intro- oder extra? Nein, ambivertiert!

Ulrike Hensel, ich danke Ihnen!

Seit meinem Berufungscoaching, das ich 2012 hatte, versuchte ich für mich die Frage zu beantworten, ob ich introvertiert oder extravertiert sei. Ob ich mich eher alleine erholen kann und dazu Ruhe brauche oder ob ich meine Kraft aus dem Kontakt mit Menschen schöpfe. Vier Jahre lang habe ich mich da nicht wirklich entscheiden können, weil ich irgendwie beides brauche: Rückzugsphasen und (vorzugsweise sehr intensiven) Kontakt zu meinen Mitmenschen.

Zur Zeit lese ich das Buch „Hochsensible Menschen im Coaching“ von Ulrike Hensel. (Ich lese einige parallel, auch Belletristik, aber dieses Buch hat momentan allen anderen den Rang abgelaufen, weil ich die anderen erstmal angelesen auf ein nicht näher definiertes „später“ vertagt habe.)

Und darin lese ich jetzt, dass ich genau so wie ich bin, richtig bin. Dass es das auch gibt und dass meine Selbsteinschätzung, beides träfe auf mich zu, stimmt. Ich zitiere von Seite 63, wie Ulrike Hensel ambivertierte Menschen beschreibt:

Ambivertierte Menschen …

  • sind mal mehr und mal weniger gesellig.
  • sind mal mehr und mal weniger kontaktfreudig.
  • haben weder besonders viele noch besonders wenige soziale Kontakte.
  • haben keine Schwierigkeit damit, Kontakte zu knüpfen, brauchen aber eine Weile, bis sie mit neuen Kontakten warm werden.
  • beziehen ihre Anregung sowohl aus dem Kontakt mit anderen Menschen als auch aus Beschäftigungen für sich allein.
  • brauchen Alleinzeit, sind aber auch nicht gerne allzu lange allein.
  • wünschen sich Aktivität und Abwechslung, aber nicht die ganze Zeit.
  • sind begeisterungsfähig, aber selten total überschwänglich.

Weiterhin stellt sie die These auf, dass hochsensible Extrovertierte alle ambivertiert sind und nicht in dem Maße extrovertiert wie Nicht-HSP (HSP= hochsensible Person).

Ich finde das sehr schlüssig, wenn man bedenkt, dass die Hochsensibilität mit sich bringt, dass man wegen der leichteren (Über)Erregbarkeit und tieferen Verarbeitung mehr Rückzugsphasen braucht als Nicht-HSP.

Das wirft nun aber wieder ein anderes Licht auf die Frage meiner Erkrankung bzw. müsste ich nun das Skalpell zwischen „krank“ und „gesund“ doch wieder woanders ansetzen. Hochsensibilität ist keine Krankheit, das ist mir ganz klar. Ich gehe davon aus, dass ich u.a. deshalb krank wurde, weil ich so lange meine Sensibilität unterdrückt und meine Bedürfnisse hintenangestellt habe.

Heute nachmittag war ich bei meiner Ärztin und sagte noch, dass meine Einschränkungen, die ich durch die Erkrankung habe, wohl über die hinausgehen, die andere HSP haben, und ich daher die vor einem Jahr beantragte Rente weiterhin für berechtigt halte.

Bisher habe ich in diesem Buch von Ulrike Hensel noch nichts über einen Zusammenhang zu Manien oder Psychosen gelesen – für mich ergibt der sich zwangsläufig über den Faktor Schlaf. Sobald ich das verstanden habe, wie das mit dem Cortisolspiegel zusammenwirkt, berichte ich darüber.

Ich hoffe nun sehr auf weitere sachdienliche Hinweise im Umgang mit mir selbst, die mir noch besser dabei helfen, ohne Medikamente psychisch stabil zu bleiben. Dabei hatte ich das Buch eigentlich gekauft, um etwas über meine (eventuelle künftige) Rolle als Coach zu lernen.

  1. „Ich gehe davon aus, dass ich u.a. deshalb krank wurde, weil ich so lange meine Sensibilität unterdrückt und meine Bedürfnisse hintenangestellt habe.“
    Das erinnert mich an meine Therapeutin, die einmal zu mir meinte: „Sie dürfen sich nicht für ihre eigenen Träume opfern“
    So war mein Berufsweg, den ich eingeschlagen habe, das wichtigste und ich habe alles dafür getan, ohne mich um mich zu kümmern. So lange, bis mein Körper und meine Psyche dem einen Riegel vorgeschoben haben. Also muss man lernen sich selbst zu verstehen und für sich selbst da zu sein.

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  2. Der Coach möchte gecoacht werden? bzw. sachdienliche Hinweise.
    Hier ein ganz heißer Tipp von mir: nicht die Entscheidung zwischen entweder-oder entspannt mich innerlich, sondern die Erkenntnis des Potentials von sowohl-als auch.
    Für mich Ying und Yang das genialste Symbol, das ich kenne – als Darstellung, wie die Polaritäten zusammenhängen. In Momenten seelischer Not hilft mir diese Sichtweise.

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