Das Thema Weiblichkeit

Da mein Therapeut der Ansicht ist, ich bräuchte mehr soziale Kontakte und das erste, was er mir zum Stichwort „bipolar“ empfohlen hatte, eine Bipolargruppe hier in der Klinik um die Ecke war, war ich heute zum Vorgespräch.

Der Arzt – ich nehme an, er ist Arzt, er hat einen Dr. – hat mir teilweise seltsame Fragen gestellt. Als wir telefoniert hatten, hatte er gefragt, ob er in die Unterlagen sehen dürfe, die aufgrund meiner KH-Aufenthalte dort entstanden sind. Ich hätte ja gedacht, die gucken eh alle in die Akten, wie sie lustig sind. Jedenfalls hatte ich nichts dagegen und entweder waren die Notizen in den Akten mehr als dürftig oder er hat was falsch verstanden. Fing an von wegen „Geschlechtsidentität“.

Ich machte erstmal auf doof, weil dann meistens Ruhe ist. Er bohrte aber nach. Wie ich mich denn empfinden würde. „Na ich bin ein Mann.“ Er druckste so komisch rum, tastete sich ran, ob denn das Thema Weiblichkeit noch ein Thema für mich wäre. Da kapiere ich, dass er mich für eine Transfrau hält.

Ich bin aber schon etwas pissig, weil das in meinen Augen mit der Bipolargruppe mal gar nichts zu tun hat und mich sowieso ärgert, dass meine Lieblingsärztin die Diagnose überhaupt auf die Überweisung mit draufgeschrieben hat, weil es nichts zur Sache tut. Ja klar, bei meinen Klinikaufenthalten kommt die Grütze immer mal wieder hoch. Aber das können wir nicht in einem halbstündigen Gespräch klären.

Sein „Ja, ich nehme Sie jetzt eindeutig als Mann wahr“-heiteitei konnte mich danach nicht wirklich friedlich stimmen. Versaut ist versaut. Was mich daran ärgert, ist das Aufkratzen der alten Wunden, das Infragestellen meiner Männlichkeit durch seine gut gemeinte Frage nach der Weiblichkeit. Ich musste ihm dann erklären, dass ich eine Geschlechtsangleichung hinter mir habe und weil er das nicht verstanden hat, musste ich ihm erklären, dass ich Testosteron bekomme und dass ich eine Mastektomie hatte und das mit dem weiblichen Genitale habe ich ihm auch noch serviert, weil ich voll in Fahrt war.

Was mich jetzt noch beschäftigt ist seine Frage danach, was mich denn aufwühlt – sowas kann zu Schlafmangel und darüber in die Manie führen. Na sowas zum Beispiel, so ein Antriggern von trans*. Ich hatte ihm von der Rentnerin erzählt, die sich vordrängelt oder von der Frau, die sich mit mir um einen von zwei Einkaufswagen gezankt hat. Aber trans* anzusprechen ist immer wieder prima, um mich auf die Palme zu bringen. Da werde ich auch noch einen Roman drüber schreiben „müssen“, aber erstmal kommt das Thema „krank“ dran.

 

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