebene absolut nicht reagierte. Erstaunlich.

Also es scheint von der Wahrnehmung her zu funktionieren, aber ich weiss jetzt nicht, was ich mit diesen Informationen anfangen soll. Und, wie gesagt, ich kann die Intensität nicht ab. Da muss ich noch nen Filter einbaun.
Heute hatte ich ein komisches Erlebnis, da war ich beim Rhythmus-Boxen an der Wii beschäftigt, hatte mich wohl etwas übernommen und mir wurde etwas schwindelig. Da fiel mein Blick auf einen nackten Frauenhintern, der auf dem Laptop zu sehen war. Genau hab ichs nicht erkannt, aber es waren wohl alle Löcher offen. Spontan überkam mich ein Würgreiz, wobei ich nicht sagen kann, wo der nun genau herkam…

Ja, mir ist aufgefallen, dass ich auch bei Frauen mittlerweile finde, dass es scheisse aussieht, wenn die auffällige Busen haben. Dabei ist das da doch Standard. Und ebenso Standard, den zu betonen.
Keine Ahnung, wo jetzt auf einmal mein diesbezügliches Empfinden herkommt. Vllt Projektion oder so. Schicksen, also so übertrieben aufgestylte Tussen, fand ich zwar schon immer blöd, aber ich fand doch Frauenkörper mit der entsprechenden Ausstattung auch erotisch, jedenfalls nicht per se abstossend.
Und dann fällt mir jetzt jedesmal bewusst auf, wann bzw. in welchen Situationen ich aggressiv werde. Grundsätzlich immer dann, wenn ich mich angegriffen fühle. Meist aber zu unrecht…

Und dann kommen wieder die Selbstzweifel und die Frage, der Sinnhaftigkeit einer Transition, wenn ich so oder so kaputt bin.^^ Ich mag gar nicht unter Leute gehen, wenn ich so schräg drauf bin. Denke, ich bin eine Zumutung…

Schön ist das nicht. Und klar geht mir mal wieder der Blick auf das Positive verloren. *nerv

Bin mal gespannt, was davon ich am Mittwoch dem Therapeuten erzähle. ^^
Angesagt ist auf jeden Fall neuerliches Aufräumen…

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