Wenn die Seele Durchfall hat

Wenn mich viele Eindrücke auf einmal bestürmen, dann passiert es mir manchmal, dass das Fass so schnell voll ist, dass es bereits überläuft, während noch weitere Eindrücke auf mich einprasseln und ich mich der Situation noch nicht entzogen habe. Das ist quasi, als wenn das von mir Gehörte dann hier rein und  da raus geht: Ich plappere dann wie ein Wasserfall und lasse einfach nur noch alles durch mich durchfließen.

Wenn ich sämtliche Gedanken – auch ungewollt – laut ausspreche und gar nicht mehr schweigen kann, dann ist die Grenze zur Pathologie überschritten und ein solcher Sprechdurchfall heißt auf Fachchinesisch Logorrhoe.

Für jeden, der gelegentlich geistigen Dünnschiss verbreitet, habe ich daher vollstes Verständnis. Ich denke dann, der ist wohl gerade über-erregt und überfordert damit, sich selbst zu managen. Und sein Umfeld ist offensichtlich noch nicht oder nicht mehr in der Lage, ihn adäquat zu unterstützen.

Diese Über-Erregtheit kennen auch hochsensible Personen (HSP). Sie haben gelernt, sich rechtzeitig zurückzuziehen und sich auszugleichen, um der Überforderung durch die Reizüberflutung zu entgehen.

Vielleicht können die Psychotiker und Maniker von den HSP Techniken zur Selbstregulation erlernen.

Für mich sind das nur drei verschiedenen Schubladen, die alle Menschen beschreiben, die Schwierigkeiten mit ihrem Erregungslevel und ihrem Anspannungsgrad haben. Allen ist gemeinsam, dass sie Entspannung erstmal ganz bewusst kennenlernen und Techniken, um sich zu erden, aktiv erlernen müssen.

Ob ich nun von meiner schizo-affektiven Störung genesen bin oder ob ich gar nicht erst krank war und einfach nur hochsensibel bin, ist mir inzwischen einerlei. Für mich sind das zwei verschiedene Sichtweisen auf dasselbe Phänomen.

Das Konzept der Hochsensibilität fühlt sich für mich sehr viel angenehmer an als das des Ver-rückten, des Geisteskranken, des Irren. Ich fühle mich nicht wohl in der Patientenrolle.

Mir ist es gelungen, mit meinen Kräften so hauszuhalten, dass ich auf die Bremse trete, bevor ich die Grenze zur Pathologie überschreite und manisch werde. Ich möchte versuchen, mit diesem Blog zu vermitteln, wie ich dabei vorgehe.

Ein Anfang ist es, dem Mitteilungsdrang nachzugeben. Um niemanden persönlich zu belasten und um meine psychosoziale Unterstützung nicht überzubeanspruchen, schreibe ich und erlaube mir, hier im Blog laut herumzudenken.

Ich denke, wenn ich meine Luftschlösser ans Licht bringe, solange sie noch klein sind- und dies in gesellschaftlich akzeptierter Form der Literatur im weitesten Sinne -, dann türmen sie sich gar nicht erst zu Wahngebäuden auf.

Auch in allen anderen Bereichen glaube ich, dass es richtig ist, auf meine Intuition zu vertrauen. Es gab noch keinen Herzenswunsch, der nicht immer lauter und drängender wurde, solange ich ihn mir verwehrte.

Und ich möchte nicht nochmal warten, bis ich richtig schwer krank werde, um erst dann in mich hineinzuhorchen.

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