nicht werkstattfähig

nicht werkstattfähig

Für mich ist das ein heftiger Klopper gewesen, als meine Ergotherapeutin mir eröffnete, dass sie mich für nicht werkstattfähig hält. Meine Psychiaterin bezeichnete dies als „wenig ermutigend“, widersprach dem aber nicht. Und auch mit meiner eigenen Einschätzung deckt es sich, dass ich es nicht lange durchhalten würde, von 8 bis 16 Uhr irgendwo aktiv so sein und ginge es nur um simpelste Tätigkeiten, für die null Konzentration nötig sei – es ist einfach der Schlaf, der mir dann auf Dauer fehlen würde. Die Freizeit wäre zu kurz.

Bereits als ich im letzten Jahr die EX-IN-Ausbildung machte, brachte mich dies an den Rand meiner Leistungsfähigkeit: zweimal die Woche drei Stunden und alle 14 Tage 10 bis 17 Uhr – den Sonntag lag ich dann nur noch platt in der Ecke. Und auch all die anderen Tage dazwischen brauchte ich zur Erholung.

Dreizehn Stunden Schlaf zu brauchen ist einfach nicht normal. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, dies würde mit Absetzen des Neuroleptikums anders werden. Zur Zeit habe ich kaum Termine und ich habe einfach mal ausprobiert, wenn ich nur dann ins Bett gehe, wenn ich auch müde bin und auf der anderen Seite ausschlafe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich nach nur acht Stunden Schlaf – was als normal gilt – nach sechs Stunden derart müde bin, dass ich mich auch wieder hingelegt habe.

Habe ich dreizehn Stunden geschlafen, kann ich dagegen nicht gleich nach elf Stunden wieder einschlafen. Nach der Mittagsmüdigkeit ab sechs Stunden nach dem Aufstehen kommt erst acht Stunden später wieder ein Punkt, an dem es Sinn macht, sich hinzulegen. Ich würde also nichtmal auf Bajor ins Konzept passen (dort haben sie einen 26-Stunden-Tag). Deshalb rotiere ich  zur Zeit immer so drei, vier Stunden nach hinten.

Was mich sehr betrübt macht, ist, dass es mir nicht gelingt trotz aller Freiheiten dank geregelter Finanzen und frei einteilbarer Zeit an meinem Roman weiterzuarbeiten. Das kann ich ja nun wirklich auch mitten in der Nacht machen. Aber ich tue es nicht.

Weil ich keine Lust habe, nachdem ich mich versucht habe, dazu zu zwingen anhand eines Stundenplans. Ich wollte wieder dazu zurück, eine Stunde am Tag zu schreiben, was mir im ersten halben Jahr gelungen ist.

Und weil ich ein Arbeitsumfeld schmerzlich vermisse. Es gibt Foren, Chats und Blogs sowie Gruppen von Autoren, die sich vor Ort treffen. Aber es gibt niemanden, der zur gleichen Zeit mit mir im Büro sitzt und ein Pläuschchen am Kopierer hält. Wo ich weiß, dass ich weiß, dass der mich für ne faule Sau hält, wenn ich mich nicht auf meinen Hosenboden setze. Nein, Schreiben gilt sehr verbreitet als Hobby und die meisten raten mir eher dazu, mir Zeit zu lassen und mich nicht unter Druck zu setzen – was ich derzeit auch mache.

Vor November wird es nicht wieder losgehen, allein schon wegen des Urlaubs. Und dann wird mich wohl der Umzug ereilen, also möglicherweise war es das für dieses Jahr. Ein halbes Jahr Arbeit pro Jahr, wo gibt es denn das?

In der Werkstatt für behinderte Menschen jedenfalls nicht. Manchmal würde ich da gerne teilhaben dürfen. Um wenigstens eine Illusion von „normal“ zu haben, um ein Arbeitsleben zu haben. Es gibt sogar ein Atelier in der Stadt für psychisch kranke Künstler (Maler) – aber nicht für Schriftsteller.

Ich glaube, ich möchte einfach nicht zum Schreiben gezwungen sein. Ich möchte es gern tun, weil ich es kann und weil eine Geschichte aus mir heraus will. Aber manchmal war der Gedanke verlockend, immer noch einfach alles hinzuwerfen und in eine Werkstatt zu gehen und jetzt kann ich nicht einmal mehr das.

Tapetenwechsel voraus

Tapetenwechsel voraus

Unser Haus wurde abgerissen. Das, in dem wir bis vor kurzem zur Miete gewohnt haben, gut vier Jahre ist das her. Wir wurden umquartiert in eine sehr hellhöriges Haus. Zwischenzeitlich wurde der Neubau fast fertiggestellt. Letzten Mittwoch war ich zur Besichtigung und ich bin ziemlich schockiert.

Seit dem Einzug hier habe ich auf den kommenden Umzug hingefiebert, will endlich raus hier und stelle fest, dass ich mich an dieses Haus doch sehr gewöhnt habe. Hier weiß ich, woran ich bin. Nachmittags, wenn die Kinder draußen schreien, mache ich das Fenster zu, abends, wenn die Nachbarn von der Arbeit daheim sind und sich unterhalten, mache ich den Fernseher an und ansonsten verhalte ich mich ruhig, um niemanden zu stören.

Das neue Haus wurde nun nach modernen Bauvorschriften und Energierichtlinien errichtet. Diese veranlassten die Bauherrin dazu, ein Lüftungssystem zu installieren und die Heizung bei 21°C zu deckeln. Schallisolierung gibt es dagegen nicht.

Ich habe also Sorge, vom Regen in die Traufe zu kommen.

In Wohn- und Schlafzimmern gibt es Lüftungsgeräte, die Geräusche machen. Diese schalten sich an und aus. Darauf hat der Mieter keinen Einfluss.

Angeblich gewöhnt man sich nach einer Zeit daran. Ich bin aber ziemlich sicher, dass ich jedes Mal hochschrecken werde. Als ich die Langzeit-Blutdruckmessung hatte, bin ich auch bei jedem Brummen hochgeschreckt und nicht erst beim Schmerz durch das Quetschen meines Arms. Wir werden die Möglichkeit haben, uns in einer Musterwohnung dieses Geräusch anzuhören, sollte das Gerät zu der Zeit laufen.

Wenn es sich so verhält wie ein Kühlschrank, dann wird es nicht weiter wild sein.

Was ich nicht weiß: Werden dabei mit der Luft auch die Gerüche umverteilt? Es stört mich ja bereits der gelegentliche Zigarettenqualm im Treppenhaus und wenn unten Brühe gekocht wird und es bei uns reinzieht, wird mir fast übel. Eine Recherche zum Thema Lüftung mit Wärmerückgewinnung macht Mut: Es wird die Raumluft mit der Außenluft getauscht und im Sommer sogar gekühlt.

Bleibt die Heizung. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion mit meinem Fahrlehrer um die Innentemperatur des Autos und wenn mich nicht alles täuscht, wollte er 21°C und ich 23°C, weshalb wir uns auf 22°C geeinigt hatten. Und da saß ich bereits im Pullover und schwitzte vor Aufregung! Ich gehe also davon aus, dass mir das zu kalt sein wird und zwar gerade so an der Grenze, dass ich mir einen Pullover anziehen will, in dem es mir dann aber zu warm ist. Ein Glück bin ich im Besitz von Kapuzenpullis mit Reißverschluss, die ich überall außer Haus zur Regulierung meiner Temperatur verwende. Schade, dass ich die dann auch zu Hause brauchen werde. Bisher war es so, dass ich locker noch im T-Shirt dasitzen kann, während meine fröstelnde Hälfte bereits einen Pulli anhat. Ich werde aber mal messen, wann es hier 21°C hat und beobachten, wie mir das zusagt.

Ergebnis: Kalt. Bereits 21.3°C sind zu kalt für freie Arme, wenn ich mich nicht bewege. Und das tue ich nicht, wenn ich lese.

Die Küche wird schon drin sein, man muss also nur einen Kühlschrank kaufen, was wir ohnehin tun wollten. Spülmaschinen haben wir auch, eine für 45 cm und eine für 60 cm. Ich hätte jetzt gerne Grundrisse mit genauen Maßen, aber so weit sind wir im Ablauf noch nicht. Es ist noch vieles ungewiss, beispielsweise die Lage der Wohnung im Block. Wo wir früher gewohnt haben, sind jetzt Wohnungen für fünf Personen. Das scheidet also aus. Eigentlich ist mir am wichtigsten, dass es ruhig ist. Also gern zur Straße hin nach außen und nicht sofort den Kinderspielplatz vorm Fenster.

Ich beschäftige mich schon die ganze Zeit mit diesem Umzug, wie es in der neuen Wohnung wohl sein wird und natürlich besonders jetzt, da es endlich konkret wird. Die ersten Wohnungen können bereits zu Dezember bezogen werden. Das ist wirklich erstaunlich, da ich eigentlich mit fünf Jahren gerechnet hätte, bis es soweit ist. Ein halbes Jahr hätten sie also noch gehabt.

Tja, und diesmal sind wir nicht gezwungen, auszuziehen, diesmal haben wir die Wahl, einzuziehen oder nicht. Das ist wirklich eine Herausforderung.

Forenjunkie

Forenjunkie

Zur Zeit schreibe ich für meinen Wochenplan mit, was ich die ganze Zeit so mache. Und da taucht erschreckend häufig das Forum auf.

Ich setze mich an den Computer, eigentlich um zu schreiben, schaue aber zuerst im Forum nach, ob es da etwas Neues gibt. Leider gibt es da oft genug etwas zu lesen, manchmal fühle ich mich dann auch berufen, zu kommentieren. Vergessen ist mein ursprüngliches Vorhaben.

Es kann dann sein, dass ich zwei Stunden im Forum unterwegs bin und merke, wie meine Konzentration nachlässt. Dann schmeiße ich mich erstmal vor den Fernseher und brauche dann auch so ein bis zwei Stunden, bis ich wieder so weit bin. Es ist also mal eben vier Stunden später. Das ist natürlich sehr ärgerlich.

Warum also rufe ich das Forum auf, obwohl ich eigentlich an meinem Roman arbeiten will? Eigentlich will ich nur schnell nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Ob sie auch ohne mich zurecht kommen. Wie bescheuert ist das denn? Das liegt doch nicht in meiner Verantwortung und was auch immer wäre, hätte Zeit, bis ich wieder eine Pause mache.

Ich bin froh, dass es ein recht kleines Forum ist und ich gleich am Anfang gelernt habe, dass ich es dort nicht schaffe, alles zu lesen. Trotzdem, ich picke mir bevorzugt den Nonsens raus, die Themen, in denen am ehesten die Stimmung aufzufangen ist. Inhaltlich eigentlich das Zeug, was am ehesten rausfliegt, wenn man die Lektüre an sein Zeitbudget anpassen will.

Am liebsten bin ich im Chat, aber da habe ich schon gelernt, dass ich nicht reindarf, wenn ich noch nicht fertig bin mit Schreiben, weil es sich ruckzuck wandeln kann und plötzlich ist man in einem lebhaften Austausch und nicht mehr im Abstand von zwanzig Minuten eine Zeile.

Flugzeugmodus, jaja. Aber ich schaue ja sogar abends im Bett per Handy noch schnell im Forum nach. Das muss ich mir echt abgewöhnen.

Ich glaube, wonach ich so giere, ist einfach sozialer Kontakt. Ich sitze hier im Prinzip den ganzen Tag alleine rum und brauche einfach Leute, mit denen ich quatschen kann und je drängender das Bedürfnis, desto egaler ist mir auch mit wem oder worüber ich reden kann.

Wenn mein Ehemann nicht ausgerechnet einen Beruf hätte, wo er den ganzen Tag mit Leuten reden muss, hätte der abends auch sicher noch Energie für ein Gespräch mit mir. Das würde auch nicht ganz reichen, die Lage aber erheblich verbessern.

Tatsächlich habe ich auch schon darüber nachgedacht, mutwillig Einrichtungen aufzusuchen, in denen man anderen Menschen begegnet und an besonders verzweifelten Tagen habe ich das auch schon getan, aber für den Alltag erscheint mir das unklug, weil ich ja dann erst recht keine Zeit mehr zum Schreiben habe. Und, ehrlich gesagt, so oberflächlichen Smalltalk kann ich auch in einem x-beliebigen Chat haben.

Vielleicht wäre so ein Mietbüro eine gute Idee, um etwas disziplinierter an die Arbeit zu gehen. Aber zum einen erscheint mir das etwas übertrieben für die eine Stunde Schreibarbeit pro Tag, über die ich mich bereits freuen würde und zum anderen: Wer sagt mir, dass ich dann nicht von dort aus das Forum aufsuche?

 

Mal wieder beim Stammi gewesen

Mal wieder beim Stammi gewesen

Nach langer Zeit war ich mal wieder auf einem Treffen von Transleuten. Neu war, dass ich dort nun auch mein Pronomen nennen muss – bisher war es ein reines Männertreffen gewesen, nur manche brachten ihre Freundin mit. Mich versetzt die Notwendigkeit des Nennens meines Pronomens zurück in eine schwere Zeit, mit der ich am liebsten nichts mehr zu tun haben will.

Das ist jetzt zehn Jahre her, dass ich mich auf den Weg gemacht habe. Damals hörte ich permanent falsche Pronomen, weil mein Äußeres nicht danach war. Nun tauche ich wieder ein in eine Welt, in der ich mich auf das Äußere der Personen nicht verlassen kann. Diesmal in einer anderen Rolle, in der eines Besuchers, eines Mannes, dem solche Probleme fremd sind.

Ich höre von den Schwierigkeiten mit dem Binder und muss an den Tag denken, an dem ich erkannte, dass das eigentlich etwas typisch Weibliches ist, etwas mit den Brüsten zu machen (BH anziehen). Wenn Männer Brüste haben, lassen sie sie einfach hängen und machen kein weiteres Aufhebens darum. So lebte es mir ein Kommilitone vor.

Als einer fragte, was man bei einer abgelehnten Epithese machen kann, fiel mir mein Riesenproblem damit ein. Ich musste mir ja eine Anwältin nehmen, die den Widerspruch schrieb, und bekam sie dennoch nicht durch, aufgrund meiner psychischen Erkrankung. Aber immerhin konnte ich zwei Anwälte benennen, auch wenn für mich die ganze Aktion sinnfrei war. Meine Haut hatte den Kleber nicht vertragen und es war bereits der für empfindliche Haut. Dazu kam dann noch, dass sich mein Gewicht zu stark veränderte und die Epithese dadurch nicht mehr passte. Deshalb fiel sie auch für gelegentliche Nutzung, nach der ich knallrote Streifen um die Intimzone in Kauf genommen hätte, aus.

Ich erzählte von der Sache mit dem Impf-Ausweis. Vor drei Jahren hatte ich mich impfen lassen und bei der Gelegenheit um einen neuen Impfausweis gebeten. Das bekam ich auch. Einen neuen Ausweis auf meinen schon nicht mehr ganz so neuen Namen und da waren eben genau diese frischen Impfungen eingetragen. Wenn ein Arzt nun aber prüfen soll, ob eine Impfung notwendig ist, muss er auch wissen, welche Grundimmunisierungen ich in der Kindheit bekommen habe. Deshalb liegt der alte Ausweis in dem neuen Ausweis drin.

Und natürlich kam, was kommen musste: „Das ist der Ausweis von dem Herrn Soundso, dadrin liegt der Ausweis von einer Frau Soundso!“, tönt es quer durch die Praxis. Das habe ich trotz Musik auf den Kopfhörern gehört, also auch alle anderen Anwesenden. Sobald ich sagte, dass das mein Ausweis sei, war die Sache geklärt. Und ich natürlich geoutet.

Nun erfuhr ich, dass es ganz normale Namensaufkleber gibt, mit denen man den Ausweis auf der ersten Seite überklebt. Andere Leute ändern ja einfach mal ihren Nachnamen und dafür wird sehr viel häufiger eine Lösung gebraucht. Dafür ist es in meinem Fall zu spät. Es gibt auch die Möglichkeit, nun noch einmal darauf zu bestehen, dass die alten noch relevanten Impfungen in den neuen Ausweis übertragen werden. Ich wurde ermuntert, das beim Hausarzt nochmal anzusprechen. Ich werde es versuchen.

Der Übergang vom Nobody zum Autor

Der Übergang vom Nobody zum Autor

Ich mache mir immer mal wieder Gedanken darüber, was wohl alles anders werden wird, wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe. Wenn Leute mich aufgrund dieses Buches googeln und dieses Blog finden, was passiert dann?

Bei Nadja Hermann habe ich es miterlebt, wie sie von der Resonanz völlig überrascht wurde. Es fanden sich plötzlich Leute ein, die sie persönlich angegriffen und das teilweise sogar, ohne ihr Buch überhaupt gekauft zu haben. Sie hat dann einfach tabula rasa gemacht, alle Beiträge gelöscht und von vorne angefangen.

Ich sage mir seit die Sache mit dem Datenschutzumrüsten aufkam, dass es durchaus eine Option ist, einfach dicht zu machen. Andere haben das ja auch getan. Und so tröste ich mich mit dem Gedanken, zum Veröffentlichungstermin einfach alle Beiträge auf Entwurf zu setzen. Dann kann ich sie bei Bedarf nochmal rausholen. Bisher wurden die uralten Beiträge eh kaum aufgerufen, es scheint kein Verlust zu sein.

Aber vielleicht verkaufe ich ja nur fünf Bücher. Erleichtert wäre ich dann wohl nicht, eher enttäuscht.

Denn einiges wird sich ja auf jeden Fall ändern. Sobald ich Einkommen aus selbständiger Arbeit habe, kann ich nicht mehr zum Lohnsteuerhilfeverein. Die Rechtsschutzversicherung gilt dann auch nicht mehr und ich muss einen neuen Vertrag abschließen. Und wie es aussieht, muss ich mich dann in der Künstlersozialkasse versichern lassen, falls ich nicht noch mit „nebenberuflich“ durchkomme.

Na zum Glück bin ich noch lange nicht fertig mit einem Buch und bleibe noch ein bisschen Nobody.

 

Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

05.07.18

Von Abnehmen kann ich hier schon lange nicht mehr sprechen – hatte schon überlegt, es in Zunehmen umzubenennen, aber die Phase ist vorbei. Im Augenblick geht es so ein bisschen rauf und runter. Gewicht halten, wie man so schön sagt. Vielleicht ist das schon der Erfolg des intermittierenden Fastens, eine Abnahme wie von mir erhofft bringt es jedenfalls nicht.

Ich habe da auch schon jemanden in Verdacht… denn wenn man in den sechs Stunden ein Pfund Schokolade futtert, dann sind das einfach zu viele Kalorien. Ich weiß, dass Kalorienzählen bei mir sehr gut funktioniert, aber ich weiß nicht, ob Schlanksein im Augenblick überhaupt ein Ziel von mir ist.

Ich merke, dass mich stört, dass ich zu schlecht konditioniert bin, um Wandern zu gehen, nur weil Urlaubszeit ist. Ich schaffe nur zwei Stunden bzw. 10km. Meinetwegen, meiner Fettleibigkeit und Kurzatmigkeit wegen muss nun ein anderer Urlaub unternommen werden.

Um 135kg ist mein Leidensdruck einfach nicht hoch genug, als dass etwas passieren würde. Ich steige einmal die Woche die Treppe hoch bis in den 4. Stock (wir wohnen im ersten) und ich merke, wie ich schnaufe. Ich wage es nicht, nach dem Bus zu rennen, aus Angst, sofort in Schweißausbrüche zu versinken.

Ich bin viel zu lange schon an diese Einschränkungen gewöhnt. Meine Garderobe ist auf ein Minimum in der passenden Größe eingeschränkt, aber ich komme damit aus. Natürlich habe ich noch schicke Sachen, die ich gerne wieder tragen würde, natürlich würde ich im Spiegel gerne wieder meine Ohren sehen, aber hey, ich hab schon so viel Schlimmeres durch. Wen kratzen da ein paar Kilos.

Der Witz dabei ist, dass ich die Schokolade langsam echt satt habe. Und trotzdem greife ich ritualisiert zu. Mir fehlen neue Ernährungs- und die passenden Einkaufsgewohnheiten. Zu lange bin ich in die Läden gelaufen und habe alles gegriffen, wonach mir gerade war. Damit muss Schluss sein.

Die Bewegung kommt von allein, sobald sie wieder Freude macht. Wenn ich mir unnötig Druck mache, verleide ich es mir nur.

10.07.18

Nun habe ich eine Woche mit dem Fasten ausgesetzt und prompt zwei Kilo zugenommen. Hat es also doch etwas gebracht.

Ich denke, ich strebe das Schlanksein zur Zeit überhaupt nicht an. Das wird das Kernproblem sein. Ich habe keine Lust, permanent zu verzichten, um schlank zu werden, das ist das eine, aber das Schlankbleiben ist mir diesen dauerhaften Verzicht auch nicht wert.

Obendrein habe ich das Problem, dass mir meine Figur zunehmend missfällt, je schlanker ich werde. Meine Konturen werden dann wieder weiblicher und lassen sich für den Betrachter eben nicht mehr allein mit Übergewicht erklären und führen so zu Irritationen.

Ein weiterer Aspekt ist jedoch, dass ich meine Ziele immer höher stecke und unzufriedener werde mit dem, was ich vorher noch super fand. Ich ende nachher noch wie meine schlankere Hälfte und jammer darüber, dass man mein Sixpack nicht sieht.

Trotzdem muss ich dringend einen Ersatz für die Schokolade finden. Ernährungstechnisch müsste ich sie ersatzlos streichen, aber sie dient mir eben als Belohnung nach einem harten, frustigen oder erfolgreichen Tag, spendet Trost bei Kummer und beruhigt mich auch einfach durch die Kombination aus Zucker und Fett, die mich müde macht, was wichtig ist um den heißersehnten Schlaf zu bekommen.

Freundekarussell

Vor geraumer Zeit hatte ich einen sehr engen Freund verloren, von dem ich mich leider verabschieden musste. „Mach’s gut.“

Dann hat sich eine langjährige Freundschaft, neun Jahre wären es jetzt, so ganz langsam zerrüttet. Das ursprünglich Verbindende war nicht mehr da, der Kontakt wurde seltener und zuletzt ausschließlich per WhatsApp.

Und genau auf diesem Wege kamen von ihm eigentlich überwiegend Kettenbriefe und Katzenvideos, während ich ihm gelegentlich einen meiner Blogartikel verlinkte, wenn ich dachte, es könnte ihn inhaltlich interessieren.

Als mal wieder so ein Kettenbrief kam, googelte ich – es wurde vor einem Kontakt gewarnt, den man nicht annehmen sollte – und fand einen Artikel, in dem erklärt wurde, dass es sich um einen Fake handelte und es diesen Virus nicht gab. Diesen verlinkte ich ihm.

Er wünschte mir viel Spaß beim Lesen, wenn ich so viel lesen wolle, dann bitte, er nicht. Ich erklärte, dass ich annehmen musste, dass er davon nichts gewusst hatte, wenn er mir sowas schickt.

Daraufhin machte er sich dann ausgiebig Luft und erklärte, mich aus dem Telefonbuch gelöscht zu haben. Von mir käme immer nur sowas Kopiertes, nie würde ich selbst was schreiben. Und anderes Unschönes.

Was ich sehr schade finde, wir haben einander lange Zeit durch dick und dünn begleitet. Wenn ich knallpsychotisch war, konnte ich bei ihm unterschlüpfen und er hat sich sehr liebevoll um mich gekümmert. Eine Zeitlang hat er bei uns gewohnt und geputzt, dass ich mich schon für einen Schmutzfink hielt.

Seid also gewarnt: Ich bin Schriftsteller. Ich lese viel. Und wenn ich euch einen Link schicke, dann führt er vielleicht zu meinem Blog. Das habe ich dann selbst geschrieben.

Der erstgenannte verlorene Freund ist nun wieder in meinem Dunstkreis aufgetaucht, nachdem ich bereits vor einem halben Jahr die weiße Flagge gehisst hatte. Meine Gefühle sind gemischt, vorsichtig müssen wir uns erst wieder aneinander herantasten. Eine Aussprache steht für mich noch aus. Zuviel Nähe werde ich nicht wieder zulassen.

Kommissar Taubert erobert die Herzen

Kommissar Taubert erobert die Herzen

Wir hatten im Forenchat eines Tages die Idee, uns mit einer Geschichte herauszufordern, die einem Genre zugehörig ist, von dem wir bisher meinten, dass wir das gar nicht mögen oder/und nicht beherrschen.

Es entstanden verschiedene Geschichten, darunter meine (konfliktscheue) Kindergeschichte, eine schreckliche Schnulze, aber eben auch ein Krimi. Aus diesem Krimi ist eine Reihe entstanden, weil der Tauberich sich immer wieder in Schreibübungen schummelte.

Mittlerweile sind vier Teile in der Schreibkommune erschienen:

  1. Federobduktion
  2. Ermittlungen
  3. Der Gullydeckel
  4. Das Labor

Weitere werden folgen, Yann schreibt noch weiter.

Viel Spaß beim Lesen!

„Bäh, das ist ja ne Liebesschnulze“

„Bäh, das ist ja ne Liebesschnulze“

Ich habe neulich das erste Mal mehr über mein aktuelles Projekt erzählt und zwar jemandem, der (bisher) nicht selbst schreibt. Dabei habe ich auf meinen Pitch zurückgegriffen. Reaktion war in etwa, das sei ja langweilig, so eine Liebesschnulze.

Zum Glück konnte eine befreundete Kollegin mir entgegenhalten: „Du und Schnulze? Das geht ja mal gar nicht.“ Zugegeben, das käme auf einen Versuch an. Jedenfalls weiß sie auch sehr viel mehr über das Projekt, kann es daher sehr viel besser beurteilen und es ist natürlich keine Schnulze.

Ja, es hat eine Love-Story im B-Plot. Und ich gebe sogar zu, dass mich dieser und die damit verbundenen Konflikte anfangs am meisten gereizt hatten, so dass ich schwer überlegte, ob Liebe hier nicht die Hauptsache ist.

Jedoch habe ich mich dagegen entschieden. Mehr wird nicht verraten.

Ver-rückt vor Liebe Baum

Klinik am Baum

Nettes aus meinem Autorentagebuch: Ich habe inzwischen 48 Normseiten überarbeitetes Manuskript. Und wohl fast nochmal so viel an Entwürfen, die noch nicht bearbeitet sind.

Von wegen Schnulzen: Woher der Arbeitstitel „Ver-rückt vor Liebe“ kommt

„Die Liebe macht jeden verrückt“, raunte er.
Hatte er das wirklich gesagt oder hatte ich seine Stimme wieder nur halluziniert? Spielte das noch eine Rolle? Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken, sog seinen Duft in mich hinein und genoss das Kribbeln in meinem Schoss. Ich fühlte mich wohl, sicher und geborgen in seinen starken Armen. Wenn das alles nur Einbildung war, so würde ich dann eben für immer verrückt bleiben. Verrückt nach meinem Krankenpfleger.

Das war das kitschige Ende in der Urversion des Projektes. Ich hatte diese Notiz mindestens ein Jahr beiseite gelegt und als ich sie wieder raussuchte, hatten die Figuren sich sehr verändert und der Plot natürlich auch. Einen Krankenpfleger, in den sich seine schizophrene Patientin verliebt, wird es also nicht geben.

Ich denke, einen besseren Pitch suche ich mir dann, wenn ich ihn das nächste Mal brauche, spätestens, wenn das Manuskript fertig ist und es an die Bewerbungen geht.

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