Dialog mit dem inneren Kind

Jeder Mensch hat verschiedene Persönlichkeitsanteile in sich.

Es kann einem gesunden Menschen nicht schaden, sich  vorbeugend mit den eigenen teils widersprüchlichen Impulsen auseinanderzusetzen und sozusagen einen inneren Konsens zu finden. Dadurch macht man sich nicht verrückt – eher ist das Gegenteil der Fall.

Mit etwas Glück entsteht als Abfallprodukt etwas, das sich als literarisches Werk eignet. Auf jeden Fall lässt es sich dazu ausbauen. Viele Schriftsteller „reden“ durch das Schreiben von Geschichten ganz intuitiv mit ihren Figuren, ohne sich dessen bewusst zu sein, welche eigenen inneren Anteile diese repräsentieren.

Ein Gespräch mit meinem inneren Kind ist dringend überfällig, die Göre will nämlich seit Tagen schon nicht in die Heia, wenn ich das will.

Lysander: Liebes Kind, ich liebe Dich und werde immer für Dich da sein.
Kind: Ja, Papa, das sagst Du immer. 
Lysander: Es ist mir eben sehr wichtig, dass Du das weisst.
Kind: Naja, so inflationär häufig, wie Du das machst, da entwertet der Satz sich 
doch von selbst. So wie dieses ewige "Bitte" und "Danke", das ich immer sagen soll.
Lysander: Liebes, was hast Du denn auf dem Herzen?
Kind: Nichts. [verschränkt die Arme]

An dieser Stelle brach der Dialog ab und verschwand wieder auf der Ebene des Unterbewusstseins. Ich habe diesen dann auch nicht wieder hervorholen wollen, um irgendetwas zu erzwingen.

Es soll hier nur als Beispiel dienen, wie eine Form der Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Konflikten aussehen kann. Genau dieses Auseinandersetzung war es, zu der ich zu dem Zeitpunkt, als ich den Dialog begann, noch nicht voll bereit war.

Eine mögliche Interpretation: Das Kind in mir hat sich durch das Verschränken der Arme ganz deutlich abgegrenzt, um sich/mich zu schützen. Diese Grenze möchte ich respektieren als der liebevolle Vater, der auch (ohne eigene Kinder aus Fleisch und Blut zu haben) ein Teil von mir ist.

Wir alle müssen als Erwachsene die eigenen guten Eltern sein, die wir verdient hätten bzw. haben – für unser inneres Kind und für uns selbst. Damit ist nicht gesagt, die Eltern der Herkunftsfamilie seien schlecht gewesen! Sie hatten nie diese Perspektive und den Erfahrungsschatz, den wir heute haben.

Tatsächlich habe ich in der Situation des Nicht-Schlafen-Wollens bzw. Nicht-Schlafen-Könnens im März Gewalt in Form einer Schlaftablette angewendet.

Ich war mit meinem Latein am Ende, hatte alle Register meiner Selbsthilfesammlung gezogen und hatte eine Frist mit mir vereinbart, innerhalb der ich ohne Chemie von der Hypomanie runterkommen wollte. Dies ist mir leider nicht gelungen. Dafür habe ich eigenverantwortlich gehandelt und von meiner Bedarfsmedikation Gebrauch gemacht.

Im Ergebnis bin ich jetzt wieder ausgeglichener und funktioniere in meinem Alltag. Der Konflikt ist jedoch nicht gelöst und schwelt wieder unter der Oberfläche.

Zwei Bücher habe ich zur Hand, die sich mit der Aussöhnung mit dem inneren Kind befassen. Eines davon ist ein Arbeitsbuch.

  1. Interessanter Ansatz… über das innere Kind habe ich eigentlich nie nachgedacht. Aber ist glaube ich eine gute Möglichkeit, sich mit der inneren Zerrissenheit auseinanderzusetzen die man so oft fühlt. Man weiß ja eigentlich was man tun sollte, aber irgendwie findet man immer wieder Ausflüchte um genau das Gegenteil zu machen.

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  2. Mir hat Dein beispielhafter Dialog sehr gut gefallen!
    Eine Erweiterung davon (inneres Kind) ist das innere Team – auch ein empfehlenswertes Thema. Buchtipp: Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden, Band 3.
    Es kann enorm hilfreich und sinnvoll sein, die Persönlichkeitsanteile zu bestimmen, die sich zu Wort melden. Ich fand übrigens auch die anderen Bände sehr erhellend.

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    • Friedemann Schulz von Thun, Miteinander Reden, Band 1 und 2 habe ich zu meiner Schulzeit, im Pädagogik-LK durchgearbeitet.
      Band 3 hatte ich eine ganze Weile hier zu Hause liegen, habe aber nur ab und an mal reingesehen und wollte mich damit noch nicht in der Tiefe beschäftigen.
      Das innere Kind sehe ich bisher als ein Teil des inneren Teams an.

      Ich hatte vor, mich dem restlichen Team als nächstes zu stellen, das von Dir empfohlene Buch also nochmal auszuleihen, wenn ich mit dem Buch zum Kind durch bin.

      Vielen Dank also für Deine Empfehlung, die trifft genau ins Schwarze. :)

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