Neue Reihe: Genesung

Eigentlich kann ich es kaum heraustrennen, was nicht mit Genesung zu tun hat. Im Zweifel gehört alles in diese Kategorie, aber da ich ja bewusst auch Themenblöcke geplant habe, sollen an dieser Stelle Themen zur Sprache kommen, die einen deutlichen Bezug zum Thema Genesung haben.

Zum Beispiel Gespräche mit der Ergotherapeutin oder Selbsthilfestrategien, allem voran ist es aber sicherlich die EX-IN-Ausbildung, die mit dem Begriff Genesung steht und fällt, da man nach diesem Lehrgang ausgebildeter Genesungsbegleiter ist.

Was also ist Genesung?

Genesung bedeutet für mich, mit der Krankheit leben zu lernen.

Ich musste mich und mein Leben nach der ersten Psychose neu ordnen. Dazu gehörte auch, meine Vorurteile umzugruppieren und meine Wertvorstellungen zu überdenken. Ich musste mich sozusagen noch einmal neu erfinden.

Heilung wäre geschehen, wenn eine Krankheit mitsamt ihrer Symptome verschwindet, so wie es bei einer Erkältung der Fall ist. Ein Wiederherstellen des ursprünglichen Zustandes sozusagen. Als wäre nichts passiert – danach habe ich mich sehr lange gesehnt, aber dieser Wunsch hat an den Fakten nichts geändert.

Nicht alle Krankheiten gehen spurlos an einem vorüber. Aber es gibt immer einen Weg zurück in einen Alltag, in dem man am (gesellschaftlichen) Leben teilhat. Ganz gleich, ob dies eine Erwerbstätigkeit beinhaltet oder nicht. Letzteres wäre dann schon wieder das Thema Rehabilitation. Wege zurück in den Arbeitsmarkt gibt es viele, aber für mich war es wichtiger, zuerst einen Weg zu(rück zu) mir zu finden.

Der englische Begriff Recovery, der auf deutsch übersetzt in etwa Wiedergesundung lauten müsste, trägt dem Umstand, aus einem Genesungsprozess verändert hervorzugehen, Rechnung. Damit bin ich also nicht zwangsläufig weniger gesund als andere, die diese Erfahrungen nicht gesammelt haben. Doch ich bin an ihnen gewachsen.

Wie Gesundheit entsteht oder erhalten werden kann, darüber gibt der Begriff der Salutogenese Aufschluss. Gesundheit ist nicht das Fehlen von Krankheit, sondern andersherum wird ein Schuh daraus: Krankheit ist das Fehlen von Gesundheit.

Letztlich bleibt noch der Begriff der Behinderung zu nennen, der für mich ausdrückt, dass etwas zurückgeblieben ist. Von einer Erkrankung kann man sich erholen, von einer Behinderung nicht. Eine Behinderung stellt also eine dauerhafte Beeinträchtigung dar, der Rechnung getragen werden muss. Deshalb gibt es besondere Rechte für behinderte Menschen, die die entsprechenden mit der Behinderung einhergehenden Nachteile ausgleichen sollen.

Mein Antrag auf Rente wegen voller Erwerbsminderung, den ich im April letzten Jahres gestellt habe, befindet sich noch im Widerspruchsverfahren.

Nachdem ich mich nun fast vier Jahre mit diesen und ähnlichen Themenbereichen und meiner abermaligen Selbstfindung befasst habe, halte ich mich für ausreichend gereift und genesen, um andere auf ihrem Lebens- und Genesungsweg zu begleiten.

Meine Bewerbung für die diesjährige EX-IN-Ausbildung habe ich inzwischen abgeschickt und freue mich schon sehr auf meine Teilnahme – hoffentlich freue ich mich nicht zu früh.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: