Roman-Werkstatt

Ich habe am vergangenen Wochenende einen VHS-Kurs namens „Roman-Werkstatt“ bei Kerstin Brockmann besucht. Sie ist Journalistin und leitet ehrenamtlich die Schreibwerkstatt Harburg. Am Ende hatte ich das befriedigende Gefühl, genug über das Schreiben eines Romans zu wissen, um dies tun zu können. Daran hatte ich bisher immer wieder gezweifelt.

Trotz Verspätung bin ich noch gut reingekommen und habe als erstes einen Klappentext runtergeschrieben, den ich mir allerdings schonmal zurechtgelegt hatte, weil ich im Chat mehrmals erklärt hatte, worum es in meinem Buch in der Hauptsache geht.

Als nächstes haben wir Figuren entwickelt. Bei mir ist einer herausgekommen, der gut in eine Komödie gepasst hätte. Irgendwie habe ich die Übung nicht wirklich ernst genommen, da wir zuerst so einen Steckbrief schreiben sollten und sowas mag ich gar nicht. Bei der indirekten Charakterisierung hatte ich dagegen keine Probleme. Diese Figur habe ich dann mitgenommen in die nächste Übung, in der eine vorgegebene Szene umgeschrieben werden sollte.

Das nächste Thema waren Dialoge und da habe ich in der Übung ausgerechnet zwei sehr wortkarge Typen erwischt. Es ging darum, keine Sprecherverben zu benutzen und über die Begleitsätze deutlich zu machen, wer spricht. Das Ergebnis dieser Schreibübung will ich euch nicht vorenthalten:

Als ich die Kneipe betrat, schlug mir der typische feuchte Mief aus abgestandenem Bier und altem Rauch entgegen.

»Moin!«

Als einziger Gast war ich dem Kerl hinterm Tresen nicht entgangen.

»Hast Glück, dass ich schon auf hab.«

Charmanter konne er mir wohl nicht sagen, dass ich ein versoffener Versager war. Ich erklomm meinen Stammplatz an der Theke und sah Kuddel auffordernd an.

Wortlos stellte er mir mein Gaffel vor die Nase und fuhr fort, die Gläser zu polieren.

Sofort nahm ich einen tiefen Zug. »War nix.« Ich starrte auf Kuddels dicken Bauch, über den sich ein T-Shirt mit dem Schriftzug I have the pussy I make the rules spannte. »Schickes Shirt.«

»Danke.«

Ich leerte mein Glas und beäugte weiter die Plauze, die beim Polieren etwas ins Schwabbeln geriet.

»Holger?«

Ich spürte seinen Blick. Noch war ich nicht soweit. Obwohl die Gelegenheit günstig wäre, da der Laden noch nicht brummte. »Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, Kuddel.«

Beim Lesen selbst hilft natürlich auch noch der Zeilenumbruch an der richtigen Stelle, aber dieser Dialog funktioniert auch noch beim Vorlesen.

Das Thema Spannung begann bereits mit dem Titel und für mich überraschend hat auch ein für mich eher reizloser Titel viele Interessenten gefunden. Der persönliche Geschmack spielt da offensichtlich auch eine große Rolle. So interessieren sich zwanzigjährige Jungs für einen Titel „Andrea“, der uns bis auf eine völlig kalt ließ.

Es gab sehr viele Lesebeispiele zu verschiedenen Techniken, aber bei der Übung habe ich einfach geschrieben, ohne groß das Nachdenken anzufangen und heraus kam, dass ich eine Mischung verschiedener Methoden angewendet hatte. Ich glaube, das ist auch ganz gut so, denn wenn nur ein Merkmal heraussticht, würde mir das wohl beim Lesen auffallen.

Dann kamen wir endlich zu der Frage, wie man das bitteschön alles bis zum Ende durchhalten soll, ohne in den Sack zu hauen. Ich musste feststellen, dass ich auf das meiste schon von selbst gekommen bin:

  • Das Schreiben zum Ritual machen. Dann hat man die Macht der Gewohnheit auf seiner Seite. Wichtig ist, dass man sich erreichbare Ziele steckt. Für Berufstätige kann 1 Seite pro Tag bereits zu viel sein, aber man kann sich auch ein Wochenziel setzen. Vielen hilft es auch, die geschriebenen Wörter zu zählen und zB am NaNoWriMo teilzunehmen.
  • Andere darüber informieren, dass man ein Buch schreibt. In einem Blog darüber berichten, ein Forum aufsuchen … Ich habe sogar eine wöchentliche Teamspeak-Gruppe neben Forum und Chat. Dazu kann ich noch 14tägig die Schreibwerkstatt aufsuchen. Also an Mitstreitern mangelt es mir wahrlich nicht. Die haben mich sogar schon einmal vom Aufgeben abgehalten.
  • Den Bauplan muss man nur im Hinterkopf haben und darf in beliebiger Reihenfolge schreiben. Wer sich vornimmt, von vorne nach hinten zu schreiben, kann daran scheitern.
  • Wenn man Blockaden bekommt, sollte man analysieren warum. Es gibt Leute, die gegen Ende Probleme bekommen, weil sie einfach noch nicht aufhören wollen, an diesem Buch zu schreiben. Andere Probleme kann es geben, wenn einem das Thema oder Figuren zu nah oder zu weit weg sind. Helfen kann, es Alternativen zu schreiben.
  • Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Für mich eher nicht das Problem, auch wenn auch ich mich ablenken lasse, vor allem im Netz. Dennoch: Ich habe oft noch Zeit übrig, wenn ich einfach nicht mehr kann. Ich schaffe nur begrenzte Zeit kognitive Arbeit.
  • Es kann helfen, sich Notizen für die nächste Schreibzeit zu machen, bevor man aufhört. Ich habe in meinem Dokument jede Menge Notizen verteilt an kleinen oder großen Baustellen. Mir hilft das auf jeden Fall beim Wiedereinstieg.

Zum Abschluss ging es darum, einen Verlag zu finden. Also nicht direkt im Rahmen des Kurses. ;) Aber es wurden Wege aufgezeigt. Am raffiniertesten fand ich die Idee, einfach mal eine Buchhandlung aufzusuchen und nach ähnlichen Büchern wie dem eigenen zu suchen und zu schauen, von wem die verlegt worden sind. Auf jeden Fall von einem seriösen Verlag! Ansonsten gibt es in der Wikipedia eine Liste deutschsprachiger Verlage, die allerdings auch bereits erloschene Verlage enthält, dafür auch die Programmschwerpunkte.

Hat man einmal die Zuschussverlage aussortiert, kommt es bei der Verlagsbewerbung wie bei anderen Bewerbungen auch zunächst auf die Form an. Dabei geht es nicht nur um Rechtschreibfehler, sondern auch darum, nicht ungefragt das gesamte Manuskript einzusenden. Normseiten sind auch gern gesehen. Werden ein Exposé und eine Leseprobe erwartet? Dies kann man idR auf der Homepage nachlesen und wo nicht, würde ich persönlich es bevorzugen, dies telefonisch zu erfragen. Und ich rufe wirklich ungern einfach irgendwo an …

Ein Exposé wird im Präsens geschrieben und sollte nicht länger als drei DIN-A4-Seiten sein. Es dient dazu, den Verlag für das Manuskript zu interessieren. Auch das Ende muss mit rein. Für mich ist das Thema Veröffentlichung aber noch in weiter Ferne. Erstmal will ich es überhaupt schaffen, meinen Roman zu schreiben.

 

Noch eine Ergänzung: Zur Zeit läuft in der Schreibkommune eine Artikelserie von mir zu diesem Thema mit vielen Textbeispielen.

%d Bloggern gefällt das: