Rentnersocken und Gangart

Rentnersocken und Gangart

10 Juli 2016

Schreitest Du schon oder knallst Du noch die Hacken auf? Venenschwäche, Ballen- und Hackengang stehen offenbar in einem Zusammenhang. Zumindest, wenn man Dr. med. Peter Greb glauben möchte, der ein Buch über Ballen- sowie Hackengang geschrieben und den Begriff GODO geprägt hat.

Einen Auszug möchte ich zitieren:

Da die Muskelpumpen beim GODO doppelt und differenzierter aktiviert werden, kann sich venöses Blut nicht so leicht in den Beinen stauen wie beim Hackengang. Der Hackengänger leidet immer an den Folgen einer nur einfachen Muskelpumpe pro Schritt, die beim „Ich will“ aktiviert wird. Ein „Ich will“ benutzt die extrinsische Muskulatur. Eine zweite Pumpaktion entsteht nur beim Ballengang aus dem Auftreten mit dem Vorfuß und dem folgenden intrinsischen Absenken beim Zur-Ruhe-Kommen. Beim Hackengang wird diese zweite Muskelpumpaktion durch die direkte Landung auf der Ferse nie erzeugt. Hackengehend unterdrücken wir also in jedem Schritt die eine der beiden Muskelpumpaktionen und schwächen damit den venösen Teil unseres Kreislaufes. […]

Seiner Ansicht nach hat die Gangart noch weitere Folgen, die über Venenschwäche, Rückenschmerzen und andere Haltungsschäden hinausgehen. Mir reichte aber alleine dieser Abschnitt, um es mal ganz bewusst mit einer neuen Gangart auszuprobieren. Letzte Woche habe ich mir, obwohl ich dieses Buch schon zur Hand gehabt habe, dennoch spezielle Abrollschuhe (MBT-Schuhe) für knapp 250,- EUR im Sanitätshaus gekauft, um dann festzustellen, dass ich mir auch mit diesen neuartigen Schuhen eine neuartige Gangart angewöhnen muss – nämlich der Hackgang auf die Spitze getrieben.

Hintergrund  ist die Tatsache, dass die Messung meiner Venenleitgeschwindigkeit nach einem Jahr trotz Gewichtsreduktion von 30 Kilo zwischen den beiden Messpunkten und trotz nahezu täglich einer Stunde Sport und trotz dem fast ausnahmslosen Tragen der verordneten Kompressionsstrümpfe (ich nenne sie liebevoll meine Rentnersocken, siehe Beitragsbild), die ich täglich mit der Hand wasche, eine deutliche Verschlechterung ergeben hat, so dass ich zur weiterführenden Diagnostik in eine Klinik überwiesen wurde und mir sogar schon eine OP angedroht wurde. Wenn das mal keine Motivation ist, etwas im Leben zu verändern, dann weiß ich es auch nicht.

Noch spekuliere ich zwar auf einen Messfehler, will die Zeit aber auch nicht ungenutzt verstreichen lassen. Zudem gefällt mir der Gedanke, dass zweimal Muskelpumpe pro Schritt vielleicht auch mehr Kalorien verbrennt.

Im ersten Schreck hatte ich geglaubt, die Strümpfe hätten die Verschlechterung verursacht, weil sie den Venen die Arbeit erleichtern und diese daher nachlassen.

Nun habe ich also vorschriftsmäßig mithilfe der Anleitung im Buch den richtigen Stand eingenommen und ein Gefühl für das richtige Abrollen erarbeitet. Es kam mir recht bekannt vor von der Körperarbeit beim Tanzen. Und als ich dann sehr bewusst im Ballengang ging, fühlte ich mich tatsächlich wie im Buch angekündigt exponiert.

Ich schämte mich aber nicht, sondern stolzierte mannequingleich wie über einen Laufsteg daher und kam mir vor wie eine Königin oder wie eine Afrikanerin mit einem Krug auf dem Kopf – das ist das ganz andere Gefühl der Aufrichtung und des Balance-Haltens. Durch die Öffnung des Beckens und Schultergürtels fühlte ich mich zudem sexy und weil ich mich von den anderen Gehenden durch mein Schreiten abhob auch verrucht.

Während ich mit den MBT-Schuhen im Vergleich dazu ständig unter Anspannung stehen muss und selbst Stehen keine Entlastung mehr bietet, weil der Gleichgewichtssinn in jedem Augenblick enorm gefordert ist und ein ganz anderer Muskeltonus herrscht, komme ich mit dem Absenken der Ferse beim Ballengang tatsächlich mit jedem Schritt zur Ruhe. Dieser Ausgleich fehlte mir bislang.

Die teuren Schuhe aus dem Sanitätshaus sollen ebenso auch bei Arthrose Linderung versprechen wie der ganz natürliche und kostenfreie Ballengang, in den ich barfuß schon ganz automatisch falle, ohne je darüber nachgedacht zu haben. Das in Schuhen ebenso zu tun, ist anstrengend und erfordert reichlich Konzentration.

Dr. Greb geht sogar soweit, davon zu berichten, dass es manchen Menschen in akuten psychotischen Schüben geholfen habe, sich an GOGO zu erinnern und ein paar Schritte im Ballengang zu gehen. Ich werde es zu gegebener Zeit ausprobieren, jedoch nicht zu Forschungszwecken eine Psychose provozieren.

Die Schuhe behalte ich für gelegentliches Power-Walking durch die Stadt.

Am 20. Juli ist der Termin zur weiterführenden Diagnostik. Ich bin gespannt, aber inzwischen nicht mehr angsterfüllt. Ich habe gelernt, dass die Meinung eines Arztes auch nur eine Meinung ist.

Künftig werde ich Ärzte im Gespräch als Nachschlagewerkzeuge nutzen so wie eine Suchmaschine im Internet. Das ist für mich ein sehr viel weniger bedrohliches Szenario als das eines allmächtigen erzürnten Halbgottes, der nur darauf lauert, dass ich ihm Anlass zu Einweisung oder direkter Folter durch peinliche Befragung oder unangemessene „Behandlung“ biete.

12. Juli 2016

Inzwischen habe ich mich ganz gut eingelaufen. Ich muss nicht mehr bei jedem Schritt bewusst darauf achten, wie ich den Fuß abrolle und verkrampfe auch nicht. Mein rechtes Knie macht mir etwas Sorgen, weil ein Nerv sehr gereizt ist und ich nicht genau sagen kann wovon.

Eines kann ich jedoch sagen: Gestern bin ich drei Stunden im Siebengebirge auf Turnschuhen mit sehr dünner Sohle gelaufen bzw. im Ballengang gegangen und danach nach ausgiebiger Pause nochmal drei Stunden durch die Rheinaue und meine Füße taten danach nicht weh. Zugegeben: Die Nacht durchtanzen würde ich danach dennoch nicht mehr wollen.

Die Belastung war an der Fußsohle deutlich zu spüren, vor allem unter den Ballen, aber ich hatte nicht wie sonst nach dem Wandern in festen Wanderschuhen üblich die schmerzende Ferse und auch nicht dieses steife Gefühl im Mittelfuß. Die Knie waren abends etwas schwergängig, aber nicht angeschwollen.

Als wir im März den Heidschnuckenweg von Norden bis Bispingen gewandert sind (dazu gebloggt: Wanderndes Walross), hatte ich jeden Tag von den Knöcheln übers Schienbein bis in die Knie hochkriechende Schmerzen und spätestens nach vier Stunden war es so unschön, dass ich froh war, wenn ich endlich sitzen konnte und durch den Rest quälte ich mich durch. Gestern war ich von nachmittags um drei bis nach Mitternacht unterwegs und habe es rundum genossen. Und die rund 20kg Übergewicht habe ich (leider) nach wie vor.

Mittlerweile trage ich am liebsten, insoweit es draußen trocken ist, die original leguano, die ich bisher nur für den Crosstrainer genutzt hatte. Beim Laufen darauf waren mir immer die Zehen eingeschlafen, was ich schon vom Laufen am Rhein trotz teuerster Laufschuhe kannte. Abhilfe hatte eine Änderung meiner Abrolltechnik gebracht. Seit ich das Gewicht beim Laufen auf dem Crosstrainer weniger ausschließlich auf dem Vorfuß habe und auch die Ferse absenke, habe ich weder schmerzende Ballen noch kribbelnde Zehen. Die Fußbekleidung erleichtert das Abrollen auf diese Weise, aber die Bewegung des Abrollens an sich gibt den Ausschlag.

13. Juli 2016

Erster Power-Walk mit den MBT-Schuhen aus der Schweiz. Nach einer halben Stunde bin ich umgekehrt, weil die Zehen kribbelten. Nach einer Dreiviertelstunde hatte ich Schmerzen im kleinen Zeh links. Dazu kommt, dass ich in diesen Schuhen eine seltsame Haltung einnehmen muss und unwillkürlich den Rücken im Lendenwirbelbereich krümme.

Meine Venen dagegen sehen echt top aus! Auf dem Oberschenkel habe ich nämlich zwei unschöne Stellen (Besenreiser/Krampfadern), die mir seit einiger Zeit Sorgen machen, weil sie so blau aussehen. Die scheinen jetzt endlich mal richtig durchblutet worden zu sein, so rot habe ich sie noch nie erwischt.

Später beim Einkaufen zeigt sich deutlich wieder schmerzhaft der gereizte Nerv, der schon die Tage in Mitleidenschaft gezogen wurde. Offenbar kann man nicht alles haben und muss irgendwie Prioritäten setzen. Vielleicht kann ich an meiner Haltung auf diesem Schuhwerk noch etwas feilen…

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