nicht werkstattfähig

nicht werkstattfähig

Für mich ist das ein heftiger Klopper gewesen, als meine Ergotherapeutin mir eröffnete, dass sie mich für nicht werkstattfähig hält. Meine Psychiaterin bezeichnete dies als „wenig ermutigend“, widersprach dem aber nicht. Und auch mit meiner eigenen Einschätzung deckt es sich, dass ich es nicht lange durchhalten würde, von 8 bis 16 Uhr irgendwo aktiv so sein und ginge es nur um simpelste Tätigkeiten, für die null Konzentration nötig sei – es ist einfach der Schlaf, der mir dann auf Dauer fehlen würde. Die Freizeit wäre zu kurz.

Bereits als ich im letzten Jahr die EX-IN-Ausbildung machte, brachte mich dies an den Rand meiner Leistungsfähigkeit: zweimal die Woche drei Stunden und alle 14 Tage 10 bis 17 Uhr – den Sonntag lag ich dann nur noch platt in der Ecke. Und auch all die anderen Tage dazwischen brauchte ich zur Erholung.

Dreizehn Stunden Schlaf zu brauchen ist einfach nicht normal. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, dies würde mit Absetzen des Neuroleptikums anders werden. Zur Zeit habe ich kaum Termine und ich habe einfach mal ausprobiert, wenn ich nur dann ins Bett gehe, wenn ich auch müde bin und auf der anderen Seite ausschlafe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich nach nur acht Stunden Schlaf – was als normal gilt – nach sechs Stunden derart müde bin, dass ich mich auch wieder hingelegt habe.

Habe ich dreizehn Stunden geschlafen, kann ich dagegen nicht gleich nach elf Stunden wieder einschlafen. Nach der Mittagsmüdigkeit ab sechs Stunden nach dem Aufstehen kommt erst acht Stunden später wieder ein Punkt, an dem es Sinn macht, sich hinzulegen. Ich würde also nichtmal auf Bajor ins Konzept passen (dort haben sie einen 26-Stunden-Tag). Deshalb rotiere ich  zur Zeit immer so drei, vier Stunden nach hinten.

Was mich sehr betrübt macht, ist, dass es mir nicht gelingt trotz aller Freiheiten dank geregelter Finanzen und frei einteilbarer Zeit an meinem Roman weiterzuarbeiten. Das kann ich ja nun wirklich auch mitten in der Nacht machen. Aber ich tue es nicht.

Weil ich keine Lust habe, nachdem ich mich versucht habe, dazu zu zwingen anhand eines Stundenplans. Ich wollte wieder dazu zurück, eine Stunde am Tag zu schreiben, was mir im ersten halben Jahr gelungen ist.

Und weil ich ein Arbeitsumfeld schmerzlich vermisse. Es gibt Foren, Chats und Blogs sowie Gruppen von Autoren, die sich vor Ort treffen. Aber es gibt niemanden, der zur gleichen Zeit mit mir im Büro sitzt und ein Pläuschchen am Kopierer hält. Wo ich weiß, dass ich weiß, dass der mich für ne faule Sau hält, wenn ich mich nicht auf meinen Hosenboden setze. Nein, Schreiben gilt sehr verbreitet als Hobby und die meisten raten mir eher dazu, mir Zeit zu lassen und mich nicht unter Druck zu setzen – was ich derzeit auch mache.

Vor November wird es nicht wieder losgehen, allein schon wegen des Urlaubs. Und dann wird mich wohl der Umzug ereilen, also möglicherweise war es das für dieses Jahr. Ein halbes Jahr Arbeit pro Jahr, wo gibt es denn das?

In der Werkstatt für behinderte Menschen jedenfalls nicht. Manchmal würde ich da gerne teilhaben dürfen. Um wenigstens eine Illusion von „normal“ zu haben, um ein Arbeitsleben zu haben. Es gibt sogar ein Atelier in der Stadt für psychisch kranke Künstler (Maler) – aber nicht für Schriftsteller.

Ich glaube, ich möchte einfach nicht zum Schreiben gezwungen sein. Ich möchte es gern tun, weil ich es kann und weil eine Geschichte aus mir heraus will. Aber manchmal war der Gedanke verlockend, immer noch einfach alles hinzuwerfen und in eine Werkstatt zu gehen und jetzt kann ich nicht einmal mehr das.

Eine Antwort

  1. Es tut mir leid, dass es dir zur Zeit nicht so gut geht und dir deine Vorstellung einer Beschäftigungsmöglichkeit genommen wurde. Dein Schlafbedürfnis kann ich nachvollziehen – ich hatte auch so eine Phase, die sehr lange dauerte. Aber gib die Hoffnung nicht auf, dass sich das doch noch mal bessern wird. Ich kann verstehen, dass man sich fragt, wie lange das so weitergehen soll. Bei mir wurde es erst nach einer langen Zeit mit Negativsymptomen und mit der Einnahme eines AD besser. Vielleicht weiß dein Doc
    was dir noch helfen könnte?

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