Es sind die Begegnungen mit Menschen,

Es sind die Begegnungen mit Menschen,

die das Leben lebenswert machen.

Heute war wieder so ein Tag, an dem ich sehr deutlich gespürt habe, dass es einen Unterschied macht, ob ich da bin oder nicht.

Es war ein Praktikumstag in der Klinik, ich habe mich also anderthalb Stunde in Bus und Bahn gesetzt, um drei Stunden zu arbeiten und danach wieder anderthalb Stunden in Bus und Bahn zu verbringen. Fifty-fifty, genau an der Schmerzgrenze.

Ich leite dort eine Recoverygruppe und bisher hatte ich es mir nicht zugetraut, alleine zu moderieren. Einmal war es gut gegangen, einmal lief es aus dem Ruder und danach hatte ich mir Unterstützung geholt. Heute war meine Co-Moderatorin eine Auszubildende, die selbst sehr unsicher war, was denn nun genau ihre Aufgabe sei. So habe ich mich nicht alleine und überfordert gefühlt, aber dennoch die Moderation sozusagen hauptamtlich übernommen und fühlte mich zum ersten Mal wohl dabei. Es lief sehr harmonisch ab und alle waren happy am Ende. Neu war, dass ich es tatsächlich geschafft habe, eine Gruppenteilnehmerin dezent zu begrenzen, um einem anderen Teilnehmer Raum zu verschaffen. Und es hat gar nicht weh getan.

Nach der Gruppe habe ich meinen „Papierkram“ am Computer gemacht und dann war noch etwas Zeit, neue Patienten kennen zu lernen. Davon gab es einige, da ich mich letzten Mittwoch hatte krankmelden müssen. Es war das erste Mal, dass ich es mit nur wenig Überwindung geschafft habe, aktiv auf die Leute zu zu gehen, mich vorzustellen und nach dem Namen zu fragen. Bisher hatte ich mich immer noch sehr passiv verhalten, Namen durch Beobachtung aufgeschnappt und abgewartet, bis jemand auf mich zugeht. Dabei finde ich es so wichtig, dass das Personal auf die Patienten zugeht, weil ich selbst immer eine sehr hohe Hemmschwelle überwinden musste, wenn ich mich mit einem Anliegen beim Dienstzimmer melden musste – zudem fühlte ich mich dabei immer wie ein Bittsteller. Das will ich meinen Patienten ersparen.

Ich durfte in meiner letzten Viertelstunde vor Feierabend noch ein sehr angenehmes Gespräch führen, in dem zunächst zweifelnd gefragt wurde, wie ein Gespräch mit mir denn helfen könne und sich sehr umsichtig danach erkundigt wurde, was ich den tun würde, um mich zu schützen. Zum Abschluss wurde dann festgestellt, dass das Gespräch mit mir doch gut tue und das war so ein Moment, wo ich dachte: Ja, das ist es. Das will ich tun: Andere Menschen bei ihrer Genesung begleiten.

Ich hoffe, solche Tage halten sich die Waage mit denen, an denen ich an mir zweifle und alles in Frage stelle. Wenn man mich heute fragen würde, ob ich nach dem Praktikum dort weiterarbeiten wolle, würde ich sofort ja sagen. Wenn ich daran denke, dass ich zwischenzeitlich am liebsten das Praktikum abbrechen wollte, muss ich mir rückwirkend den Vogel zeigen.

Am Mittwoch habe ich wieder einen Praktikumstag, dann ohne Gruppe und entsprechend viel Zeit für Einzelgespräche, Spaziergänge oder Tischtennis. Nur noch zweimal Mittwoch und zweimal Montag, dann ist Ende Juli und damit endet auch mein Praktikum. Eigentlich schade, auch wenn ich auf der anderen Seite froh bin, dass das unentgeltliche Arbeiten ein Ende hat.

Jetzt ist es an der Zeit, mit dem Praktikumsbericht anzufangen. Am besten gebe ich auch gleich übermorgen Bescheid, dass ich auch eine Praktikumsbescheinigung brauche.

Wer mir wohl ab August begegnen wird?

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