Ich bin bald weg vom Fenster

Bedingt durch den Umzug werden wir ab nächste Woche für unbestimmte Zeit offline sein, weil unser Neubaugebiet noch nicht vertriebsfähig ist, so mein letzter Kenntnisstand.

Diesen Blog werde ich darüber hinaus  bald schließen. Soeben habe ich verfügt, dass mein Vertrag mit WP nicht über Januar hinaus verlängert wird. Dann werde ich sehr wahrscheinlich alles auf privat stellen, sollte ich meine Meinung dazu noch einmal ändern.

Seit das mit der DSGVO aufgekommen war, habe ich mir darüber Gedanken gemacht, eventuell für Inhalte haftbar gemacht werden zu können. Ich betrachtete mein Bloggen hier mit ganz anderen Augen hinsichtlich der Konsequenzen meines Tuns.

Als ich damals anfing, war ich manisch und ziemlich wahnhaft. Ich hatte einen unbändigen Drang, Erlebnisse und Erkenntnisse mit der Welt zu teilen und da sich diese Möglichkeit bot, tat ich es einfach. Ich belästigte niemanden mit Anrufen oder Mails, ich schrieb es einfach hier nieder, auf dass es schon gefunden werden möge.

Diesen enorm übersteigerten Mitteilungsdrang habe ich schon lange nicht mehr. Es ist gewichen einem unangenehmen Gefühl, doch sehr private Dinge hier öffentlich zugänglich machen und häufig einem schlechten Gewissen meinen Lesern gegenüber, doch irgendetwas präsentieren zu müssen.

Auch meine neue Adresse müsste ich ins Impressum stellen, sobald ich umgezogen bin. Bei diesem Gedanken ist mir jedoch sehr unwohl. Da nun auch noch seitens WordPress eine empfindliche Preissteigerung hinsichtlich der Domain ins Haus steht, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und stelle die Zahlungen ein.

Das Schreiben werde ich nicht ganz einstellen, ich werde nur wieder vermehrt meine Tagebücher aus Papier vewenden. Und vielleicht fällt im neuen Jahr wieder mehr Energie für Geschichten oder sogar meinen Roman ab.

Montag kommen die Kartons

Jetzt wird es ernst in Sachen Umzug und so langsam bekommt auch der letzte Ignorant mit, dass sich hier bald ganz schön viel ändern wird.

Nachdem ich viermal um sechs aufgestanden bin und heute um acht, bin ich hypoman. Das ist etwas ungünstig, da ich in der Manie dazu neige, allen überflüssigen Ballast abzuwerfen und so werde ich wohl eher mehr als weniger alte Möbel abstoßen und eher weniger in die Kartons packen und mehr dem Müll überantworten oder zum Umsonstladen bringen.

Mein Ehemann hat sich schon wieder Ruhe erbeten. Offenbar bin ich leicht logorrhoeisch und rede ihm zu viel. (Echt praktisch, wenn man das auf eine Krankheit schieben und die eigenen Bedürfnisse als „normal“ definieren kann.) Daher soll ich morgen ausschlafen, muss allerdings Montag um sechs und Dienstags spätestens um sieben hoch. Es sei denn, ich delegiere – unter Eingeständnis meiner akuten Unfähigkeit.

Für mich ist dadurch der Beweis erbracht, dass es tatsächlich so ist, dass ich keiner geregelten Arbeit nachgehen kann, die mir feste Arbeitszeiten vorgibt. Und ich sehe da auch ehrlich gesagt wenig Potential für eine Verbesserung, denn ich habe eine unheilbare Krankheit.

Im Augenblick geht mir wieder tierisch der Lärm von den Nachbarn auf den Sack; in der Mittagspause wurde geklopft, so dass ich nach draußen geflohen bin. Und jetzt bin ich mal wieder genötigt, Musik anzumachen. Es ist nicht so, dass ich Musik nicht leiden kann, aber ich wäre gerne frei in der Entscheidung, sie mir jetzt anzuhören, weil ich gerade Lust darauf habe.

Offenbar sind es immer wieder dieselben Themen, die mir durch den Kopf gehen. Krank hier, krank da, ich kann dies nicht, ich kann das nicht. Mich langweilt das. Euch nicht?

Der Umzug ist nun ein außergewöhnliches Event, aber auch nicht mein allererster. Ich habe drei Umzüge als Kind erlebt, acht bei wachsendem Hausstand in Eigenregie durchgezogen und einmal eine Spedition beauftragt. Nun ist es das zweite Mal, dass unserer Vermieterin die Spedition beauftragt und die Kosten trägt, weshalb wir uns deren Organisation beugen müssen. Es ist also mein 13. Umzug.

Es ist das erste Mal, dass ich in einen Neubau ziehen werde. Das bedeutet, die Wände werden feucht sein, die Möbel müssen entsprechenden Abstand haben und wir müssen besonders gut lüften, damit es keinen Schimmel gibt. Im Keller können wir nichts lagern, das die Feuchtigkeit nicht verträgt, was Bücher, Akten, Kleidung und anderes organisches Material beinhaltet. Wir haben unterschrieben, die ersten zwölf Monate nicht zu tapezieren. Okay, wir haben auch unterschrieben, auf dem Dach keinen Fußball zu spielen.^^ Das ist so abwegig, dass ich es lächerlich finde, es überhaupt schriftlich fixieren zu wollen. In den ersten fünf Jahren kann es zu Setzrissen kommen und auch das müssen wir nun so normal finden, deshalb nicht die Miete mindern zu wollen. Die nächste Zeit verbringen wir also in nackten, weißen Wänden.

Unser Mobiliar werden wir teilweise austauschen (müssen). Da denke ich seit Wochen drauf rum, war schon beim Möbelhaus unseres Vertrauens. Ohne die genauen Maße kann ich nichts endgültig entscheiden. Das macht mich von Anfang an fertig, wir haben sogar den Mietvertrag unterschrieben, ohne die Wohnung überhaupt gesehen zu haben – immerhin war ich in der Musterwohnung, zusammen mit fünfzig anderen. Deshalb weiß ich, dass wir a) unsere Küche nicht mitnehmen können, weil schon eine drin ist und b) Oberschränke, Spülmaschine sowie Kühlschrank fehlen. Und dass die Waschmaschine ins Bad muss. Wir müssen also etwas nachkaufen vom Hersteller, der alle Wohnungen ausgestattet hat. Den Flyer erhalten wir tatsächlich schon zur Schlüsselübergabe. Den Auftrag zur Entsorgung der alten Küche mussten wir natürlich vorher schon geben. Sperrmüll habe ich noch nicht beauftragt, weil ich noch nicht weiß, was letztendlich raus soll, aber schon jetzt gibts Termine frühestens Anfang/Mitte Januar. Oder natürlich gegen dreifache Gebühr.

Ich könnte noch weiter ins Detail gehen (Nehme ich unsere 45er Spülmaschine für das 60er Loch oder kaufe ich eine 60er, die für uns zwei, viel zu groß ist, oder nehme ich doch die zehn Jahre alte, die ich schon habe? usw.), aber das erspare ich euch besser.^^

Bei der Besichtigung am Dienstag achte ich besonders auf:

  • Undichtigkeiten rund um die Fenster
  • Dunkle Stellen an den Wänden (evtl. Feuchtigkeitsreste)
  • Fugenbeschaffenheit im Bad: Vollständigkeit der Dehnungen zwischen Wand und Bodenfliesen und in Ecken

Und Montag kommen die Kartons. Ich bekomme also endlich etwas (für meine Hände) zu tun. Es geht endlich richtig los. :)))

Veränderungen

Veränderungen

Hallo zusammen,

ich freue mich riesig, dass ich mittlerweile über 75 Follower habe. Gleichzeitig hat mich dieser Umstand auch so sehr eingeschüchtert, dass ich in der letzten Zeit den ein oder anderen Beitrag dann doch wieder verworfen habe.

Vor zwölf Jahren habe ich mein allererstes Blog mal gestartet, um der Welt mein Leid zu klagen sozusagen, bekam so gut wie gar keine Resonanz, und dieses hier habe ich vor zwei Jahren eröffnet, um mir eine Anhängerschaft zu erschreiben, der ich dann eines Tages einen Roman präsentieren kann, von dem ich im Augenblick überhaupt nicht mehr sicher bin, ob ich ihn je vollenden werde.

Auch bekomme ich immer wieder große Zweifel, ob ich mich mit dem von mir geschaffenen Ingo S. Anders überhaupt identifizieren möchte, ob ich mich für den Kerl nicht eher schämen sollte. Wenn ich den im Spiegel sehe, denke ich oft, dass ich auf den Spiegel im Bad am besten auch noch verzichten sollte.

Im Oktober waren wir im Urlaub, auf Kreta. Dort habe ich Reisetagebuch geführt und das hat mir sehr gut getan. Wieder hier zurück denke ich, dass ich doch nun auf jeden Fall etwas zu erzählen hätte (viele frühere Themen hielt ich für nicht erzählenswert), aber irgendwie fehlte mir trotzdem der Mitteilungsdrang, denn ich hatte ja bereits einiges niedergeschrieben und ich hatte keine Lust, alles noch einmal wiederzukäuen. Als Fazit kann ich jedenfalls festhalten, dass es für mich nicht hilfreich ist, dass eine feste Struktur außen existiert – es reicht jedenfalls nicht, um mich in diese einzufügen. Ich kann dennoch nicht im dafür gedachten Zeitfenster innerhalb eines 24-Std-Tages ausreichend schlafen. Mein Schlafzeitfenster verschiebt sich auch ohne nennenswerte Erlebnisse, die mich überdurchschnittlich beschäftigen und nachhallen müssen und kollidiert somit mit Terminen, die ich eigentlich wahrnehmen wollen würde. Deshalb experimentiere ich nun als nächstes mit der Möglichkeit, einen ganz individuellen Schlaf- und Wachrhythmus zu kreieren, der planbar sein soll, so dass ich mir Termine in die Zeitfenster lege, in denen ich ohnehin wach sein werde. Ehrlich gesagt glaube ich aufgrund meiner bisher beobachteten sehr unregelmäßigen Schlafintervalle nicht an einen Erfolg, will es aber dennoch nicht unversucht lassen.

Zum Thema Umzug könnte ich wirklich lang und breit wettern, aber da es sich bei den Beteiligten u.a. um Vertragspartner von uns handelt, verkneife ich mir das aus rechtlichen Gründen lieber. Das Prozedere überfordert mich einfach. Heute morgen hatte ich einen Termin, den ich unterschätzt habe und der mit Begleitung ganz anders abgelaufen wäre.

Leider muss ich mich oft dafür rechtfertigen, dass ich verrentet bin. Die Leute glauben, man geht einfach zum Arzt, wenn man keine Lust mehr hat, zu arbeiten und schwups, wird man kaputtgeschrieben. Auch wenn ich sage, dass ich schwerbehindert bin, wird oft hinterfragt inwiefern und laienhaft beurteilt, ob das angemessen sei. Das stinkt mir tierisch und am liebsten würde ich einfach Stillschweigen darüber bewahren, aber zum einen kann ich einfach nicht meine Klappe halten, fühle mich unwohl damit, etwas zu verheimlichen und zum anderen denke ich, dass es der Öffentlichkeitsarbeit nicht damit gedient ist, wenn man sich versteckt. So übrigens auch hinsichtlich trans* und auch mit Schwulen haben heute noch viele Leute ein Problem. Einer schrieb mir, auch sein Bruder sei „so einer wie ich“ gewesen und dass er das toleriere und zugleich hatte er ein enormes Unbehagen mit mir einige wenige private Zeilen zu wechseln. Er hatte wohl Angst, er könne sich anstecken oder die Leute könnten glauben, er habe Gefallen an mir gefunden, falls unsere private Konversation zu lange dauert …

Diese Themen gehen mir sowas von auf den Sack mittlerweile, ich bin diese elenden Diskussionen leid. Mit dem Schreiben dachte ich, ich schaffe mir ein Thema, das ich mit anderen Leuten teilen kann, wo ich diesem Alltag etwas entfliehen kann und was mache ich? Ich schreibe über einen bipolaren Genesungsbegleiter.^^ So langsam wird mir klar, warum andere über Mörder, Ritter, Raumschiffe oder magische Wesen schreiben. Bis Ende des Jahres habe ich mir noch frei genommen auch wegen des Umzugs, aber danach will ich dann wieder durchstarten und mich täglich ans Schreiben setzen. Gut ein Dreivierteljahr Arbeit steckt bereits in dem Roman, wäre schade, wenns verkommt. Möglicherweise muss tatsächlich ein anderes, fiktiveres Werk her. Ich halte mir beide Optionen offen.

Eine weitere Veränderung macht sich seit Montag bemerkbar: Meine Stimme. Viele Jahre habe ich mir sehr viel Mühe gegeben, tiefer zu sprechen und je mehr ich mich anstrengte, desto weniger klappte es. Jetzt scheint sich eine Blockade gelöst zu haben. Auf einmal fühlt es sich ganz leicht und stimmig an, nachdem ich meinen Körper beim Singen an die Vibrationen in meinem Brustkorb gewöhnt habe. Natürlich ist mein Umfeld überrascht, mich nun tiefergelegt zu hören, aber wer mich noch nicht kennt, dem fällt meine Stimme nicht als ungewöhnlich auf; aus meiner Sicht klingt sie erst jetzt normal.

Im Augenblick bin ich im Begriff, einem Sportverein beizutreten, der mir hier Sportangebote macht, ähnlich denen im Urlaub: Vorne hampelt einer zur Musik und alle hampeln mit. Sowas macht mir ungemein Spaß, egal ob sich das nun Zumba schimpft oder Aerobic. Nur tut es meinem Knie nicht gut, wenn ich das Programm nicht an manchen Stellen entschärfe, Drehungen bekommen ihm gar nicht, ebenso hüpfen oder Treppensteigen. Zudem werden auch kurze (12km) Wanderungen angeboten, die ich gerade noch bewältigen kann. Den guten alten Crosstrainer habe ich leider so in Erinnerung, dass mir nach zwanzig Minuten die Zehen einschlafen. Und seine Motivationskünste sind auch irgendwie … eingestaubt.

Eine weitere Baustelle ist mein Schokoladenkonsum. Der ist so hoch, dass ich im Urlaub sogar abgenommen habe, weil ich dort auch mal Fleisch, Fisch und Gemüse zu mir genommen habe sowie ausgewählte Sättigungsbeilagen. Bei Hunden gilt: Andere Umgebung, andere Regeln. Und genau das werde ich mir auch auferlegen. In der neuen Wohnung gibt es keine Schokolade mehr. Spätestens da.

Das sind jetzt ziemlich viele Veränderungen auf einmal, aber manchmal fällt es kumuliert leichter.

Euer schlafloser Ingo

PS: Papa, falls Du das liest … danke für die BUZ und Happy Birthday!

nicht werkstattfähig

nicht werkstattfähig

Für mich ist das ein heftiger Klopper gewesen, als meine Ergotherapeutin mir eröffnete, dass sie mich für nicht werkstattfähig hält. Meine Psychiaterin bezeichnete dies als „wenig ermutigend“, widersprach dem aber nicht. Und auch mit meiner eigenen Einschätzung deckt es sich, dass ich es nicht lange durchhalten würde, von 8 bis 16 Uhr irgendwo aktiv so sein und ginge es nur um simpelste Tätigkeiten, für die null Konzentration nötig sei – es ist einfach der Schlaf, der mir dann auf Dauer fehlen würde. Die Freizeit wäre zu kurz.

Bereits als ich im letzten Jahr die EX-IN-Ausbildung machte, brachte mich dies an den Rand meiner Leistungsfähigkeit: zweimal die Woche drei Stunden und alle 14 Tage 10 bis 17 Uhr – den Sonntag lag ich dann nur noch platt in der Ecke. Und auch all die anderen Tage dazwischen brauchte ich zur Erholung.

Dreizehn Stunden Schlaf zu brauchen ist einfach nicht normal. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, dies würde mit Absetzen des Neuroleptikums anders werden. Zur Zeit habe ich kaum Termine und ich habe einfach mal ausprobiert, wenn ich nur dann ins Bett gehe, wenn ich auch müde bin und auf der anderen Seite ausschlafe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich nach nur acht Stunden Schlaf – was als normal gilt – nach sechs Stunden derart müde bin, dass ich mich auch wieder hingelegt habe.

Habe ich dreizehn Stunden geschlafen, kann ich dagegen nicht gleich nach elf Stunden wieder einschlafen. Nach der Mittagsmüdigkeit ab sechs Stunden nach dem Aufstehen kommt erst acht Stunden später wieder ein Punkt, an dem es Sinn macht, sich hinzulegen. Ich würde also nichtmal auf Bajor ins Konzept passen (dort haben sie einen 26-Stunden-Tag). Deshalb rotiere ich  zur Zeit immer so drei, vier Stunden nach hinten.

Was mich sehr betrübt macht, ist, dass es mir nicht gelingt trotz aller Freiheiten dank geregelter Finanzen und frei einteilbarer Zeit an meinem Roman weiterzuarbeiten. Das kann ich ja nun wirklich auch mitten in der Nacht machen. Aber ich tue es nicht.

Weil ich keine Lust habe, nachdem ich mich versucht habe, dazu zu zwingen anhand eines Stundenplans. Ich wollte wieder dazu zurück, eine Stunde am Tag zu schreiben, was mir im ersten halben Jahr gelungen ist.

Und weil ich ein Arbeitsumfeld schmerzlich vermisse. Es gibt Foren, Chats und Blogs sowie Gruppen von Autoren, die sich vor Ort treffen. Aber es gibt niemanden, der zur gleichen Zeit mit mir im Büro sitzt und ein Pläuschchen am Kopierer hält. Wo ich weiß, dass ich weiß, dass der mich für ne faule Sau hält, wenn ich mich nicht auf meinen Hosenboden setze. Nein, Schreiben gilt sehr verbreitet als Hobby und die meisten raten mir eher dazu, mir Zeit zu lassen und mich nicht unter Druck zu setzen – was ich derzeit auch mache.

Vor November wird es nicht wieder losgehen, allein schon wegen des Urlaubs. Und dann wird mich wohl der Umzug ereilen, also möglicherweise war es das für dieses Jahr. Ein halbes Jahr Arbeit pro Jahr, wo gibt es denn das?

In der Werkstatt für behinderte Menschen jedenfalls nicht. Manchmal würde ich da gerne teilhaben dürfen. Um wenigstens eine Illusion von „normal“ zu haben, um ein Arbeitsleben zu haben. Es gibt sogar ein Atelier in der Stadt für psychisch kranke Künstler (Maler) – aber nicht für Schriftsteller.

Ich glaube, ich möchte einfach nicht zum Schreiben gezwungen sein. Ich möchte es gern tun, weil ich es kann und weil eine Geschichte aus mir heraus will. Aber manchmal war der Gedanke verlockend, immer noch einfach alles hinzuwerfen und in eine Werkstatt zu gehen und jetzt kann ich nicht einmal mehr das.

Tapetenwechsel voraus

Tapetenwechsel voraus

Unser Haus wurde abgerissen. Das, in dem wir bis vor kurzem zur Miete gewohnt haben, gut vier Jahre ist das her. Wir wurden umquartiert in eine sehr hellhöriges Haus. Zwischenzeitlich wurde der Neubau fast fertiggestellt. Letzten Mittwoch war ich zur Besichtigung und ich bin ziemlich schockiert.

Seit dem Einzug hier habe ich auf den kommenden Umzug hingefiebert, will endlich raus hier und stelle fest, dass ich mich an dieses Haus doch sehr gewöhnt habe. Hier weiß ich, woran ich bin. Nachmittags, wenn die Kinder draußen schreien, mache ich das Fenster zu, abends, wenn die Nachbarn von der Arbeit daheim sind und sich unterhalten, mache ich den Fernseher an und ansonsten verhalte ich mich ruhig, um niemanden zu stören.

Das neue Haus wurde nun nach modernen Bauvorschriften und Energierichtlinien errichtet. Diese veranlassten die Bauherrin dazu, ein Lüftungssystem zu installieren und die Heizung bei 21°C zu deckeln. Schallisolierung gibt es dagegen nicht.

Ich habe also Sorge, vom Regen in die Traufe zu kommen.

In Wohn- und Schlafzimmern gibt es Lüftungsgeräte, die Geräusche machen. Diese schalten sich an und aus. Darauf hat der Mieter keinen Einfluss.

Angeblich gewöhnt man sich nach einer Zeit daran. Ich bin aber ziemlich sicher, dass ich jedes Mal hochschrecken werde. Als ich die Langzeit-Blutdruckmessung hatte, bin ich auch bei jedem Brummen hochgeschreckt und nicht erst beim Schmerz durch das Quetschen meines Arms. Wir werden die Möglichkeit haben, uns in einer Musterwohnung dieses Geräusch anzuhören, sollte das Gerät zu der Zeit laufen.

Wenn es sich so verhält wie ein Kühlschrank, dann wird es nicht weiter wild sein.

Was ich nicht weiß: Werden dabei mit der Luft auch die Gerüche umverteilt? Es stört mich ja bereits der gelegentliche Zigarettenqualm im Treppenhaus und wenn unten Brühe gekocht wird und es bei uns reinzieht, wird mir fast übel. Eine Recherche zum Thema Lüftung mit Wärmerückgewinnung macht Mut: Es wird die Raumluft mit der Außenluft getauscht und im Sommer sogar gekühlt.

Bleibt die Heizung. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion mit meinem Fahrlehrer um die Innentemperatur des Autos und wenn mich nicht alles täuscht, wollte er 21°C und ich 23°C, weshalb wir uns auf 22°C geeinigt hatten. Und da saß ich bereits im Pullover und schwitzte vor Aufregung! Ich gehe also davon aus, dass mir das zu kalt sein wird und zwar gerade so an der Grenze, dass ich mir einen Pullover anziehen will, in dem es mir dann aber zu warm ist. Ein Glück bin ich im Besitz von Kapuzenpullis mit Reißverschluss, die ich überall außer Haus zur Regulierung meiner Temperatur verwende. Schade, dass ich die dann auch zu Hause brauchen werde. Bisher war es so, dass ich locker noch im T-Shirt dasitzen kann, während meine fröstelnde Hälfte bereits einen Pulli anhat. Ich werde aber mal messen, wann es hier 21°C hat und beobachten, wie mir das zusagt.

Ergebnis: Kalt. Bereits 21.3°C sind zu kalt für freie Arme, wenn ich mich nicht bewege. Und das tue ich nicht, wenn ich lese.

Die Küche wird schon drin sein, man muss also nur einen Kühlschrank kaufen, was wir ohnehin tun wollten. Spülmaschinen haben wir auch, eine für 45 cm und eine für 60 cm. Ich hätte jetzt gerne Grundrisse mit genauen Maßen, aber so weit sind wir im Ablauf noch nicht. Es ist noch vieles ungewiss, beispielsweise die Lage der Wohnung im Block. Wo wir früher gewohnt haben, sind jetzt Wohnungen für fünf Personen. Das scheidet also aus. Eigentlich ist mir am wichtigsten, dass es ruhig ist. Also gern zur Straße hin nach außen und nicht sofort den Kinderspielplatz vorm Fenster.

Ich beschäftige mich schon die ganze Zeit mit diesem Umzug, wie es in der neuen Wohnung wohl sein wird und natürlich besonders jetzt, da es endlich konkret wird. Die ersten Wohnungen können bereits zu Dezember bezogen werden. Das ist wirklich erstaunlich, da ich eigentlich mit fünf Jahren gerechnet hätte, bis es soweit ist. Ein halbes Jahr hätten sie also noch gehabt.

Tja, und diesmal sind wir nicht gezwungen, auszuziehen, diesmal haben wir die Wahl, einzuziehen oder nicht. Das ist wirklich eine Herausforderung.

Forenjunkie

Forenjunkie

Zur Zeit schreibe ich für meinen Wochenplan mit, was ich die ganze Zeit so mache. Und da taucht erschreckend häufig das Forum auf.

Ich setze mich an den Computer, eigentlich um zu schreiben, schaue aber zuerst im Forum nach, ob es da etwas Neues gibt. Leider gibt es da oft genug etwas zu lesen, manchmal fühle ich mich dann auch berufen, zu kommentieren. Vergessen ist mein ursprüngliches Vorhaben.

Es kann dann sein, dass ich zwei Stunden im Forum unterwegs bin und merke, wie meine Konzentration nachlässt. Dann schmeiße ich mich erstmal vor den Fernseher und brauche dann auch so ein bis zwei Stunden, bis ich wieder so weit bin. Es ist also mal eben vier Stunden später. Das ist natürlich sehr ärgerlich.

Warum also rufe ich das Forum auf, obwohl ich eigentlich an meinem Roman arbeiten will? Eigentlich will ich nur schnell nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Ob sie auch ohne mich zurecht kommen. Wie bescheuert ist das denn? Das liegt doch nicht in meiner Verantwortung und was auch immer wäre, hätte Zeit, bis ich wieder eine Pause mache.

Ich bin froh, dass es ein recht kleines Forum ist und ich gleich am Anfang gelernt habe, dass ich es dort nicht schaffe, alles zu lesen. Trotzdem, ich picke mir bevorzugt den Nonsens raus, die Themen, in denen am ehesten die Stimmung aufzufangen ist. Inhaltlich eigentlich das Zeug, was am ehesten rausfliegt, wenn man die Lektüre an sein Zeitbudget anpassen will.

Am liebsten bin ich im Chat, aber da habe ich schon gelernt, dass ich nicht reindarf, wenn ich noch nicht fertig bin mit Schreiben, weil es sich ruckzuck wandeln kann und plötzlich ist man in einem lebhaften Austausch und nicht mehr im Abstand von zwanzig Minuten eine Zeile.

Flugzeugmodus, jaja. Aber ich schaue ja sogar abends im Bett per Handy noch schnell im Forum nach. Das muss ich mir echt abgewöhnen.

Ich glaube, wonach ich so giere, ist einfach sozialer Kontakt. Ich sitze hier im Prinzip den ganzen Tag alleine rum und brauche einfach Leute, mit denen ich quatschen kann und je drängender das Bedürfnis, desto egaler ist mir auch mit wem oder worüber ich reden kann.

Wenn mein Ehemann nicht ausgerechnet einen Beruf hätte, wo er den ganzen Tag mit Leuten reden muss, hätte der abends auch sicher noch Energie für ein Gespräch mit mir. Das würde auch nicht ganz reichen, die Lage aber erheblich verbessern.

Tatsächlich habe ich auch schon darüber nachgedacht, mutwillig Einrichtungen aufzusuchen, in denen man anderen Menschen begegnet und an besonders verzweifelten Tagen habe ich das auch schon getan, aber für den Alltag erscheint mir das unklug, weil ich ja dann erst recht keine Zeit mehr zum Schreiben habe. Und, ehrlich gesagt, so oberflächlichen Smalltalk kann ich auch in einem x-beliebigen Chat haben.

Vielleicht wäre so ein Mietbüro eine gute Idee, um etwas disziplinierter an die Arbeit zu gehen. Aber zum einen erscheint mir das etwas übertrieben für die eine Stunde Schreibarbeit pro Tag, über die ich mich bereits freuen würde und zum anderen: Wer sagt mir, dass ich dann nicht von dort aus das Forum aufsuche?

 

Mal wieder beim Stammi gewesen

Mal wieder beim Stammi gewesen

Nach langer Zeit war ich mal wieder auf einem Treffen von Transleuten. Neu war, dass ich dort nun auch mein Pronomen nennen muss – bisher war es ein reines Männertreffen gewesen, nur manche brachten ihre Freundin mit. Mich versetzt die Notwendigkeit des Nennens meines Pronomens zurück in eine schwere Zeit, mit der ich am liebsten nichts mehr zu tun haben will.

Das ist jetzt zehn Jahre her, dass ich mich auf den Weg gemacht habe. Damals hörte ich permanent falsche Pronomen, weil mein Äußeres nicht danach war. Nun tauche ich wieder ein in eine Welt, in der ich mich auf das Äußere der Personen nicht verlassen kann. Diesmal in einer anderen Rolle, in der eines Besuchers, eines Mannes, dem solche Probleme fremd sind.

Ich höre von den Schwierigkeiten mit dem Binder und muss an den Tag denken, an dem ich erkannte, dass das eigentlich etwas typisch Weibliches ist, etwas mit den Brüsten zu machen (BH anziehen). Wenn Männer Brüste haben, lassen sie sie einfach hängen und machen kein weiteres Aufhebens darum. So lebte es mir ein Kommilitone vor.

Als einer fragte, was man bei einer abgelehnten Epithese machen kann, fiel mir mein Riesenproblem damit ein. Ich musste mir ja eine Anwältin nehmen, die den Widerspruch schrieb, und bekam sie dennoch nicht durch, aufgrund meiner psychischen Erkrankung. Aber immerhin konnte ich zwei Anwälte benennen, auch wenn für mich die ganze Aktion sinnfrei war. Meine Haut hatte den Kleber nicht vertragen und es war bereits der für empfindliche Haut. Dazu kam dann noch, dass sich mein Gewicht zu stark veränderte und die Epithese dadurch nicht mehr passte. Deshalb fiel sie auch für gelegentliche Nutzung, nach der ich knallrote Streifen um die Intimzone in Kauf genommen hätte, aus.

Ich erzählte von der Sache mit dem Impf-Ausweis. Vor drei Jahren hatte ich mich impfen lassen und bei der Gelegenheit um einen neuen Impfausweis gebeten. Das bekam ich auch. Einen neuen Ausweis auf meinen schon nicht mehr ganz so neuen Namen und da waren eben genau diese frischen Impfungen eingetragen. Wenn ein Arzt nun aber prüfen soll, ob eine Impfung notwendig ist, muss er auch wissen, welche Grundimmunisierungen ich in der Kindheit bekommen habe. Deshalb liegt der alte Ausweis in dem neuen Ausweis drin.

Und natürlich kam, was kommen musste: „Das ist der Ausweis von dem Herrn Soundso, dadrin liegt der Ausweis von einer Frau Soundso!“, tönt es quer durch die Praxis. Das habe ich trotz Musik auf den Kopfhörern gehört, also auch alle anderen Anwesenden. Sobald ich sagte, dass das mein Ausweis sei, war die Sache geklärt. Und ich natürlich geoutet.

Nun erfuhr ich, dass es ganz normale Namensaufkleber gibt, mit denen man den Ausweis auf der ersten Seite überklebt. Andere Leute ändern ja einfach mal ihren Nachnamen und dafür wird sehr viel häufiger eine Lösung gebraucht. Dafür ist es in meinem Fall zu spät. Es gibt auch die Möglichkeit, nun noch einmal darauf zu bestehen, dass die alten noch relevanten Impfungen in den neuen Ausweis übertragen werden. Ich wurde ermuntert, das beim Hausarzt nochmal anzusprechen. Ich werde es versuchen.

Der Übergang vom Nobody zum Autor

Der Übergang vom Nobody zum Autor

Ich mache mir immer mal wieder Gedanken darüber, was wohl alles anders werden wird, wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe. Wenn Leute mich aufgrund dieses Buches googeln und dieses Blog finden, was passiert dann?

Bei Nadja Hermann habe ich es miterlebt, wie sie von der Resonanz völlig überrascht wurde. Es fanden sich plötzlich Leute ein, die sie persönlich angegriffen und das teilweise sogar, ohne ihr Buch überhaupt gekauft zu haben. Sie hat dann einfach tabula rasa gemacht, alle Beiträge gelöscht und von vorne angefangen.

Ich sage mir seit die Sache mit dem Datenschutzumrüsten aufkam, dass es durchaus eine Option ist, einfach dicht zu machen. Andere haben das ja auch getan. Und so tröste ich mich mit dem Gedanken, zum Veröffentlichungstermin einfach alle Beiträge auf Entwurf zu setzen. Dann kann ich sie bei Bedarf nochmal rausholen. Bisher wurden die uralten Beiträge eh kaum aufgerufen, es scheint kein Verlust zu sein.

Aber vielleicht verkaufe ich ja nur fünf Bücher. Erleichtert wäre ich dann wohl nicht, eher enttäuscht.

Denn einiges wird sich ja auf jeden Fall ändern. Sobald ich Einkommen aus selbständiger Arbeit habe, kann ich nicht mehr zum Lohnsteuerhilfeverein. Die Rechtsschutzversicherung gilt dann auch nicht mehr und ich muss einen neuen Vertrag abschließen. Und wie es aussieht, muss ich mich dann in der Künstlersozialkasse versichern lassen, falls ich nicht noch mit „nebenberuflich“ durchkomme.

Na zum Glück bin ich noch lange nicht fertig mit einem Buch und bleibe noch ein bisschen Nobody.

 

Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

05.07.18

Von Abnehmen kann ich hier schon lange nicht mehr sprechen – hatte schon überlegt, es in Zunehmen umzubenennen, aber die Phase ist vorbei. Im Augenblick geht es so ein bisschen rauf und runter. Gewicht halten, wie man so schön sagt. Vielleicht ist das schon der Erfolg des intermittierenden Fastens, eine Abnahme wie von mir erhofft bringt es jedenfalls nicht.

Ich habe da auch schon jemanden in Verdacht… denn wenn man in den sechs Stunden ein Pfund Schokolade futtert, dann sind das einfach zu viele Kalorien. Ich weiß, dass Kalorienzählen bei mir sehr gut funktioniert, aber ich weiß nicht, ob Schlanksein im Augenblick überhaupt ein Ziel von mir ist.

Ich merke, dass mich stört, dass ich zu schlecht konditioniert bin, um Wandern zu gehen, nur weil Urlaubszeit ist. Ich schaffe nur zwei Stunden bzw. 10km. Meinetwegen, meiner Fettleibigkeit und Kurzatmigkeit wegen muss nun ein anderer Urlaub unternommen werden.

Um 135kg ist mein Leidensdruck einfach nicht hoch genug, als dass etwas passieren würde. Ich steige einmal die Woche die Treppe hoch bis in den 4. Stock (wir wohnen im ersten) und ich merke, wie ich schnaufe. Ich wage es nicht, nach dem Bus zu rennen, aus Angst, sofort in Schweißausbrüche zu versinken.

Ich bin viel zu lange schon an diese Einschränkungen gewöhnt. Meine Garderobe ist auf ein Minimum in der passenden Größe eingeschränkt, aber ich komme damit aus. Natürlich habe ich noch schicke Sachen, die ich gerne wieder tragen würde, natürlich würde ich im Spiegel gerne wieder meine Ohren sehen, aber hey, ich hab schon so viel Schlimmeres durch. Wen kratzen da ein paar Kilos.

Der Witz dabei ist, dass ich die Schokolade langsam echt satt habe. Und trotzdem greife ich ritualisiert zu. Mir fehlen neue Ernährungs- und die passenden Einkaufsgewohnheiten. Zu lange bin ich in die Läden gelaufen und habe alles gegriffen, wonach mir gerade war. Damit muss Schluss sein.

Die Bewegung kommt von allein, sobald sie wieder Freude macht. Wenn ich mir unnötig Druck mache, verleide ich es mir nur.

10.07.18

Nun habe ich eine Woche mit dem Fasten ausgesetzt und prompt zwei Kilo zugenommen. Hat es also doch etwas gebracht.

Ich denke, ich strebe das Schlanksein zur Zeit überhaupt nicht an. Das wird das Kernproblem sein. Ich habe keine Lust, permanent zu verzichten, um schlank zu werden, das ist das eine, aber das Schlankbleiben ist mir diesen dauerhaften Verzicht auch nicht wert.

Obendrein habe ich das Problem, dass mir meine Figur zunehmend missfällt, je schlanker ich werde. Meine Konturen werden dann wieder weiblicher und lassen sich für den Betrachter eben nicht mehr allein mit Übergewicht erklären und führen so zu Irritationen.

Ein weiterer Aspekt ist jedoch, dass ich meine Ziele immer höher stecke und unzufriedener werde mit dem, was ich vorher noch super fand. Ich ende nachher noch wie meine schlankere Hälfte und jammer darüber, dass man mein Sixpack nicht sieht.

Trotzdem muss ich dringend einen Ersatz für die Schokolade finden. Ernährungstechnisch müsste ich sie ersatzlos streichen, aber sie dient mir eben als Belohnung nach einem harten, frustigen oder erfolgreichen Tag, spendet Trost bei Kummer und beruhigt mich auch einfach durch die Kombination aus Zucker und Fett, die mich müde macht, was wichtig ist um den heißersehnten Schlaf zu bekommen.

%d Bloggern gefällt das: