Wie mich das derzeit praktizierte System krank machte

[Als Antwort auf die Frage, warum ich Antidepressiva benötige.]

Ich bin der Ansicht, dass ich die jetzt nicht mehr benötige. Darum schleiche ich sie ja aus. ;)

Ich benötigte die, weil mir das alles zu viel wurde. Wahnsinnig lange habe ich trans verdrängt und irgendwie gedacht, ich kann meine körperliche Realität einfach ignorieren. Letztendlich ging ich einfach nur noch auf dem Zahnfleisch und kriegte überhaupt nix mehr gebacken.

Dann kam die Erkenntnis mit trans, Hoffnung und leider auch die Ernüchterung, was da alles mit dranhängt an Papierkrieg und Kampf. Und das natürlich zu einem Zeitpunkt, wo ich gar keine Kraft mehr hatte zu kämpfen. Sonst hätte ich mir doch keine Hilfe gesucht!
Wie ich schonmal schrieb, fing die Therapie eigentlich zu spät an – hinsichtlich trans brauchte ich die da nicht mehr. Ich hatte die Vergangenheit selbst umsortiert und mich damit zurechtgefunden.

Jo und dann fing der begleitende Psychotherapeut an, da wieder drin rumzuwühlen und mir zudem seine Ordnung aufzuzwingen, seine Vorstellungen davon, was richtig und was falsch ist. Da brach alles wieder auf. Psych* nennen das „Erstverschlimmerung“, das muss wohl so sein? Ich musste heulen und heulen und mich selbst bemitleiden und es war ja alles so furchtbar gewesen.
Ich mein, da lebst Du Dein Leben und trägst Dein Päckchen und dann wird Dir von einem „Fachmann“ gesagt, dass Du traumatisiert worden bist. Dann muss es Dir ja auch dreckig gehen, scheissegal, ob Du das längst verarbeitet hattest und daran gewachsen warst. ^^

Und irgendwie hab ich wahnsinnige Angst gehabt, ob ich auch den richtigen „Leidensdruck“ habe, den man haben muss, damit man die Angleichung machen darf. Ich wusste nicht genau, was damit gemeint war, wie sich das anzufühlen hatte. Ich hab mich ja nicht auf einmal anders gefühlt als vorher – es war doch so normal, dieser Konflikt.

Ach und auf einmal war das wieder wie damals mit sechzehn. Bevor ich mich in diesen Transitionsprozess begeben habe, habe ich normal am Leben teilnehmen können.
Gute Ausbildung, fester Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst, ausreichendes Einkommen und der Mann an meiner Seite war der, mit dem ich alt werden wollte. Damit hatte ich alles erreicht, was man nach meiner damaligen Überzeugung dazu brauchte, um glücklich zu sein. War ich aber nicht, son Mist.

Und dann wirst Du derart entmündigt, wirst da irgendwie reingezwungen – der LeidensDRUCK ist ja schon da, eine wirkliche freie Wahl hatte ich da nicht – und dann musst Du Dir von jemandem, der Dich doch überhaupt nicht kennt, erzählen lassen, wer Du bist? Diese Fremdbestimmung war doch genau das, was ich gerade so stolz hinter mir gelassen hatte.
Damals mit 16 hatte ich mir geschworen ich werd nicht älter als 30. Und da war ich inzwischen 29 Jahre alt. ^^

Und ich hab mich so schwach gefühlt und hab nur zu ihm gesagt ich hab Angst vor dem Tag, an dem ich verzweifelt genug bin, dass es nicht mehr bei SuizidGEDANKEN bleibt. Weil wenn ich was mach, dann mach ich das richtig. ;)
Da wollte ich um Antidepressiva bitten für die Übergangsphase, bis ich wenigstens Passing habe und ich brauchte das nicht mehr auszusprechen; er hat es selber vorgeschlagen.

[Das Ende vom Lied ist, dass ich mich durch den damals in vorauseilendem Gehorsam von mir beantragten Sonderurlaub selbst aufs Abstellgleis katapultiert hab, weil ich mich meinem Arbeitgeber und den Kolleginnen und Kollegen nicht zumuten wollte.
Jetzt, da die begleitende Psychotherapie so gut wie vorbei ist und ich mit meinem Behandler über Politik schnacken kann, fühle ich mich wieder fit für eine Erwerbstätigkeit.
Mein damaliger Arbeitsplatz existiert aufgrund von Umstrukturierungen nicht mehr.]

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