Krisenpension bei der Integrierten Versorgung

Die Räumlichkeiten wirken wie eine ganz normale Dreizimmerwohnung. Es gibt zwei Schlafzimmer für Klienten – Einzelzimmer – und ein Büro, in dem ein Schlafsofa steht für die Person, die die Betreuung innehat. Es gibt eine Küche, in der von den Klienten selbst gekocht wird, und es gibt ein Badezimmer, das sich alle teilen.

Die letzte Nacht habe ich in der Krisenpension übernachtet. Es war für mich grenzwertig, da ich schon am Dienstag in die Hypomanie geswitcht war. Mit dem Einschlafen habe ich schon den ganzen letzten Monat Schwierigkeiten gehabt. Letzte Woche war es eine Nacht, in der ich nicht schlafen konnte und diese Woche war es schon die zweite Nacht – trotz selbstständigem Aufdosieren meines Olanzapins.

Ich machte mir Sorgen, weil ich bereits leichte Schwierigkeiten mit zielgerichtetem Handeln hatte und wenn ich zwei Nächte nacheinander nicht schlafen kann, geht es ruck-zuck in die nächste Psychose. Ich kann sehr schnell dekompensieren.

Bereits in der schlaflosen Nacht habe ich mich per eMail an die IV gewandt und beschrieben, wie es mir gerade geht. Morgens habe ich dann im Büro angerufen. Ich hätte auch nachts die Notfallhotline anrufen können, aber weil ich weiß, dass ich dann möglicherweise jemanden wecke, habe ich bis zum Beginn der Bürozeiten gewartet.

Tagsüber fuhr ich noch quer durch die Stadt zu meinem Endokrinologen, um meine Spritze mit dem Nebido zu bekommen. Das ging zum Glück alles gut, es gab keine unliebsamen Überraschungen unterwegs. Als ich wieder zu Hause war, gab ich bei der IV Bescheid und versuchte nochmals zu schlafen, weil ich morgens nur knapp drei Stunden hatte schlafen können.

Am Nachmittag entschied ich dann, die Nacht sicherheitshalber in der Krisenpension zu verbringen. Alleine zuhause war mir unwohl, weil ich nicht wusste, ob es mir gelingen würde zu schlafen und die Gefahr sah, am nächsten Tag Unsinn anzustellen und über kurz oder lang wieder zwangseingewiesen in einer Fixierung zu landen.

Als ich in der Krisenwohnung ankam, traf ich dort (zufällig) auf meinen Genesungsbegleiter, der meine Bezugsbetreuung macht. In der Krise sind alle zuständig, deshalb kann das auch jemand anders sein, der mich dort erwartet. Ich habe dann die Mitklientin kennengelernt, eine Frau in genau dem Zustand, den ich für mich vermeiden wollte: Im Denken sehr zerfahren, logorrhoeisch, leicht wahnhaft, wechselnde Stimmungen, immer wieder aggressiv. Mir ging es gut genug, das gut aushalten zu können, was mir zeigte, dass ich früh genug die Krisenpension aufgesucht hatte.

Nachdem ich mein Bett bezogen hatte, haben wir kurz besprochen, wie der Abend verlaufen sollte und dann habe ich mich erstmal zurückgezogen, bis die Ablösung kam. Wir machten dann, wie es üblich ist, zu dritt Übergabe. Ich mag es, wenn mit mir geredet wird und nicht hinter meinem Rücken über mich. So kann ich selbst dazu beitragen, Übermittlungsfehler auszuschließen.

Um mir den Druck zu nehmen, hatte ich bereits in der Vornacht alle Termine abgesagt und musste mir keinen Wecker stellen. Ich hatte alles dabei, um mich nachts zu beschäftigen, sollte ich nicht schlafen können. Auch das nimmt den Druck, unbedingt schlafen zu müssen. Im Laden um die Ecke holte ich mir noch etwas zu naschen, falls ich nachts Hunger kriegen sollte, und kochte dann für zwei. Die Betreuung sah immer mal in der Küche nach, ob ich auch zurechtkam und setzte sich beim Essen zu uns und wir redeten.

Noch vor dem Essen hatte ich meine erste Tablette genommen, 10mg Olanzapin, weil 5mg in der Vornacht nicht gereicht hatten und ich in der Klinik zuletzt auch 10mg hatte. Ich bin dann auch tatsächlich recht bald von einem sehr mächtigen Schlafanstoß übermannt worden und konnte einduseln, wurde aber leider von der schreienden Mitklientin geweckt und war dann wieder hellwach. Ich machte eine PMR, hörte binaurale Klänge, aber so richtig entspannt war ich dennoch nicht und so nahm ich auch noch 1mg Lorazepam. Das war dann ein voller Erfolg. Ich konnte sechs Stunden am Stück schlafen, bevor mich die immer noch randalierende Zimmernachbarin weckte. Ich duselte aber nochmal ein, wachte wieder auf, schlief nochmal eine Stunde. Um acht stand ich dann auf.

Jetzt fühle ich mich übern Berg, jedenfalls erstmal auf der sicheren Seite, und werde die Dosierung des Olanzapins die nächsten Tage so hoch beibehalten. Ein falscher Ehrgeiz, mit möglichst wenig Medikation auskommen zu wollen, hatte mich in der letzten Zeit immer instabiler gemacht. Ich habe den Eindruck, je weniger Tabletten ich nehme, desto stärker kommt das hoch, was eigentlich in einer Psychotherapie aufgearbeitet gehört.

Ich versuche nochmal in Stichworten kurz herauszustellen, was die Krisenpension in ihren Vorzügen gegenüber der Unterbringung in einem Krankenhaus ausmacht:

  • sofortige Verfügbarkeit
  • Einzelzimmer
  • Betreuung 1:1 bis 1:2
  • Tagesstruktur wird gemeinsam mit den Klienten geschaffen
  • Selbstversorgung steht im Vordergrund, auch wenn es Hilfe dabei gibt
  • Übergabe gemeinsam mit Klienten
  • Gesprächsangebote nach individuellem Bedarf

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