Im neuen Gewand

Das neue Theme und der Namenswechsel ist euch vielleicht schon aufgefallen. Lysander trage ich nur noch im Untertitel, ansonsten steht jetzt überall Ingo S. Anders.

Das hängt damit zusammen, dass ich vorhabe – sollte es zu einer Veröffentlichung meines aktuell in der Mache befindlichen Romans kommen – dies unter meinen Pseudonym „Ingo S. Anders“ zu tun. Das ist natürlich weit voraus gedacht, macht in meinen Augen aber durchaus Sinn.

Warum jetzt? Weil ich jetzt anfange, unter Ingo S. Anders zu bloggen bei der Schreibkommune, dem dem Schreib-Forum zugehörigen Blog. Im Augenblick haben wir dort erst zwei Follower, aber ich gehe davon aus, dass die Seite das Potential hat, in kürzerer Zeit eine weitaus größere Fangemeinschaft an sich zu binden als mein persönliches Blog. Meine dortigen Beiträge habe ich vor, hier zu rebloggen.

Ich habe mir auch darüber Gedanken gemacht, ob ich hier wieder eine Struktur einhalten will, wie ich es anfangs ausprobiert hatte mit bestimmten Themen an bestimmten Wochentagen. Dadurch fühle ich mich jedoch zu eingeschränkt auf der einen Seite und auf der anderen Seite finde ich selbst als Leser es auf die Dauer langweilig, wenn es dienstags dies und donnerstags das gibt. Auch an eine mögliche Fortsetzung meiner Reihen habe ich gedacht. Im Augenblick fühle ich mich aber ganz wohl damit, nach Lust und Laune zu bloggen und werde das bis auf weiteres so beibehalten.

Es bleibt also ansonsten alles beim Alten. Vorerst. 😉

Heldentat der Woche

Ich ernenne meine Heldentat des Tages vom Dienstag hiermit zur Heldentat der Woche.

Neulich, und ich habe das hier gar nicht weiter geschildert, weil ich es viel zu banal fand, hatte sich eine Rentnerin vorgedrängelt. Ich stand in der Schlange am Leergutautomaten und ich hatte recht viel, für dort offensichtlich zu viel, Abstand gehalten, so dass Seniorin samt Rollator dazwischen passten. Als ich sie darauf hinwies, dass ich dort anstehe, murmelte sie nur etwas nicht in den Kontext passendes und blieb hartnäckig dort stehen, auch als ich zaghaft einen zweiten Vorstoß wagte.

Dieses Erlebnis hat mich zwei Wochen lang beschäftigt und damit auch meinen Ehemann. Dazu kam, dass sich in der selben Woche, ebenfalls beim Einkaufen, eine Dame mit mir völlig unnötigerweise um einen von zwei Einkaufswagen gezankt hatte und mich auch später, als ich den, auf den ich ausgewichen war, zurückbrachte, lautstark zurechtwies (ich könne den Wagen dort nicht hinschieben, weil dort kein Stecker sei, ungeachtet der Tatsache, dass mein Wagen keinen Stecker brauchte, weil kein Euro drinsteckte).

Ich fühlte mich einfach nur sowas von unfähig, in dieser Welt zu bestehen. Ich habe keinerlei Durchsetzungsvermögen, so dachte ich und alle hackten mir mit ihren Ellbogen in die Seiten. Ich habe schon zweimal an einem sozialen Kompetenztraining teilgenommen und dachte, das war völlig umsonst, weil ich mich ja doch ständig unterbuttern lasse.

Bis ich dann am Dienstag wieder eine Situation hatte, bei der ich mit entsprechend viel Abstand an einem Schalter anstand. Es drängelte sich ein Herr vor, der das offensichtlich nicht einmal bemerkt hatte. Also sprach ich ihn an: „Entschuldigung, ich stehe hier an.“ Daraufhin entschuldigte er sich, er habe das nicht gesehen und ich verwies auf die roten Striche auf dem Boden, die zur Einhaltung eines Diskretionsabstands aufforderten. Er entschuldigte sich nochmals und ich war dann als nächster dran.

Vielleicht halte ich dann beim nächsten Mal am Leergutautomaten keinen Diskretionsabstand ein, dann passt auch kein Rollator mehr dazwischen.

Zweijahresrückblick

Als ich dieses Blog Anfang 2016 gründete, war ich bereits manisch und hatte einen unbändigen Mitteilungsdrang. Aber meine Beiträge waren, einzeln betrachtet, noch eine ganze Weile unauffällig.

Im Mai war ich für eine Nacht in der Klinik, weil ich Geschirr aus dem Fenster geworfen hatte. Ich lag fixiert im Flur in der Notaufnahme. Ab da waren meine Helfer nicht mehr auf meiner Seite, sondern meine Feinde. Meine Manie wurde ab diesem Zeitpunkt sehr anstrengend, weil sie nicht mehr euphorisch war, sondern dysphorisch.

Ich war ständig gereizt, erschöpft und äußerst misstrauisch. Dazu das typisch Getriebene und der Schlafmangel, weil ich vor lauter Anspannung nicht schlafen konnte. Es war eine Frage der Zeit, bis ich wieder psychotisch wurde und das war im August der Fall. Ein Taxifahrer schlug mir mit der Faust ins Gesicht, weil er mich nicht mitnehmen wollte, so irre wie ich war. Ich schenkte einem Bettler tausend Euro, einfach so. Warum ich soviel Geld überhaupt bei mir hatte, weiß ich nicht mehr.

Ich bedrohte einen anderen Taxifahrer, weil ich einfach mitten an einer Fussgängerinsel mit Gepäck einstieg und in einem fort plapperte, darunter faselte ich etwas davon, ich könnte mich nicht erinnern, ob dieser Koffer der mit der Bombe sei oder der andere. Das zog eine Anzeige nach sich, die allerdings fallen gelassen wurde, weil ich zu diesem Zeitpunkt krank war, sogar eine AU bei mir gehabt hatte.

Mein Ehemann brachte mich ins Krankenhaus. Ich verbrachte zwei Wochen gegen meinen Willen in Hamburg in der Klinik, setzte aber danach die Tabletten wieder ab, weil ich der Überzeugung war, sie nicht zu brauchen.

Etwa eine Woche später fand ich mich in Bonn in der Klinik wieder. Unterwegs hatte ich meine Habe an Tankstellentoiletten verteilt und war barfuß. Meinen Laptop und mein Portemonnaie sowie den Umschlag mit knapp 700,- Euro in bar hat die Polizei für mich in der Klinik abgegeben. Psychotisch wie ich war, hatte ich mich selbst in Gefahr gebracht. Diesmal musste ich drei Wochen bleiben und inzwischen war ich auch einsichtig. Meine Mutter stand mir dort zur Seite.

Dieses Jahr hat mir die Krankheitseinsicht überhaupt verschafft. Mich kann keine Hypomanie mehr verlocken, besonders tolle kreative Leistungen zu erbringen und diese Energie nutzen und diesen Zustand genießen zu wollen. Leider bestand ich damals noch auf Olanzapin, weil ich das kannte. Die Klinik hätte mich sonst auf Lithium eingestellt.

Und danach kam die Depression und kaum noch ein Beitrag von mir. Zu Hause verbrachte ich die meiste Zeit im Bett, gefolgt von vor dem Fernseher. Ich schlief über 15 Stunden. Fast alles, was ich abgenommen hatte seit 2014, nahm ich nun wieder zu. Hauptsächlich deshalb, weil ich mich aufgegeben hatte.

Viel mehr belastete mich aber die Spracharmut durch die Neuroleptika. Ich konnte mich an Gesprächen nicht beteiligen, saß nur daneben. Wenn man sich mit einem Gedanken ins Gespräch einklinken will und den richtigen Zeitpunkt nicht findet, dann ist das eine Sache, diesen Gedanken aber gar nicht erst zu haben, eine ganz andere.

Aber ich hatte noch die Erinnerung an denjenigen, der ich eigentlich bin. Sobald ich konnte, reduzierte ich das Olanzapin soweit es ging. Im September begann ich mit Lithium. Der Antriebsmangel war vom einen auf den anderen Tag weg und meine Stimmung fand sich endlich im Normalbereich.

Unsere Ehe hat auch diese große Krise überstanden – auch wenn ich hier schon geschrieben hatte, ich werde mich trennen. Es waren einige Netzwerkgespräche bei der Integrierten Versorgung notwendig, um etliches wieder ins rechte Bild zu rücken. Es gab vieles, das ich gesagt hatte, woran ich mich aber aufgrund der Manie aber nicht erinnern konnte und so habe ich dies auch nie richtigstellen können. Das habe ich dann nachholen können, so gut es ging.

Noch etwas passierte 2016/17: Ich nahm an der EX-IN-Ausbildung teil, was mich in eine gewisse Struktur zwang und an meine Grenzen brachte, aber leider nicht wie erhofft zurück ins Berufsleben. Dazu schaffte ich einfach noch zu wenig und traute mir zu wenig zu. Das bewies mir, dass ich meine Rente zu Recht bekomme.

Tatsächlich verhilft mir die Ausbildung zum Genesungsbegleiter immer noch dazu, gewisse Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich sage mir jedes Mal, dass ich jetzt Berufserfahrung sammle, wodurch ich mich als Patient weniger als Bittsteller fühle. Ehrlich gesagt sehe ich meine Zukunft aber nicht in diesem Beruf, weil ich mich in den Praktika beide Male sehr unwohl gefühlt habe ich meiner Rolle.

Für das kommende Jahr habe ich mir fest vorgenommen, den im November begonnenen Roman zu Ende zu bringen. Erstmal den ersten Entwurf, danach dann die erste Überarbeitung usw. Meine Krankheit tritt darüber hoffentlich etwas in den Hintergrund, zumal ich ja jetzt endlich medikamentös richtig eingestellt bin.

Daneben werde ich weiter abnehmen; ich bin schon fast zehn Kilo los, seit ich im Oktober der Gruppe beigetreten bin. Ich wiege jetzt etwa 125 kg. Mit Sport habe ich auch wieder angefangen. Ich laufe dreimal die Woche zwanzig Minuten auf dem Crosstrainer und zweimal die Woche mache ich Krankengymnastik für meine lädierten Knie. Das möchte ich erstmal so beibehalten, nur etwas aufs Tempo gehen und die Pumpe ein wenig mehr fordern.

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Wir feiern kein Weihnachten

Als ich gefragt wurde, wie wir Weihnachten verbringen, sagte ich, dass wir kein Weihnachten feiern. Es wird immer mit einer solchen Selbstverständlichkeit davon ausgegangen, dass alle Weihnachten feiern…

Wenn mir jemand „frohe Weihnachten“ wünscht, sage ich immer „schöne Tage“ und es hat sich noch nie jemand beschwert.

Es gibt keine Geschenke. Was wir brauchen oder uns wünschen, kaufen wir dann, wenn wir es haben wollen. Kein Grund, zu warten und kein Rätseln, was dem anderen gefallen könnte. Übrigens schenken wir uns auch zum Geburtstag nichts.

Wir gehen nicht in die Kirche. Wir sind konfessionslos.

Es gibt kein opulentes Mahl (bei uns gab es früher nie Würstchen mit Kartoffelsalat), denn wir wollen beide abnehmen.

Wir waren schon am Mittwoch einkaufen, um dem Getümmel möglichst zu entgehen. So wirklich kommt man um Weihnachten eben doch nicht drumherum.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Zeit, bis im nächsten Jahr wieder alles seinen geregelten Gang geht.

„Mach’s gut.“

Nun habe ich zum zweiten Mal einen Freund verloren, weil dieser sich in mich verliebt hat. Naja, nicht ganz allein deshalb.

In den letzten Monaten ist es schleichend zunächst kompliziert und dann hässlich geworden. Kompliziert dadurch, dass wir versucht haben, ob aus unserer Freundschaft mehr werden könnte und wir so die Freundschaft an sich und auch grundsätzlich infrage gestellt, Grenzen neu ausgelotet haben. Hässlich wurde es dann vermutlich, weil wir plötzlich sehr viel engeren Kontakt pflegten, von „Guten Morgen“ bis „Gute Nacht“, wodurch eine gewisse Nähe entstand, die vorher so nicht da war. Zuerst fiel mir nur unangenehm auf, wie extrem abwertend er über Dritte – u.a. gemeinsame Bekannte – gesprochen hat. Da bekam ich Angst, selbst eines Tages zum Ziel dieser Angriffe zu werden. Ich sprach dies an und begann, mich zurückzuziehen, bat um mehr Distanz.

Mehrmals drohte er mir, mir die Freundschaft zu kündigen, wenn ich mich nicht seinen Vorstellungen gemäß verhielte bzw. sei. Zunächst indirekt, dann direkt und zuletzt ganz unverhohlen offen. Hinzu kamen Beleidigungen und Unterstellungen verschiedenster Art, eine Reihe gegenseitiger Verletzungen. Ich wollte noch einiges ansprechen, das nun nicht weiter von Relevanz ist, da keine Aussprache zustande kam. Diese Bedrohung hat für mich den Ausschlag gegeben, hat mein Vertrauen in ihn nachhaltig erschüttert. Erpressen lasse ich mich nicht.

Rückblickend: Ich hätte früher auf mein Bauchgefühl hören und schneller auf Distanz gehen sollen. Nur wollte ich es einfach nicht wahrhaben, dass dieser sonst so sanftmütige Mensch auch eine so aggressive Seite hat. Er war plötzlich wie ausgewechselt und das immer öfter, bis ich es schließlich nur noch mit Wutanfällen oder zumindest ständig gereizter Grundstimmung zu tun bekam.

Dieses Muster kenne ich von dem Fall von häuslicher Gewalt, den ich erleben musste. Ich trennte mich, er überfiel mich, fesselte mich, hielt mir ein Messer an die Kehle und erpresste eine Unterschrift auf eine dilettantische und unwirksame Bankvollmacht, stahl mein Portemonnaie und schloss mich in meinem Appartement ein. Danach stalkte er und drohte, mich und zwei meiner Freunde umzubringen. Ein halbes Jahr wagte ich mich nicht mehr in meine Wohnung. Er bekam zwei Jahre auf Bewährung.

Zum Glück ist es in diesem Fall bisher bei Verbalinjurien geblieben. Ich möchte hoffen, dass es dabei bleibt. Falls nicht, weiß ich, wie ich mich zu verhalten habe. Damit es keine Missverständnisse gibt, habe ich klar meinen Wunsch geäußert: Keinen weiteren Kontakt.

Einerseits bin ich erleichtert, dass es ein Ende hat und andererseits bin ich traurig, einen Freund verloren zu haben.

 

Und die Räder drehn sich weiter, nur ein Platz, der bleibt jetzt leer

Und sie drehn sich einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre

 

 

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