Was würdest Du arbeiten, wenn für Dein Einkommen gesorgt wäre?

Krankheit ist der einzige Weg aus der Arbeit.

(Mein Ehemann)

Und ich sage:

Nein. Man kann auch vorher Urlaub nehmen, bevor man krank wird. Man kann sich auch eine Auszeit nehmen und sich überlegen, ob man seine Zeit wirklich so verbringt, wie man das möchte. Mir hat meine Psychose und die Zeit der Therapien diese Erkenntnis aufgezwungen.

Mir hat sich dadurch die Möglichkeit geboten, zu tun und zu lassen, was ich will. Weil man mich für krank hält, weil man mir eine Behinderung anerkennt, weil man mich für arbeitsunfähig hält. Mittlerweile scheint egal zu sein, wie ich selbst mich wahrnehme und was meine Meinung dazu ist, da es inzwischen oft genug in meinen Akten steht.

Einer schreibt vom anderen ab und so wird es immer schwerer, jemanden zu finden, der die Traute hat, eine andere Meinung diesbezüglich zu haben. Mein Schicksal scheint besiegelt: Abstellgleis Erwerbsunfähigkeitsrente, Tagesstätte, auf Ewigkeit Hausmann oder allerhöchstens ein Minijob, da ich ja meine hart erwartete Rente nicht gefährden will.

Tatsächlich habe ich aber die volle Handlungsfreiheit, alles tun und lassen zu können, das ich will. Ich bin eben nicht mehr gezwungen, mich zu verdingen für mein Brot. Ich habe finanzielle Sicherheit durch das Gehalt meines Ehemannes und kann meine Zeit so gestalten, wie ich das für richtig halte.

Und es ist völlig okay, denn ich bin ja krank / behindert und kann nicht anders. Niemand macht mir einen Vorwurf, wenn ich mich aus der Tretmühle fernhalte. Alle haben Verständnis für meine Situation, denn ich habe es mir ja nicht ausgesucht…

Ich habe es geschafft: Endlich die Rente durch und mir das Recht erworben, mir jetzt endlich Zeit für mich zu nehmen. Zumindest moralisch betrachtet, denn formaljuristisch ist der Antrag noch nicht durch. Andere sind da mit Anfang zwanzig schon weiter.

Jetzt darf ich nach Herzenslust singen und tanzen, musizieren und malen, schreiben und lesen, den ganzen Tag im Netz surfen, reisen – ich bin weder örtlich noch zeitlich gebunden. Dazu kann ich sagen was ich will und tun was ich will, da man mich ja ohnehin für verrückt hält.Volle Narrenfreiheit.

Seid ihr neidisch, wollt ihr tauschen? Wollt ihr das wirklich tun, was ihr tagtäglich tut? Oder verkauft ihr nur eure Zeit und wartet bis zum Feierabend, bis zum Wochenende, bis zum nächsten Urlaub?

(Ich will das nicht tun: Den Patienten spielen. Ich greife aktiv gestaltend ein, um das zu verändern.)

Wenn Du das jetzt morgens im Büro liest, anstatt das zu tun, wofür Du bezahlt wirst, dann solltest Du Dich fragen, warum Du da sitzt und nicht woanders und was Du ändern kannst, um zufriedener zu sein. Du kannst sowohl innen als auch außen eine Änderung herbeiführen.

Ich finde, wir sollten nicht länger die Kranken besser behandeln als die Gesunden und lieber Gesundheit belohnen als Krankheit:

Bis zum 29. Mai kann noch abgestimmt werden: openPetition

Am 29. Mai werden in Berlin die Unterschriften derer, die für ein bedingungsloses Grundeinkommen votiert haben, dem deutschen Bundestag übergeben. Einladung, sich daran zu beteiligen (pdf-Datei).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: