Vornamensänderung – Gutachten Nr.1

Heute hatte ich mein erstes Gespräch wegen der von mir im April beantragten Vornamensänderung mit Vorabentscheid auf Personenstandsänderung (VÄ/PÄ).

Erstmal zur Vorgeschichte und Schilderung meiner Bemühungen anlässlich VÄ/PÄ:

09. April 09 – online Geburtsurkunde beim Standesamt meiner Geburtsurkunde angefordert. Dazu mussten die wissen, wozu ich die Urkunde benötige und welches Standesamt meiner Geburtsstadt dafür zuständig ist.
Daraufhin musste ich erstmal meine Mutter befragen, was denn in der Abstammungsurkunde steht. Sie hat mir diese gleich eingescannt und ich habe das Dokument der Einfachheit halber an die Dame vom Standesamt weitergeleitet und bei dieser Gelegenheit darum gebeten, die Gebühr per Überweisung entrichten zu dürfen (Nachnahme kostet extra).

14. April 09 – Geburtsurkunde per Post erhalten. Die sah etwas komisch aus, gar nicht so, wie ich mir eine Urkunde vorgestellt hatte. Es stand nicht fett „Geburtsurkunde“ drauf, sondern „Auszug aus dem Geburtenregister“. Aber das war schon ne richtige Geburtsurkunde.

18. April 09 – 10 Euro für die Urkunde überwiesen

24. April 09 – Antrag abgeschickt mit Anlagen Geburtsurkunde, Meldebescheinigung, Kopie von Personalausweis und dgti-Ausweis, Lebenslauf (normaler tabellarischer, wie man ihn früher Bewerbungen beigelegt hat – heute sind die ja achronologisch und eher wie ein Profil gestaltet) und bei der Gelegenheit habe ich gleich den Antrag auf Prozesskostenhilfe (PKH) nebst Anlagen eingereicht. Weiterhin habe ich meine Wunschgutachter mit Adresse genannt und beantragt, diese zu beauftragen.
Übrigens stand in meinem Briefkopf (ebenso wie im Text) der von mir gewünschte Vorname; nur unter der Unterschrift hatte ich in Klammern meinen gesetzlichen Namen platziert.

30. April 09 – oder etwas später bei mir eingegangen, aber auf diesen Tag datiert habe ich eine Kurzmitteilung erhalten. Die Meldebescheinigung, die ich noch von meinem letzten Ummelden anlässlich Umzungs hatte, war nicht ausreichend. Gewünscht wurde eine Meldebescheinigung, die auch Staatsangehörigkeit und Familienstand beinhaltet. Wusste ich nicht, aber lässt sich ja besorgen.
Was ich klasse fand: Ich wurde gleich als „Herr…“ angeschrieben und lediglich in Klammern stand dahinter „gesetzl.“ und mein gesetzlicher Name.

10. Mai 09 – da ich mir etwas unsicher war, ob es nicht doch etwas zu schnell geht, hatte ich mir etwas Zeit gelassen, aber nun doch die Meldebescheinigung nachgereicht.

13. Mai 09 – das ging nun aber sehr schnell; ich konnte mir kaum vorstellen, dass mein Schreiben bereits eingegangen war. Ich bekam tatsächlich den Beschluss. Einerseitzs wurde mir die PKH ohne Ratenzahlung bewilligt, andererseits teilte man mir mit, dass die von mir gewünschten Gutachter beauftragt wurden.

24. Mai 09 – ich wollte kaum glauben, dass ich eine schriftliche Einladung erhielt zu einem Gespräch, das nur einen Monat später stattfinden sollte! Auch hier wurde ich als „Herr …“ angeschrieben.
Sooo, und jetzt zum heutigen Termin.
Der Mensch war mir sehr sympathisch. Hat mich gleich als „Herr …“ angesprochen, obwohl ich noch nicht ganz danach aussehe.
Strukturell gesehen ging es chronologisch entlang meiner Biographie. Von dort bin ich immer wieder ausgebrochen, habe Verbindungen zu anderen Zeiträumen oder zur Gegenwart gezogen. Er hat es offensichtlich doch in für ihn ausreichend geordnete Bahnen gelenkt.
Überrascht hat mich die Frage nach dem Beruf meiner Eltern. Mit meinem Thera hatte ich überhaupt noch nicht gross über die Beziehung zu meinen Eltern gesprochen. Was wir denn bei der Therapie machen, hat er auch gefragt.
Auch hat er sich sehr lange bei der Zeit meiner Kindheit vor der Pubertät aufgehalten, mehrmals nachgefragt, wie ich mich damals gefühlt habe. Ob ich mich als Junge verstanden habe oder als Mädchen. Das war nicht leicht zu beantworten, da es einerseits ne ganze Zeit her ist und andererseits diese Zeit für mich ohnehin so belastet war. Oder vielleicht gerade deswegen, was weiss ich.
Amüsant fand ich die Frage, ob es nicht einfacher sei als „Kesser Vater“ (altmodischer Ausdruck für „Butch“) zu leben. Das war ja nun ganz unpassend, da ich einerseits keine Frau bin und andererseits nichtmal mit Frauen gross was anfangen kann.
Insgesamt hat das Gespräch zwei Stunden gedauert, womit ich nicht gerechnet hatte.
Er hat den Eindruck gewonnen, dass ich eine sehr grosse Kränkung davon habe, dass ich nicht als Junge aufwachsen durfte und sagte, ich solle daran arbeiten.
Da muss ich drüber nachdenken….

Fazit:
Es war anstrengend. Ich hab die überwiegende Zeit geweint. Sehr unangenehm, wenn gerade da reingepiekt wird, wofür man sich all die Jahre geschämt hat. Wobei ich das noch nichtmal zugeben konnte. Aber ich habs hinter mir und er sagte mir am Ende, dass er meine VÄ/PÄ befürwortet. :)))

Vorhin habe ich nochmal kurz angerufen, weil ich abschliessend nochmal Fragen hätte stellen können, die mir vor Ort nicht mehr einfielen. Ich wollte wissen, ob er einen Satz hinsichtlich der OPs mit reinnehmen kann, damit ich das Gutachten für meinen Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse nutzen kann. Da sagte er mir, dass er das Gutachten schon abgeschickt hat! {Emotic(wow)} Der is mal echt fix.
Ausserdem sei der begleitende Therapeut dafür zuständig, die OP-Indikation zu stellen. Da hat er natürlich recht.

Und normalerweise darf die Krankenkasse die VÄ-Gutachten auch gar nicht verlangen – tun sie natürlich trotzdem. Das Problem ist halt, dass die am längeren Hebel sitzen. Ich will ja was von denen. Aber egal, damit warte ich ohnehin noch ab, bis mein Jahr Therapie voll ist. Rein zur Vorbeugung eventueller Komplikationen bei der Kostenübernahme.

Vor August passiert hinsichtlich Hormonindikation ohnehin noch nichts. Jetzt versuch ich mich mal auf die Klausuren zu konzentrieren. Es kommt mir grade sehr gelegen, dass das Forum Anfang Juli offline ist. Das bietet weniger Ablenkung.

/edit:
Nachtrag vom 08.07.09
Heute war in meinem Briefkasten ein Schreiben vom Gericht mit dem Gutachten in der Anlage.
Pingelig wie ich bin, springen mir im Gutachten als erstes Rechtschreibfehler ins Gesicht. Er gibt in der indirekten Rede, teils mit Zitaten in direkter Rede, einen Bruchteil dessen wieder, was ich ihm alles erzählt habe. Will meinen, er hat sich während vier Seiten auf den Kern der Sache, die Diskrepanz zwischen „Innenmann“ und „Außenfrau“ – natürlich nutzte der Gutachter andere Worte, danke re-laxed für diesen Ausdruck – beschränkt.
Er bezeichnet mich als Antragsteller und verwendet durchweg die männlichen Pronomen. Ein bisschen hat er was durcheinandergebracht mit meiner Biographie, aber nicht wirklich an relevanter Stelle.
Das wichtigste ist natürlich, dass die obligatorischen drei Fragen des Gerichts bejaht werden und der Rest kann mir eigentlich egal sein – das Gericht wird sich nicht weiter drum scheren.

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