Angekommen beim ersten dicken fetten Meilenstein – soziale Angleichung abgeschlossen

Jemand schreibt mich übers dgti-Forum an, ich bekomme eine eMail, und erst dann fällt mir wieder ein, dass ich eigentlich trans bin und es mir eigentlich beschissen zu gehen hat.

Meine Antwort darauf, warum ich mich beim FTM-Portal auf „abwesend“ gesetzt habe und wo ich grade bin im Prozess:


Nein, im FTM-Portal ist nichts vorgefallen.

Es ist nur so, dass die Entwicklung in mir jetzt soweit vorangeschritten ist, dass ich transmüde bin und die soziale Angleichung als (fast) abgeschlossen betrachten möchte.

Ich habe inzwischen einen Alltag,[sic!]

in dem ich in der S-Bahn einpennen kann und mir zugerufen wird: „Junger Mann! Hier ist Endstation.“ Da muss ich mich dann erst wieder be-sinnen, bevor mir aufgeht, dass das so selbstverständlich gar nicht ist.

Beim Einkaufen an der Kasse reicht inzwischen auf die Frage „Ist das Ihre Karte?“ ein irritiertes „Wieso?! Was steht denn drauf?“, um das Mädel rot anlaufen zu lassen.

Was will man mehr? Solange ich mich in meine nicht-körperliche Welt (meine Gedanken, Studium, Forschung, Lesen, Internet, … ) zurückziehen kann, bin ich damit zufrieden.

Wenn ich dann konfrontiert werde mit dem Thema „Geschlecht“, dann zieht mich das runter. Wenn sogar jemand ganz aufgelöst und völlig durcheinander ist und unsicher über seine „Geschlechtsidentität“ und das alles – dann triggert mich das.

Meine Wahrheit habe ich gefunden und die will ich behalten.

Da gebe ich auch offen zu, dass ich Angst habe, durch Gedanken zur Dekonstruktierbarkeit der Binarität der Geschlechter und ähnliche Richtungen… mein Weltbild derart ins Wanken gerät, dass ich mich tatsächlich eines Tages einweisen lassen muss wegen „Störungen der Geschlechtsidentität“.

Deswegen nehme ich da etwas Abstand, zumal ich aufgrund des Studiums (bin mit vollem Eifer dabei in diesem Semester und leite zwei Projekte) mir die Zeit nicht nehmen mag.

Es gibt doch – jetzt endlich wieder – wichtigere Dinge als Transkrempel.

Wie ich bereits angedeutet hatte, habe ich mit den Leuten, die aus meiner Sicht nur trans sind (weil ich sie nicht darüber hinaus kennengelernt habe), jetzt kaum noch bis gar keinen Kontakt mehr.

Nein, die Zusage der KK liegt mir noch nicht vor. Mein Termin bei Schaff ist aber auch erst 2013; so gesehen hat die KK noch etwas Zeit. Die Titten stören mich – erstmal – nicht weiter.

Vom Leben abhalten lasse ich mich nicht und sie sind doch ein gutes Argument, keinen Sport machen zu müssen.

Viel mehr fuckt mich ab, dass ich nicht arbeiten darf bzw. unter diesen Umständen nicht will: Siehe hierzu meinen Blog-Eintrag zu meinen Problemen mit der Sozialversicherungsnummer.

Aber da werde ich jetzt, da mich Deine Nachricht an dieses Thema erinnert, auch tatsächlich anrufen. Danke dafür.

LG Hotte

PS: Und Dir?

_________________

Ich bestehe auf meinem Recht auf Imperfektheit.


Kim Schicklang hatte im FTM-Portal mal dazu aufgerufen, Menschenrechtsverletzungen bei ATME e.V. zu melden. Das habe ich eben genau da getan.

Damit ist das Thema für mich – erstmal – erledigt.

Die Operationen werde ich ohnehin vornehmen lassen, also wird der Richter früher oder später mein Geschlecht – dann auch aus seiner Sicht – anerkennen müssen.

Dann lege ich den Beschluss zur PÄ bei der Versicherung vor und so lange arbeite ich halt nicht. *shrugs

Wenn die (die Politiker | der Staat | die Gesellschaft | die Steuerzahler | die Arbeitnehmer | meine Nachbarn) das so haben möchten?!

Bitte, gern geschehen!


Antidepressiva ausschleichen war erfolgreich. :D

Habe mich nur aufregen müssen, weil mich der Termin beim Psych überhaupt erst wieder an diesen Transkack und die ganzen Menschenrechtsverletzungen und all die überflüssigen prozessinhärenten* Demütigungen erinnert hat.

*Aufforderung zum Prozessmusterwechsel – again and again and again – irgendwann muss es klappen!

Also nochmal: Wir haben bereits eine SteuerID, die die Menschen lebenslang identifiziert. Da ist eine Sozialversicherungsnummer die ein (in meinem Fall auch noch falsches) Geschlecht ausweist, völlig antiquiert, obsolet, veraltet, überholt, altbacken, unangebracht und peinlich für den deutschen Rechtsstaat.

Nachtrag:

Mir gings derbe shice, als sich abzeichnete, was für einen Prozess ich durchlaufen muss und mir nicht einfach geholfen wird vom Onkel Doktor so wie das zB bei einem gebrochenen Arm der Fall wäre.

Im WS09/10 ging gar nichts mehr. Das war so etwa anderthalb Jahre nachdem ich mein Inting und kurz darauf das Outing hatte.

Und immer wieder fragten die Leute, was denn – wie es mein Lieblingsonkel so schön benannte – mein Projekt der Horstwerdung macht; wie der aktuelle Sachstand ist.

Und jedesmal, wenn mich das jemand fragte, musste ich feststellen, wie viele Knüppel mir zwischen die Beine geworfen worden waren und wie wenig ich vorangekommen war. Das frustrierte mich zusätzlich.

Damit will ich nicht sagen, dass man nicht fragen soll. Damit will ich herausstellen, wie kontraproduktiv es ist, dass dieser Prozess so schleppend und bürokratisch daherkommt – was Kim Schicklang so schön benennt  als Auswirkung der Psychopathologisierung.

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