Hellhörigkeit und Stimmenhören

Hellhörigkeit und Stimmenhören

Feiertag. Die lieben Nachbarn. Die meisten sind mehr daheim als sonst und es wird laut im Haus. Kennt ihr das?

Ich hör den beim Kacken. Dann hört der mich bestimmt auch beim Kacken.

vertraute mir neulich meine Nachbarin an. Da sie dies im Treppenhaus tat, ist es sicherlich kein Geheimnis…

Das Haus, in dem wir leben, ist 1955 gebaut. Nicht ich bin hellhörig, sondern das Haus. (Wichtiger Unterschied!)

Meine Liste ist länger:

  • Gespräche im Treppenhaus, Trampeln, Kindergeschrei
  • Der Lütte nebenan heult, gerne auch im Treppenhaus (das ist lauter, aber da habe ich Verständnis und Ohropax)
  • Waschmaschine schleudert, offenbar mit Vorliebe am Sonntag
  • Oben haben sie Besuch: Gespräche, Gelächter, Stühlerücken, Schritte
  • Die unten hat Besuch: Wilde, hitzige Debatten – es geht hoch her mit mindestens einem halben Dutzend Menschen auf diesem engen Raum
  • Die oben klopft ihr Schnitzel
  • Unten wird telefoniert, manchmal so laut, dass ich es verstehen könnte, wenn ich denn die Sprache beherrschen würde
  • Irgendein Fernseher läuft
  • Irgendein Telefon klingelt
  • Irgendwo wird Wasser gezogen, Badewasser abgelassen, die Klospülung gedrückt: Die Leitung rauscht
  • undefinierbares Klopfen, Rumpel,, Bummern, Geräusche fallender Gegenstände

Letztes Jahr hatte ich zum Jahreswechsel eine Krise und als mir der Kragen geplatzt ist, habe ich – was mich für den Moment sehr entlastet hat, einen Brief an meine Nachbarn ins Treppenhaus gehängt. Leider fand dieser nach ein paar Tagen keine spürbare weitere Beachtung mehr.

Nun geht es wieder rund, also nochmals: Ruhe! Bitte! (Okay, jetzt nach den Feiertagen vllt. etwas spät, aber die nächsten Feiertage kommen bestimmt.)

Ich werde noch verrückt, wenn das hier so weitergeht.^^

Ist euch das auch schonmal passiert? Ihr seid alleine im Haus oder in der Wohnung und hört irgendein Knacken oder Knarzen, das ihr nicht zuordnen könnt? Keiner da, den man fragen kann: „Sagmal, hast Du das gerade auch gehört oder bilde ich mir das ein?“

Viel schlimmer ist es aber, wenn man Dinge hört, die nicht von außen kommen, sondern aus dem Inneren heraus. Wer unter Tinnitus leidet, kennt die Qualen, solchen Geräuschen ausgeliefert zu sein. Da hilft es nichts, mal eben einen Spaziergang zu machen.

Beides zusammengenommen bildet in etwa die Situation, in der sich Menschen befinden, die Stimmen hören, die als akustische Halluzination zu den Symptomen einer Psychose gehören. Du hörst Stimmen, die niemand sonst außer Dir hört und Du musst verzweifelt feststellen, dass Du nicht davor weglaufen kannst und auch Ohropax nicht helfen.

Am nächsten Donnerstag erzähle ich euch von einigen Situationen, in denen ich selbst akustische Halluzinationen hatte.

Leider dauert es eine ganze Weile, bis man auf den Trichter kommt. Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre, in denen man verzweifelte Versuche unternimmt, für Ruhe zu sorgen, bis man das erkennt: Der Arzt hat recht, ich bin krank. Da wirkt man mitunter ziemlich verrückt auf andere, weil das Umfeld eine andere Wahrnehmung hat.

Für mich ist diese Geräuschkulisse hier im Grunde ein Geschenk gegenüber der in der vorherigen Wohnung, die in einem Haus aus dem Baujahr 1942 war, welches mittlerweile abgerissen wurde. Da waren zwar innerhalb des Hauses die Wände dicker und man hörte die Nachbarn gedämpfter – aber draußen war fast rund um die Uhr ein nahezu ununterbrochener Klangteppich durch Kindergeschrei.

Außer Kondomen habe ich nichts gegen Kinder, aber es ist einfach schrecklich, wenn man sich diesem Lärm nicht entziehen kann, ohne die Wohnung verlassen zu müssen oder dazu gezwungen ist, sich permanent selbst zu beschallen, um die Geräusche von außen zu übertönen.

Bei der Büroarbeit ist es ja wichtig, dass man sich gut konzentrieren kann. So merkt man gar nicht, wie man die ganze Zeit gestresst wird durch den Lärm. Denn Stress bedeutet ja nichts weiter, als dass das Gehirn (zu viele) Reize verarbeiten muss. Um mich auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren, muss ich alle anderen, nichtrelevanten Reize, ausfiltern. Das strengt an.

Was also kann man tun, um sich bei Hyperakusis zu helfen oder um sich gegen sehr laute Geräusche wie zB Baustellenlärm zu schützen?

Oft reicht es, bei Geräuschempfindlichkeit einfach Musik, die den Klangteppich übertönt, laufen zu lassen.Natürlich ist auch oder Weißes Rauschen, das auch bei Tinnitus zum Einsatz kommt, für die Überlagerung der Hintergrundgeräusche geeignet. Ohropax gegen nächtlichen Lärm kennt wahrscheinlich jeder.

Für unterwegs – Man weiß ja nie, wann in der S-Bahn oder im Zug oder im Bus ein Baby schreit. Das ist man wirklich bannig laut. – habe ich die oben abgebildeten  Ohrstöpsel, wie man sie hier oder hier kaufen kann, immer an meinem Schlüsselbund dabei. Auf die Dinger gebracht hat mich ein Akustiker, ein Freund und großes Vorbild: Alexander.

Sie sind eigentlich für Musikliebhaber (Disco, Konzerte) als Gehörschutz gedacht und bieten daher den Vorteil, dass man sich bei einem Gespräch in einem überfüllten Restaurant besser auf die Stimme des Gegenübers konzentrieren kann.

Ohropax dagegen dämpfen alle Geräusche gleichermaßen, als wenn man einfach nur die Lautstärke leiser dreht.

Ich wünsche euch eine ruhige Woche!

 

Eine Antwort

  1. Pingback: Neue Reihe: Briefe | Lysander

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