Z-Z-Zuniga!

Z-Z-Zuniga!

Sonntag, 21. August 2016

Ich denke oft und gerne, wenn ich mich schon an meine Kindheit erinnere, an meine bzw. unsere Putzfrau (Frau Zuniga) zurück. Sonja würde es vermutlich eine Hommage schreiben nennen, aber ich möchte mich einfach mal bedanken, ohne mich persönlich aufdrängen zu müssen- zudem ich überhaupt gar keine Ahnung habe, wie ich die gute, inzwischen auch deutlich ältere, Dame denn erreichen könnte, falls sie überhaupt noch unter uns weilt.

Das Z von Zorro setze ich mal bei allen als bekannt voraus. Einigen dürfte auch die Abkürzung zz für ziemlich zügig bekannt sein. Anderen Reinhard Mey- Fans fällt womöglich auch die Strophe mit dem „Nimm das Z von Zorro, drehs um neunzig Grad und dann wird aus dem Z ein N und das bin ich: Der Nasenmann“ (aus dem Gedächtnis rezitiert) dazu ein.

Für meine Puzfrau Zuniga habe ich nun das Triple-Z erfunden: ZZZ, angelehnt an den alten  Slogan „Zett, Zett, Zamek!“, den ich von meiner Patentante habe, welche mal für die Firma Zamek werbetexterisch tätig war.

Frau Zuniga hat nämlich, womit ich in letzter Zeit häufiger angegeben habe, zweimal die Woche bei uns zu Hause gewischt. So erinnere ich das und meine Mutter wird mich sicherlich angelegentlich korrigieren, falls sie das anders in Erinnerung haben sollte. So richtig den Überblick über das wann usw. habe ich nämlich nicht hinsichtlich meiner eigenen Biographie. Ich war ja noch ein Kind. So ist das mit der Kindheit nunmal.

Unsere Putzfrau konnte fließend spanisch sprechen, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (*öchött-chött) damit in Zusammenhang stand, dass es sich dabei um ihre Muttersprache handelte. Im Deutschen hat sie die Geschlechter entsprechend ihrem Gusto auf alle Gegenstände verteilt und als Beispiel möchte ich nur „die Auto“ anführen, was ich aus dem Französischen als „la voiture“ kenne.

Die Spanier verwechseln ja sogar Sonne und Mond, was die geschlechter angeht – oder verwechseln die identitätsgestörten Deutschen das? Egal. Einfach mal wie Dr. Jost gesagt hat: Offen lassen und gar nicht erst darüber streiten wollen.

Sie, Frau Zuniga, sprach allerdings immer in ihrem muttersprachichem Tempo, ohne Rücksicht auf Verluste. Im Ergebnis sprach ihr Sohn, den sie einige wenige Male mitbrachte, sehr viel besseres deutsch als ich spanisch. Und das nun leider allen Versuchen meiner (wie heisst das Adjektiv zu „frankophil“ in bezug auf Spanien?) Mutter zum Trotz.

In der Schule, um nochmal ins off Topic auszubüxen, hatte ich einmal das Vergnügen, am Spanischunterricht der Klasse drunter teilzunehmen, während meine Mitschüler gleichen Jahrgangs auf Klassenfahrt o.ä. fahren mussten.

Die Schule hatte den Fehler gemacht, von allesamt volljährigen Personen explizit die Erlaubnis der Eltern zur Teilnahme aufzufordern, was nicht nur den Vollwaisen, der das Unternehmen seiner Eltern geerbt hatte und selbst neben dem Abi führte, auf die Palme brachte. Ich brauchte also nur meiner Mutter zu erklären, dass ich keinen Bock auf die Arschgeigen (unter meinen Mitschülern) hatte und sie war natürlich damit einverstanden, mir die Teilnahme an der Reise nicht zu erlauben. Der Vollwaise durfte übrigens dann doch noch mitfahren, es waren nicht alle Lehrer so hohl wie die Person, die das Schreiben aufgesetzt hatte.

In dem Spanischunterricht haben wir den Text des Songs „Bailando, Bailando“ übersetzt (nicht die Version von Enrique Iglesias), was übersetzt „Tanzend, tanzend“ bedeutet. Sinnleere Phrasen wie „Ja mein Herr, Kristallenkrone“ bringen mich heute immer noch zum Gröhlen, wenn das Lied irgendwo gespielt wird. Tanzen kann man dazu normalerweise auch prima, aber wenn meine Stimmung vorher schon gehoben war, dann kriege ich bauchmuskelkaterproduzierende Lachkrämpfe.

Auf eigene Gefahr:

[Video aus Datenschutzgründen entfernt.]

  1. Text auf spanisch
  2. Übersetzung auf deutsch

Leider fehlt mir bislang die Motivation, meine überschüssige Tagesfreizeit zum Auffrischen meiner Spanischkenntnisse zu verwenden. Ich kenne aber eine Spanierin, die ein ebensolches Kaputtplappertalent hat wie meine Putzfrau von damals und ich glaube, das haben viele Südeuropäerinnen. Wäre mein Spanisch a jour, könnte ich einen offenen Brief an Frau Zuniga schreiben und irgendwann meldet sie sich vielleicht bei mir, falls sie sich gelegentlich mal selbst googlet. Nur so eine Idee.

Wirklich erstaunlich fand ich eigentlich die Anekdote, die meine Mutter mir erzählte. Hier in Deutschland wohnte die Familie Zuniga in – verglichen mit unserem Lebensstil – beengten Verhältnissen zusammen in einer Mietwohnung, während sie in Spanien mehrere Häuser besaßen, die allerdings allesamt vermietet waren. Überträgt man das auf deutsche Verhältnisse, wären sie so solvent gewesen, dass sie es eigentlich gar nicht „nötig gehabt“ hätten, bei uns zu putzen. Vielleicht hat sie es ja auch einfach nur gern getan und ihrerseits den Kopf über die dummen Deutschen geschüttelt, die so viel Geld dafür ausgeben, dass es jemand anders macht. Lassen wir das mal …

Ich mochte die Frau Zuniga von damals und ich mag sie noch, so wie ich sie erinnere. (Vielleicht bekommt sie eines Tages eine Hauptrolle in einem Roman? *tagträum)

Sie sollte nämlich eigentlich mein Zimmer nur dann putzen, wenn ich vorher aufgeräumt habe. Hat sie aber trotzdem, weil sie wohl instinktiv erfasst hatte, dass mir Sauberkeit wichtig war, auch wenn ich eine andere Ordnung in meinem Zimmer hatte, als die, die meine Mutter für richtig gehalten hätte.

Viel Tolles kann ich über Frau Zuniga gar nicht erzählen, weil ich gar nicht so viel über sie weiß. Sie war ja „nur die Putzfrau“, aber sie war ein Mensch, der einige Stunden die Woche nachmittags da war. Wir hatten ja eine Kinderfrau „nicht nötig“, weil wir wussten, wie die Mikrowelle funktioniert und wo das Essen im Tiefkühlfach ist. Und wir hatten einen Schlüssel.

Diese Erziehung zur Selbständigkeit hilft mir heute, meine psychischen Krisen sehr gut ohne Hilfe der Psychiatrie zu überstehen. Ich habe meine festen Rituale, die mir helfen, nicht aus meiner Ordnung zu fallen. Diese funktionieren aber nur bei mir. (Alle) Psychotiker müssen ihren eigenen Weg finden. Meinen teile ich (zu) gerne.

Liebe Frau Zuniga, falls Sie das jetzt lesen: Dankeschön. Danke für alles. Ich wäre nie so ein Superhausmann geworden, wenn Sie mir nicht ein sehr gutes und adäquates Vorbild gewesen wären.

Vielleicht erinnern Sie mich eher so, mal einige Jahre weitergedacht? (Falls nicht mich, dann diese bescheuerte Harfen-Treppe garantiert.)

knapp vier Jahre alt musste ich mal wieder in unbequemen Mädchenklamotten vor meinen Großeltern auftreten als liebes nettes Mädchen

An den Affen Fips erinnere ich mich auf jeden Fall ganz deutlich. Der hat es geruchlich nicht überlebt, dass ich einmal auf ihn erbrochen habe.

Mein Bruder Alexander war da härter im Nehmen. Den habe ich einmal auf einer Fahrt zu den Großeltern bekotzt. War nicht böse gemeint, mir war nur übel.


Mit Pupspüppchen hat sich Superhausmann übrigens ganz prima wieder zusammengerauft. Am Dienstag ist ein Termin mit der Ärztin, die uns dabei helfen sollte und ab Donnerstag hilft uns auch mein Geiselgangsterdramaunterhändler von der schnellen Einsatztruppe bei der Integrierten Versorgung.

Vielleicht bringe ich denen doch noch eines Tages die Flötentöne bei, dann können Sie sich auch „Inklusive Versorgung“ nennen. Bisher sind ja sehr viele der Leistungen sehr exklusiv oder sollte ich sagen exklusive? Lassen …

Auf Wiederlesen und bis bald!

 

Eine Antwort

  1. Schön, deinen Erzählungen zu lauschen (auch wenn du mich mal wieder von meiner eigenen Schreibarbeit abgehalten hast – jetzt ist aber gleich mal Schluss mit Lustiglesen!).

    P.S.: Wo geht es zur Petition, wo ich für DER Sonne und DIE Mond unterschreiben kann?

    Gefällt 1 Person

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