Erhöhungsantrag ist durch

Am 18. Januar habe ich nach einem Gespräch mit meiner Psychiaterin einen sogenannten Neufeststellungsantrag gestellt. 2012 hatte ich etwas voreilig entgegen dem Rat meiner Hausärztin einen Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung gestellt. Da der Verlauf erst recht kurz war, kam damals ein GdB von 30 heraus. Für mich war das sehr wichtig, da so etwas Amtliches, das ich schwarz auf weiß hatte, für mich etwas war, das ich fassen konnte. Als krank empfand ich mich nicht, aber eine Behinderung zu haben konnte ich einsehen.

Ich fühle mich schon etwas eingeschränkt in meinem Alltag, aber der Grund ist eben eine chronische psychische Erkrankung. Weil der Schlaf so wichtig ist, kann ich keinen abendlichen Treffen beiwohnen – oder ich müsste meinen Schlaf- und Wachrhythmus so weit nach hinten schrauben, dass ich große Schwierigkeiten hätte, meine etlichen Arzttermine nachmittags noch beiwohnen zu können. Das verwehrt mir sämtliche Begegnungen im Freizeitbereich, da sich alles nach den Berufstätigen richtet. Tagsüber bleiben mir nur Veranstaltungen für psychisch Kranke.

Ich hatte dieses Problem mit meinem Therapeuten besprochen und auch er ist der Ansicht, dass ich da nur abwarten kann, was das Lithium auf Dauer an Stabilität und damit vielleicht Belastbarkeit bringt.

Am 14. Februar habe ich eine Eingangsbestätigung erhalten.

Heute, am 3. Mai, habe ich den Neufeststellungsbescheid erhalten: GdB 70 habe ich jetzt befristet auf zwei Jahre. Mit so viel hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte immer, mir ginge es noch vergleichsweise gut, aber offenbar ist das nicht der Fall.

Nun kann ich mir, wenn ich ein Foto einreiche, einen Schwerbehindertenausweis ausstellen lassen. Was ich dann damit anfangen soll, weiß ich noch nicht so recht. Einen Arbeitsplatz habe ich ja nicht. Bei der Steuererklärung gebe ich den höheren GdB natürlich an und bekomme einen höheren Freibetrag.

In den letzten Wochen hatte ich wenige Termine, zu denen ich wach sein musste. Mit dem Schlaf habe ich jetzt das Experiment gewagt und bin einfach dann ins Bett gegangen, wenn ich müde war und aufgestanden, wenn ich mich ausgeruht genug fühlte. Mit dem Ergebnis, dass ich eine Zeit lang genau zur interessantesten Zeit zwischen 20 und 22 Uhr dabei sein konnte und das für mich „morgens“ war, ich also genug Zeit hatte, all die Eindrücke zu verarbeiten.

So war ich auf einer Lesung und bin wieder bei der Schreibwerkstatt dabei. Teilweise bin ich komplett nachts unterwegs und verschlafe die Abende. Im Augenblick geht es ziemlich durcheinander, weil ich versuche, wenigstens an den Nachmittagen bereits wach zu sein. Auf der anderen Seite wache ich um 4 Uhr schon auf, kann mich aber nicht wirklich konzentrieren, weil ich doch unausgeruht bin. Ich brauche einfach 13 Stunden Schlaf und idR machen die Leute große Augen, wenn ich das erzähle.

Besonders stabil fühle ich mich mit diesem Chaos jetzt nicht. Ich kann nicht gut planen, weil alles damit steht und fällt, ob ich genug geschlafen habe und da das nicht auf Knopfdruck funktioniert, muss ich das abwarten. Mit dem Lithium bin ich mittlerweile bei zweieinhalb Tabletten pro Tag angekommen, also 1125mg und dazu nehme ich noch 2,5mg Olanzapin. Es ist schon sehr, sehr viel besser als ohne Lithium, aber ich darf noch auf Besserung hoffen, sagt meine Ärztin. Na denn:

 

Schnecke Volldampf voraus!

Volldampf voraus!

 

Eine Antwort

  1. Auf jeden Fall ist es „besser“, den höheren GdB zu haben, auch wenn die direkten Vorteile bei dir jetzt nicht ad hoc gegeben sind. Wer weiß, was in den nächsten zwei Jahren alles so passiert!? Ich trage mich im Moment auch mit dem Gedanken an eine Überprüfung, schiebe das aber noch ein wenig vor mir her.

    Das mit deinem Schlafrhythmus/-bedarf klingt auf den ersten Blick wirklich krass. Ich kann mir das schon vorstellen, dass das sehr einschränkend sein kann. Wobei andere jetzt wieder sagen würden: Ach, könnte ich doch überhaupt so lange schlafen. Jeder Jeck ist, wie immer, anders. Und wichtig ist, dass du selbst gut klar kommst. Deswegen hoffe ich, dass sich da noch ein stabilerer Rhythmus ausbildet :-) .

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