In Köln findet am Pfingstmontag die vierte Mad Pride statt

In Köln findet am Pfingstmontag die vierte Mad Pride statt

Viele erleben uns als irritierend, wenn wir sind, wie wir sind. Viele meinen, unser Alltag wäre leidvoll. Doch das ist ihr Problem, nicht unseres.

Die Einladung zur Mad Pride am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018 ab 13 Uhr spricht sowohl psychisch Kranke und andere Behinderte, aber auch Transleute und eben doch wieder Schwule an. Ich sehe mich da in vier Zielgruppen. Der CSD in Köln findet zusätzlich im Juli statt.

Laut dem Pressetext wird die Parade vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrener getragen. Denen könnte ich ja mal einen dezenten Hinweis geben, dass ich mich von „Transen“ nicht angesprochen fühlen will. Von „Tunten“ allerdings auch nicht. Genausowenig sehe ich mich als „Psycho“. Das soll wohl lustig sein oder empowernd oder beides, aber ich finde das nicht hilfreich, das klingt in erster Linie marktschreierisch und schreckt mich eher ab als mich anzusprechen. Dabei spreche ich selbst auch von „Spaßtransen“ und kenne ja auch „Berufstransen“. Aber das alles in einem Kontext, in den es passt. Viele Transleute sind von dem Begriff „Transen“ beleidigt, weil er vielfach abwertend gebraucht wird. Genau da wollen die Initiatoren wohl ansetzen und ihn zurückerobern. Vielleicht eine Frage der Zeit, bis ich das anders sehe.

Nach der Parade treten in Odonien verschiedene Bands auf, unter anderem BRINGS. Sommerblut, das Festival der Multipolarkultur dauert vom 5. -21. Mai 2018.

Mich hat ein Bekannter hier aus Hamburg darauf aufmerksam gemacht und gefragt, ob ich hingehen will. Ja, reizen täte es mich schon. Endlich wieder ein Anlass für eine Reise ins Rheinland. Das würde mich schon freuen. Die Bewegung täte mir sicherlich gut.

Was mir zusagt ist die Uhrzeit, ich muss nicht in aller Herrgottsfrühe aufstehen und das Konzert dauert auch nicht bis in die Puppen. Das scheint mir gut zu bewältigen. Ich weiß aber nicht, ob ich den Belastungen einer Zugreise und dem Trubel vor Ort gewachsen bin. Und ich bin so schlecht verplanbar.

Aber brauchen wir überhaupt eine Prideveranstaltung wie den CSD für Ver-rückte? Wenn ich mir ansehe, was der CSD in 25 Jahren geleistet hat: Ja, das ist bitter nötig.

Party statt Pathologie können wir hier in Hamburg auch brauchen. Es muss einfach transparenter werden, wie viele das Thema psychischer Krankheit betrifft, es tut gut zu sehen, wie viele sympathisieren und wir müssen dahin, dass man keine Angst mehr haben muss, sich erstmals in Behandlung zu begeben aus Sorge, abgeschrieben zu werden, wenn das publik wird. Viele halten mit ihrer Krankheit hinter dem Berg aus Angst vor dem Stigma und viele werden auch wirklich noch ausgegrenzt, vor allem am Arbeitsplatz. Das habe ich selbst ja auch erlebt.

Mit meine Geschlechtsangleichung hatten die Kolleginnen und Kollegen kein Problem, aber nachdem ich in der Psychiatrie war, wurde ich geschnitten, weil alle mit mir überfordert waren. Viel zu oft wird mir auch in Gesprächen gesagt „Aber du hast ja bestimmt einen guten Therapeuten, mit dem du darüber reden kannst“ und das passiert mir nur dann, wenn bekannt ist, dass ich eine Diagnose habe. Gelte ich als „gesund“ kann ich stundenlang rumjammern, wie schwer mir das Leben doch fällt, da werde ich nicht weggeschickt.

Sowas muss sich ändern. Wir brauchen alle mehr Wissen über psychische Erkrankungen, über das Leben damit und das bereits bevor es uns selbst erwischt. Und, das wäre der nächste Punkt, wir müssen dringen mal etwas an dieser kranken Gesellschaft ändern, die uns alle krank macht. Und wir selbst machen doch diese Gesellschaft aus, jeder einzelne von uns.

Also: Arsch huh und Zäng ussenand! (Arsch hoch und Zähne auseinander!)

Diese Mad Pride klingt nach einer Party, die bestimmt auch meinem Onkel gefallen hätte.

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