Genitalabdruck

Am Freitag habe ich es nicht mehr ausgehalten und bei meinem Endo angerufen. Immerhin wartete ich bereits seit einem Monat auf ein simples Rezept mit begleitendem Attest.
Zu dem Zeitpunkt lag es bereits seit einer Woche im Fach und war noch nicht vom Arzt unterschrieben. Noch am Freitag, spätestens am Montag sollte es in die Post.
Montag sah ich in den Briefkasten: Nichts. Diestag: Nichts. Mittwoch hatte ich es schon wieder vergessen, weil andere Dinge wichtiger waren. Abends leerte ich den Kasten und fand tatsächlich einen Dreizeiler nebst Rezept. Da ein solches binnen vier Wochen eingelöst werden muss, ist das Timing natürlich denkbar ungünstig so kurz vor Weihnachten. Vor allem, wenn nur noch drei Wochen Laufzeit übrig sind.
Also verfiel ich urplötzlich in Hektik und vereinbarte gleich für Donnerstag vormittag einen Termin mit der Epithetikerin.

Ich bewaffnete mich mit beiden Aktenordnern, die sämtliche Unterlagen in Sachen trans* enthalten, rechtlich und medizinisch relevante Dokumente.
Sie braucht für die Beantragung der Kostenübernahme bei meiner Krankenkasse nur deren Kostenzusage für den Aufbau, den ich nun ja – wegen bei der Mastek aufgetretener Komplikationen – doch nicht mehr haben will.
Morgens in der Eile habe ich mich nicht weiträumig und gründlich genug rasiert. Links und rechts am Rand der Bikinizone musste sie alle Haare mit der Nagelschere einzeln abschneiden und auch in der Mitte hatte ich noch etwas übersehen. Beim nächsten Mal werde ich auch etwas Meer Creme auftragen.
Die Haltung auf der Vorderkante des Stuhls hockend war recht anstrengend, weil ich mich nicht bewegen durfte. Insgesamt war das Prozedere aber doch sehr viel angenehmer als gedacht. Das Aufstreichen des Silikons war sehr gewöhnungsbedürftig. Richtig prima fand ich es, als alles verschlossen war. Irgendwie gepanzert fühlte es sich an.
Den Harnröhrenausgang hätte ich nicht selbst suchen müssen, den konnte sie mit der Taschenlampe erkennen.

Als nächstes wird ein Abdruck von meinem Ehemann genommen, weil ich sozusagen eine Kopie von ihm kriege, die allerdings auf meine Genitalbehinderung angepasst wird.
Damit ich eine STP-Funktion bekomme, müssen die Hoden zB anders gelagert sein und können nicht so hängen wie beim Original. Ich bezweifle ohnehin, dass sich das mit Silikon so 1:1 nachbauen lassen würde.

Auf mich kommen dann später Pinkelproben zu. Vorher werde ich zu Hause üben, mit meiner Pinkelhilfe (Pee Off) im Stehen zu pinkeln, während jemand anders (mein Ehemann) im Raum sein wird.
Die Epithetikerin muss nämlich ggf. zusehen können, falls es irgendwo danebenläuft, damit sie sieht wo.
Da habe ich enorme Hemmungen und muss unbedingt dran arbeiten, dass ich dann auch in ihrem Beisein laufen lassen kann.

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