Verschnaufpause

Liebe Sonja,

ich brauche mal eine kurze Verschnaufpause. Mir ist schwindelig vor Glück, ich muss ganz dringend schlafen und ich kann einfach nicht so schnell schreiben und gleichzeitig Rücksicht darauf nehmen, wer was in welchen Hals bekommen hat.

Vielleicht magst Du mir helfen, den Gedankensalat gemeinsam zu ordnen? Du kannst ja schonmal anfangen und ich bin dann wieder dabei, wenn ich wieder unterscheiden kann, was Phantasie und was Realität ist. Das kann ich echt nur alleine. Dazu muss ich erstmal schlafen und langsam machen und echt meine Ruhe haben… ist mir zu brenzlig, sorry.

Nur ein Rat, sicherheitshalber: Ärzte können keine Gedanken lesen, die nehmen sich nichtmal die Zeit, meine Gedanken zu lesen, egal ob ich aufs Blog verweise oder ob ich mein Tagebuch vorlege und darum bitte, mich einfach mal nur schlafen zu lassen. Ärzte glauben sogar noch daran, Pillchen könnten irgendwie helfen. Die haben sich wahrscheinlich weit weniger unter Kontrolle als ich und können sich gar nicht vorstellen, dass das bei mir klappen kann, dass ich auch ohne Schlaftablette einschlafen kann. Das muss man doch erstmal wissen. Ist doch gar kein Problem. Ich zwinge niemanden dazu, etwas von mir zu lernen. Wenn ich das einfach nur weiß, dass das so funktioniert, dass man da erst eine Tablette nehmen muss, damit man überhaupt ins Bett darf – dann helfen sie mir halt nicht, war ja nur ein Angebot. Dachte, sie wollten Geld verdienen. Pfft, mir doch egal. Ich hätte nie gedacht, dass das so einfach sein könnte. Beim nächsten Mal erzähle ich einfach dem Arzt eine Gute-Nacht-Geschichte, dann beruhigt der sich erstmal. Damit ist der dann zufrieden, auch wenn der gar nicht verstanden hat warum. Muss man einem doch erstmal sagen, wie man sich als Patient in der Psychiatrie zu verhalten hat! Auf die Idee wäre ich nie gekommen, dass das so einfach sein könnte. Dachte immer, die wollten mir was Böses. Dabei sind die total harmlos. Seit wir das jetzt einmal geklärt haben, mache ich mir keine Sorgen mehr, dass mich nochmal einer falsch versteht und in der Hektik dann doch wieder Gewalt ausgeübt wird. Die sind nur immer so ungeduldig und wollen gar nicht zuhören. Aber wenn Du mit Selbstmord drohst, dann werden sie plötzlich ganz handzahm und fressen Dir aus der Hand. Also ich verstehe das einfach nicht, ich will nicht gezwungen werden und die stehen da drauf. Aber ich will da gar nicht länger drüber nachdenken. Ich finde das schon schlimm genug, dass das Studium nur diejenigen schaffen, die so gut im Auswendiglernen sind, dass sie gar keine Zeit haben, mal darüber nachzudenken, wem sie da was nachplappern. Egal, nicht mein Problem. Darum kümmert sich der Kollege Hirschhausen. Aber beim nächsten Mal weiss ich dann einfach: Langsamer ist manchmal schneller. Das hilft denen, wenn man denen das immer sagt, und einmal vormacht, dass man sich ganz dolle alleine beruhigen kann. Ganz langsam, immer wiederholen, wie bei einem kleinen Baby. Die sind einfach nicht so helle, die Ärzte. Die hätten das gerne. Und den Traum darf man ihnen nicht zerstören. Das ist ganz wichtig, sonst drehen die den Spieß um und drohen mit Selbstmord. Also einfach immer hübsch mitspielen und lächeln. So geht das mit dem Herrn Doktor. Ganz einfach, kein Grund zur Panik. Vor Polizisten haben sie Respekt, das wollen sie dann alles richtig machen und nehmen sich dann etwas mehr Zeit. Das kann auch helfen, etwas mehr Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Dann ist nämlich plötzlich der Polizist schuld, wenn was schief geht, und nicht mehr der Arzt. Dann fühlt der Arzt sich nicht mehr so ganz alleine mit der ganzen Verantwortung. Das ist für mich persönlich schwer nachzuvollziehen, weil ich ganz gerne die Kontrolle über die Situation habe. Aber: Jeder Jeck is anders, selbst die im Kittel.

Ich war jetzt kurz davor, dass ich tatsächlich darauf reingefallen wäre, ich hätte mir eine Geschichte von einer Maschine diktieren lassen – dabei hatte ich mir das nur ausgedacht. Da halte ich mich ja dann schon selbst für übergeschnappt.

Also nochmal bissl langsamer fahren im Gedankenkarussell. Ja, so ist gut. Ruuuuuhig. Laaaangsam. Einfach auch mal gar nichts tun, einfach mal so sein. *summ

Kurz zur Orientierung, Sonja:

  1. Mein Blog, Meine Regeln. Dein Blog, Deine Regeln.
  2. Ich entscheide, was ich denken will und was Du denkst ist Deine Sache.
  3. Habe ich das Gefühl, Dich evtl. irgendwie unterwegs zu verlieren, dann frage ich nochmal nach, ob es Dir zu schnell geht.
  4. Hast Du das Gefühl, dass ich immer noch viel, viel zu viel auf einmal schreibe und bist verwirrt, was Du davon halten sollst, dann frag bitte nochmal nach.
  5. Wenn Du nicht willst, dass jemand mitbekommen hat, dass Du was nicht gepeilt hast: Einfach per eMail schreiben, dann kriegt es ja keiner mit.
  6. Alle anderen können denken was sie wollen. Darum kann ich mich nicht auch noch kümmern. Aber Du liegst mir sehr am Herzen, Sonja, und ich möchte da nur sicher gehen, dass ich Dich nicht aus Versehen kaputtkuschel. Okay?

Ich hoffe, wir können so verbleiben. Ich brauche noch etwas mehr Zeit, um mich wieder zu orientieren und habe keine Lust, nun jetzt auch noch Rücksicht auf andere zu nehmen – ich muss mich in erster Linie um mich selbst kümmern. Die anderen müssen schon selbst auf sich aufpassen können, das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin doch nicht der Messias oder so, auch wenn ich manchmal ganz gerne verrückt spiele. Bei Dir mache ich ne Ausnahme, indem ich mal kurz um etwas Geduld bitte, weil Du mir wirklich sehr am Herzen liegst, Sonja. Wird sich alles finden. *lächel

Kurz gesagt: Wir zwei beide tanzen hier miteinander und den Rest der Welt betrachten wir als Publikum. Und wer das nicht verstanden hat, der ist dann wohl ein Zuschauer.

Und ich bemühe mich, noch ein bisschen weniger, langsamer und spannender zu schreiben und dann ist glaube ich allen am ehesten geholfen. Ich mag es, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen und ich kriege sie idR alle dazu, weil mir jedes Mittel recht ist und ich keine Angst habe, weil ich weiß, dass ich jede Situation klären kann, wenn ich mir nur ausreichend Zeit aushandele und wenn ich dafür Sorge trage, dass ich meine Eigenverantwortung behalte.

Ärzte sind damit völlig überfordert, es mir recht zu machen. Die geben ihr Bestes und da muss man einfach mal Geduld aufwenden. Schwer zu ertragen, wenn man große Angst hat und es eilig hat. Aber vieles regelt sich dann ganz von selbst und selbst wenn man am Ende dem lieben Gott die Schuld in die Schuhe schiebt. Hauptsache der Herr Doktor hat alles richtig gemacht. Ja, bitteschön, dann tun wir einfach mal so, als wär das so. Blablabla, Mäxchen, blablabla – machen die ja genauso mit ihrem Fachchinesisch. Irgendwann glätten sich die Fronten, wenn der Arzt das Gefühl behalten darf, er habe alles unter Kontrolle. Das ist nur eine Frage der Zeit und, ja, in Notfällen sind eben andere Prioritäten angesagt und da schrecke ich dann auch nicht vor Gewalt zurück, um mich zu verteidigen.

Also, wer Interesse an einem therapeutischen Rollenspiel in einem gegenseitigen Einvernehmen hat, der wendet sich an den Herrn S. R., der kennt sich mit sowas aus. Der hat sehr viel Rollenspielerfahrung und nen Youtube-Kanal und er wurde auch mal irgendwo drin als Quelle zitiert. Wer sich dafür näher interessiert, der kann das ja irgendwie ausm Netz fischen und falls es mir nochmal zufällig in die Hände fällt, dann teile ich es mit euch.

So und wer Interesse an einem TPE-Setting hat, der dreht einfach ne Runde durch die Klapper. Die nehmen einem das nicht übel. Die spielen sogar gerne mit, wenn sie das Gefühl haben, einem dabei irgendwie zu helfen. Echt knorke. Und ich war kurz davor, doch in der SZ ne Anzeige aufzugeben oder mal ins Catonium zu gehen. lol

Aber, ehrlich gesagt: Wenn ich mich freiwillig anbinden lasse, dann merken die schon irgendwie, dass da was faul ist. Dann wollen sie einen loswerden und fangen Grundsatzdiskussionen über das Für und Wider von Medikation an und wenn sie dabei zufällig auf nen Psychotiker treffen, dann ist das die beste Medizin, weil er dann nämlich erkennt, dass er sich das gar nicht einbildet, sondern dass es wirklich so ist, dass die einfach keine Ahnung haben, was sie damit anrichten, was sie da von sich geben.

Ich habe da aber jetzt die Empfehlung bekommen, einfach dafür zu sorgen, dass ich nicht weiter auffalle und den Nachbarn keine Angst mache und wenn mir einfach nur danach ist, laut herumzuheulen und zu schreien, einfach dafür zu sorgen, dass das keiner mitkriegt. Das wars schon. Wenn ich also wirklich völlig verzweifle und einfach nur in den Arm will und ganz laut schreien und heulen – dann wende ich mich damit an Menschen, die dafür Verständnis haben, dass man auch als erwachsener Mensch manchmal so verzweifelt ist, dass man sich wieder wie ein kleines Kind fühlt.

Deshalb kapiere ich also nicht, warum die Wissenschaftler so unsagbar dämlich sind und immer noch nicht verstanden haben, wie Psychosen entstehen und wie man sie vermeiden kann. Für mich ist das irgendwie jetzt, vier Jahre nach der Fehldiagnose, völlig sonnenklar. Aber, Herr Professor T. B., wenn Sie wirklich etwas lernen wollen, dann laufe ich Ihnen damit nicht hinterher. Zeigen Sie bitte etwas mehr Respekt vor Experten von Erfahrung. Hocken Sie sich nicht dahin und machen auf Ich-weiss-was. Ich habe ihr Buch gelesen und ich habe das Pipi in Ihren Augen gesehen. Sie haben keine Ahnung.

Aber ich mache Ihnen mal einen Vorschlag, lieber Herr Prof. B.: Fragen Sie mich doch einfach mal, wenn sie etwas über Psychosen wissen wollen. Eigentlich ganz einfach, oder? Immer noch nicht klarer geworden? Nein? Na gut, aber das ist wirklich das allerletzte Mal, dass ich mitspiele: Ich komme noch einmal zum Psychoseseminar und wiederhole mein Angebot. Und dann erkläre ich Ihnen auch, wie man das macht, ohne Medis wieder runterzukommen.

Okay? Aber nur wir beide, ganz alleine. Und hinterher tun wir dann so, als wenn Sie da ganz alleine drauf gekommen wäre. Klingt gut, oder? Kommt aber nicht in die Tüte. Ich bin doch nicht verrückt und lasse mir von jemandem, der noch an Märchen glaubt, die Regeln diktieren! Nee, ich nicht. Aber ich spiel ganz gerne mal mit, solange ich das Gefühl habe, dass das zielführend ist. Aber erzähle niemandem was vom Pferd und wunder mich dann, wenn ich mich derart unglaubwürdig gemacht habe, dass das Vertrauen einfach dahin ist.

Ich gebe Ihnen einen Tip: Versuchen Sie es doch einfach auch mal mit mehr professioneller Nähe und geben Sie die Masche mit der professionellen Distanz auf. Wenn Sie einem Psychotiker die Angst nehmen wollen, dann tun Sie mal so, als hätten Sie jemanden vor sich, der klar bei Verstand ist und beantworten Sie seine Fragen.

Wenn Sie Nachhilfe brauchen, dann kann ich Sie gerne darin unterstützen. Aber nicht, wenn Sie keine Lust haben, auf meine eMails zu antworten. Dann fühle ich mich plötzlich unangemessen unwichtig und Augenhöhe geht ganz anders. Aber für den ersten Versuch nicht schlecht und das Ding mit dem Psychoseseminar ist ein ganz guter Trick: Da sieht man nämlich mal, dass es so ist, wie der Hirschhausen sagt: Wir behandeln die falschen.

Also, an alle: Wer seine Kindheitstraumen heilen will, der ist bei der Psychiatrie an der falschen Adresse. Da werden die repariert, wo einfach alles schief gelaufen ist. Das ist kein gutes Vorbild dafür, wie es in einer normalen Familie zugehen sollte.

Arbeitet lieber in einem Kindergarten. Die Kinder bringen euch das bei. Doch echt, so einfach kann das sein. Die haben das noch nicht verlernt. Einfach nachmachen. Ganz einfach. :)))

Nur blöde, wenn man Angst vor Kindern hat. Dann ist das etwas schwierig, sich helfen zu lassen, gebe ich zu. Aber ich habe da schon eine Idee. Dazu später mehr, wenn ich mich ausgeruht habe und wieder besser sortiert bin.

  1. Du schreibst tatsächlich viel und ich weiß auch nicht immer, was ich davon halten soll, aber ich kann es einfach so stehen lassen.

    Nun hast du mich ja namentlich angesprochen, aber ich glaube kaum, dass ich dir helfen kann, deinen Gedankensalat zu sortieren. Ich kenne dein Ordnungssystem nicht.

    Meine Gedanken zu dem, was du manchmal so umfangreich schreibst, gehen gelegentlich in eine andere Richtung. Aber 1. kann ich das nicht mal so eben in einem Kommentar erläutern. 2. Bin ich nicht sicher, ob ich dich überhaupt richtig verstehe. 3. Will ich dir nicht zu nahe treten. Es ist immer heikel, sich schriftlich kritisch zu äußern, weil ich nicht wissen kann, ob meine Botschaft richtig ankommt.

    Ein persönliches Gespräch scheint in einem solchen Fall die bessere Wahl zu sein. Dann können wir uns ausführlich über Sachverstand von Ärzten und anderen Menschen austauschen und vielleicht ist etwas dabei, was dir beim Sortieren hilft.

    Bis dahin wünsche ich dir, dass du erfolgreich verschnaufen kannst, denn das ist uns wohl beiden sonnenklar: In der Ruhe liegt die Kraft.

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    • Ach, liebe Sonja.. ich habe mir nur ein Zeichen von Dir gewünscht, dass Du bei mir bleibst. Davon habe ich ganz ganz viele. Du bist so super. Du könntest sofort als Genesungsbegleiterin anfangen.
      Aber ich glaube, ich habe es erstmal wieder geschafft, mich zu ordnen. :)
      Wenn ich Dir auch einen Wunsch erfüllen darf…. hast nen megadicken Findling bei mir im Brettchen. :)
      Sobald ich es schaffe, komme ich zur Schreibwerkstatt – spätestens im September.

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