Überarbeiten

Es ist nicht das erste Mal, dass ich etwas überarbeitet habe. Es ist aber das erste Mal, dass ich einen Teil eines größeren Ganzen überarbeitet habe. Und der innere Kritiker hat nun Oberwasser gekriegt, will am liebsten alles verwerfen und nochmal ganz neu anfangen. Wenn ich dem nachgebe, komme ich aber nicht weiter.

Ich will weiterschreiben. Vermutlich ist es keine kluge Idee gewesen, zum Beginn meiner Schreibwoche zu überarbeiten. Ich glaube, ich brauche eine Schreibpause, um von Überarbeiten wieder umzuschalten auf das Schreiben des ersten Entwurfs. Am Ende wäre es daher weniger gefährlich, da bringt es mich nicht raus aus dem Gefühl, dass ich gut genug schreibe. Gut genug, um weiterzuschreiben.

Wenn ich bei meinen Kolleginnen und Kollegen Feedback gebe, dann ist zwar auch der Kritiker draußen, weshalb ich das erst nach dem Schreiben an meiner eigenen Geschichte mache, aber das Gefühl für meinen eigenen Text bleibt unberührt.

Was ich für mich noch finden muss: Welcher Anregung gehe ich nach und was nehme ich lediglich zur Kenntnis? Bisher tendiere ich dazu, fast alles zu übernehmen, was mir vorgeschlagen wird. Bisher habe ich auch das Gefühl, dass meine Szenen dadurch gewinnen. Anderen fallen Lücken auf, die dadurch entstanden sind, dass für mich einiges selbstverständlich ist, was ich aber noch nicht ausformuliert habe.

Mehrfach angekreidet wurde mir das Fehlen von Emotionen oder auch Nähe zu den Figuren. Da frage ich mich langsam, ob ich es einfach nicht aushalte, wenn die Szenen noch gefühlsbeladener werden oder ob das zu meinem Stil gehört. Oder habe ich einfach vergessen, die Emotionen hinzuschreiben? Teilweise lag die Ursache auch darin, dass ich mir die Figur anders vorgestellt habe als der Leser.

Ich werde sicherlich noch häufiger überarbeiten und wieder und wieder überarbeiten. Vier von fünf Kapiteln habe ich nun geschafft. Diese erste Runde war sehr lehrreich für mich und die Szenen haben durchaus gewonnen. Mein gut-genug-Gefühl inzwischen auch.

  1. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, besonders den ersten Absatz. Gerade die Angst davor, alles (oder zumindest fast alles) zu verwerfen, ist es, die mich davon abhält, jetzt schon zu überarbeiten. Ich bin immer noch in der Einführung, kann mir gegenüber aber immerhin sagen, dass 160 Seiten schon ne Leistung sind. Wenn ich die jetzt radikal runterkürze oder wegkorrigiere, habe ich in den letzten Jahren vielleicht nur noch 80-100 Seiten geschafft und das würde mich zu sehr demotivieren.

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  2. Hallo Ingo,
    der innere Kritiker ist wohl mit der Abstand der fieseste. Aber auch der ehrlichste. Ich denke, dass man durchaus irgendwann an einen Punkt kommen kann, an dem der innere Kritiker Ruhe gibt. Aber das kann harte Arbeit sein. Ob man alles übernehmen muss, was von Testlesern angekreidet wird? Frag deinen inneren Kritiker ;) Wenn er der Kritik der anderen zustimmt, solltest du es ändern. Wenn nicht, lass es so.
    Liebe Grüße, Alex

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    • Hallo Alex,
      ich mache es im Grunde so, bin aber überrascht, wie viel Arbeit es ist. Die allermeiste Kritik ist berechtigt.

      Und dann habe ich gehört, die Arbeit fängt mit dem Lektorat erst so richtig an. Da habe ich mir ja was vorgenommen!

      LG
      Ingo

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