Das Gesichtsbuch

Das Gesichtsbuch

So. Jetzt habe ich mich in einem Anfall von „Ich will berühmt werden!“ bei Facebook angemeldet. Schöne Scheiße.

Ich bin einfach völlig überfordert davon. Zu viele Menschen, die mir präsentiert werden, die ich kennen könnte. Zu vieles, das rot ist und um Aufmerksamkeit schreit, zur Kenntnis genommen werden will, Reaktionen einfordert. Zu viele Nachrichten im Feed, zu viele bunte Bilder, zu viele Videos. Von allem zu viel. Wie soll ich da eine Auswahl treffen?

In der Werbung wurden die Möglichkeiten gepriesen, Facebook an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. In den Spots sah auch alles ganz einfach aus. Das ist es aber nicht. Wenn ich einen Beitrag ausblende, wird genau derselbe nochmal angezeigt. Und so vieles ist mir nicht klar, was ich hier oder dort schreibe, wo es dann von wem gelesen werden kann. So kann ich die Konsequenzen meines Tuns überhaupt nicht absehen. Das ist mir zu heiß. Ich habe zwar kein Problem damit, mich zum Narren zu machen, aber ich will meine Freunde nicht kompromittieren mit meinen Verrücktheiten.

Als ich vor Jahren das erste Mal im Gesichtsbuch war, hat sich jemand darüber beschwert, dass ich mich auf seiner Wall als schwul geoutet habe. Diese Anekdote habe ich bei Mitzis Geschichte Stalker wider Willen im Kommentar zum besten gegeben, was im Grunde dasselbe in Grün ist. Ich verstehe einfach nicht, was daran so schlimm sein soll. Wollte der nicht, dass seine Freunde erfahren, dass er einen Schwulen kennt? Ich bin nunmal ich und ich trage das Herz auf der Zunge. Wem ich peinlich bin, der braucht nicht mit mir befreundet sein.

Desweiteren habe ich leider keine Möglichkeit gefunden, Beiträge von meinem Blog aus automatisch auf verschiedene Seiten zu verteilen. Ich bin also gezwungen mich jedes Mal bei FB einzuloggen, um die Beiträge von meinem Blog aus auf meiner dortigen Schriftsteller-Seite zu teilen. Und bei dieser Gelegenheit springt mich dann alles an, das beachtet werden will. Unter diesen scheinbar wichtigen Nachrichten sind dann auch Hinweise darauf, was ich eben gerade selbst geteilt habe. *kopfschüttel

Noch dazu fühle ich mich wie ein Spammer, wenn ich mehrmals am Tag etwas poste, weil mir auch Sachen gefallen, die andere geteilt haben. Wenn ich dann auch noch Leute einladen soll, sich meine Seite anzusehen, komme ich mir vor wie ein Stalker. Ganz am Anfang habe ich versehentlich einen Link an Freunde von Freunden geschickt, weil ich dachte, dass man das halt so macht, wenn man etwas teilt. Dass es noch weitere Möglichkeiten gibt, die Reichweite einzuschränken, ist mir erst danach aufgefallen. Der Effekt dürfte nun der gegenteilige von dem sein, den ich angestrebt hatte.

Deshalb halte ich erstmal weitestgehend Abstand. Falls ich es schaffe, der Neugier zu widerstehen. FB-Freunde zu haben, schafft so ein Gefühl von Verbundenheit, das süchtig macht. Sind es doch Menschen, denen man bereits persönlich begegnet ist. Ein ganz anderes Chatten als mit Fremden, denen gegenüber man seine Anonymität genießt.

Wer meine Seite dort abonnieren will, nur zu. Da landen dann meine Blogbeiträge auf und fertig. Aber bitte nicht wundern, wenn ich monate -oder jahrelang auf nichts reagiere. Aber das kennt ihr ja schon. Einen Versuch wars wert. Ich schau bestimmt nochmal rein, aber nicht allzu häufig.

Euer vom Gesichtsbuch frustrierter Ingo

  1. Facebook ist für mich auch a) ein Buch mit sieben Siegeln und b) deswegen eine enorme Zeitverschwendung. Ich habe nun schon mehrmals versucht, mich damit anzufreunden, weil man ja als angehender Autor mindestens eine Autorenseite haben „muss“, aber ich begnüge mich weiten Teils damit, meine Blogbeiträge dorthin durchzuschleusen. Die Reaktionen sind auch eher dürftig, was ja klar ist.

    Ansonsten finde ich auch das Freundekonzept sehr komisch. Viele Leute habe ich als „Freunde“, weil ich mit ihnen vor 25 Jahren mal zur Schule gegangen bin. Danach hat man sich aber aus den Augen verloren. Mal ganz davon abgesehen, dass ich im Prinzip jeden Tag Freundschaftsanfragen von irgendwelchen Leuten bekomme, von denen ich noch nie etwas gehört oder gesehen habe und denen es erkennbar nur darum geht, ihre Freundezahl nach oben zu pushen.

    Was ich hingegen ganz spannend finde, ist das Prinzip der Facebook-Gruppen. Da findet dann schon eher ein richtiger Austausch statt. Aber da fehlt mir leider die Zeit zu, mich darum auch noch zu kümmern.

    Deswegen muss das Fratzenbuch leider weiterhin weitgehend ohne mich auskommen.

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    • Natürlich, FB-Freunde sind keine RL-Freunde, sage ich mal. Ein Freund von mir bekommt täglich Anfragen von Damen, die mit ihm anbändeln möchten. Die lehnt der auch reihenweise ab.
      Gegen Freundschaftsanfragen hätte ich im Prinzip nichts einzuwenden, ich würde ja auch gerne meine Reichweite vergrößern. Aber ich fang nicht an, da hausieren zu gehen und wild irgendwen zu adden.
      So ein Freund abnonniert ja immerhin alles von einem, nicht nur eine bestimmte Seite.

      Mit den Gruppen müsste ich mich mal intensiv auseinandersetzen, habe aber auch mit meinen Foren genug zu tun. Die reichen mir auch als Gruppen, wenn ich mich austauschen will.

      Am ehesten könnte ich wohl mit dem Messenger was anfangen. Aber das ist dann eben wirklich ein Zeitfresser. Deshalb fange ich das lieber gar nicht erst an. WhatsApp reicht mir da schon vollkommen.

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