Ungeklärt – ein Veränderungshemmnis

Mein Kommentar zu dem Beitrag von therapeutenseele:
Vielen Dank, so langsam kommt Licht ins Dunkel.:)

Darauf die Reaktion:
Danke! Kann zwar gerade nicht so genau einordnen, in welches Dunkel welches Licht gekommen ist, aber vielleicht fällt bei mir ja noch der Groschen😉

Nun werfe ich mal den Groschen, indem ich den Beitrag von therapeutenseele reblogge und hier nochmal ausführlich kommentiere.
Leider weiß ich nicht, ob dieser nun oben vor oder unten nach diesem optionalen Text erscheinen wird, aber ich werde es gleich herausfinden. :)

Du, sowas passiert immer dann, wenn ich mich zu kurz fasse. Das steht damit im Zusammenhang, dass die Leute immer nur die Gedanken lesen können, die ich aufschreibe. ;)

Dunkel ist für mich das Innere der Black Box „Rentenverfahren“ oder „System Gesundheitsversorgung“ oder „Psychologe“ und Dein Artikel ist ein kleines Lichtschein, der in dieses Dickicht fällt.

Auch ich kann den Menschen nur vor den Kopf gucken. Mich faszinieren die Innenwelten einzelner Menschen, aber große Schwierigkeiten habe ich damit, die Strukturen von Systemen wie zB dem der Rentenversicherung zu erfassen und meine Rolle darin zu erkennen. Wie muss/darf/kann/soll ich mich verhalten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?

Ich verstehe nicht, was da passiert, wenn ich einen Antrag abschicke und wie es dann dazu kommt, dass ich eine Ablehnung oder eine Zusage erhalte.

Aber ich habe jetzt verstanden, dass es mich nicht weiterbringt, unbedingt die Frage klären zu müssen, ob die Diagnose, die ich vor vier Jahren erhalten habe, denn so stimmt. Ich kann mich auch einfach aufgrund einer anderen Diagnose verrenten lassen. Der Versicherung ist das egal; ich habe heute nachgefragt.

Für die zählt nur das, was Ärzte irgendwo aufgeschrieben haben.
Und da die sich seit vier Jahren genauso uneinig sind wie ich mir selber, muss ich einfach auf ein anderes Pferd setzen.
Sobald meine Ärztin wieder erreichbar ist, werde ich die Notfallsprechstunde aufsuchen und mir einfach eine andere Diagnose geben lassen und mich krankschreiben lassen.

Damit hast Du mein Veränderungshemmnis jedenfalls erstmal beseitigt, weil ich mich seit vier Jahren gegen diese Diagnose sträube und immer versuche herauszufinden, wie verrückt oder krank ich denn nun wirklich sein soll und diese Diagnose loswerden will – dabei ist das die völlig falsche Frage.

Die Frage ist doch nicht, was da schiefgelaufen ist, weshalb ich heute in der Grütze hocke, sondern die Frage ist, wie ich mein Leben so gestalten kann, dass ich da wieder rauskomme.

Ich bin nämlich auch so einer, der mit dem dicken Ordner in die Sprechstunde kommt und deshalb habe ich mich sehr in Deiner Protagonistin wiedergesehen. Das Eingeständnis Deiner eigenen Überforderung angesichts dieser Lage ist für mich – da ich das übertrage auf meine eigene Lebenssituation – ein klarer Appell, den Finger aus dem Arsch zu ziehen und mir selbst zu helfen.

Dafür tausend Dank!
Gestern habe ich es jedenfalls schonmal geschafft, Hilfe vom Lohnsteuerhilfeverein anzunehmen und meine Steuererklärung an einen sogenannten Beratungsstellenleiter delegiert – etwas, das ich nie freiwillig aus der Hand gegeben hätte, wenn ich noch klar bei Sinnen wäre – Verzeihung, solange ich glaubte, ich müsste immer alles selber machen und alleine machen, damit es auch ja perfekt erledigt wird.

Wo andere zu sehr nach Hilfe im Außen suchen, habe ich große Schwierigkeiten, mich darauf einzulassen und Hilfe wirklich annehmen zu können.
Aber wenn ich das gar nicht muss, weil es nicht möglich ist, mir zu helfen, erleichtert mich das doch sehr!
In den letzten Wochen habe ich meine Krisenbegleiter_innen alle arg strapaziert, ich habe mehr als ein Dutzend Mails mit Hilfeersuchen abgeschickt, bis ich letztlich die Rückmeldung bekam, dass die sich nun ebenso überfordert fühlten wie ich. Das als Parallele zu dem von Dir beschriebenen Fall.

Fällt Dir die Einordnung meines Kurzkommentars nun leichter oder muss ich doch den ein oder anderen Ordner mitbringen? ;)

  1. Maschinen sind so herrlich einfach zu verstehen… Man tut etwas und beobachtet die Reaktion. :)
    Bei Menschen funktioniert das recht ähnlich, aber ich empfinde es als unhöflich, nicht wenigstens zu fragen, was passiert wenn, denn im Gegensatz zu den Maschinen müssten die das eigentlich beantworten können.
    Eine Maschine kann auf jeden Fall immer exakt vorhersagen, wie sie sich im Regelfall verhalten wird und andernfalls ist sie kaputt. Da gibt es keine Zweifel, keine Ambivalenz und keinen Ermessensspielraum. Einfach nur Nullen und Einsen.
    Nun bin ich aber keine Maschine, kein Android und einfach nur ein unvollkommenes Wesen, das auch im Regelzustand Fehler machen darf. Eigentlich doch toll, oder?

    Dennoch, weil es so schön passt (jedenfalls meiner gegenwärtigen Ordnungsvorstellung nach):

    Zahlen lügen nicht

    Wie mag ich diese Zahlen 
    auf meinem Blatt Papier!
    Sie bringen mich zum Strahlen, 
    warum erzähl ich dir:

    Die drei plus vier macht sieben
    und vier mal zwei gibt acht.
    So könnt ich mich verlieben,
    rechnend in der Nacht.

    Ich brauche nur zu schauen,
    genau in ihr Gesicht.
    Den Ziffern kann ich trauen,
    Menschen aber nicht!

    Die Menschen kann man zählen,
    sieht vor die Köpfe nur.
    wenn ich müsste wählen,
    nähm ich Zahlen pur.

    Ob trübe oder heiter,
    da ist keine Qual.
    Weiss ich nicht mehr weiter,
    dann frage ich die Zahl.

    Am Ende eines Jahres,
    oft stimmen Zahlen nicht.
    Doch sage ich was Wahres:
    Zahlen lügen nicht!

    © Fremde Angst Juli 2006

    PS:
    Wenn ich nicht Mathe abgewählt hätte, hätte ich kein Abitur erlangt und im Kopfrechnen bin ich überaus schwach. Zu meinen Stärken zählt der mathematische Bereich sicherlich nicht.

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  2. Danke für das Rebloggen – das muss ich bei Gelegenheit auch mal ausprobieren :) Und danke für die ausführliche Erklärung deiner Gedanken beim Lesen meines Beitrags, das finde ich sehr hilfreich. Immer wieder erstaunt es mich, wie manche Gedanken, die man öffentlich teilt, von anderen noch einmal ganz neu rezipiert werden. Was mir auch wieder vor Augen führt, wie unterschiedlich doch unsere Wahrnehmungen sind… In meinem Beitrag hatte ich meinen Fokus darauf gerichtet, dass in Situationen wie der beschriebenen keine wirkliche therapeutische Arbeit stattfinden kann – zum einen, weil die psychiatrische Diagnose ja eine Rolle im Rentenverfahren spielt und zum anderen, weil sich positive Veränderungen auf dem Nährboden einer so schwierigen Situation nur selten beobachten lassen. Du richtest nun deinen Blick auf die Konsequenzen des von mir Beschriebenen – und die hatte ich bisher noch nicht ausreichend im Blick. Tausend Dank also für die Erweiterung meines Blickwinkels! :) Es stimmt: In einer solchen Situation kann ein hilflos und ohnmächtig gewordener Behandler bzw. Helfer weder seiner ureigentlichen Arbeit richtig nachgehen, noch kann er dem betroffenen Anderen eine Hilfestellung für dessen vorrangiges Problem – hier Klärung der Rentensituation – geben. Außer vielleicht: Tatsächlich genau dies zu spiegeln und auf dieser Grundlage zu schauen, was man nun denn gemeinsam oder alleinsam daraus machen kann. Hm.

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