So schweigsam

Ich bin es ja von mir gewohnt, dass ich mich oft monate- oder manchmal sogar jahrelang nicht bei meinen Freunden melde. Nun ist es aber so, dass ich gerne würde, es aber irgendwie nicht geht. Seit einem Monat wartet eine eMail auf Antwort – telefonieren geht schon gar nicht – und bloggen tue ich auch viel zu selten.

Bin ich unter Leuten, rauscht das Gespräch an mir vorbei. Mit der Konzentration hapert es und so kann ich manchmal nicht folgen, aber ich finde auch nie den Moment, mich ins Gespräch einzubringen. Werde ich direkt gefragt, bin ich einsilbig. Ich würde gerne mehr von mir erzählen, finde aber das meiste in meinem derzeit ereignislosen Leben keine Nachricht wert.

Gestern abend war ich auf einem Konzert und habe dort eine Bekannte gesehen und die ganze Zeit gedacht, ich müsste auch das tun, was die anderen tun: sie begrüßen. Ich kenne sie nur vom Sehen, wir singen montags im Chor. Sollte ich ihr die Hand geben? Ich war doch nicht der Gastgeber. Sollte ich sie umarmen? So intim ist unser Verhältnis nicht.  Ich traute mich auch kaum, von dem ergatterten Stuhl wieder aufzustehen, weil ich es dann nicht geschafft hätte, ihn zurückzuerobern. Es blieb also bei einem freundlichen Anlächeln.

Es macht mich traurig, so still und gehemmt zu sein. Bevor ich das Olanzapin regelmäßig einnahm, war ich nicht so. Nur während der zeitweisen Dauermedikation mit anderen Neuroleptika. Seit Ende September nehme ich jetzt Lithium und habe die Hoffnung, das Olanzapin im nächsten Jahr ausschleichen zu können und dann wieder gesprächiger zu werden, ohne manisch über die Strenge zu schlagen.

  1. Tut mir leid zu hören, dass du dich nicht so wohl damit fühlst, wie du dich derzeit wahrnimmst: still und gehemmt. Wer hat die Erwartung, dass du kontaktfreudiger sein solltest? Du oder die anderen?
    Du überlegst viel, ob du dieses oder jenes tun solltest und stellst Vergleiche an, mit anderen oder mit dir selbst in einer anderen Phase. Darf es nicht so sein, wie es jetzt ist?

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    • Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar.

      Es darf so sein und es ist schon über ein Jahr so. Aber ich kenne mich von früher anders.
      Ich wünsche mir, ich wäre besser eingebunden. Ich mag mich nicht bei Leuten melden, weil es mal wieder an der Zeit ist; ich will, dass mir danach ist, mich zu melden. Da kann ich offenbar lange warten.
      Wenn ich (hypo)manisch werde, nehme ich sofort überall wieder Kontakt auf. Aber das gilt es ja zu vermeiden, wieder manisch zu werden. Ein bisschen vermisse ich es und ich hätte für „normal“ mehr Mitteilungsdrang erwartet.
      Und ja, auch andere erwarten von mir, gesprächiger zu sein.

      Es macht mich immer noch traurig, nicht mehr „gesund“ zu sein.

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