Es regt mich immer noch auf

Es regt mich immer noch auf, von der Zusage der Krankenkasse abhängig zu sein und mich dadurch fremdbestimmt zu fühlen.

Am Freitag bekam ich einen Anruf auf dem Handy.
Weil ich gerade auf dem Klo saß, ließ ich es klingeln.
Natürlich war ich neugierig, wer es denn gewesen ist und rief einfach zurück, obwohl ich die Nummer nicht kannte und landete bei der Hotline meiner Krankenkasse.
Obschon ich wusste, dass es wahrscheinlich um den laufenden Antrag ging, stellte ich mich dumm und fragte, worum es denn ginge. Als Antwort erhielt ich nur, dass der zuständige Kollege gerade nicht erreichbar sei.
Soweit so gut, warten habe ich ja inzwischen gelernt.
Dachte ich.

Bis am Sonntag – und bei mir ist der Sonntag Ruhetag – das Telefon klingelte.
Meine Epithetikerin teilte mir mit, dass sie (am Samstag) ein Schreiben meiner Krankenkasse erhalten habe, mit dem man sich für ihr Angebot bedankte und das sich grob danach anhörte, als wenn meine Kasse keine große Lust hätte, sie zu bezahlen. Auf ihre telefonische Nachfrage hat man ihr wohl allgemein gehaltene Aussagen über das Prozedere an sich, das ja auch für andere ihrer Klienten interessant sein dürfte, gemacht, von meinen konkreten Fall betreffenden Aussagen jedoch Abstand genommen.
Vollkommen richtig, da ich sie ja auch nicht bevollmächtigt habe, mich meiner Krankenkasse gegenüber zu vertreten und eine Schweigepflichtsentbindung habe ich auch nicht erteilt.

Nun war ich aber wuschig genug, doch tatsächlich noch am Sonntag bei meiner Krankenkasse anzurufen.
Eigentlich wollte ich nur das Band abhören, zu welchen Zeiten mein Sachbearbeiter erreichbar ist, aber stattdessen wurde ich auf eine kostenlose Hotline verwiesen, die jederzeit erreichbar sei.
Dort habe ich dann nicht nur die Sprechzeiten der Fachabteilung erfahren, sondern auch, dass ein Schreiben mit einer Ablehnung an mich unterwegs sei.
Sie sagte nur, da steht die „Kosten können nicht übernommen werden“ und erläutern kann das die Fachabteilung und deren Sprechzeiten habe ich notiert.
Der MDK habe festgestellt „medizinische Voraussetzungen liegen nicht vor“, aber sie wies mich auch gleich darauf hin, dass ich Widerspruch einlegen kann.
Angemessen aufgebracht mailte ich diese Fakten an meine Epithetikerin so nüchtern als möglich und in der Hoffnung, dass dieses Thema nun erstmal vom Tisch sei.

Noch am selben Tag erhielt ich eine Mail zurück und am Montag dann den darin angekündigten Anruf.
Sie kennt einen Anwalt in München, der auf Hilfsmittel spezialisiert ist und dessen Namen ich mir notiert habe und sie fragte mich, ob ich eine Rechtsschutzversicherung habe.
Eine solche Versicherung habe ich nicht und wenn, dann muss man die drei Monate vorher abschließen, bevor man sie braucht. Aber wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, kann man sich immer noch an den VdK wenden.
Da bin ich noch nicht beigetreten, weil die mir erst dann helfen können, wenn ich die schriftliche Ablehnung vorliegen habe. Die haben ihre Experten im Haus und würden einen Spezialisten aus München nicht bezahlen. Nun bin ich mir nicht im Klaren, ob die denn zu einer Kooperation bereit wären, wenn ich der Ansicht wäre, ein Spezialist sei notwendig. Ich meine, eine adäquate allgemeine Rechtsberatung kann ich auch hier vor Ort bekommen.

Grundsätzlich bin ich bereit, bis nach Europa zu klagen.
Nicht, weil ich einen Pimmel zum Ankleben so dringend brauche, sondern weil ich finde, dass eine diesbezügliche grundsätzliche Entscheidung gefällt werden sollte.
Unverschämt finde ich auch, dass – wie mir zugetragen wurde – teilweise Ablehnungen damit begründet werden, dass man diese Genital-Klebeepithese ja nicht für seine Erwerbstätigkeit brauche, sondern nur für die Freizeit.
Meiner Ansicht nach stehen mir Hilfsmittel zur Teilhabe am Leben genauso zu wie anderen Behinderten (zugegeben, mein GdB ist „nur“ 30; im engeren Sinne bin ich nicht schwerbehindert) und ob sich der Nachteilsausgleich nun während meiner Arbeitszeit oder meiner Freizeit auswirkt, sollte keine Rolle spielen.
Da mir der Streitwert nicht bekannt ist, kann ich leider nicht abschätzen, ob ich mir eine gerichtliche Auseinandersetzung überhaupt leisten kann.

Bisher ist dieses Schreiben aber noch nicht in meinen Briefkasten gelangt und falls das morgen immer noch nicht der Fall ist, werde ich doch tatsächlich selbst mit meinem Kundenberater bei der Krankenkasse sprechen müssen.

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