Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

05.07.18

Von Abnehmen kann ich hier schon lange nicht mehr sprechen – hatte schon überlegt, es in Zunehmen umzubenennen, aber die Phase ist vorbei. Im Augenblick geht es so ein bisschen rauf und runter. Gewicht halten, wie man so schön sagt. Vielleicht ist das schon der Erfolg des intermittierenden Fastens, eine Abnahme wie von mir erhofft bringt es jedenfalls nicht.

Ich habe da auch schon jemanden in Verdacht… denn wenn man in den sechs Stunden ein Pfund Schokolade futtert, dann sind das einfach zu viele Kalorien. Ich weiß, dass Kalorienzählen bei mir sehr gut funktioniert, aber ich weiß nicht, ob Schlanksein im Augenblick überhaupt ein Ziel von mir ist.

Ich merke, dass mich stört, dass ich zu schlecht konditioniert bin, um Wandern zu gehen, nur weil Urlaubszeit ist. Ich schaffe nur zwei Stunden bzw. 10km. Meinetwegen, meiner Fettleibigkeit und Kurzatmigkeit wegen muss nun ein anderer Urlaub unternommen werden.

Um 135kg ist mein Leidensdruck einfach nicht hoch genug, als dass etwas passieren würde. Ich steige einmal die Woche die Treppe hoch bis in den 4. Stock (wir wohnen im ersten) und ich merke, wie ich schnaufe. Ich wage es nicht, nach dem Bus zu rennen, aus Angst, sofort in Schweißausbrüche zu versinken.

Ich bin viel zu lange schon an diese Einschränkungen gewöhnt. Meine Garderobe ist auf ein Minimum in der passenden Größe eingeschränkt, aber ich komme damit aus. Natürlich habe ich noch schicke Sachen, die ich gerne wieder tragen würde, natürlich würde ich im Spiegel gerne wieder meine Ohren sehen, aber hey, ich hab schon so viel Schlimmeres durch. Wen kratzen da ein paar Kilos.

Der Witz dabei ist, dass ich die Schokolade langsam echt satt habe. Und trotzdem greife ich ritualisiert zu. Mir fehlen neue Ernährungs- und die passenden Einkaufsgewohnheiten. Zu lange bin ich in die Läden gelaufen und habe alles gegriffen, wonach mir gerade war. Damit muss Schluss sein.

Die Bewegung kommt von allein, sobald sie wieder Freude macht. Wenn ich mir unnötig Druck mache, verleide ich es mir nur.

10.07.18

Nun habe ich eine Woche mit dem Fasten ausgesetzt und prompt zwei Kilo zugenommen. Hat es also doch etwas gebracht.

Ich denke, ich strebe das Schlanksein zur Zeit überhaupt nicht an. Das wird das Kernproblem sein. Ich habe keine Lust, permanent zu verzichten, um schlank zu werden, das ist das eine, aber das Schlankbleiben ist mir diesen dauerhaften Verzicht auch nicht wert.

Obendrein habe ich das Problem, dass mir meine Figur zunehmend missfällt, je schlanker ich werde. Meine Konturen werden dann wieder weiblicher und lassen sich für den Betrachter eben nicht mehr allein mit Übergewicht erklären und führen so zu Irritationen.

Ein weiterer Aspekt ist jedoch, dass ich meine Ziele immer höher stecke und unzufriedener werde mit dem, was ich vorher noch super fand. Ich ende nachher noch wie meine schlankere Hälfte und jammer darüber, dass man mein Sixpack nicht sieht.

Trotzdem muss ich dringend einen Ersatz für die Schokolade finden. Ernährungstechnisch müsste ich sie ersatzlos streichen, aber sie dient mir eben als Belohnung nach einem harten, frustigen oder erfolgreichen Tag, spendet Trost bei Kummer und beruhigt mich auch einfach durch die Kombination aus Zucker und Fett, die mich müde macht, was wichtig ist um den heißersehnten Schlaf zu bekommen.

In Köln findet am Pfingstmontag die vierte Mad Pride statt

In Köln findet am Pfingstmontag die vierte Mad Pride statt

Viele erleben uns als irritierend, wenn wir sind, wie wir sind. Viele meinen, unser Alltag wäre leidvoll. Doch das ist ihr Problem, nicht unseres.

Die Einladung zur Mad Pride am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018 ab 13 Uhr spricht sowohl psychisch Kranke und andere Behinderte, aber auch Transleute und eben doch wieder Schwule an. Ich sehe mich da in vier Zielgruppen. Der CSD in Köln findet zusätzlich im Juli statt.

Laut dem Pressetext wird die Parade vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrener getragen. Denen könnte ich ja mal einen dezenten Hinweis geben, dass ich mich von „Transen“ nicht angesprochen fühlen will. Von „Tunten“ allerdings auch nicht. Genausowenig sehe ich mich als „Psycho“. Das soll wohl lustig sein oder empowernd oder beides, aber ich finde das nicht hilfreich, das klingt in erster Linie marktschreierisch und schreckt mich eher ab als mich anzusprechen. Dabei spreche ich selbst auch von „Spaßtransen“ und kenne ja auch „Berufstransen“. Aber das alles in einem Kontext, in den es passt. Viele Transleute sind von dem Begriff „Transen“ beleidigt, weil er vielfach abwertend gebraucht wird. Genau da wollen die Initiatoren wohl ansetzen und ihn zurückerobern. Vielleicht eine Frage der Zeit, bis ich das anders sehe.

Nach der Parade treten in Odonien verschiedene Bands auf, unter anderem BRINGS. Sommerblut, das Festival der Multipolarkultur dauert vom 5. -21. Mai 2018.

Mich hat ein Bekannter hier aus Hamburg darauf aufmerksam gemacht und gefragt, ob ich hingehen will. Ja, reizen täte es mich schon. Endlich wieder ein Anlass für eine Reise ins Rheinland. Das würde mich schon freuen. Die Bewegung täte mir sicherlich gut.

Was mir zusagt ist die Uhrzeit, ich muss nicht in aller Herrgottsfrühe aufstehen und das Konzert dauert auch nicht bis in die Puppen. Das scheint mir gut zu bewältigen. Ich weiß aber nicht, ob ich den Belastungen einer Zugreise und dem Trubel vor Ort gewachsen bin. Und ich bin so schlecht verplanbar.

Aber brauchen wir überhaupt eine Prideveranstaltung wie den CSD für Ver-rückte? Wenn ich mir ansehe, was der CSD in 25 Jahren geleistet hat: Ja, das ist bitter nötig.

Party statt Pathologie können wir hier in Hamburg auch brauchen. Es muss einfach transparenter werden, wie viele das Thema psychischer Krankheit betrifft, es tut gut zu sehen, wie viele sympathisieren und wir müssen dahin, dass man keine Angst mehr haben muss, sich erstmals in Behandlung zu begeben aus Sorge, abgeschrieben zu werden, wenn das publik wird. Viele halten mit ihrer Krankheit hinter dem Berg aus Angst vor dem Stigma und viele werden auch wirklich noch ausgegrenzt, vor allem am Arbeitsplatz. Das habe ich selbst ja auch erlebt.

Mit meine Geschlechtsangleichung hatten die Kolleginnen und Kollegen kein Problem, aber nachdem ich in der Psychiatrie war, wurde ich geschnitten, weil alle mit mir überfordert waren. Viel zu oft wird mir auch in Gesprächen gesagt „Aber du hast ja bestimmt einen guten Therapeuten, mit dem du darüber reden kannst“ und das passiert mir nur dann, wenn bekannt ist, dass ich eine Diagnose habe. Gelte ich als „gesund“ kann ich stundenlang rumjammern, wie schwer mir das Leben doch fällt, da werde ich nicht weggeschickt.

Sowas muss sich ändern. Wir brauchen alle mehr Wissen über psychische Erkrankungen, über das Leben damit und das bereits bevor es uns selbst erwischt. Und, das wäre der nächste Punkt, wir müssen dringen mal etwas an dieser kranken Gesellschaft ändern, die uns alle krank macht. Und wir selbst machen doch diese Gesellschaft aus, jeder einzelne von uns.

Also: Arsch huh und Zäng ussenand! (Arsch hoch und Zähne auseinander!)

Diese Mad Pride klingt nach einer Party, die bestimmt auch meinem Onkel gefallen hätte.

Therapiesitzung bei Bedarf

Therapiesitzung bei Bedarf

5. März 2018

Heute war ich so weit. Nachdem ich den Psychologen nun ein halbes Jahr von einer Sitzung pro Monat „kenne“, mich also an sein Aussehen gewöhnt habe, wollte ich damit beginnen, das Thema anzusprechen, weshalb ich mir den Therapieplatz gesucht hatte. Mit dieser Suche hatte ich vor zwei Jahren begonnen, als ich sehr verzweifelt sehr viel in mein Tagebuch geschrieben hatte. Dieses hatte ich heute mitgenommen, als Mutmacher. Ich hätte es jederzeit aufschlagen und daraus vorlesen können.

Vielleicht wäre das sogar besser gewesen. Es ist nämlich irgendwie irgendwas schief gelaufen. Seine Reaktion war in etwa so, wie ich das all die Zeit befürchtet hatte, dass eine Reaktion sein könnte, wenn ich meine Gedanken* äußere. Ich bin gar nicht dazu gekommen, richtig zu erzählen, da brachte er mich mit seiner Vorstellung davon, was in Ordnung sei und was nicht, völlig durcheinander.

Ich zog mich auf Oberflächlichkeiten zurück und stellte am Ende der Sitzung fest, dass ich keine (nennenswerten) Probleme habe (die eine Therapiesitzung rechtfertigen). Wir vereinbarten dann, dass ich mich melde, wenn ich ein Gespräch mit einer außenstehenden Person brauche.

Der Tag wird wohl nicht kommen, da ich ja auch seitens der IV keine Gespräche mehr brauche. Ich müsste akut depressiv oder manisch werden, um ein entsprechendes Mitteilungsbedürfnis zu entwickeln, dass so stark ist, dass ich mich einer fremden Person anvertraue, damit mir überhaupt jemand zuhört. (In solchen Fällen suche ich idR den Chat meines Vertrauens auf, weil mich das idR nachts überkommt, wenn ich nicht schlafen kann.) Und dann soll ich die Geduld haben, vorher einen Termin zu vereinbaren und auf ein solches Gespräch zu warten?

Ich bin frustriert und enttäuscht, weil aus meiner Sicht die ganzen Bemühungen um einen Therapieplatz für die Katz waren. Wahrscheinlich wieder ein Fall, wo ich auf mein Bauchgefühl hätte hören müssen. In den probatorischen Sitzungen hatte ich die ersten beiden Male kein gutes Gefühl und glaubte, es läge an mir und ich müsse mich erst an ihn gewöhnen.

Wahrscheinlich war das das letzte Mal, dass ich mir einen Therapieplatz gesucht habe. Offensichtlich sind solche Gespräche für mich nicht hilfreich. Eine Frage, die er am Anfang mindestens zweimal gestellt hat. Für mich ist das Schreiben hilfreich und wie ich jetzt gelernt habe das Führen innerer Dialoge, was ich beim Schreiben tun kann bzw seit Jahren tue indem ich blogge oder auch Geschichten schreibe.

Ich brauche kein Gegenüber, das mich in den Arsch tritt oder den Finger in die Wunde legt. Vielleicht ist das die Ausnahme, aber ich arbeite freiwillig an mir und entwickele mich gerne weiter, da braucht man nicht rüpelig werden, egal ob es ums Gewicht geht (sagte er auch, das sieht man, dass ich nicht gerade abgenommen habe – aber selber ne Wampe!) oder um andere Themen.

Was ich mir denn wünschen würde für mein Leben. Natürlich, dass ich nicht krank bin, dass ich Vollzeit arbeiten und drüber kühmen kann wie alle anderen (wertvollen! normalen!) Leute auch. Bevor ich das erste Mal in die Psychiatrie kam, hatte ich die Tendenz zu diesen bipolaren Schwankungen bereits. Das fiel auf, aber ich wurde nicht ausgesondert.

Er hat recht damit, dass das Gewicht das einzige ist, dass ich tatsächlich in der Hand habe. Die Krankheit ist nunmal da, damit muss ich klarkommen. Mit trans* sowieso. Weil ich nicht arbeiten kann, bekomme ich Rente. Ist doch alles super mittlerweile, den Umständen entsprechend. Das einzige, womit ich mein Leben noch verbessern kann, wäre Abnehmen. Trostlose Aussichten.

Natürlich freue ich mich, dass ich mir meine Zeit beim Schreiben frei einteilen kann. Vor allem aber bin ich froh, dass ich überhaupt wieder schreiben kann und nicht dazu verdammt bin, vor der Glotze dahinzuvegitieren. Wenn dann andere am Wochenende über ihren Schichtdienst klagen oder übers frühe Aufstehen am Montag jammern, dann bringe ich vielleicht beim nächsten Mal den Spruch: „Du hast doch bestimmt einen guten Therapeuten, dem Du das erzählen kannst?“


* Es ging um die Behandlung durch eine Schulpsychologin, die offensichtlich EEG und EKG an mir durchgeführt hat und dazu Fragen stellte, die mich auch aufgrund des Szenarios ungeheuer einschüchterten. Von anderen Psychologen weiß ich, dass eine Dipl.-Psych. das nicht darf. Körperliche Untersuchungen müssen Ärzte durchführen. Das ist der Anfang dessen, woran ich mich erinnere, aber soweit kam ich gar nicht mit meinen Ausführungen.^^

Buxtehude singt!

Montags gehe ich zum Chanten.

[Video aus Datenschutzgründen entfernt.]

Mein Lieblingslied Fest verwurzelt (in der Erde) hat mich tatsächlich wieder geerdet und gerade am 19. Februar war das bitter nötig.

Thomas Jüchterunser Musiktherapeut, hat Flyer verteilt. Mein Schatz und ich überlegen, da hinzugehen. Das wird sicher schwer für mich mit so vielen Fremden, aber das gemeinsame Singen schafft so etwas Verbindendes, man schwingt gleich mit.

Mitsingtage 15.-18. März 2018 – Programm des Festivals

Satz mit x

Ich war bei einer Abnehmgruppe, die mich ja anfangs sehr getragen hat und zunächst lief es super und wir lernten sogar etwas über Abnehmen und Psychopharmaka.

Dennoch habe ich in den letzten sechs Wochen wieder zugenommen, bin fast wieder bei 130kg. Das ist nicht die Gruppe schuld, aber trotzdem ist die Gruppe für mich nicht die Stütze, die ich mir gewünscht hätte.

Es gibt durch die Leitung immer wieder Anregungen, dies zu überdenken und jenes zu probieren. Für mich viel zu spät, da ich ja nicht gerade anfange mit Abnehmen, sondern schon weiß, was für mich funktioniert und was nicht.

Außerdem vertrage ich so viel Inspiration einfach nicht. Ich bin hochsensibel und schnell reizüberflutet. Es wäre eine gute Gruppe, um zu üben, mich wieder normal ins Gespräch einzubringen, ohne dass mir ein Therapeut einen Raum öffnet. Aber dafür bin ich im Augenblick nicht fit genug.

Mitgenommen habe ich mir, dass ich besser einmal die Woche wiege und einen deutlichen Erfolg erkenne als mich mit täglichen Schwankungen rauf und runter zu frustrieren.

Als ich das erste Mal so gut abgenommen habe, hatte ich eine Gruppe in einem kleinen Forum, wo ich immer mein Gewicht gepostet habe. Das hatte einen gewissen WW-Effekt wie das gemeinsame Wiegen in der Gruppe. Diese Gruppe ist leider aufgelöst worden, u. a. weil ich der einzige war, der abgenommen hat.^^

Ich werde meine Dienstage also wieder bei der Genesungsgruppe verbringen.

Und mein Ding machen, wieder für mich abspecken, nicht für bunte Sticker. ;)

Wolltest Du nicht Kalorien zählen?

Motivationshilfe, Foto und Design: Horst L. Médo

Abnehmen und Psychopharmaka

In der Abnehmgruppe, die ich zur Zeit besuche, war eine Ärztin zu Gast. Diese hat über die Wirkung der Tabletten gesprochen, die wir nehmen müssen. Medikamente können den Appetit steigern und so zur Zunahme führen oder das Gegenteil bewirken, manche sind dahingehend neutral.

Ich habe unser Flipchart abgeschrieben. Dies stellt natürlich nur eine Auswahl der Medikamente dar, die auf dem Markt sind. Aber vielleicht ist Deins dabei.


Antidepressiva

  • Mirtazapin führt zur Zunahme
  • Sertralin und Citalopram wirken neutral
  • Elontril führt zur Abnahme

Neuroleptika

  • Leponex, Olanzapin, Seroquel, Risperdal führen zur Zunahme
  • Amisulprid wirkt neutral
  • Abilify und Ziprasidon führen zur Abnahme

Phasenprophylaxe

  • Lithium, Valproinsäure führen zur Zunahme
  • Lamotrigin wirkt neutral

Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich vielleicht Lamotrigin vor Lithium ausprobiert. Natürlich hätte ich meine Ärztin gezielt danach fragen können, aber das Gewicht war mir in dem Moment nicht so wichtig. Im Vordergrund stand, dass ich endlich psychisch stabil werden wollte und von Lithium hatte ich viel Gutes gehört.

Vor anderthalb Jahren in der Klinik hatte ich leider Olanzapin vorgezogen, obwohl ich wusste, dass es dick macht. Ich wusste, dass es mir aus der Manie helfen würde. Damit, dass ich fast alles wieder zunehmen würde, hatte ich nicht gerechnet. Rückblickend betrachtet hätte ich damals schon das Lithium nehmen sollen, das man mir angeboten hatte.

Meine Tabletten erhöhen also den Appetit. Das zu wissen, macht den Kampf nicht gerade einfacher, aber ich habe mehr Nachsicht mit mir, wenn ich ihn verliere.

Erfolgskurve

In der Abnehmgruppe habe ich vor 12 Wochen ein Teilnehmerbuch erhalten, in dem ich jede Woche mein Gewicht in eine langsam wachsende Grafik eingetragen habe. Die Kursleiterin klebt bei einer Abnahme jeweils Sticker ein. Das Ergebnis sieht so aus:

Erfolgskurve Abnehmgruppe

4. Quartal 2017

Knapp 10 Kilo habe ich geschafft, 9,6 kg genau. Mein ursprüngliches Ziel, fünf Kilo je Monat, war wohl doch zu ambitioniert.

Leider habe ich in dem Zeitraum auch zweimal gesagt bekommen, ich solle mehr essen und weniger schnell abnehmen. Milchkaffee trinken und ähnlicher Unsinn wurde mir vorgeschlagen, um die Kalorien aufzufüllen. Das hat mich beim ersten Mal sehr entsetzt, da sich in der Gruppe hauptsächlich Menschen befinden, die das erste Mal abnehmen und über keinerlei Kenntnisse gesunder Ernährung verfügen. Ich habe daher Fettlogik überwinden empfohlen.

Gestern wurde Käse verteufelt, weil er pro hundert Gramm sehr viel mehr Kalorien hat als anderer Aufschnitt wie beispielsweise die Putenbrust. Über die Möglichkeit, einfach weniger davon zu essen, weil man davon länger satt ist, hat niemand nachgedacht. Und ich habe es auf die Schnelle auch nicht geschafft, etwas zur Ehrenrettung von Käse einzubringen. Das gelang mir nur beim Körnerbrötchen mit dem Hinweis, dass es sich um gesundes Fett handelt. Es war eben die „Fettt ist böse“-Schiene, die die Leiterin da fuhr.

Das gemeinsame Abwiegen verschiedener Speisen (Brot, Brötchen, Belag) hat mich kognitiv sehr angestrengt, aber inhaltlich nicht weitergebracht, da ich das bereits 2014 durchexerziert habe. Zudem esse ich sowas wenn überhaupt mal am Wochenende, aber inzwischen sehr selten. Ich kann eben mittlerweile wirklich „essen, was ich will“, weil ich mir antrainiert habe, grundsätzlich recht wenig zu essen und so noch viel Spielraum nach oben bleibt.

Ich weiß nicht, ob ich das schon erwähnt hatte: Mittlerweile passt mir wieder eine engere Hose. Das ist immer so alle 10 kg der Fall, um den Fünfer herum. Ich habe mir also eine neue Jeans gegönnt und habe jetzt zwei zum Wechseln in der Größe. Und die Trainingshose, die Mama mir für meinen Klinikaufenthalt 2016 gekauft hat, passt mir wieder. So fühlt es sich an, als wenn ich bald das seitdem zugelegte Gewicht wieder los sei, aber es sind noch zwanzig Kilo bis dahin, was nach den bisherigen Erfahrungen ein gutes halbes Jahr dauern dürfte.

Und dann geht es zum zweiten Mal an die letzten zwanzig Kilo.

 

Konfektionsgröße 60

Ich habe es nun Nadja gleichgetan und auch eine Reihe unvorteilhafter Selbstporträts begonnen.

Ganz ehrlich? Ich sehe da gar keinen großen Unterschied.

Auf dem Bild in der Mitte scheine ich den dicksten Bauch zu haben, das ist aber als mir die Hose, die ich auf dem ersten Bild links gekauft habe, schon viel zu weit geworden ist. Die Hose ganz links ist übrigens in derselben Größe wie ganz rechts, nur da war sie viel zu eng, weshalb ich damals überhaupt in der Umkleide war, um mir eine passende Hose zu kaufen.

Die Waage (zu Hause, nackt und nüchtern) sagt aber unter 125kg. Das bedeutet knapp 15 Kilo Unterschied zwischen Bild 1 und Bild 3.

Ich möchte mal die Gelegenheit nutzen und ein wenig über meine derzeitigen Ernährungsgewohnheiten schwafeln: Ich esse hauptsächlich Quark und Fisch.

Das macht den Löwenanteil aus. Den Magerquark mit Banane kannte ich ja schon vom letzten Mal. Und dann habe ich festgestellt, dass sich Fisch im Ofen (als Fertiggericht) genauso faul und bequem zubereiten lässt wie Pizza.

Man kann nun meckern, das sei einseitig. Pizza und Schokolade war aber genauso einseitig und deutlich ungesünder.

Gucken wir nochmal nach der Wampe:

Ich finde, auf dem neueren Foto sehe ich sogar dicker aus. Das liegt daran, dass ich nicht perfekt identisch zum Spiegel ausgerichtet stehe. Wenn man sich aber auf die Gürtellinie konzentriert, sieht man genau, dass beim älteren Bild deutlich mehr Gold aus der Hüfte quillt.

Einsame Schokolade

Schokolade gegen Einsamkeit, sozialer Rückzug wegen Übergewicht. Klingt unlogisch? Fühlt sich aber sehr schlüssig an.

Heute ist mir erst aufgegangen, dass dieser Zusammenhang bei mir besteht. Bisher dachte ich nicht, dass ich einsam sei – ich dachte ich bin gerne alleine und vielleicht war das auch so und ändert sich eben jetzt. Tagsüber allein zu sein ist okay für mich aber die Abende setzen mir zu. Und heute habe ich wieder Schokolade gekauft, bin abends um acht nochmal losgezogen dafür. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die Gummibären und andere Süßigkeiten, wenn die Eltern abends ausgingen. Das soll jetzt keine Schuldzuweisung sein, mir ist einfach der Zusammenhang aufgefallen. Und jetzt habe ich auch eine Stelle, an der ich den Hebel ansetzen kann. :)

Ich bin jetzt seit zwei Monaten in einer Abnehmgruppe. Wir wiegen uns, wir reden über Ernährung und auch über Bewegung. Die Gruppenleiterin geht im Januar (eigentlich hatte sie es schon kommenden Montag vor) mit der Gruppe zu einer „… für Mollige“-Sporteinheit. Das geht für mich überhaupt nicht. Vor allem nicht abends nach Feierabend, wo ich danach Stunden brauche, um wieder runter zu kommen. Ich habe enorme Schwierigkeiten, mich Gruppen schwitzender Leiber anzuschließen und vor allem dann, wenn es überwiegend Frauen sind, am besten noch in einem verspiegelten Raum. Ich mag mich nicht zeigen, wie alles an mir wabbelt, deswegen habe ich meinen Crosstrainer zu Hause, auf dem ich morgens laufe. Und irgendwie sperrt sich auch alles in mir, mir andere Übergewichtige als Vorbild zu nehmen – ich will doch wieder schlank werden, nicht dick bleiben. Leider konnte ich meine Klappe nicht halten, als eine von der Zumbagruppe erzählte, die sie in dem Prospekt auch gesehen hatte und mir entfuhr ein „Das wollte ich auch schon immer mal ausprobieren!“ – jetzt bin ich quasi-verabredet für Januar zum Zumba mit dieser Dame. Ich weiß jetzt schon, dass mir die Lunge heraushängen wird, weil meine Kondition dafür lange nicht ausreicht, mit schlanken Menschen mitzuhalten. -.-

Und die Schokolade? Der Rest liegt mittlerweile einsam im Schrank. Soll sie doch verrecken da.

Intermittierendes Fasten

Es ist mir gelungen, von der Schokolade loszukommen. Ich musste mich total einigeln, bin nicht mehr einkaufen gegangen, aber irgendwann war es vorbei. Jetzt habe ich auch keine Probleme mehr damit, an Schokolade vorbeizugehen. Die ersten fünf Kilo habe ich schon wieder abgenommen, obschon ich noch jeden Tag Pizza gegessen habe.

Mittlerweile ist es so, dass ich wieder sehr proteinreich esse und auch manchmal mit frischem Gemüse koche. Meistens greife ich jedoch auf Fertiggerichte zurück. Dabei gibt es zur Zeit zwei Mahlzeiten, einmal Magerquark mit 2 Tl Zucker sowie einer Banane und einmal ein warmes Abendessen. Beides innerhalb eines Zeitfensters von sieben Stunden. Das bedeutet, dass ich von 24 Stunden 17 faste. Das hilft mir dabei, nicht ständig jedem Appetit sofort nachzugeben und ich habe wieder regelmäßige Mahlzeiten.

Letzten Dienstag war ich das erste Mal bei einer Abnehmgruppe, was mich sehr motiviert. Dadurch habe ich das Gefühl, dass es auch einen Unterschied macht, wenn ich nicht abnehme. Es fühlt sich einfach wichtiger an, wenn mein Ergebnis auf der Waage auch noch jemand anderen interessiert. Noch bin ich weit entfernt davon, dass man mir die Gewichtsreduktion ansieht und entsprechend lobt.

Mit Bewegung fange ich auch langsam wieder an. Zuerst waren es Dehnübungen, damit ich mich wieder daran gewöhne, täglich etwas auf der Matte zu machen. Jetzt habe ich auch die Aufwärmübungen hinzugenommen und ersten Muskelkater überstanden. Als nächstes will ich wieder mit dem Crosstrainer anfangen, damit ich meine Kondition verbessere und nicht mehr so schnell aus der Puste bin. Neulich habe ich einen Zug verpasst, weil ich nicht schnell genug rennen konnte. Das hat mich frustriert und motiviert.

%d Bloggern gefällt das: