Geld, Geld, Geld!

Das heutige Thema ist eine Antwort auf eine Leserfrage. Es ist zwar nicht so, dass es mir zur Zeit an Inspiration mangelt – ganz im Gegenteil, es ist in mir so viel los, dass sich alles gegenseitig verdrängt und blockiert und dazu könnte ich stundenlang über meine Beobachtung des Außen schreiben – aber ich antworte natürlich gerne nach dem Prinzip last in, first out in der Hoffnung, dass bald Ruhe da drinnen herrscht. Und ich fühle mich so herrlich produktiv, wenn ich einen Menschen glücklich machen kann, indem ich eine Frage beantworte. Also bitte hört nicht auf zu fragen!

 

Hallo mein Lieber,

Hallo mein Lieber, ich lasse Dich mal anonym und setze Dein Einverständnis voraus. ;)

 

Was denkst/fühlst Du zu dem Thema Geld und auch über das Thema Schuld(en)?

Uff!

Das Thema Geld ist die eine Sache und das Thema Schuld(en) sind gleich zwei Themen, zwischen denen Welten liegen. Ich denke Du spielst auf den Unterschied zwischen einer juristisch einforderbaren Geldschuld und einer moralischen Schuld an. Dazu muss ich Dir sagen, dass ich das Wort Schuld aus meinem Wortschatz gestrichen habe. Zur Verbesserung der Lesbarkeit habe ich es jetzt nur einmal gestrichen.

Eine Geldschuld ist immer eine Gegenleistung für eine Leistung. Da kaufe ich eine Ware, zum Beispiel einen Apfel, und gebe dem Verkäufer das Geld oder ich nehme eine Dienstleistung in Anspruch (Beispiel: Heute war ich beim Friseur.) und zahle dafür Geld.

Geld an sich ist ein Token. Das bedeutet, Geld ist dazu da, eingetauscht zu werden gegen etwas anderes. Wenn wir alle nur in Äpfeln zahlen würden, sähen wir bald alt aus, weil diese sich nur begrenzt halten. Und auch der Friseur kann nicht allen die Haare schneiden, weil er dann vielleicht beim glatzköpfigen Metzger leer ausgeht und wider Willen vegetarisch leben müsste. Ich glaube, das Prinzip ist deutlich geworden.

In der Volkswirtschaftslehre spricht nimmt man sozusagen die Vogelperspektive auf die Märkte ein und kann beobachten, dass zwischen den Unternehmen überall Waren und/oder Dienstleistungen hin und her fließen und überall da fließt auch Geld. Die VWLer beschäftigen sich mit der Frage, wie das Geld mithilfe von Steuern oder anderen Anreizen so umverteilt werden kann, dass es möglichst vielen in der Gesellschaft möglichst gut geht – und das bei all den unterschiedlichen Bedürfnissen.

Als BWLer oder Unternehmen hat man da einen kleineren Tellerrand ums Unternehmen herum, nur gelegentlich den Blick auf die Konkurrenz und befasst sich mit der Frage, wie man möglichst viel Geld für möglichst wenig Arbeit bekommen kann. Arbeit ist (in der Physik definiert als) Leistung pro Zeit.

Jeder, egal ob selbständig, angestellt oder nicht erwerbstätig, muss bei jeder Kaufentscheidung abwägen, was ihm oder ihr wichtiger ist. Möchte ich den Brief selber zu Tante Hilde bringen oder möchte ich eine Briefmarke kaufen, damit das jemand von der Post für mich übernimmt? Oder freut sich Tante Hilde vielleicht genauso über eine eMail von mir, die für mich deshalb „nichts kostet“, weil ich schon aus anderen Gründen für meinen Internetanschluss bezahle?

Schulden entstehen dann, wenn ich Geld ausgebe, dass ich jetzt noch nicht bekommen habe, aber fest damit gerechnet habe, dass ich es noch bekommen werde und irgendetwas kam dazwischen oder aber ich mache sie absichtlich, weil ich gleich einen Ratenkauf vereinbare. Heutzutage, wo alle Darlehen zinsfrei gewährt werden, und man auf dem Tagegeldkonto noch ein paar Cent bekommt, sollte man Ratenkäufe den Sofortkäufen vorziehen. Sobald das Parken von Geld auf Bankkonten gebührenpflichtig wird (Ansätze dazu gibt es bei Beträgen, von denen ich nicht betroffen bin), sollte man den Sofortkauf dem Ratenkauf gegenüber vorziehen – oder natürlich, falls das Darlehen wieder Zinsen kostet.

Als Arbeitgeberkind bin ich damit aufgewachsen, dass man schön blöd ist, wenn man keine Schulden hat. Denn als Unternehmen kann man sich dem Fiskus gegenüber als ärmer darstellen als man ist, weil man ja noch Schulden hat. Dadurch wird die Steuerschuld geringer. Eine komplexe Sache und nicht umsonst ist man verpflichtet, sich dafür einen Steuerberater einzukaufen.

Als Privatperson habe ich dann die Erfahrung gemacht, dass es wenig attraktiv ist, wenn man permanent verschuldet ist. Da wird einem auch schon einmal die Kreditkarte weggenommen, wenn man den Bogen überspannt. Deshalb habe ich inzwischen keine Schulden mehr, aber inzwischen wieder eine Kreditkarte mit bewusst geringem Limit.

Und das alles ohne private Insolvenz.

Was ist für Dich Wertigkeit?

Da musste ich erstmal googlen, weil mir der Begriff unbekannt vorkam. Die Wikipedia bietet mir nichts Passendes an, also orientiere ich mich mal am Wortstamm „Wert“.

Auch wenn ich, um das Thema nicht allzusehr ausufern zu lassen, mich gerne auf den Kontext „Geld“ beschränken würde, muss ich dringend dazusagen, dass mir nicht nur Geld etwas wert ist und ich auch (s.u.) andere Dinge als Geld investiere.

Es gibt Dinge oder Dienstleistungen, die werden objektiv als „höherwertig“ bezeichnet gegenüber anderen, vergleichbaren, die eine ähnliche Lösung versprechen, die aber eben „minderwertig“ zu sein scheint. Oft geht dies mit dem Preis einher.

Am Beispiel Kleidung kann man beobachten, dass es von gebrauchter Kleidung aus dem Second Hand-Laden oder aus Sammlungen für Bedürftige bis hin zu individuell angefertigter Maßkleidung mit extravagantem Design alles gibt.

Häufig muss ich für Kleidung aus dem Second Hand deutlich weniger zahlen als für Neuware und im Vergleich zur Neuware sieht manchmal die Jeans, die schon einmal getragen und nun ein weiteres mal verkauft wurde, nicht aus, als sei sie schonmal getragen. Das ist also ein Beispiel dafür, dass sich der Wert einer Sache nicht alleine am Preis messen lässt, den der Händler dafür haben will. Zumindest der individuelle Wert lässt sich eher an dem Preis messen, den ich bereit bin, dafür zu berappen.

Wenn ich schon weiß, dass mir die Hose in spätestens vier Monaten nicht mehr passen wird (weil ich gerade abnehme), dann bin ich nicht bereit, mehr als 20 Euro zu bezahlen. Das sagt aber nichts über den objektiven Wert einer Sache aus. Objektiv betrachtet gibt es Kriterien wie die Art der Verarbeitung, der verwendete Stoff, Haltbarkeit etc. die etwas über die Qualität eines Gegenstandes aussagen und damit den messbaren Anteil der Wertigkeit darstellen.

Dazu kommen gewisse imageabhängige Gesichtspunkte wie z.B. Umweltverträglichkeit oder die Frage, ob die Kleidung von ausgebeuteten Kindern gefertigt worden ist oder von fair behandelten glücklichen Näher_innen. Auch ich muss da gerade an die Mich von den glücklichen Kühen denken… zumindest die Milchbauern sind derzeit sehr unzufrieden – vielleicht sollten die sich häufiger selbst im Stall aufhalten, klassische Musik hören und sich dabei massieren lassen.

Also ich denke, „Wertigkeit“ meint all das, was ich gegeneinander abwäge, wenn ich mich für dieses anstatt für jenes Produkt entscheide. Aber das ist eher so aus dem Bauch raus geraten.

Ich hätte auch sagen können: Passe. Nächste Frage.^^

Wohin investierst Du?

Wohin hast Du früher investiert?

Ich investiere in meine Gesundheit. Das fällt mir als erstes ein. Früher habe ich eher in meine Karriere investiert. Heute versuche ich, irgendwie beides unter einen Hut zu kriegen. Ich will wieder eigenes Einkommen haben, ohne dabei (noch mehr als bis jetzt schon) vor die Hunde zu gehen.

Zum Beispiel hatte ich Mitte 2014 den Crosstrainer gekauft (viereckig Geld investiert) und dann ordentlich Zeit, Schweiß und Tränen in mein Projekt Gewichtsreduktion investiert. Das wird sicherlich auch nicht meinem Wiedereinstieg ins Arbeitsleben schaden, wenn ich Normalgewicht habe – ganz im Gegenteil. Aber wenn ich das dann behalten will, dann kostet es mich einfach Zeit, die ich von der möglichen Arbeitszeit abziehen muss.

Und da investiere ich dann jetzt lieber in meine Gesundheit und nehme mir die Zeit, die ich für mich für Bewegung brauche, als auf ein Stück meiner Lebensqualität und damit auch auf Gesundheit zu verzichten, damit ich noch mehr Zeit habe, in der ich arbeiten kann. Denn das Geld, das ich damit verdienen kann, wird mich nicht glücklich machen.

Als ich das noch nicht wusste, habe ich oft investiert in eine Zukunft hinein, die ich mir erträumt habe. Dieser Traum davon, wie es sein könnte wenn (ich nicht mehr arbeite, weil ich endlich reich bin etc.) hielt mich bei der Stange, so weiterzumachen wie bisher und immer weiter zu laufen im Hamsterrad.

Dabei habe ich den Moment verpasst, in dem ich mit meinem Einkommen ein Auskommen hatte und auch als mein Ehemann dann so viel verdiente, dass es für uns beide locker reichte, war es mir noch nicht genug – es ging für mich gar nicht, dass er nun mehr verdiente als ich. Ich fand, ich hätte mehr verdient. Tatsächlich fehlte mir einfach nur Anerkennung, die ich nicht anders als in monetärer Form anzunehmen gelernt hatte.

Wo „fehlt“ Geld?

Mir fehlt Geld im Augenblick gar nicht, genauso wie zu der Zeit, bevor ich das Elternhaus verlassen habe. Was es heißt, wirklich arm zu sein, habe ich nie wirklich gespürt.

Ich kenne nur die Maschinerie der Arbeitsagentur aus eigener leidvoller Erfahrung und nur deshalb, weil mir dies das geringere Übel erschien gegenüber der Option, noch einmal bei meinen Eltern anzuklopfen und dort um (finanzielle) Hilfe zu bitten.

Auch damals nach dem Raubüberfall habe ich lieber Hilfe vom Weissen Ring angenommen. Allerdings war die Situation auch so, dass mein Vater von mir das Geld für die Tür verlangt hat, die die Polizei eingetreten hatte, um mich zu befreien.

Und das hatte ich nicht; das war mir zu der Zeit auch gar nicht wichtig. Da wären wir wieder bei der Wertigkeit angekommen. Mir war es das wert, dass die Tür beschädigt wird, um zu überleben.

Allgemein denke ich nicht, dass Geld in einem Land, in dem jederzeit Geld gedruckt werden kann, wirklich fehlt. In einem Land, in dem mehr als die Hälfte der Menschen überernährt sind, verhungern nur diejenigen, die diese Wahl getroffen haben. Weil es ihnen als das kleinere Übel erscheint.
Zu der Zeit, als ich ALG2 erhielt, fehlte mir Geld. Aber auch nur deshalb, weil mir das wichtig war, von meinem Ausbildungsgehalt die Schulden meines damaligen Ehemannes, eines Polytoxikomanen (lies: Drogensüchtigen) abzuzahlen. Das hätte ich nicht tun müssen. Seine Schulden hatte er in die Ehe eingebracht; ich wäre nicht dazu verpflichtet gewesen.

Nachdem ich ihn vor die Tür gesetzt hatte und das Amt davon Wind bekommen hatte, hatte ich nur noch mein Azubigehalt. Das war bitter, weil ich anders als der Kochlehre nicht mehr in der Küche essen konnte und das höhere Gehalt dies nicht wirklich wett machte.

Zu der Zeit möchte ich wirklich sagen, dass mir Geld fehlte. Ich schrieb einen wütenden Brief an die Arbeitsagentur, ob ich denn – da ich weder Berufsausbildungsbeihilfe (Ausbildungsgehalt zu hoch) noch Wohngeld (2 EUR/qm zu teuer) erhielt – nun meine Ausbildung hinschmeißen solle oder wie die sich das gedacht hatten. Natürlich erhielt ich darauf keine Antwort und klopfte dann mit 24 eben doch nochmal bei meinen Eltern an und mir wurde die Miete erlassen. Hätte ich damals nicht geraucht und weniger Geld für Süßigkeiten ausgegeben, hätte ich das Geld für die Miete schon wieder drin gehabt.
Rückblickend denke ich, dass ich damals für mein Alter spät dran war mit der Ausbildung bzw. auch vergleichsweise überversichert war. Es schadet mir natürlich in der jetzigen Situation überhaupt nicht, da ich seit acht Jahren keine Versicherung mehr abschließen kann, weil ich an den Gesundheitsfragen scheitern würde.

Allgemein glaube ich, dass Geld überall da „fehlt“, wo die Beziehung zum Geld gestört ist. Wer es irgendwie für „schmutzig“ hält, Geld anzunehmen, wird das auch nicht tun. Es gibt so viele Leute, die sich lauthals darüber beklagen, wie arm sie doch sind und wenn man ihnen etwas anbietet, wollen sie es nicht haben. Da dachte ich lange Zeit, sie gefallen sich in der Opferrolle, aber ich glaube es hat tiefere Gründe.

Weiterführende Links

Eine sehr praktische und bodenständige Anleitung, die eigene Beziehung zum Geld zu verbessern gibt es hier: simplify: Beziehung zum Geld

Hier wird erklärt, warum Geld nicht glücklich macht und wie man lernen kann, mit wenig Geld glücklich zu sein: Macht Geld glücklich – Hochsensible Menschen

Hier gibt es – ebenfalls völlig gratis – eine Anleitung dafür, wie man seine eigene Beziehung zum Geld heilen kann: anjakirchneronline: Schwierige Beziehung zum Geld verbessern Dabei geht es so richtig in die Tiefe und es handelt sich auch um einen Erfahrungsbericht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: