Meine erste Podiumsdiskussion – Politik kann richtig lustig sein :D

Wie ich bereits beim Stammi erfahren hatte, ist das Magnus-Hirschfeld-Centrum (MHC) kein Kongresszentrum wie das CCH oder ähnliche grosse Häuser. Es hat vielmehr Kneipenatmosphäre, auch wenn im Saal tatsächlich eine Bühne aufgebaut war. Auf der sass ich diesmal nicht, sondern beobachtete das amüsante Schauspiel vom Publikum aus.

Moderation by Stefan Mielchen & Katrin Jäger

Das Thema der Veranstaltung lautete:

Was sagen die Parteien zur Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*?

Jedoch drehte sich das Gespräch in erster Linie um Geld. Ob man ein neues Gebäude bauen solle oder nicht doch lieber die bereits vorhandenen Infrastrukturen nutzen, ob die 90.000 Euro für die Jugendarbeit nicht zu wenig seien, ob man das Geld nicht lieber geschickter nutzen solle und natürlich müsse man die Haushaltslage bedenken und überhaupt eigentlich viel weniger mehr ausgeben, sondern mehr einsparen. Das übliche halt.

Über Gleichstellung wurde eigentlich überhaupt nicht gesprochen. Finde ich auch gut, denn ich will ja gar nicht gleichgestellt werden. Ich will so sein dürfen, wie ich bin und genau so als normal wahrgenommen werden – nicht als unnormal, aber gleichgestellt.

Stattdessen ging es um Diversifikation, um Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaften und – natürlich, das liebe Geld – um die Abschaffung des Ehegattensplittings. Von der Bühne hörte ich, Lesben würden gegenüber benachteiligt gegenüber Schwulen und gleichzeitig aus den Reihen hinter mir, dem sei überhaupt nicht so. Aber keine Sorge – richtig, das Geld wieder – natürlich zankte man sich darüber, ob nun Lesben stärker finanziell berücksichtigt werden sollten oder nicht.

Den ganzen Krempel fand ich bis hierher auch nur deshalb so lustig, weil es ständig Probleme mit den Mikrofonen gab. Das war manchmal zeitlich so passend laut, leise, rauschend und knackend oder ganz aus, dass ich mich gefragt hab, ob das eventuell beabsichtigt ist. Dies trug auch dazu bei, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die Persönlichkeiten auf der Bühne kichern und lachen mussten.

Karen Koop (CDU, ehem. Lehrerin) sprach sich als einzige dafür aus, dass Aufklärung über geschlechtliche Vielfalt nicht in die Lehrpläne gehört. Sie sagte, sie wisse wie das sei, als Lehrer suche man sich die Themen aus dem Lehrplan raus, die man behandeln wolle. Anders kenne ich das auch nicht aus meiner Schulzeit. Dh also, wenn es nicht in den Köpfen der Lehrer drin ist, wird ein solches Lippenbekenntnis im Lehrplan völlig wirkungslos verpuffen.

Kinder sollen auch alle aufziehen dürfen, ob aus Eigenproduktion mithilfe geöffneter Spermabanken oder mittels Adoption. Da fehlt jegliche rechtliche Absicherung für alternative Familien, die aus mehr als zwei Erwachsenen bestehen.

Als wir dann inhaltlich endlich da ankamen, wo es für mich interessant wurde, war die sympathische Dame von der CDU schon nicht mehr da. Der Herr von der SPD liess keine Gelegenheit aus, auf die CDU zu schimpfen, anstelle etwas Konstruktives, wie etwa eine Antwort auf die ihm zuvor gestellte Frage beizutragen.

Die Linke sieht sich in der künftigen Opposition, während die GAL ein schwarz-grünes Bündnis anstrebt. Der Herr von der GAL erinnerte daran, dass die Grünen als einzige Fraktion einen Gesetzesentwurf zur Reform des TSG eingebracht hatten. Nun ja, den kannten wir ja schon (der alte von damals) und etwas Neues haben die sich jetzt hinsichtlich des aktuellsten Urteils nicht einfallen lassen. Aber immerhin, er hat sich als einziger ans Thema Trans* überhaupt rangewagt. Da nehme ich es ihm auch nicht übel, dass er zweimal „umoperiert“ gesagt hat. Er meinte das richtige und vor allem packte er dieses heisse Eisen überhaupt an.

Danach durften Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Nachdem eine Frau wissen wollte, was für die Integration ihres heterosexuellen Sohn als Kind homosexueller Eltern getan werden würde, sah ich den Zeitpunkt gekommen, mich auch zu Wort zu melden.

Ich fragte also, was man denn überhaupt unter „Gleichstellung“ verstehe. Ich wollte wissen, warum man nicht einfach von einem „Jugendzentrum“ sprechen kann, warum es ein schwules, schwul-lesbisches, schwul-lesbisch-trans* oder SLBTI-Jugendzentrum sein muss. Mir kommt das nämlich immer so vor, als würde man gerne spezielle Fördertöpfe bereitstellen, solange man damit nur bei einer Separation bleibt und eine Inklusion vermeidet.

Der Herr von der SPD forderte mich auf „Na, gehen Sie doch mal als Schwuler in ein Jugendzentrum in Horn.“ und alles lachte lauthals. Tja, vielleicht sollte ich das wirklich mal tun, um mir selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Meine Gedanken  zu den einzelnen Gesprächsteilnehmern:

@ GAL

Herr Dr. Steffen, nur weiter so! Siehe oben.

Meine Kreuzchen mache ich grün.

Links: Dr. Till Steffen, grüne Antworten

@ LINKE

Frau Traversin, Sie möchte ich wirklich gerne in der Opposition sehen. Dieses reinfunken, Dazwischenquatschen, das finde ich enorm wichtig. Vor allem sehe ich es als vorteilhaft an, wenn von vorneherein darauf geachtet wird, dass Gesetze verfassungskonform erlassen werden. Dann können wir uns nämlich ne Menge Arbeit sparen.

Das ein oder andere Kreuz mache ich links.

Links: Angelika Traversin, linke Antworten

@ CDU

Frau Koop, Sie hätten sich menschlich nicht besser präsentieren können. Da bezeichne ich Sie kackfrech als „Herr in pink“ und Sie kontern mit „Ja, mir wurde auch schon gesagt, ich sei der einzige Mann in der Fraktion.“ Ich bin begeistert. Um die CDU mache ich mir eigentlich keine grossen Sorgen, vor allem nicht bei einer schwarz-grünen Koalition.

Ein Sympathiekreuzchen für Sie.

Links: Karen Koop, schwarze Antworten

@ FDP

Robert… muss ich noch was dazu sagen, dass die FDP sich mit Dir schon in die Aussenseiterrolle gefügt hat und tapfer um die 5% kämpft? Schön, dass Du (ich nehme es mir mal heraus, weil ich älter bin als Du) nicht berufsschwul bist. Aber reicht es denn, einfach nur liberal da zu sitzen und nur dann zu antworten, wenn Du gefragt wirst? Nimm Dir doch bitte mal ein Beispiel an Karen Koop, die hat sprichwörtliche Eier in der Hose.

Warum ist keine pdf mit Antworten der FDP auf der Seite des MHC verlinkt? Versteht sich von selbst, dass die Liberalen sich für die Belange der Bürger einsetzen oder wollte man sich noch nicht festlegen, solange man noch nicht weiss, in wessen Fahrwasser man nach der Wahl schwimmen wird bzw. ob überhaupt?

Link: Robert Bläsing

@ SPD

Hallo Michael, wir warn ja schon beim “Du”,

ich hab das immer noch nicht verstanden, warum man nicht in Horn in ein Jugendzentrum gehen sollte, wenn man homo-, bi- oder transsexuell ist?
Wollen Sie “sowas” nicht bei sich haben, vor der Haustür haben, in Horn und machen deshalb extra Schwule Jugendzentren auf?

Meine Frage, was die SPD unter “Gleichstellung” versteht, hatten Sie leider auch nicht beantwortet, sondern für einen weiteren Seitenhieb in Richtung abwesender CDU-Vertreterin genutzt.

Übrigens:
Ich habe gerade erst letzten November eine Ehe mit einem Mann geschlossen. Als schwuler Mann, versteht sich. (Das ging nur deshalb, weil damals nach meiner Geburt nicht mein richtiges Geschlecht eingetragen wurde.)
Das Ehegattensplitting möchte ich doch bitteschön behalten, wenn ich mich schon jedes Mal als transsexuell outen muss, wenn ich von “Ehe” spreche.

Links: Michael Neumann, rote Antworten

20 Stimmen wollen gut verteilt sein. 

FAQ Wahlrecht Hamburger Bürgerschaftswahl

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