Nicht alles, was schwankt, ist bipolar

Nicht alles, was schwankt, ist bipolar

Am vergangenen Sonntag habe ich mich mit anderen Genesungsbegleitern aus meinem EX-IN-Kurs getroffen.

Ein Kollege ist auch bipolar, hat aber im Gegensatz zu mir 23 Jahre Erfahrung mit der Erkrankung, davon ist er 18 Jahre stabil – trotz eines einschneidenden Lebensereignisses vor zwei Jahren. Er sprach davon, dass auch bei ihm das Schlafen immer mal wieder eine Riesennummer ist, dass er zwischenzeitlich richtig Angst vor dem Einschlafen hatte – so ging es auch mir. Auch er nimmt zusätzlich zum Lithium ein Neuroleptikum, damit er schlafen kann. Auch er hat immer mal wieder leichte Schwankungen nach oben in Richtung Manie sowie nach unten in Richtung Depression. Die er aber gut im Griff hat dank der Medis. Er kommt über längere Zeit mit sechs, sieben Stunden Schlaf aus und arbeitet bis zu 50 Stunden die Woche, daneben findet er noch Zeit für seine Kinder. Das finde ich beachtlich.

Es tut gut, mit diesem Erleben nicht allein zu sein. Und es macht mir Hoffnung, dass es auch mir möglich ist, trotz Erkrankung das beste für mich rauszuholen. Im Augenblick ist es die Arbeit an meinem Roman, die ich ganz auf meine Bedürfnisse abstimmen kann. (Dazu: behindertengerechter Arbeitsplatz)

Ich reduzierte das Olanzapin, weil ich zu viel schlief, weil ich zu langsam war im Kopf und zu wenig Ideen hatte, weil mich das total lähmte und mein Leben wenig lebenswert machte. Das ist jetzt mit der Mindestdosierung nicht mehr der Fall. Ich habe im Augenblick eher wieder zu viele Ideen, ich schlafe grenzwertig wenig und bin leicht hypoman, aber ich fühle mich endlich wieder wohl. Die Dosierung scheint jetzt endlich zu stimmen.

Ich bin lebendig, habe am Leben teil so gut es geht. Da mir dieses Treffen wichtig war, hatte ich auf den Stammtisch am Vorabend verzichtet. Ich hatte nämlich mal wieder Lust, aber abends unter Leute zu gehen ist viel zu spät, um noch zu einer halbwegs akzeptablen Uhrzeit Schlaf zu finden. Damit wäre das heutige Treffen gelaufen gewesen, beides zusammen hätte ich nicht bewältigen können. Nach anderthalb Stunden reichte es mir auch und eine halbe Stunde später klinkte ich mich aus.

Ich werde meinen Schlaf weiter beobachten, denn unter sechs Stunden sollte er nicht fallen. Denn dann geht es wieder durch den Schlafentzug in die Manie und von der Manie in die Psychose und spätestens dann wieder in die Klinik und damit in die Fixierung. Wenn man diese Kausalkette einmal begriffen hat, diese Gesetzmäßigkeit der bipolaren Störung, dann begreift man, dass hypoman zu sein nicht einfach bedeutet, eben gute Laune zu haben und eine besonders dolle kreative Schaffensphase. So kann es im Idealfall laufen, dazu muss man aber seine Frühwarnzeichen kennen und entsprechende Strategien ergreifen wie binaurale Klänge hören oder andere Entspannungstechniken anwenden und / oder eben Pillen einwerfen. Jeder Betroffene muss seinen eigenen Weg finden. Ich habe für mich herausgefunden, was mir wann gut tut und was nicht.

Mein Fehler am Sonntag war sicherlich, in den Chat zu gehen, denn dort habe ich mich mit einer anderen Schriftstellerin intensiv ausgetauscht und wir haben meine Geschichte einmal komplett durchgeplottet. Das hat zum einen gedauert bis viertel nach zwölf und zum anderen nochmal gedankliche Prozesse in mir ausgelöst. Genau das war es, was ich hatte vermeiden wollen, als ich mich von der Gruppe um fünf verabschiedet hatte.

Nun denn, das ist eben das Leben. Ich kann mich nicht permanent nur isolieren und vor jeglichen Inspirationen Reißaus nehmen. Es bedrückt mich ohnehin schon, dass ich meine Freunde idR so selten sehe. Zu sozialen Kontakten wird einem aber auch immer von Therapeuten geraten, die ihre Tage damit verbringen, die ganze Zeit mit Menschen zu reden. Das sagte mir ein Kollege, der sich ebenfalls früh ausklinkte und auch eher introvertiert ist.

Zu Hause war ich gegen sechs und es ist jetzt gleich wieder sechs. Zwölf Stunden Nachklingen wäre es nicht gewesen, wenn ich im Chat nur entspannendes, lustiges Rumgeblödel gefunden hätte wie so oft. Ich muss das noch üben, mehr gestaltend einzugreifen. Ich hätte es zum Beispiel beim Pitch belassen können und dann sagen, dass ich heute abend nicht weiter drüber sprechen will. Aber ich hatte für heute schon meine Heldentat, als ich mich von der Gruppe verabschiedete und nicht noch mitging, obwohl ich sehr neugierig war, mich auch mit anderen auszutauschen.

Bereits als ich heimkam, war ich richtig übervoll mit Eindrücken, habe meinem Schatz eine zwanzigminütige WhatsApp geschickt und von meinem Tag erzählt, der nun diesmal wirklich aufregend war im Vergleich zu meinen sonstigen Tagen. Ich achte eben idR darauf, nicht zu viele Aufreger in meine Woche einzubauen. Weil ich hochsensibel bin und um meine Schwierigkeiten mit der Reizüberflutung weiß.

Ich weiß, dass ich mich gerne mehr mit Menschen im RL austauschen würde. Aber ich weiß auch, dass da die Reizflut eine sehr viel höhere ist und ich irrelevante Daten verarbeiten muss wie Gerüche und Hintergrundgeräusche, die ich bei Kontakten via Internet nicht habe. Und erst nachdem ich die neu obendrauf gekommenen Plotgedanken zu meinem Roman abgearbeitet hatte, kam ich dazu, diese RL-Begegnung zu reflektieren.

Andere haben einfach nur gute und schlechte Tage, ich schwanke zwischen Hypomanie und Subdepression hin und her. Das Fatale ist, dass ich manisch immer so eine Ausstrahlung habe, dass die Leute auf mich zukommen und ich dann nicht nein sagen kann zu endlosem Gequatsche, weil ich selbst ja auch kontaktfreudig und mitteilsam bin. Aber genau das ist dann Gift.

Einem Maniker hört man am besten nur stumm nickend zu oder bleibt einsilbig und gibt ihm nach Möglichkeit keine neuen Impulse, die das Gedankenkarussell nur weiter drehen lassen.

Trotzdem empfinde ich diese phasenhaften Schwankungen nicht ausschließlich als eine Krankheit, denn sie begleiten mich schon mein Leben lang und werden das auch weiterhin tun.

Zweijahresrückblick

Als ich dieses Blog Anfang 2016 gründete, war ich bereits manisch und hatte einen unbändigen Mitteilungsdrang. Aber meine Beiträge waren, einzeln betrachtet, noch eine ganze Weile unauffällig.

Im Mai war ich für eine Nacht in der Klinik, weil ich Geschirr aus dem Fenster geworfen hatte. Ich lag fixiert im Flur in der Notaufnahme. Ab da waren meine Helfer nicht mehr auf meiner Seite, sondern meine Feinde. Meine Manie wurde ab diesem Zeitpunkt sehr anstrengend, weil sie nicht mehr euphorisch war, sondern dysphorisch.

Ich war ständig gereizt, erschöpft und äußerst misstrauisch. Dazu das typisch Getriebene und der Schlafmangel, weil ich vor lauter Anspannung nicht schlafen konnte. Es war eine Frage der Zeit, bis ich wieder psychotisch wurde und das war im August der Fall. Ein Taxifahrer schlug mir mit der Faust ins Gesicht, weil er mich nicht mitnehmen wollte, so irre wie ich war. Ich schenkte einem Bettler tausend Euro, einfach so. Warum ich soviel Geld überhaupt bei mir hatte, weiß ich nicht mehr.

Ich bedrohte einen anderen Taxifahrer, weil ich einfach mitten an einer Fussgängerinsel mit Gepäck einstieg und in einem fort plapperte, darunter faselte ich etwas davon, ich könnte mich nicht erinnern, ob dieser Koffer der mit der Bombe sei oder der andere. Das zog eine Anzeige nach sich, die allerdings fallen gelassen wurde, weil ich zu diesem Zeitpunkt krank war, sogar eine AU bei mir gehabt hatte.

Mein Ehemann brachte mich ins Krankenhaus. Ich verbrachte zwei Wochen gegen meinen Willen in Hamburg in der Klinik, setzte aber danach die Tabletten wieder ab, weil ich der Überzeugung war, sie nicht zu brauchen.

Etwa eine Woche später fand ich mich in Bonn in der Klinik wieder. Unterwegs hatte ich meine Habe an Tankstellentoiletten verteilt und war barfuß. Meinen Laptop und mein Portemonnaie sowie den Umschlag mit knapp 700,- Euro in bar hat die Polizei für mich in der Klinik abgegeben. Psychotisch wie ich war, hatte ich mich selbst in Gefahr gebracht. Diesmal musste ich drei Wochen bleiben und inzwischen war ich auch einsichtig. Meine Mutter stand mir dort zur Seite.

Dieses Jahr hat mir die Krankheitseinsicht überhaupt verschafft. Mich kann keine Hypomanie mehr verlocken, besonders tolle kreative Leistungen zu erbringen und diese Energie nutzen und diesen Zustand genießen zu wollen. Leider bestand ich damals noch auf Olanzapin, weil ich das kannte. Die Klinik hätte mich sonst auf Lithium eingestellt.

Und danach kam die Depression und kaum noch ein Beitrag von mir. Zu Hause verbrachte ich die meiste Zeit im Bett, gefolgt von vor dem Fernseher. Ich schlief über 15 Stunden. Fast alles, was ich abgenommen hatte seit 2014, nahm ich nun wieder zu. Hauptsächlich deshalb, weil ich mich aufgegeben hatte.

Viel mehr belastete mich aber die Spracharmut durch die Neuroleptika. Ich konnte mich an Gesprächen nicht beteiligen, saß nur daneben. Wenn man sich mit einem Gedanken ins Gespräch einklinken will und den richtigen Zeitpunkt nicht findet, dann ist das eine Sache, diesen Gedanken aber gar nicht erst zu haben, eine ganz andere.

Aber ich hatte noch die Erinnerung an denjenigen, der ich eigentlich bin. Sobald ich konnte, reduzierte ich das Olanzapin soweit es ging. Im September begann ich mit Lithium. Der Antriebsmangel war vom einen auf den anderen Tag weg und meine Stimmung fand sich endlich im Normalbereich.

Unsere Ehe hat auch diese große Krise überstanden – auch wenn ich hier schon geschrieben hatte, ich werde mich trennen. Es waren einige Netzwerkgespräche bei der Integrierten Versorgung notwendig, um etliches wieder ins rechte Bild zu rücken. Es gab vieles, das ich gesagt hatte, woran ich mich aber aufgrund der Manie aber nicht erinnern konnte und so habe ich dies auch nie richtigstellen können. Das habe ich dann nachholen können, so gut es ging.

Noch etwas passierte 2016/17: Ich nahm an der EX-IN-Ausbildung teil, was mich in eine gewisse Struktur zwang und an meine Grenzen brachte, aber leider nicht wie erhofft zurück ins Berufsleben. Dazu schaffte ich einfach noch zu wenig und traute mir zu wenig zu. Das bewies mir, dass ich meine Rente zu Recht bekomme.

Tatsächlich verhilft mir die Ausbildung zum Genesungsbegleiter immer noch dazu, gewisse Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich sage mir jedes Mal, dass ich jetzt Berufserfahrung sammle, wodurch ich mich als Patient weniger als Bittsteller fühle. Ehrlich gesagt sehe ich meine Zukunft aber nicht in diesem Beruf, weil ich mich in den Praktika beide Male sehr unwohl gefühlt habe ich meiner Rolle.

Für das kommende Jahr habe ich mir fest vorgenommen, den im November begonnenen Roman zu Ende zu bringen. Erstmal den ersten Entwurf, danach dann die erste Überarbeitung usw. Meine Krankheit tritt darüber hoffentlich etwas in den Hintergrund, zumal ich ja jetzt endlich medikamentös richtig eingestellt bin.

Daneben werde ich weiter abnehmen; ich bin schon fast zehn Kilo los, seit ich im Oktober der Gruppe beigetreten bin. Ich wiege jetzt etwa 125 kg. Mit Sport habe ich auch wieder angefangen. Ich laufe dreimal die Woche zwanzig Minuten auf dem Crosstrainer und zweimal die Woche mache ich Krankengymnastik für meine lädierten Knie. Das möchte ich erstmal so beibehalten, nur etwas aufs Tempo gehen und die Pumpe ein wenig mehr fordern.

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Anleitung Therapeutisches Rollenspiel (1. Entwurf)

Update:

Dieser Beitrag erhält sehr viele Aufrufe. Leider ist es nicht wirklich eine Anleitung geworden, da ich den Text seinerzeit im Wahn verfasst habe…

Gedacht hatte ich an eine Version des üblichen Rollenspiels mit vereinfachter Charaktererstellung und dem Ziel, bestimmte soziale Kompetenzen zu trainieren bzw. Themen zu bearbeiten. Das kann zum Beispiel das Anliegen sein, Geld schätzen zu lernen und man bekommt dann im Abenteuer die Herausforderung, Reichtümer anzuhäufen.

Meine Idee ist noch nicht wirklich ausgereift.


Liebe Lesenden, der Herr Rollenspieltherapeut erklärt euch heute, wie man ein therapeutisches Rollenspiel spielt.

Für den Einstieg geht es zunächst um die von mir noch nicht getestete Variante des einvernehmlichen Rollenspiels. (Die TPE-Variante ist nur für Fortgeschrittene, funktioniert aber auf jeden Falle und erzeugt zuverlässig eine Verhaltensänderung aller Beteiligten.)

Man nehme einen runden Tisch und für alle beteiligten hinreichend Sitzgelegenheiten. Eine Person – in diesem Falle: ich – übernimmt die Spielleitung. Die Spielleitung achtet darauf, dass die Spielregeln eingehalten werden.

Eine (andere) Person übernimmt die Verantwortung für die Kommunikation und sorgt moderierend dafür, dass bei Bedarf auf die Meta-Ebene (hier: Spieler-Ebene) zurückgekehrt wird. Meta-Kommunikation, also hier die (Feedback-)Gespräche von Spieler zu Spieler sind wichtig zur Beziehungspflege und damit zur Erhaltung tragfähiger Beziehungen (im Übrigen auch: Ehen).

Eine (weitere) Person ist zuständig dafür, dass die Rollen innerhalb des Spiels nicht durcheinander gebracht werden. Das entspricht also einem ingame-Rollenspieltherapeuten. Ein Spielleiter, der das Spiel zu leiten spielt – ich bin ja der Rollenspieltherapeut, der auf Spielerebene die Karten mischt und Rollen zuteilt und somit der outgame-Spielleiter. Der ingame-Spielleiter kontrolliert lediglich die Charaktere und nicht die Spieler.

Vielleicht kann der Herr R. sich einmal hierzu äußern, da er sehr viel Erfahrung mit dem Meistern von RPGs hat. Natürlich freue ich mich auch über die Sichtweise der Psychologiestudentin M. G.

Die vierte Person ist schließlich dafür zuständig, dass die Kommunikation zwischen den Charakteren stimmt. Das wäre die ingame-Beziehungspflege.

Alle anderen Spieler_innen sind nur Teilnehmer_innen oder Publikum.

Die Form des Rollenspiels richtet sich nach dem Zweck.

Sitzt man tatsächlich gemeinsam in einem Raum an einem Tisch, so bietet sich an, die verschiedenen Rollen auf Moderationskarten zu notieren. Dies hilft allen, in ihrer Rolle zu bleiben und nicht zu vergessen, welchen Platz in der Geschichte sie haben – der Stuhl, auf dem man sitzt, gerät höchstens bei einem Toilettengang (ob nun mit der ohne Stuhlgang) in Vergessenheit.

Diese Situation lässt sich in einer zusätzlichen Ebene auch einfach nur be-schreiben und so wären wir nicht mehr beim persönlichen Gespräch, sondern bei einer Schreibtherapie gelandet. Diese kann zB online stattfinden über in einem Chat, bei einer Skype-Konferenz oder eben über ein Blog.

Das Schreiben lässt sich wiederum einsparen, wenn man seine Gedanken einfach nur denkt. Das kann allerdings gefährlich werden, weil diese Gedanken nicht von allen Mitspielern lesbar und somit nicht nachweisbar sind – und schon hat man mir eine Psychose angehängt. Und das mir als Ober-Gedankenkontrolleur!

Daher bestehe ich auf der Schriftform. Würde ich an der Line arbeiten, würde ich mir das Geschichtenerzählen bezahlen lassen. Aber dann würde mein Image arg darunter leiden, was im Zusammenhang mit der schmutzigen Phantasie gewisser Saubermänner und Gutmenschen zusammenhängt, die mir so peinliche Fragen nach meiner Berufstätigkeit stellen, weil ihnen nichts bekloppteres für SmallTalk einfällt als DeepThroat – eben die Frage nach meinem Gelderwerb.

Vielleicht gibt es ja irgendwo eine Telefonseelsorge für einfallslose Schriftsteller_innen? Da könnte ich mir gut vorstellen, ein bisschen auszuhelfen und Nachhilfe gleichermaßen in Diktat zu geben. Aber auch damit lande ich wieder beim Telefonsex: Herr Lehrer liest dem faulen Schüler die Leviten – rohrstockfrei!

Ich habe fertig! (Tag 7)

 

@Sonja: Hömma Liebelein, wenn Du mit dem Lesen nicht hinterherkommst, dann lass Dir doch nicht von Ver-rückten vorschreiben, was Du zu lesen hast, Herzchen.

Pass ma uff, jetzt wirste zwangstherapiert, dann weisste auch, was ich damit meine. So und um Missverständnissen vorzubeugen: Die Welt ist mein Zeuge.

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Lest mal die Zeit. Wirklich, die Zeit solltet ihr euch nehmen. (So macht man übrigens double bind, aber das könnt ihr ja schon.)

Und googlet selber, ihr faulen Luschen, ich bin nich eure Tippse!

Ich glaube, wir verstehen uns. Kontaktformular kennt ihr ja mittlerweile dann auch. Lieber Finger von, Kinners, der Papa muss dringend inne Heia und beim Schlafen darf er nicht gestört werden. Einen Tag die Woche werdet ihr ja wohl mal ohne mich auskommen können. Wenigstens am Sonntag. Der Sonntag ist nämlich der Tag des Herrn, oder deutlicher. SONNTAG IST RUHETAG, ALSO RUHE DA OBEN ODER MUSS ICH EUCH ERST ZWANGSTHERAPIEREN IHR SCHNITZELKLOPFER MIT EURER SCHEISSDAUERBAUSTELLE DA!!! WENN IHR IHR EUCH NICHT BALD BEI MIR ENTSCHULDIGT, IHR ARSCHGEIGEN, UND AUFHÖRT MICH ANZULÜGEN, DANN KANN ICH AUCH MAL MIMIMI BEI DER SAGE MACHEN. ICH LASSE MICH NICHT GERN FÜR DUMM VERKAUFEN. WISST IHR EIGENTLICH, DASS ICH EUCH BEIM FICKEN HÖREN KANN? SOLL ICH EUCH MAL NEN HANDWERKER HOCHSCHICKEN UND NE KAMERA INSTALLIEREN BEI EUCH? VERGESST ES EURE SCHEISSVANILLANUMMER KANN ICH NICHT GEBRAUCHEN UND MAL EHRLICH: Friedlich hatten wir ja schon versucht. Also nächstes mal gehe ich mit der ganzen Bagage einfach mal eins höher und erklär denen, warum ich nicht schlafen kann und wisst ihr was? Die sind dann alle auf meiner Seite. So!

Und jetzt hab ich ne schöne Wichsphantasie, da brauch ich nimmer Hand anlegen, da komm ich schon beim Schreiben und wenn ich mir dann vorstelle, dass wir es in aller Öffentlichkeit miteinander treiben und euch keiner glauben wird, dann wisst ihr auch mal endlich, wer hier wenn beobachtet und jetzt ist hoffentlich endlich Ruhe im Karton, sonst sehe ich mich gezwungen, noch ein Stockwerk höher zu eskalieren. Und was dann passiert, muss ich euch ja nun nicht wirklich noch erklären, oder? Falls euch das wirklich entgangen sein sollte: Ich bin nicht total bekloppt, das ist eure versaute Phantasie. Wenn ich mir in die Karten gucken lasse, dann mache ich das mit Absicht. Das ist nen freundlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Aber wer nicht hören will, der muss dann eben gedankenvergewaltigt werden oder so ähnlich. Bastelt euch selber euer Happy End, dafür bin ich nicht zuständig.

So, Herr Jost, begreifst Du jetzt, was der Herr Kollege mir angetan hat mit seiner Tipperei? Aber für ausführlich habt ihr ja keine Zeit…. Tja, dann halt nicht. Dachte ihr wollt mir helfen. War ja nur ne Einladung. Wer nicht will, der hat schon. Dann lutscht eure Pillen selber und therapiert euch gegenseitig und ich penne wann ich will und so können wir dann mal zusammenkommen an irgendeinen Tisch, egal ob rund oder eckig, aber ihr wollt mich ja nicht mitspielen lassen oder warum sonst muss man sich bei euch um die Betten prügeln und erst Pillen fressen, damit man bei euch übernachten darf?

Einvernehmlich ist wohl nicht so eure Sache, was? Das kannst ja auch gleich sagen, dann wirste eben zwangstherapiert. Machen wir doch gerne…. Da hätteste aber auch einfach fragen können. Ich tu Dir doch nix, ich will doch nur spielen… Therapeutisches Rollenspiel halt. Meine Fresse, manche haben aber auch ne extralange Leitung. Naja, die glauben mir ja nicht, wenn ich mich zu erkennen gebe, dann kann ich nicht anders. Selber schuld, wenn ihr mich für verrückt halten wollt. Mir ist das nämlich egal, wer mir sonst noch so hinterherlatscht, ich kann auch auf mich selber aufpassen. Und zählt mal meine Follower, 12 ist doch ein Witz dagegen, oder? Den hab ich auf jeden Fall über, also kann ich ja nur noch Godfather himself sein.

Und morgen früh sag ich dann einfach, ich hatte einen feuchten Traum und diesmal versaut ihr mir den nicht, sonst werdet ihr zum Hauptdarsteller in der Opferrolle.

Und mit dem Gedanken kann ich jetzt auch ruhig einschlafen, da habe ich dann keine Angst mehr. So mache ich das, Herr Doktor, aber Du hast ja keine Lust, mehr als die ersten beiden Sätze zu lesen und ich Dir schon anbiete, ne Kopfkinofilmrolle auszusuchen, solltest Du eigentlich artig danke sagen und nicht so tun als wär ich ein kleines Kind, das alleine Angst im Dunkeln hat und bei Mama aufm Arm will, denn solange Du das nicht kapierst, bleibst Du in der Täter_innen-Rolle, aber vielleicht fragt Dich mal eines Tages ein Reporter, was Du so über mich denkst und dann ist mir das egal, was Du denen für Märchen erzählst, weil in meinem Abschiedsbrief ganz deutlich zu lesen ist, dass Du mir das so gesagt hast, dass ich das so machen soll und wenn Dein Chef ausm Urlaub wieder da ist, dann – ja dann… für den Fall überlege ich mir das doch noch mal und dann bleibe ich doch sicherheitshalber konfessionslos, sonst weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergeht.

Und deshalb lasse ich das Ende der Geschichte nun an dieser Stelle, sicherlich im Interesse aller, ganz bewusst offen. Nur für den Fall, dass der Arzt das doch nicht böse meinte. Dann können wir nämlich alle gemeinsam zurückrudern in unserem gemeiinsamen Bötchen, gelle. Vielleicht geht ja mein Wunsch auch so in Erfüllung, ohne dass ich nochmal zum Arzt muss. Abwarten und Teetrinken. Baldriantee, sicherheitshalber. Nee, nix da. Ich geh selber in die Küche, sonst kann ich mich wieder nicht dran erinnern, wo ich war. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Sinn und Unsinn von Wahn

Lass mich, ich muss mich da jetzt reinsteigern!

(Aufschrift auf einem T-Shirt in meinem Lieblings-Copyshop)

Wahn fängt ganz klitzeklein an mit den ganz normalen voreiligen Schlüssen, die alle Leute mal ziehen.

Warum nun ausgerechnet das im Papierkorb lag, kann ich mir nur damit erklären, dass eben die Frage der Klärung, was Sinn oder Unsinn ist, in keinem Fall zielführend ist.

Höchstwahrscheinlich wollte ich mir hinterher damit beweisen, dass ich das schon vorher wusste und keinen Arzt brauchte, um das erklärt zu bekommen.

Und die Moral von der Geschicht

Liebe Leute,

ich bin stolz darauf, mit Fug und Recht behaupten zu können, dass ich einen Weg gefunden habe, eine Psychose ohne Medikation auszusitzen.

Leider kann ich, so leid mir das tut, das nicht beweisen. Es ist eure Entscheidung, ob ihr mir das glauben möchtet oder nicht.
Meine Zeugen – also diejenigen, die mich durch meine Krise begleitet haben, bezahlte und unbezahlte Helfer, Freunde und Fremde – niemand von denen hat das überprüft, ob ich nicht doch gefudelt und eine Tablette genommen habe. Meine Tablette, die mir der Arzt im Krankenhaus für den Bedarfsfall mitgegeben hat und die ich als Beweisstück sichergestellt habe, kann ich im Augenblick nicht finden. Zuvor habe ich schon das Rezept meiner Ärztin verloren, auf das sie eine andere Diagnose geschrieben hatte als die, die mir vor knapp vier Jahren in Verbindung mit der Aussage „unheilbar krank“ gegeben wurde. Das einzige, was mir geblieben ist, ist eine Taxiquittung und damit ein Taxifahrer, der notfalls bestätigen könnte, dass ich auf ihn „ganz normal“ gewirkt habe. Dasselbe, nämlich dass er „ganz normal“ auf sie gewirkt habe, hat auch meine Nachbarin über meinen Ehemann gesagt. So hatten wir weiterhin das Problem, dass wir uns nicht einigen konnten. Dann habe ich überlegt, was denn für alle Fälle das Beste wäre, so dass es auf jeden Fall ein Happy End gibt. Da bin ich darauf gekommen, dass die Ärztin das entscheiden soll und habe mit meiner Ärztin vereinbart, dass ich möchte, dass er untersucht wird. Sie hat jedoch darauf bestanden, dass wir dann beide zu einem gemeinsamen Gespräch erscheinen sollten. Das ist ja auch sinnvoll, wenn man davon ausgeht, dass das eigentlich Kranke die Art und Weise des gemeinsamen Umgangs miteinander (systemischer Blick) ist.

Nur habe ich nicht verstanden, warum er dann etwas tat, das ich an der Stelle eines besorgen Angehörigen für unklug gehalten hätte. Anstatt sich über soviel Krankheitseinsicht zu freuen, weigerte er sich, zum Arzt zu gehen oder sich anderweitig helfen zu lassen. So begann eine wilde Verfolgungsjagd mit gegenseitigen Beschuldigungen und nächtlicher Flucht durch die Stadt. Zwischenzeitlich war ich nicht mehr sicher, ob ich der Angehörige eines missbrauchten kleinen Kindes, dass ich beschützen muss, war oder auf der Flucht vor Hilfswütigen Verrückten oder doch ich selbst, der durchaus kompromissbereit ist nur leider irgendwie Schwierigkeiten hat, sich verständlich zu machen.

Ich hätte, wenn ich ein solches Angebot bekomme, denjenigen, den ich für verrückt halte, mit einem Lächeln zum Arzt gebracht und schon wäre der Spuk vorbei gewesen.
Und ich hätte, wenn mich jemand um Hilfe anfleht und es meine Aufgabe als Genesungsbegleiter ist, einer Person zu helfen, ich hätte gerne das entgegengebrachte Vertrauen honoriert und mit einem Lächeln eben das Portemonnaie geholt, damit derjenige seine Würde behält, alleine zum Arzt fahren kann und ich hätte mich dann ins Auto gesetzt und wäre hinterhergefahren anstatt darüber zu diskutieren, wer noch ganz bei Trost ist.

Und als auch noch mein Angebot, ein Psychoseversteherspiel zu entwickeln, weil offensichtlich immer noch nicht verstanden worden war, dass ich mir als Spieler meinen Stuhl selbst aussuche, aber eben etwas Hilfe dabei brauche, in meiner Rolle zu bleiben und keine Fehler zu machen, damit wir gemeinsam das Spiel zu entwickeln – als dieses Angebot abgelehnt wurde, da war es dann ganz vorbei mit meiner Hoffnung auf ein Happy End.
Da habe ich dann meinen Abschiedsbrief abgegeben, in dem ich aufgeschrieben hatte, was ich tun würde, wenn es diesmal wieder nach hinten losgeht. Mit einem Ampelcode ist das sehr viel einfacher, Grenzen zu markieren, aber wenn ich gar nicht erst dazu komme, das vorzuschlagen und der Vorschlag von der Gegenseite auch nicht kommt, ist das unheimlich nervenaufreibend.

Im Ergebnis haben wir dann vereinbart, dass ich ausziehen muss, um meine Ehe zu retten. Ich brauche einfach einen Rückzugsraum, in dem meine eigenen Regeln gelten und in dem meine Ordnung herrscht, an der ich mich orientieren kann, und in der es mir leichter fällt, Dinge wiederzufinden, weil sie an ihrem Platz bleiben, da sie keiner woanders hinlegen kann. Und es gibt auch keine Verhandlungen über gemeinsam genutzte Räume.

Das hätte ich sehr viel früher erreichen können, wenn man mir denn einmal die Chance gelassen hätte, anstatt darüber zu debattieren, was man denn für klug hielte oder wer denn der Verrückte ist. Dennoch hat die Geschichte einen für alle zufriedenstellenden Ausgang genommen.
Und plötzlich kommen wir wieder in der gemeinsamen Wohnung zurecht. Aber das wird nicht lange dauern, bis das nicht mehr gelingt. Deshalb werde ich vorsichtshalber mit Freunden bzw. Familie vereinbaren, dass ich da unterkommen kann.

Was ich auf jeden Fall nun gelernt habe, ist, dass sich niemand darüber beschwert, wenn man noch einmal verdeutlicht, wer welche Rolle inne hat. Solange ich weiß, wer ich bin und was der Polizist prüfen kann, kann mich keiner einsperren. Und wenn man einfach darum bittet, dass man einen Augenblick braucht, um zu überlegen, dann haben die auch Verständnis.
Hätte ich also damals das Angebot, mit zur Wache zu fahren, abgelehnt, dann hätte ich diese Diagnose vielleicht nicht bekommen.
Aber eines ist sicher: Weniger Angst vor Ärzten hätte ich dadurch heute sicher nicht.

Wichtig ist mir aber auch gar nicht unbedingt das, was hinter mir liegt. Wichtig ist mir, dass es ein Morgen gibt. Und das habe ich selbst in der Hand.
Dadurch, dass ich einmal da durch gegangen bin, konnte ich mir selbst beweisen, dass ich es schaffen kann ohne Medis. Denn ich bin der einzige, vor dem ich niemals davonlaufen kann. Mit Ärzten habe ich gelernt, einen Umgang zu finden: Einfach fragen, was sie denn glauben, was mir helfen könnte und dann entweder mitspielen oder aus dem Spiel aussteigen.
Das ist denen am Ende egal, so hat es mir auch meine Ärztin gegenüber versichert. Sie kontrollieren das nicht, ob ich die Medis genommen habe oder nicht. Genauso prüfen sie auch nicht, ob ich geschlafen habe oder nicht. So ganz eng, wie ich das bisher angenommen hatte, brauche ich also gar nicht bei der Wahrheit zu bleiben.
Insofern sind also alle Gedanken frei, die ich nicht aufschreibe. Und auch mit den geschriebenen Gedanken, habe ich einen gewissen Interpretationsspielraum. Es ist bei einer gut gepflegten Beziehung nie ein Problem, hinterher nochmal darüber zu reden und Missverständnisse aufzuklären.
Deswegen ist das gar nicht schlimm, wenn ihr in der letzten Zeit häufiger nicht ganz so sicher wart, was wie gemeint war. Das hatte ich durchaus so beabsichtigt, damit ich mich hinterher besser rausreden kann – egal, welcher Film nun die Realität wäre – und ich noch eine weitere Möglichkeit finden kann, um zu einem Happy End zu gelangen.

Entschuldige ich mich also überflüssigerweise, wissen meine Freunde, dass ich in der Zwickmühle stecke und ein wenig Begleitung nicht schaden kann. Kein Grund zur Beunruhigung. Auch Menschen, die nicht viel Erfahrung in der Krisenbegleitung haben, sind da geeignet, entsprechende Rückmeldungen zu machen, dass sie da gerade nicht so richtig zuordnen können, wofür ich mich entschuldigt habe. Das fand aber auch noch nie jemand schlimm, wenn ich mich dann nochmal entschuldigt habe und einfach gesagt habe, dass ich da was verwechselt habe. Das kennt ja jeder aus eigener Erfahrung.

Aber Psychotiker, die klar bei Verstand sind und deshalb um Hilfe bitten, das ist wohl ein Widerspruch den man nur durch unheimlich viel Geduld oder eben Zwangsverlangsamung erreichen kann. Dabei ist das gar nicht notwendig, wenn sich alle Beteiligten gleich viel Mühe geben, sich entschleunigt zu unterhalten. Aber auch das war ein Angebot, dass ich schon sehr viel früher gemacht hatte.

Bockige Schülerinnen sind was Nettes für erotische Phantasien, aber nicht, wenn sie darauf beharren, ein Soziales Kompetenztraining leiten zu wollen.Da komme ich dann durcheinander, weil ich soviel Dummheit einfach nicht begreifen kann. Wer nicht weiß, dass sein Wissen begrenzt ist, macht sich zur damit zur Zielscheibe und ich bin dann wieder so lieb und sage: Nein, nein, Finger weg von den Filmrollen, das ist mein Kino. Ich zeige Dir mal, einen hübschen Film und welche Rolle du spielst und dann sind wir vielleicht Freunde geworden und können nochmal darüber reden. Und wenn nicht, fliegst Du aus dem Kinosaal, damit ich Dir nicht weh tun muss.

Und beim nächsten Mal bin ich der erste, der gewalttätig wird. Dann wird jeder Hilfswütige zwangstherapiert. So einfach ist das. Kurzen Prozess machen die ja auch. Jetzt verstehe ich auch die Logik dahinter, Fragen erst hinterher zu beantworten. Ineffektiv finde ich es dennoch.

Endlich zu Hause!

Ich möchte es mal kurz machen: Wenn Sie sich mal in Ihrer Phantasie verlaufen haben und wieder da raus finden wollen, kann ich Ihnen jemanden empfehlen, der sie begleitet, bis Sie sich wieder hinreichend sortiert haben, die Tür alleine aufzumachen.

Angehörigen, die gerne wissen möchten, wie man sich gegenüber Psychotikern in einer akuten am besten verhalten sollte, kann ich einige Verhaltensvorschläge an die Hand geben, die hilfreich sein könnten. Wie andere Menschen sich in Notsituationen verhalten, kann ich nicht sagen, aber was mich betrifft: Ich werde wieder und wieder um Schläge betteln, damit ich Ihnen nicht weh tun muss.Sinngemäß.

Es gibt eine aus meiner Sicht geeignete Art und Weise zu einer gemeinsamen Sprache zu finden: Rollenspielvokabular.

Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, dass man die gegenseitige Absprachefähigkeit nicht verliert.Wenn man aneinander vorbeiredet, kann man einander nicht helfen. Missverständnisse kann man später wieder aufklären, wenn sich alle beruhigt haben.

Aber wenn es nicht gelingt, aus dem Wahn heraus Anweisungen zu erteilen, wie die Helfer dem Wahnsinnigen helfen können, wieder zurück auf den Boden der Tatsachen zu finden, dann können sich die „Verhandlungen“ durchaus ziemlich in die Länge ziehen.

Ich kann das nicht vorhersagen, was ich wann wie brauche, insofern ist es schwierig, allgemeingültige Verhaltensregeln zu formulieren.Wenn man aber Zeichen verabredet, die erkenntlich machen sollen, welcher der vielen bunten der Film mit der Realität ist, kann das sehr beruhigend sein, andererseits aber auch nach hinten losgehen.

Wenn ich mir darüber im Klaren bin, dass wir hier zu viert an einem Tisch sitzen und ein Koop-Spiel spielen, dann bin ich nicht verrückt. Das sollte jeder, der sich in derselben Realität befindet wie ich, dann auch erkennen können.Ich übernehme gerne jede Rolle im Rollenspiel, aber meinen Platz am Tisch möchte ich mir selbst aussuchen dürfen. Das ist nicht verhandelbar und für mich neu, dass ich auch nicht überall mitspielen muss.

Was mir geholfen hat, war, wenn die Spieler meines Kasperletheaters einfach mitgespielt haben und mir immer durch ihr Verhalten ein gutes Beispiel gegeben haben, wie es in Ordnung ist, sich zu verhalten. Das ist hilfreich in Fällen, in denen man sich mit Worten nicht mehr verständigen kann.

Das Ergebnis des heutigen Netzwerkgesprächs ist, dass wir beiden Ehemänner, die es in der gemeinsamen Wohnung nicht aushalten können) eine Lösung für den Übergang gefunden haben und ich mir so schnell wie es eben in Hamburg machbar ist eine eigene Wohnung suche.

Ich habe das erste Mal nun auch eine Verfolgungsjagd erlebt, allerdings mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass die Leute mir eigentlich helfen wollten, sich aber furchtbar dämlich angestellt haben und sich hinterher alles aufklären wird, sobald ich es schaffe, mich zu beruhigen.

Ich habe auch tatsächlich eine Begegnung gehabt, die einfach zu schön ist, um wahr zu sein. Das muss eine halluzinierte Person gewesen sein und ja – da mache ich niemandem einen Vorwurf, wenn da mal die Wahrheit mit der Fiktion verwechselt wird. Sowas passiert jedem mal und andere machen das sogar mit Absicht. Aber böse meine ich es niemals. Und nachtragend bin ich auch nur solange, bis es alles ausgesprochen wird.

Spaß und Ernst verwechselt, sry

Zu Risiken und Nebenwirkungen erklärt Ihnen Lysander, der befreite Mann, welchen Bären uns die Pharmaindustrie mit Hilfe der Packungsbeilage diesmal aufbinden will.

Bitte erschlagen Sie nicht den Arzt mit dem Apotheker, sondern verkuppeln Sie die beiden miteinander.

Verstehen müssen Sie aas nicht, warum Gesundheit eine Krankheitsmangelerscheinung ist. Tun Sie es einfach, mir zuliebe, ja?

Das war: Verhaltensforschung.

Der nächste bitte!

/Vorhang fällt


/Psychose Ende

Puuuh, was für ein Höllenritt.

Es ist wirklich nicht einfach, jemandem aus der Psychose herauszuhelfen. Wie soll das auch gehen, wenn der andere sich in seiner eigenen Phantasie verlaufen hat? Wenn das nicht klappt, da in den Kopf reinzugucken, dann finden wir gemeinsam vielleicht einen Weg, die Gedanken da herauszulocken. Eigentlich ganz einfach.

Aber, wenn etwas zu einfach scheint, dann braucht man auch Vertrauen, um sich nicht verarscht zu fühlen. Wenn man allerdings nur lange genug Kasperletheater spielt, dann ist doch ganz egal, wie das Stück heißt: Man findet einen Weg, „Bitte bleib bei mir!“ so zu formulieren, dass man zueinander findet. Herr Jost vom AKH kann einem dabei helfen.

Das wird uns Herr Unger nach der Rückkehr aus seinem Urlaub bestätigen. Wenn ich es nicht bis dahin geschafft habe, rechtzeitig aus dem Labyrinth herauszufinden, dann rettet mich Herr Unger.Das ist doch eine Rolle, die jeder gerne einnimmt, oder?

Also, mal ein Tipp für alle Psychotiker: Wenn der Film Dir Angst macht, dann wechsel einfach mal die Filmrolle. Sowas können Ärzte nicht. Aber es gibt Menschen, die bleiben bei Dir, bis Du den richtigen Film gefunden hast. Und dann holen die Dich überall aus der Scheiße raus, egal, was Du verkackt hast. Und damit verdienen die sogar Geld als Mietfreunde. Echt wahr.

So ein Job nennt sich Genesungsbegleiter. Sehr vielseitiger Beruf, von Schutzengel bis Terrorist alle Rollen dabei. Man muss nur dazu bereit sein, sich die Deppenmütze aufsetzen zu lassen, andererseits aber auch in der Lage sein, klar zu machen, welcher Film erst ab 18 ist und daher jetzt nicht infrage kommt.

Kann sonst üble Konsequenzen haben, wenn da was schief geht. Von wegen „keine Operation am offenen Herzen“, Frau Friegel. Sie haben wirklich keine Ahnung, aber Sie haben alles richtig gemacht. Das war super – so ein Rollenvorbild brauchte ich, um ganz auf Nummer sicher zu gehen. Einfach Vater, Mutter, Kind und ich diskutiere nicht mit, sondern bleibe einfach stur das Kind, bis die anderen kapiert haben, welches Spiel gespielt wird.

Dann nehme ich es auch mit Ärzten auf, die daran glauben, Pillen würden einem Psychotiker helfen können, der nicht in der Lage ist, seinen Gedankensalat zu sortieren.Ich bin doch nicht bescheuert und prügel mich ums Bett, wenn wir uns bereits darauf geeinigt hatten, dass ich dringend schlafen muss. Psychosen sind nämlich Folge von Schlafentzug und für beide Parteien schädlich, egal, wer nun alles verrückt ist.

Da hilft das dann manchmal, einfach auf stur zu schalten und zu sagen: Nein, Du darfst erst dann ins Bett, wenn Du die Pille gefressen hast, von der ich glaube, dass sie Dir hilft. Besser der Papa hat ne Meise, als wenn das Kind nun noch mehr Angst kriegt.

Ich freue mich total auf meinen neuen Job, aber auch wenn ich jetzt ausgeschlafen habe, habe ich mir etwas Erholung verdient.

Und ich verspreche euch, mit Leuten wie Herrn Unger und seiner Truppe ist es mir ganz gleich, ob ich nun im Gedankenkarrussell spazieren fahre oder stundenlang im Rettungswagen oder ob wir in einem Boot sitzen – nur lesen Sie bitte die Leviten, die ich Ihnen schreibe. Sonst wird das nix.

Bei Wildfremden, die sich mein Vertrauen erprügeln wollen, da fehlt mir die Geduld. Vor allem kann ich da nicht sicher sein, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem ich alles aufklären kann. Aber für Familie und Freunde bin ich bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Da lasse ich mich wieder und wieder misshandeln – Hauptsache, ich tue niemandem weh. Wer mich kennt, weiß das auch.

Wenn ich nicht weiß, wann der Film zu Ende ist, ist das ein bisschen schwierig, dessen Ende abzuwarten. Andererseits gibt es ja solche Filme, die man am liebsten immer weitergucken will. Und wir wissen ja alle, dass mit Ausnahme von Würsten alles ein Ende hat – auch der schönste Traum.

Ich glaube, der Spuk ist erstmal vorbei. Und wenn ich mal in Zweifel gerate, dann lasse ich mal einfach offen, welche Wahrheit die richtige ist. Ich weiß, dass ich schreiben kann und ich bestehe auf einem Happy End für alle Beteiligten. Deshalb, wie Volker so sagte, Entschuldigung annehmen kann ja nie verkehrt sein. Das ist ein gutes Vorbild.

Einfach mal aus der Rolle fallen kann jedem mal passieren und als Kind habe ich immer schon aus der Reihe getanzt. Wenn ihr keinen Mut findet, es mit mir auszuhalten, dann laufe ich eben weg, damit ich euch nichts antue. Es erfordert wirklich Nerven wie Drahtseile, um diese Zweifel auszuhalten.

Deshalb empfinde ich Beschreibungen wie „psychisch minderbelastbar“ als absolut beleidigend. Als Arbeitgeberkind, das in eine Krankenpflegerfamilie eingeheiratet hat, kann ich sehr gut Freund oder Feind auseinanderhalten, wenn ihr mir einfach ein bisschen helft, die Grenzen zu erkennen, geltende Regeln zu verstehen und mir so dabei zu helfen, mich richtig zu verhalten, bis ich selber wieder klar denken kann.

Ich bin sicher, solange die Stimmung nicht zu gereizt wird, finde ich überall wieder heraus und jeder, der sich mit mir wohl fühlt, lässt sich mit recht wenig Worten dazu bringen, dass ich mich einfach dafür entschuldige, Spaß und Ernst miteinander verwechselt zu haben. Notfalls bin ich auch dazu bereit, die beiden in Erni und Bert umzutaufen.

Wer nun immer noch nicht erkannt hat, wer wer ist – kein Problem. Aber wer keinen Spaß versteht, der darf dann einfach nicht mehr mitspielen. Und das schönste ist doch, wenn man als Psychotiker mit seinen Phantasieprodukten Geld verdienen kann. Dann braucht man auch keine Angst vor seinen eigenen Gedanken zu haben.

Noch Fragen?

 

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