Geschichte der Transsexualität

per scientiam ad iustitiam

(lat: „per Wissenschaft zur Gerechtigkeit“, Lebensmotto von Magnus Hirschfeld und Inschrift auf seinem Grabstein)

Magnus Hirschfeld (1868-1935) ist als Arzt und Sexualforscher die erste Schlüsselfigur, wenn es um Geschlechter jenseits der Binarität geht und prägte 1910 den Begriff Transvestit für Personen, die Kleidung des „anderen“ Geschlechts tragen. Aufgrund des § 175 führte er den sogenannten Transvestitenschein ein – ein früher Vorläufer des noch heute gebräuchlichen dgti-Ausweises.

Nach Magnus Hirschfeld, der auch die Homosexuellenbewegung mitbegründete, ist unter anderem auch das mhc in Hamburg benannt – eben das magnus-hirschfeld-centrum. Sein Buch „Die Transvestiten“ und andere seiner Werke sind als Digitalisate kostenlos einzusehen in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

Harry Benjamin (1885-1986) war Endokrinologe und forschte zum Thema Transsexualität. Er war der erste, der Transsexuelle von Transvestiten abgrenzte und er führte die erste Hormonbehandlung durch. Von ihm stammt das Buch „Das transsexuelle Phänomen“. Er beschrieb erstmals Behandlungsrichtlinien für Transleute.

Erst 1979 gab es die ersten Standards of Care, die unter Mitwirkung Transsexueller entstanden. 1997 gab es erstmals auch in Deutschland Behandlungsrichtlinien. Aktuelle Richtlinien sind die SOC V7 2011 WPATH Standards.

Georges Burou (1910-1987) war Gynäkologe und der erste Chirurg, der regelmäßig genitalangleichende Operationen bei Transfrauen durchführte. Er hat somit die sogenannte Mann-zu-Frau-Vaginoplastik grundlegend beeinflusst.

John Money (1921-2006) ging in die Geschichte ein durch eine fehlgeschlagene geschlechtliche Zwangszuweisung und Sozialisierung: Traurige Berühmtheit erlangte der Fall David Reimer, der am 04. Mai 2004 mit 38 Jahren Suizid beging. Er war mit Penis und Hoden geboren, aber aufgrund einer misslungenen medizinisch indizierten Beschneidung hatte Money den Eltern des Jungen dazu geraten, ihr Kind einer feminisierenden Operation unterziehen zu lassen und ihn einfach als Mädchen aufzuziehen.

Ausführlicher Bericht (BBC). Dieser Fall beweist, dass Geschlecht nicht anerzogen werden kann.

Sigusch et. al beschreiben 1979 die Leitsymptome von Transsexualität und verwenden Begriffe wie „stark gestört“.

Auch im amerikanischen DSM V (2013) gilt Genderdysphoria als psychische Störung.

Im für Deutschland maßgeblichen ICD-10-GM ist die Diagnose F 64.0 Transsexualität gegenwärtig noch als Geschlechtsidentitätsstörung unter den Persönlichkeitsstörungen eingeordnet.

Der aktuelle ICD-11-Entwurf enthält dagegen ein neues Kapitel für „die Sexualität betreffenden Gesundheitszustände“ und wird voraussichtlich 2019 verbindlich. Damit scheint das Ende der Psychopathologisierung transsexueller bzw. transidenter Menschen in greifbarer Nähe.

Im Oktober 2015 formulierte der Weltärztebund ein Statement, nach dem trans* keine psychische Störung ist, aber dennoch Unterstützung benötigt wird. Statement on Transgender People, hierzu Artikel auf queer.de.

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