Tagebuchgedanken

Tagebuchgedanken

23. Februar 2018

Inzwischen bin ich gut ausgeschlafen und wieder sehr viel ruhiger. Durch die Medireduktion anfälliger geworden, hatte mich der 18. Februar ziemlich getriggert. Ich bekam einen ungemeinen Schreibdruck und machte mir so einige Gedanken, die eigentlich ins Tagebuch gehören. Mit der Hand schreiben wäre vielleicht auch eine Idee gewesen, wenn ich nicht das enorme Bedürfnis gehabt hätte, damit sofort an die Weltöffentlichkeit zu gehen.

Ich habe lange hin und herüberlegt: Gehören solche Tagebuchgedanken, ellenlange Selbstbetrachtungen in dieses Blog? Sollte ich nicht doch besser in meinem Genesungsblog posten, wenn es um meine Krankheit geht? Deshalb landete zwischenzeitlich einiges im Papierkorb.

Dazu kam im Zuge meiner Anmeldung bei Facebook die Frage, was ich für ein Image haben will. Will ich nicht seriöser auftreten? Kauf man Bücher nicht lieber von einem, über den man noch nichts weiß oder nehmen vielmehr Verlage lieber jemanden, aus dessen Leben nicht bereits prekäre Details bekannt sind? Gibt das später, wenn ich mal veröffentlicht habe, einen Shitstorm, der mein doch recht persönliches Blog überrollt? Oder ist es doch genau ein Verkaufsvorteil, dass ich der bin, der ich bin?

Ich bin zum Schluss gekommen, dass jedes Buch seinen Käufer findet, jeder Autor seinen Leser. Die Leute, die mich bisher schätzen, tun das ja auch, weil ich so bin, wie ich bin und nicht anders.

Natürlich könnte ich als Schriftsteller ein eigenes Blog führen, in dem ich nur Schriftsteller bin und nichts Privates von mir preisgebe. Bei Facebook habe ich eine solche Seite erstellt, auf der ich darauf achte, dass es nur ums Schreiben geht und Geschichten teile ich da. Da muss ich ja nicht noch ein extra Blog pflegen, zumal ich hier bei diesem jetzt die neue URL habe. Und ehrlich gesagt finde ich das immer ein bisschen schade, wenn Autoren sich so wenig zeigen. Andersherum könnte ich das wohl auch kaum, ein Image pflegen, bei dem ich ständig darauf achten muss, dass ich mich nicht verplappere.

Weil ich nicht so gerne für die Tonne arbeite, habe ich nun mehrere Beiträge in einem zusammengefasst. Vielleicht kann ja doch jemand davon profitieren. :)

überinspiriert – hypoman

Reizüberflutung - Reizarmut

Sonntagnacht, 18. Februar 2018

Ich habe durch das neue Forum und die Arbeit an meinem Roman so viele Impulse bekommen, dass ich gar nicht alles verarbeiten konnte, schon länger zu wenig schlafe. Es ist so vieles angestoßen worden… Dazu kommt noch die erhöhte Dünnhäutigkeit durch die Umstellung der Medikation, bin schon hypoman, weil ich nicht schlafen konnte. Aber das Lithium hält mich gerade so eben in der Spur. Der hauptsächliche Auslöser war sicherlich die Reduktion des Olanzapins.

Ich habe jetzt für über eine Woche Beiträge im Voraus verfasst. Das Gedankenkarussell dreht sich immer noch, aber schon sehr viel langsamer. Mir bleibt einfach nichts als der komplette Rückzug, wieder soziale Isolation für die nächsten Tage. Aber den Netzstecker ziehen ist schwer. Ich will doch nicht alleine sein. Ich will mich doch mitteilen, eingebunden sein. Teil meines sozialen Netzes.

Aber es ist einfach zu viel. Vier Foren und die Blogs hier verfolgen packe ich nicht mehr. Ich habe mich von meinem bisherigen Hauptforum verabschiedet und werde das auf Eis legen, nur noch sporadisch in den Chat schauen.

Ich bin sehr froh, dass ich im Real Life Freunde habe, die Verständnis für mein on/off haben und mich jedes Mal wieder genauso lieb haben, egal wie lange ich in der Versenkung war. Ich brauche das so und nicht anders. Die Freundschaft zu J. war zu eng geworden, deshalb ging es nicht mehr. Sonst hätten wir uns nie in die Haare gekriegt. Ich vermisse J. sehr, aber ich bin noch nicht so weit, den mir verbetenen Kontakt wiederaufzunehmen.

Es geht von Hölzchen auf Stöckchen, die ganze Zeit. An meinem Roman kann ich in diesem Zustand nicht schreiben. Der verlangt nämlich eine hohe Konzentration, wenn ich eine Szene schreibe, die so werden soll, wie ich sie geplant habe. Dieses Arbeiten verlangt vor allem, mich darauf zu beschränken und nicht ständig zwischendurch anderen Ideen nachzugehen. Fürs Bloggen reicht es noch.

Dieses Problem mit der Überinspiration ist es auch, warum ich keinen näheren Kontakt zu meinem Schwager halten kann, auch wenn ich das gern wollte, weil ich die Zeit mit ihm stets sehr genieße. Aber ich bin dann immer wieder so voll mit fremden Ideen, das kann ich mir leider nicht jeden Tag erlauben.

Bildlich ausgedrückt eben so (obere Hälfte):

Reizüberflutung, Künstler Horst L. Médo

Untere Hälfte kann man nicht gut erkennen, ist einmal aufgerauht und einmal glatt. Das muss man fühlen. Mein Mann sagte dazu „Da hat einer nur ein halbes Bild gemalt“, was eben sehr deutlich zeigt, dass Nicht-HSP diese Differenzen gar nicht wahrnehmen.

Nachtrag, 21.02.18

Mittlerweile waren es Beiträge für zwei Wochen jeden Tag, die ich vorbereitet hatte, und dazu habe ich in der Schreibkommune schon bis April im Voraus bei 14tägiger Frequenz. Ich weiß ja nicht, wann ich mich das nächste Mal zurückziehe und dann gar nichts poste…

Die ersten Beiträge sind raus, aber ich habe nun doch noch einmal ausgelesen und die Beiträge in einer anderen Reihenfolge angeordnet sowie teilweise überarbeitet. Einen habe ich ganz zurückgestuft auf Entwurf. Das Gedankenkarrussell dreht sich nicht mehr, aber ich bin noch sehr beschwingt und mitteilungsfreudig. :) Ich schlafe zunehmend mehr und bin wohl übern Berg, was den letzten Reduktionsschritt meines Neuroleptikums angeht.

Gestern habe ich mehrere Stunden an meinem Roman geschrieben, aus 3 Seiten wurden 9 fürs erste Kapitel, das ist richtiggehend explodiert. Werde sicherlich viel streichen müssen. Dafür habe ich jetzt das Gefühl, richtig drin zu sein in der Geschichte. Und noch total am Anfang zu stehen beim Schreiben meines Romans, was das Handwerk angeht. Ich muss mir Gedanken darüber machen, welche Info ich wann einstreue…da ist wieder der Planer gefragt.

Dieser Beitrag wirkt sicherlich auch wieder logorrhoeisch, dabei fließen meine Gedanken im Augenblick ganz langsam daher. Ich versuche aber, Beiträge in noch zumutbarer Länge und zumutbarer Häufung zu produzieren und das fällt mir im Augenblick schwer. Zwischenzeitlich hatte ich auch überlegt, alle Beiträge an einem Tag zu posten, damit ich wieder jeden Tag einen Sendeplatz frei habe, sozusagen. Das habe ich dann aber zum Glück wieder verworfen. Es kommen ja bestimmt auch wieder die nächsten schweigsamen Tag, an denen ich nicht schreiben muss und auch nicht möchte.

Im Augenblick würde ich mich heute nicht mehr als hypoman einschätzen, allerdings an der Grenze. Meine Gedanken sind schon noch sehr wuselig. Bin froh, dass morgen Blut abgenommen wird. Dann werden wir ja sehen, ob das Lithium hochgesetzt wird oder nicht.

Ich merke, wie es in Wellen kommt und geht. Ich will, muss mich mitteilen und kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Schwierigkeiten mit zielgerichteten Handlungen habe ich nur wenige, aber mir ist aufgefallen, dass ich wieder massiv Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen versuche. Ich habe mir einen Account bei Facebook angelegt und auch schon 5 Freunde. Die wissen, dass ich dann wieder in der Versenkung verschwinde.

Es ist der immerselbe Konflikt, ich sehne mich nach Gesellschaft, nach Austausch und nehme wild Kontakt mit Menschen auf, die ewig nichts mehr von mir gehört haben. Diesen Leuten stehe ich   aus ihrer Sicht – sicherlich nicht so nahe, für mein Empfinden ist dann aber eine sehr große Nähe da.

Und wenn dann die Reaktionen auf meine Kontaktaufnahme kommen, gibt es einen Ping-pong-Effekt: Ich werde durch diese Impulse wieder inspiriert und angeregt und das Gedankenkarrussell dreht sich weiter.

Woher dieses Bedürfnis kommt, mich wieder und wieder zu erklären, mich ständig selbst zu betrachten, weiß ich eigentlich gar nicht. Ich denke, das liest sich sehr selbstverliebt, als ob mich nichts in der Welt bewegt außer mir selbst. Dabei ist es doch gerade die Beschäftigung mit der Welt, die mich so oft überfordert und mich in der Folge zu dieser Selbstbeschau treibt.

Was mich in solchen Momenten beruhigen würde, wäre ein menschliches Gegenüber, das mir einfach zuhört. Ich könnte die Krisenpension aufsuchen, habe aber nicht den Eindruck, dass es mir schlecht genug geht, dass es nötig wäre. Sonntagfrüh habe ich die Notfallhotline angerufen, weil ich es mir nachts vorgenommen hatte, und konnte dann mit dem Gespräch nichts anfangen. Ich hatte kein Problem, das es zu lösen galt.

Ich glaube, dass solche Beiträge nichts für Facebook sind. Ich muss da genauer auswählen, was ich dort rüberschiebe und was nicht. Jetzt weiß ich ja, dass das geht.^^

Meine Kontaktfreude kann ich mittlerweile besser auf verschiedene Personen verteilen. Und ich mache mir auch nicht mehr solche Sorgen, als Spammer wahrgenommen zu werden. Hier im Blog darf das. Dieses Bedürfnis, dass es raus muss in die Welt, muss befriedigt werden. Besser früher als später, denn wenn ich es länger unterdrücke, kommt es umso ungeordneter und gewaltiger hervor.

 

22.02.18

Ich bin jetzt deutlich ruhiger geworden. Heute war sogar ein Mittagsschlaf drin. Inzwischen frage ich mich, wer das alles lesen soll und ob das hier bei WordPress nicht die falsche Bühne dafür ist. Bisher habe ich solche Reflexionen, wenn es mir sehr schlecht ging, in meinem Genesungsblog gemacht. Aber dort habe ich mich zur Forenpause abgemeldet, weil mir alles zu viel wurde. Gestern habe ich dafür seit langer Zeit mal wieder den Psychosechat aufgesucht und fühlte mich einfach sehr wohl und angenommen in meiner Verrücktheit.

Mein Image als Schriftsteller soll eigentlich nicht das eines Verrückten sein, ich möchte schon gerne seriös wirken. Auf Facebook habe ich mir eine eigene Seite gemacht „Ingo S. Anders – Schriftsteller“ in der Hoffnung, danach würde eines Tages dann gesucht werden. Dort poste ich dann nur Ausgewähltes, solange ich mich zusammenreißen kann. Irgendwann wird das schwer mit dem Auswählen,;wenn ich manisch bin, finde ich alles toll und wichtig.

Wegen dieser verminderten Urteilsfähigkeit bin ich sehr froh, dass es mir gelungen ist, meine Blogbeiträge alle nach hinten zu schieben und nicht sofort gepostet zu haben. So habe ich die Chance, Dinge nochmal zurückzustufen, was doch nicht reif ist für die Welt. Oder was eben nicht ins Image passt, aber ich denke hier als Blogger habe ich schon von Anfang an das Image eines eher Durchgeknallten. Das möchte ich aber gerne ändern.

 

Dokumentation einer manischen Episode mit psychotischen Exazerbationen

Iro mit Giraffe

Irokese

Ich habe lange überlegt, ob ich die Beiträge aus 2016 löschen soll. Es ist sehr schön zu beobachten, wie ich erst hypoman voller Schaffensdrang hier losgepostet habe und alles noch super und einfach nur sehr engagiert aussah. Dann wurde ich langsam logorrhoeisch. Da habe ich immer mehrere Beiträge in einen gestopft, mit horizontalen Linien getrennt. Und schließlich konnte ich es nicht mehr halten und habe mehre Beiträge pro Tag gepostet. Dann wurden meine Gedankengänge zusehends wirrer, wahnhafter und eben auch psychotisch. Wenn also mal einer wissen will, wie inkohärentes Denken sich äußert, bitte im Archiv schauen. Vielleicht findet den Beitrag ja mal ein Psychologiestudent oder so, würde mich freuen.

Ich hatte lange überlegt, die Beiträge aus dem Sommer zu löschen, weil ich mich geschämt habe, so sehr die Kontrolle verloren zu haben. Aber alle Beiträge wurden irgendwie geliked. So daneben kann es also doch nicht gewesen sein. Deshalb lasse ich sie da. Jeder Text findet seinen Leser, nicht wahr.^^

Die Grenzen sind fließend, was ist noch Mitteilungsfreude, was schon Mitteilungsdrang und wo sind wir in der Logorrhoe? Ebenso frage ich mich, wo ich aufdringlich werde und was einfach nur Kontaktfreude ist und wo Stalking anfängt. Hängt doch alles davon ab, wie viel Kontakt einem gerade in den Kram passt.

Gestern habe ich gemalt, das hat mir gut getan. Das Bloggen bringt es nämlich mitunter mit sich, dass ich ganz aufgeregt meine Gedanken verfolge und alles für wundervoll und mitteilenswert halte. Das fällt mir noch etwas schwer, da zu unterscheiden, was erzählenswert ist und was nicht. Wie beim Schreiben meiner Geschichte übrigens auch. Beim Schreiben von Kurzgeschichten brauchte es solche Überlegungen nicht, beim Roman jetzt schon.

23. Februar 18

Vielen Dank, dass Du bis hierher gelesen hast. :)

Wie machst Du das, wenn Du erhöhten Mitteilungsdrang hast? Wendest Du Dich an ein Zuhörkiosk oder bloggst Du? ;)

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