Neue Reihe: trans*

Eigentlich ist das hier die älteste Reihe in diesem Blog, da ich die Aufzeichnungen meines Transwegs von 2008 an, als ich mein Inting hatte, hierhin umgezogen habe.

Mit „Inting“ ist der Moment der Selbsterkenntnis gemeint, der zeitlich vor dem Outing liegt. Das Outing ist wie in anderen Kontexten der Moment, indem man Außenstehende in die inneren Prozesse einweiht; im engeren Sinne die Gelegenheit, bei der man sein Umfeld darum bittet, fortan den neuen Namen und die passenden Pronomen zu verwenden.

Zum Themeneinstieg:

Anfang Mai plane ich anlässlich der diesjährigen Transtagung in München, die ich besuchen werde, eine Aktionswoche hier im Blog. In dieser Zeit blogge ich live aus München und sammle hier meine Eindrücke, um evtl. später darauf zurückzukommen.

Auch wenn ich solche Begriffsdefinitionen immer unglaublich lästig finde, halte ich es doch auch für sinnvoll, spezifisches Vokabular, das längst in meinen ganz normalen Sprachschatz Eingang gefunden hat und von mir ganz selbstverständlich verwendet und als bekannt voraus gesetzt wird, einmal kurz zu erläutern:

  • transsexuell Klinischer Begriff der Diagnose F64.0, der den Umstand der Inkongruenz zwischen dem Zugehörigkeitsgefühl zu einem Geschlecht und den Geschlechtsmerkmalen des Körpers beschreiben und gegenüber Transvestitismus abgrenzen soll. Ein Transvestit behält seine ursprünglich zugeschriebene Geschlechtsrolle und wechselt nur zeitweise in eine andere, wohingegen die transsexuelle Person idR die bisher zugeschriebene Geschlechtsrolle gänzlich verlassen und künftig ausschließlich als einer anderen zugehörig wahrgenommen werden möchte.
  • transident Versuch, durch einen moderneren Begriff als „transsexuell“ das maßgebliche Thema, die Identität einer Person, auch begrifflich abzubilden, da die Sexualität zwar tangiert wird, es sich bei Transsexualität bzw. Transidentität aber nicht um eine sexuelle Spielart oder Orientierung – wie etwa Homosexualität – handelt.
  • Geschlechtsangleichung Sammelbegriff aller sozialer, rechtlicher und medizinischer Maßnahmen, die dazu dienen, damit eine Person als dem Geschlecht zugehörig erkannt werden kann, dem sie angehört. Ich beschreibe den Weg meiner geschlechtsangleichenden Maßnahmen als Transweg, oft wird auch der dem englischen entlehnte Begrif Transition verwendet, um den Zeitabschnitt der körperlichen Transformation zu benennen.
  • Geschlechtsumwandlung Beleidigender Begriff, der impliziert, man „wolle“ sein Geschlecht „wechseln“. Das einzige, das durch die Angleichung oder Anpassung des Körpers sowie der Papiere „umgewandelt“ wird, ist jedoch die Sicht von außen auf eine Person, der bisher das falsche Geschlecht zugeschrieben wurde.
  • Transmann Mann, dem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeschrieben wurde.
  • Transfrau Frau, der bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeschrieben wurde
  • Cisleute Menschen, die sich mit dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht treffend bezeichnet fühlen.
  • Transleute Menschen, die sich mit dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht nicht oder nicht ausreichend beschrieben fühlen.
  • nicht-binäre Personen Menschen, die sich nicht eindeutig männlich oder weiblich zuordnen können oder wollen.
  • intersexuelle Menschen Menschen, die mit uneindeutigem Genital geboren wurden oder bei denen sich im Verlauf der Pubertät hormonelle Besonderheiten zeigen, die eine geschlechtliche Uneindeutigkeit bewirken können.
  • Transgender Menschen, die nicht ganz in einer Geschlechtsrolle leben, sondern zumindest zeitweise damit spielen.
  • inter* Abkürzung zu „intersexuell“, was den Begriff durch das Sternchen noch weiter fassen soll, um auch diejenigen mitzumeinen, die sich in der engeren Auslegung nicht wiederfinden.
  • trans* Abkürzung zu „trans…“, was den Begriff durch das Sternchen noch weiter fassen soll, um auch diejenigen mitzumeinen, die sich in der engeren Auslegung nicht wiederfinden. (Auch ich bezeichne mich nicht mehr als „transsexuell“, da ich die Geschlechtsangleichung bereits hinter mir habe. Würde ich jetzt davon sprechen, würde man zu Recht annehmen, ich wolle künftig als Frau leben. Dem ist nicht so.)
  • cis* entsprechende Abkürzung zu „Cisleute“.

Falls mir noch etwas Wichtiges und Grundlegendes einfällt, ergänze ich die Liste.

Für den Anfang ist es wahrscheinlich so umfassend, dass es einen unbedarften Cismenschen bereits erschlägt.^^

Ich gehe davon aus, dass das ohnehin nur diejenigen interessiert, die selbst auch trans* sind oder direkte Angehörige haben, die trans* sind.

  1. hallo lysander! ich bin eben erst auf deinen blog aufmerksam gewurden und freue mich darüber. selbst seit 1,5 jahren mama eines transmannes, bin ich natürlich sehr daran interessiert, immer mehr über die transthematik zu erfahren, von welcher seite auch immer. werde mich gemütlich durch deine artikel lesen. deine aufgeführten begriffsdefinitionen finde ich gut gelungen. auch der umfang passt, wobei ich durch meinen sohn ja nun schon vorlauf habe :-).
    ich wünsche dir alles gute auf deinem weg.
    liebe grüße von christiane

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  2. Ich finde nicht, dass dieser Eintrag nur für Menschen interessant ist, die selbst oder deren Angehörige trans* sind – vielmehr denke ich, dass die Geschlechtsidentität ein Thema ist, das in unserer Gesellschaft noch viel mehr Beachtung finden muss! Ich habe bisher dreimal mit Menschen im Prozess der Geschlechtsangleichung zu tun gehabt, immer im Klinikkontext und nur für kurze Zeit. Was ich aber schon in diesem Rahmen an unreflektierten Reaktionen erlebt habe, hat mich doch sehr zum Nachdenken angeregt.

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  3. Ich bin auch cis* und habe mit Interesse Deine Erklärungen gelesen.
    In meinem Leben begegnete ich schon einmal einer Person, in diesem Falle einer Transfrau.
    Ach ja, als kleines Mädchen lag auf meiner Station einmal ein türkischer Junge, dem die Eier fehlten, stattdessen hatte er Eierstöcke. Ich war damals zu jung und zu befangen und unwissend, um IHN zu fragen, als was er sich empfindet. Vielleicht wollten die Eltern lieber einen Sohn haben… Ich glaube, er war 13 – und ich 11 Jahre alt. Da fehlte mir noch der Horizont für solche Betrachtungen.

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