„Das können Sie nicht!“

„Das können Sie nicht!“

Mir hat eine Bewegungstherapeutin, als ich in der Psychoedukationsgruppe mein Vorhaben, jetzt einen Roman schreiben zu wollen, äußerte, diesen Satz an den Kopf geknallt. „Wenn Sie ein Buch schreiben wollen, müssen Sie etwas erlebt haben. Und Sie müssen es verarbeitet haben.“

Leider wusste ich nicht, dass das völliger Nonsens ist, und habe mich für vier Jahre ins Bockshorn jagen lassen. Zum einen kannte die Dame mich kaum – sie wusste nur von Psychoseerfahrung und nicht von trans* -,zum anderen verarbeite ich ja gerade durch das Schreiben.

Genausogut hätte sie sagen können: „Sie sind nichts, Sie können nichts, Sie können noch nicht einmal putzen!“ Das wäre vermutlich weniger verheerend gewesen, weil ich natürlich weiß, dass ich putzen kann. (So gehört von einem Vorgesetzten in der Küche während meiner Kochlehre, aber da erwarte ich es auch nicht anders.)

Die Ergotherapeutin war damals übrigens ganz auf meiner Seite, wenn nicht schon Feuer und Flamme. Für sie habe ich immer Kurzgeschichten geschrieben und diese dann mit ihr besprochen. Das hat mir sehr gut getan und Spaß gemacht. Ich hätte große Lust, meinen Roman mit einer Ergotherapeutin zusammen zu schreiben, Kapitel für Kapitel zu besprechen. Davon würde ich sicherlich ungemein profitieren.

Aber da denke ich dann wieder, dass das (vom Eigenanteil abgesehen) die Krankenkasse trägt und ich will der Allgemeinheit nicht auf der Tasche liegen, wenn es mit einem Schreib-Forum auch getan ist. Ich frage mal meinen Therapeuten, was er dazu meint.


 

Und eben ist es mir wieder passiert: Ich bekomme eine Meinung, um die ich nicht gebeten habe. Ich habe im Chat laut darüber nachgedacht, wie ich eine Szene beim Rollenspiel darstellen kann. Es ging mir dabei darum, dass alle Leser etwas damit anfangen können, sowohl RPG-Cracks als auch Menschen, denen diese Art des Zeitvertreibs völlig unbekannt ist.

Was ich im Einzelnen gefragt habe, weiß ich nicht mehr, war aber ausschlaggebend für eine unschöne Unterhaltung, die dann damit endete, dass derjenige nun gar nichts mehr zu meinem Projekt sagen wollte. Ich bin nicht der erste, mit dem er aneinander geraten ist. Er glaubt nun, seine Kritik sei nicht erwünscht, weil sie auf die Planungsebene abzielt. Das ist nicht der Grund.

Er kannte weder Figur noch Szene, unterstellte aber, ich wisse nicht, dass die Darstellung des Charakters im Vordergrund zu stehen habe. Ich bekam das Gefühl, ich hätte keine Ahnung von dem, was ich da tue – jedenfalls schien er wohl davon auszugehen. Leider verwendet er sehr viele akademisch geprägte Fachwörter und wollte mich in eine Fachsimpelei ziehen darüber, was bei der Planung dieser Szene zu beachten sei.

Es handelt sich um einen Schriftsteller, der selbst erst ein Kapitel geschrieben hat und einige Kurzgeschichten. Da ist es schwer, den Eindruck zu gewinnen: „Boah, der hat es echt drauf, so wie er will ich auch schreiben können.“ Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer, Kritik anzunehmen, die auf meine Arbeitsweise abzielt und sich nicht auf meinen Text beschränkt.

Wie ich arbeite, passe ich an, sobald ich die Erfahrung mache, dass das für mich Vorteile bringt, etwas zu ändern. Wenn ich selbst mit meiner Arbeitsweise nicht zurechtkomme. Aber ich möchte mir nicht sagen lassen, wie ich zu arbeiten habe. Bisher plane ich keine Szenen. Meine Kurzgeschichten habe ich bis auf eine Ausnahme auch nicht geplant. Es würde mir auch niemals Spaß machen und das ist offensichtlich der gravierende Unterschied zwischen besagtem Herrn und mir.

Den Spaß werde ich mir nicht verderben lassen und dazu muss ich eben an der richtigen Stelle die Ohren auf Durchzug stellen.

Update: Er hat sich entschuldigt, noch bevor ich die Worte gefunden hatte, ihm zu erklären, dass mir seine Kritik nicht jederzeit willkommen ist, sondern nur dann, wenn ich um Feedback bitte. Er kam von selbst drauf. Ich bin sehr froh, dass er sich wieder eingekriegt hat.

Ich mag den Mann wirklich sehr gerne und er hat mir bisher schon sehr geholfen mit seinem Wissen übers Plotten, seinem Sprachgefühl und der einfühlsamen Art, Rückmeldungen zum Text zu geben. Wäre dem nicht so, hätte ich wohl einfach nur den Kopf geschüttelt über so einen Arschgeigerich und mir nichts weiter dabei gedacht.

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