Der Körper als Spiegel der Seele: Haut

Der Körper als Spiegel der Seele: Haut

In den letzten Wochen Monaten hatte ich Probleme mit der Haut an den Augenlidern:

Meine Haut juckte, war trocken, gerötet, schuppte und war aufgrund der Reizung sehr empfindlich. Bevor ich diesen Impuls des Reiben-wollens bewusst zu unterdrücken begann, habe ich häufig gerieben. Abends cremte ich mit Bepanthensalbe ein, um die Haut zu beruhigen.

Nun hatte ich mich gefragt, was da mit meiner Haut los ist. Ich fragte mich, was seelisch drei Wochen zuvor geschah. (Die Haut braucht rund 21 Tage, um zu reagieren.) Zu dieser Zeit war ich eine gute Woche hypoman gewesen.

Weiterhin interessierte mich, warum es ausgerechnet auf den Augen auftritt. Im Gesicht sieht es jeder, sobald ich die Augen schließe.

Die Augen sind die Fenster zur Seele. Wenn ich die Augen schließe, wird meine Dünnhäutigkeit offenbar. Ich schließe die Augen mehrmals am Tag unbewusst; bewusst, um in mich hineinzusehen oder zur Entspannung und damit Regeneration.

Nach Krankheit als Weg von Rüdiger Dahlke: Die Haut steht für

  1. Abgrenzung und Schutz
  2. Berührungs- und Kontaktorgan
  3. Ausdrucks- und Darstellungsorgan
  4. Sexualorgan
  5. Atmung
  6. Ausscheidung (Schweiß)
  7. Wärmeregulation

Er regt folgende Fragen an:

  1. Grenze ich mich zu sehr ab?
  2. Wie steht es um meine Kontaktfähigkeit?
  3. Steht hinter meiner ablehnenden Haltung der verdrängte Wunsch nach Nähe?
  4. Was ist es, das die Grenze durchbrechen will, um an die Sichtbarkeit zu kommen? (Sexualität, Trieb, Leidenschaft, Aggression, Begeisterung)
  5. Was juckt mich in Wirklichkeit?
  6. Habe ich mich in eine Isolation verbannt?

Meine Interpretation: Ich darf die Fenster zu meiner Seele ruhig weiter öffnen, als ich es bisher gewagt habe.

Ich verließ mich nun einfach auf die Eigenverantwortung meiner Leser und darauf, dass sie sich selbst vor mir und meinen Abgründen schützen können. Die Lesenden entscheiden selbst, ob sie sich von mir berühren lassen möchten oder nicht.

Ich für mich arbeite noch daran, das besser zu handhaben, wann ich selbst berührt werden möchte und wann nicht.

Meine Hoffnung ist, wenn ich mich umfassender verbal oder mittels meiner Kleidung ausdrücke, dass ich dann die Körperbühne dafür nicht mehr brauche. Ich habe kein Interesse an einer ausgewachsenen Neurodermitis oder dergleichen.

Tatsächlich konnte der Hautarzt meinen Verdacht auf Neurodermitis nicht ausräumen. Mein Endokrinologe hatte im Vorfeld bereits Eisen- und Zinkmangel ausgeschlossen. (Vitamin D sei niedrig, aber das erledigt sich, wenn die Sonne mehr rauskommt und hat mWn auch keine Auswirkung auf die Haut.) Meine Nahrungsergänzungsmittel habe ich dann wieder angesetzt, um deren Fehlen als Ursache auszuschließen.

Meine Hausärztin hatte ich bei der Vorsorgeuntersuchung Anfang April auf meine Augenlider hingewiesen, aber sie erklärte sich für nicht zuständig bzw. die Vorsorgeuntersuchung als nicht dafür konzipiert, solches zu untersuchen.

Mit meinen Händen habe ich gelegentlich das Problem, dass die Haut am Handrücken sehr trocken und gerötet bis rissig oder gar blutig ist. Dann creme ich ein, mit einer Pflegecreme oder Bepanthensalbe je nach Zustand.

Bei den Händen reichte einmaliges Eincremen, um dem Schlimmsten entgegenzuwirken. Sicherheitshalber habe ich mir für die Augen eine Zinksalbe zum täglichen Eincremen besorgt.

Bisher ist das immer während bzw. nach manischen Phasen aufgetreten. Wenn ich manisch bin, dann greife ich zu sehr nach dem Leben. Diese Interpretation scheint mir stimmig – so könnten auch die Hände mein Tun bremsen, wenn ich nicht anderweitig meine innere Unruhe bemerke.

Und die zu dünne Haut zeigt mir dann, dass ich mich vorübergehend etwas zurückziehen sollte, weil mich alles zu sehr berührt. In den Alltag sollte ich jedoch mehr Kontakt einbauen als ich bisher hatte und ihn aktiver gestalten – sonst brechen sich dieses Bedürfnis nach Kontakt und der Tatendrang wieder viel zu heftig Bahn.

Um auf der körperlichen Ebene nach Ursachen zu suchen: Ich leide nicht unter Waschzwang oder dergleichen. Allerdings greift natürlich auch das Chlorwasser beim Schwimmen die Haut an. Auf das Schwimmen zu verzichten brachte jedoch keine Besserung des Hautbilds.

 

Was kann also helfen?

 

Eine ungewöhnliche Maßnahme hat sich als sehr lindernd erwiesen: Nacktschneckenschleim.

Nacktschneckenschleim auf Augenlidern

alternative Heilmethode bei Hautirritationen

Da ich die Sache mit den Schnecken eher als schräges Experiment betrachtete und nicht wirklich als alltagstauglich ansah und eine einmalige Anwendung nicht zu langfristigem Erfolg führte, hielt ich weiter Ausschau nach einer geeigneten Salbe.

Ein Freund hatte mir eine Creme namens „Soriun“ empfohlen. Da die Apothekerin in Bonn das nicht zur Hand hatte, hat sie mir „Soventol“ verkauft. Das ist mir leider gar nicht gut bekommen. Ich bekam einen Fressanfall und einen überhöhten Blutzuckerspiegel, der sich mit Schweißausbrüchen und Übelkeit äußerte.

Nachforschungen haben ergeben: Diese Salbe enthält Kortison, was das Hormon ist, das der Körper aus Cortisol – dem Langzeitstresshormon – herstellt. Das bedeutet, auf der einen Seite treffe ich Maßnahmen, den Cortisolspiegel zu senken, um nicht durchzudrehen und dann führe ich mir das Folgeprodukt von außen wieder zu. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Finger davon gelassen. 

Zinksalbe hatte mir anfangs geholfen, als die Haut sehr wund war. Auf Dauer gab auch das keine Besserung.

Als ich in München war und nach dem Versagen der kortisonhaltigen Creme gar nichts zur Hand hatte, habe ich auf Eigenurintherapie zurückgegriffen und war sehr positiv überrascht. Ergänzend habe ich mir eine kleine Niveacreme gekauft, um nach dem Duschen etwas Feuchtigkeit zurückzugeben.

Harnstoffhaltige Produkte wurden auch vom Hautarzt empfohlen. Von einem Menschen, der an Schuppenflechte leidet, wurde mir Ureahaltige Creme aus dem Drogeriemarkt empfohlen. Das ist billiger als Produkte aus der Apotheke. Nun habe ich welche speziell für die Augen und eine für den Körper.

Mein Mann hat eine Variante für die Füße bekommen, weil er – wenn er mal wieder im Clinch mit dem Arbeitgeber ist – bisher immer von einem entsprechend verändertem Hautbild am Fuß darauf hingewiesen wurde, dass er gerade nicht so richtig vorankommt. Da hat ihm dann in der Vergangenheit immer geholfen, den Arbeitgeber zu wechseln.

Auch mir hat der Arzt bestätigt, dass Neurodermitis stressbedingt ist. Dazu hat er auch behauptet, es sei genetisch – aber das war ja vor einiger Zeit modern, dass alles genetisch sei. Das ist wohl so schnell nicht aus den wissenschaftsorientierten Köpfen rauszubekommen. In meiner Familie gibt es keinen einzigen Fall von Neurodermitis.

Natürlich haben wir alle das Potential, Hautkrankheiten zu entwickeln. Ich finde das auch einen wichtigen Schritt nach vorne in Richtung körperlicher Erkrankungen und weg von der F-Diagnose. Mit körperlichen Gebrechen ist man ja schließlich gesellschaftlich besser akzeptiert.

Die Haut ist so richtig schön sprechend: Man sieht mir an, dass ich Stress habe. Ich brauche es gar nicht mehr zu leugnen. Vielleicht war das der Grund: Die Notwendigkeit, den Austausch mit meiner Betreuung zu intensivieren.

Als ich neulich bei meiner Mutter im Rheinland war, war alles gut.

Augenlider heile

Trotzdem ich gerade eine Woche voller Tagungsstress hinter mir hatte.

Aber ich hatte eben nicht nur volles Programm, musste funktionieren und schlief nicht nach Lehrbuch, sondern ich hatte auch ein eigenes Zimmer im Hotel, das mir einen Rückzugsort bot, an dem ich mich erholen konnte.

Und ich hatte meine volle Eigenverantwortung, freie Hand zur Selbstregulation und konnte selbstbestimmt am Leben teilnehmen.

Eine Antwort

  1. Ruediger Dahlke lief mir kürzlich auch wieder über den Weg. Ich hatte vor 30 Jahren (!) das Buch „Krankheit als Weg“ gelesen, dass mich zur Reflixion brachte bezüglich meines Asthmas. Ich schrieb das Buch Thorwald Dethlefsen zu und stolperte erst kürzlich über den Co-Autoren Dahlke.
    Das Thema Kommunikation/Abgrenzung ist DAS Thema meines Lebens und ich habe noch nicht ausgelernt. Neurodermitis an den Augenlidern kenne ich, höchst unangenehm. Ein echter Hingucker, wie du ganz richtig bemerkst.

    Gefällt 1 Person

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