Mein Freund der Baum

Mein Freund der Baum

Samstag, 28.05.16

Als ich dieses Lied das erste Mal hörte, musste ich weinen. Das war so traurig, dieses Schicksal des Baums, dass es mich mit sich riss. Damals als Kind konnte ich noch ungehemmt weinen, wenn mir danach war. Ich hatte noch nicht gelernt, dass man als Erwachsener seine Gefühle zu verbergen hat.

[Video aus Datenschutzgründen entfernt.]

Heute kann ich nicht mehr vor Publikum weinen. Wenn ich alleine im Wald bin oder auf der Toilette eingeschlossen oder mich im Kino oder in der S-Bahn für einen Moment unbeobachtet fühle, dann kann ich Tränen zulassen. Dann kann ich auch richtig laut heulen und schreien und diesen Schmerz in mir anerkennen. Das ist sehr befreiend.

Als ich meine verstorbene Freundin Irmhild besuchte an dem Freitag Ende April, nachdem ich hier darüber berichtet hatte, war es dort sehr schön. Ich habe die Zeit der Trauer im Ruheforst sehr genossen. Weil keine Omis mit Gießkanne unterwegs waren, es nicht süß nach Leichen duftete und die Natur so unberührt war. Einfach so gar nicht Friedhof und Tod, sondern vielmehr das Leben um mich herum.

Damit es so ungestört bleibt und der Ort nicht etwa gehyped wird, sollte ich eines Tages berühmt sein – träumen darf ich ja – zeige ich den Baum nur aus Entfernung und sage nicht, um welchen Ruheforst es sich handelt. Sozusagen damit der Baum anonym bleibt. Auch (werdende) Promis haben ein Recht auf Privatsphäre.

Dennoch, weil ich mehr und mehr zur Rampensau werde:

Auch Männer weinen

Noch immer habe ich es nicht übers Herz gebracht, den Eintrag im Telefonbuch zu löschen. Sie wurde im November 2014 beigesetzt. Sie verlor den Kampf gegen den Krebs  eine Woche nachdem ich ihr – kurz vor seinem Geburtstag – geschrieben hatte, dass mein Vater es nicht geschafft hatte. Ob sie das überhaupt noch gelesen hat, weiß ich gar nicht.

Ich hatte sie irgendwie retten wollen und wies sie auf die Meditation von Rüdiger Dahlke hin. Krebs: Aktivierung der Selbstheilungskräfte

Meine Schwägerin hatte Krebs und die Ärzte hatten sie aufgegeben. Aber sie hat an sich geglaubt. Das ist es, was den Unterschied ausmacht. Glaube. Auch bekannt und in Studien dokumentiert in seiner Erscheinung als Placebo-Effekt.

Ich bin sehr froh, dass ich damals im Mai nochmal Kontakt mit Irmhild aufgenommen hatte wegen dieser bescheuerten Gefriertruhe. Davor hatte ich das letzte Mal von mir hören lassen, nachdem mein Onkel gestorben war.

Daher kann ich schon verstehen, wenn manchmal der Eindruck entsteht, ich würde mich nur melden, wenn ich was will. Aber gibt es denn überhaupt irgendeinen anderen Grund, etwas zu tun, abgesehen von dem, das man es in seinem Innersten einfach tun will?

Heute gehe ich wieder mit den Jungs von Startschuss wandern, rund um Bad Bevensen. Wir kommen bestimmt auch durch Wald. Davon habe ich sehr viel mehr als wenn ich mich in eine Kirche hocken würde. Ich komme in Kontakt mit Menschen, mir selbst und der Natur. Und Gott ist überall.

Euch wünsche ich einen schönen Sonntag.

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