Ins depressive Loch gefallen

Gefühlt habe ich mich schon deutlich beschissener in meinem Leben, aber so sehr funktionell gestört war ich bisher noch nie. Da das Olanzapin mir die Affekte verflacht, nehme ich an, dass ich eine schwere Depression habe.

Vor sechs Wochen habe ich noch den Halt durch meine Ausbildung gehabt und obwohl ich mir für jeden Wochentag etwas vorgenommen hatte, habe ich doch der Müdigkeit nachgegeben und immer länger ausgeschlafen – meist 13 Stunden-, bin aber auch wach geblieben, bis ich müde wurde und so verschob sich mein Rhythmus Stück für Stück dahin, dass ich morgens gegen sechs ins Bett ging und erst abends gegen sechs wieder aufstand. Das kann man wohl schon als Tag-Nacht-Umkehr bezeichnen.

Dabei habe ich einen recht ordentlichen Acht-Stunden–Tag vor dem Fernseher verbracht. Und da ich ja erst so spät aufgestanden bin, lohnt es sich ja nicht mehr, mich für den Tag noch anzuziehen. Bald stellte ich auch das tägliche Duschen ein, konnte mich nur noch jeden zweiten Tag aufraffen.

Im Augenblick versuche ich, meinen Wachzyklus wieder auf tagsüber zu verlagern. Das Ergebnis ist vorerst, dass ich nur noch unzusammenhängend schlafen kann. Ich habe das Gefühl, alles nur noch schlimmer zu machen. Ich nehme mein Medikament nach wie vor um halb acht abends ein und wenn der Schlafanstoss kommt, lege ich mich hin. Dann wache ich aber nach nur drei oder vier Stunden wieder auf. Nach so kurzer Schlafenszeit fällt es mir sehr viel leichter, aufzustehen, als wenn ich schon zehn Stunden geschlafen habe.

Die gute Nachricht ist, dass ich die Zeit nutzen konnte für einen Entzug von Schokolade. Gestern war ich einkaufen und habe keine Süßigkeiten mitgebracht. Das ist ein Riesenfortschritt, nachdem ich fast ein Jahr täglich über ein Pfund Schokolade zu mir genommen habe.

Ohne die Genesungsgruppe wäre ich wohl noch tiefer versackt und selbst die habe ich einmal verschlafen. Wenn ich Pflichttermine hätte, die ich sonst absagen müsste, würde ich viel leichter funktionieren. Aber da alle Vorhaben reine Beschäftigungstherapie sind und es keinen Unterschied macht, ob ich dort erscheine oder nicht, muss ich auf Antrieb warten und den bekomme ich derzeit nur, wenn ich nicht mehr schlafen kann.

Diese Woche scheint es ein wenig aufwärts zu gehen. Gestern war ein guter Tag. Heute gebe ich mir Mühe, dass heute auch ein guter Tag wird.

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