Veränderungen

Veränderungen

Hallo zusammen,

ich freue mich riesig, dass ich mittlerweile über 75 Follower habe. Gleichzeitig hat mich dieser Umstand auch so sehr eingeschüchtert, dass ich in der letzten Zeit den ein oder anderen Beitrag dann doch wieder verworfen habe.

Vor zwölf Jahren habe ich mein allererstes Blog mal gestartet, um der Welt mein Leid zu klagen sozusagen, bekam so gut wie gar keine Resonanz, und dieses hier habe ich vor zwei Jahren eröffnet, um mir eine Anhängerschaft zu erschreiben, der ich dann eines Tages einen Roman präsentieren kann, von dem ich im Augenblick überhaupt nicht mehr sicher bin, ob ich ihn je vollenden werde.

Auch bekomme ich immer wieder große Zweifel, ob ich mich mit dem von mir geschaffenen Ingo S. Anders überhaupt identifizieren möchte, ob ich mich für den Kerl nicht eher schämen sollte. Wenn ich den im Spiegel sehe, denke ich oft, dass ich auf den Spiegel im Bad am besten auch noch verzichten sollte.

Im Oktober waren wir im Urlaub, auf Kreta. Dort habe ich Reisetagebuch geführt und das hat mir sehr gut getan. Wieder hier zurück denke ich, dass ich doch nun auf jeden Fall etwas zu erzählen hätte (viele frühere Themen hielt ich für nicht erzählenswert), aber irgendwie fehlte mir trotzdem der Mitteilungsdrang, denn ich hatte ja bereits einiges niedergeschrieben und ich hatte keine Lust, alles noch einmal wiederzukäuen. Als Fazit kann ich jedenfalls festhalten, dass es für mich nicht hilfreich ist, dass eine feste Struktur außen existiert – es reicht jedenfalls nicht, um mich in diese einzufügen. Ich kann dennoch nicht im dafür gedachten Zeitfenster innerhalb eines 24-Std-Tages ausreichend schlafen. Mein Schlafzeitfenster verschiebt sich auch ohne nennenswerte Erlebnisse, die mich überdurchschnittlich beschäftigen und nachhallen müssen und kollidiert somit mit Terminen, die ich eigentlich wahrnehmen wollen würde. Deshalb experimentiere ich nun als nächstes mit der Möglichkeit, einen ganz individuellen Schlaf- und Wachrhythmus zu kreieren, der planbar sein soll, so dass ich mir Termine in die Zeitfenster lege, in denen ich ohnehin wach sein werde. Ehrlich gesagt glaube ich aufgrund meiner bisher beobachteten sehr unregelmäßigen Schlafintervalle nicht an einen Erfolg, will es aber dennoch nicht unversucht lassen.

Zum Thema Umzug könnte ich wirklich lang und breit wettern, aber da es sich bei den Beteiligten u.a. um Vertragspartner von uns handelt, verkneife ich mir das aus rechtlichen Gründen lieber. Das Prozedere überfordert mich einfach. Heute morgen hatte ich einen Termin, den ich unterschätzt habe und der mit Begleitung ganz anders abgelaufen wäre.

Leider muss ich mich oft dafür rechtfertigen, dass ich verrentet bin. Die Leute glauben, man geht einfach zum Arzt, wenn man keine Lust mehr hat, zu arbeiten und schwups, wird man kaputtgeschrieben. Auch wenn ich sage, dass ich schwerbehindert bin, wird oft hinterfragt inwiefern und laienhaft beurteilt, ob das angemessen sei. Das stinkt mir tierisch und am liebsten würde ich einfach Stillschweigen darüber bewahren, aber zum einen kann ich einfach nicht meine Klappe halten, fühle mich unwohl damit, etwas zu verheimlichen und zum anderen denke ich, dass es der Öffentlichkeitsarbeit nicht damit gedient ist, wenn man sich versteckt. So übrigens auch hinsichtlich trans* und auch mit Schwulen haben heute noch viele Leute ein Problem. Einer schrieb mir, auch sein Bruder sei „so einer wie ich“ gewesen und dass er das toleriere und zugleich hatte er ein enormes Unbehagen mit mir einige wenige private Zeilen zu wechseln. Er hatte wohl Angst, er könne sich anstecken oder die Leute könnten glauben, er habe Gefallen an mir gefunden, falls unsere private Konversation zu lange dauert …

Diese Themen gehen mir sowas von auf den Sack mittlerweile, ich bin diese elenden Diskussionen leid. Mit dem Schreiben dachte ich, ich schaffe mir ein Thema, das ich mit anderen Leuten teilen kann, wo ich diesem Alltag etwas entfliehen kann und was mache ich? Ich schreibe über einen bipolaren Genesungsbegleiter.^^ So langsam wird mir klar, warum andere über Mörder, Ritter, Raumschiffe oder magische Wesen schreiben. Bis Ende des Jahres habe ich mir noch frei genommen auch wegen des Umzugs, aber danach will ich dann wieder durchstarten und mich täglich ans Schreiben setzen. Gut ein Dreivierteljahr Arbeit steckt bereits in dem Roman, wäre schade, wenns verkommt. Möglicherweise muss tatsächlich ein anderes, fiktiveres Werk her. Ich halte mir beide Optionen offen.

Eine weitere Veränderung macht sich seit Montag bemerkbar: Meine Stimme. Viele Jahre habe ich mir sehr viel Mühe gegeben, tiefer zu sprechen und je mehr ich mich anstrengte, desto weniger klappte es. Jetzt scheint sich eine Blockade gelöst zu haben. Auf einmal fühlt es sich ganz leicht und stimmig an, nachdem ich meinen Körper beim Singen an die Vibrationen in meinem Brustkorb gewöhnt habe. Natürlich ist mein Umfeld überrascht, mich nun tiefergelegt zu hören, aber wer mich noch nicht kennt, dem fällt meine Stimme nicht als ungewöhnlich auf; aus meiner Sicht klingt sie erst jetzt normal.

Im Augenblick bin ich im Begriff, einem Sportverein beizutreten, der mir hier Sportangebote macht, ähnlich denen im Urlaub: Vorne hampelt einer zur Musik und alle hampeln mit. Sowas macht mir ungemein Spaß, egal ob sich das nun Zumba schimpft oder Aerobic. Nur tut es meinem Knie nicht gut, wenn ich das Programm nicht an manchen Stellen entschärfe, Drehungen bekommen ihm gar nicht, ebenso hüpfen oder Treppensteigen. Zudem werden auch kurze (12km) Wanderungen angeboten, die ich gerade noch bewältigen kann. Den guten alten Crosstrainer habe ich leider so in Erinnerung, dass mir nach zwanzig Minuten die Zehen einschlafen. Und seine Motivationskünste sind auch irgendwie … eingestaubt.

Eine weitere Baustelle ist mein Schokoladenkonsum. Der ist so hoch, dass ich im Urlaub sogar abgenommen habe, weil ich dort auch mal Fleisch, Fisch und Gemüse zu mir genommen habe sowie ausgewählte Sättigungsbeilagen. Bei Hunden gilt: Andere Umgebung, andere Regeln. Und genau das werde ich mir auch auferlegen. In der neuen Wohnung gibt es keine Schokolade mehr. Spätestens da.

Das sind jetzt ziemlich viele Veränderungen auf einmal, aber manchmal fällt es kumuliert leichter.

Euer schlafloser Ingo

PS: Papa, falls Du das liest … danke für die BUZ und Happy Birthday!

nicht werkstattfähig

nicht werkstattfähig

Für mich ist das ein heftiger Klopper gewesen, als meine Ergotherapeutin mir eröffnete, dass sie mich für nicht werkstattfähig hält. Meine Psychiaterin bezeichnete dies als „wenig ermutigend“, widersprach dem aber nicht. Und auch mit meiner eigenen Einschätzung deckt es sich, dass ich es nicht lange durchhalten würde, von 8 bis 16 Uhr irgendwo aktiv so sein und ginge es nur um simpelste Tätigkeiten, für die null Konzentration nötig sei – es ist einfach der Schlaf, der mir dann auf Dauer fehlen würde. Die Freizeit wäre zu kurz.

Bereits als ich im letzten Jahr die EX-IN-Ausbildung machte, brachte mich dies an den Rand meiner Leistungsfähigkeit: zweimal die Woche drei Stunden und alle 14 Tage 10 bis 17 Uhr – den Sonntag lag ich dann nur noch platt in der Ecke. Und auch all die anderen Tage dazwischen brauchte ich zur Erholung.

Dreizehn Stunden Schlaf zu brauchen ist einfach nicht normal. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, dies würde mit Absetzen des Neuroleptikums anders werden. Zur Zeit habe ich kaum Termine und ich habe einfach mal ausprobiert, wenn ich nur dann ins Bett gehe, wenn ich auch müde bin und auf der anderen Seite ausschlafe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich nach nur acht Stunden Schlaf – was als normal gilt – nach sechs Stunden derart müde bin, dass ich mich auch wieder hingelegt habe.

Habe ich dreizehn Stunden geschlafen, kann ich dagegen nicht gleich nach elf Stunden wieder einschlafen. Nach der Mittagsmüdigkeit ab sechs Stunden nach dem Aufstehen kommt erst acht Stunden später wieder ein Punkt, an dem es Sinn macht, sich hinzulegen. Ich würde also nichtmal auf Bajor ins Konzept passen (dort haben sie einen 26-Stunden-Tag). Deshalb rotiere ich  zur Zeit immer so drei, vier Stunden nach hinten.

Was mich sehr betrübt macht, ist, dass es mir nicht gelingt trotz aller Freiheiten dank geregelter Finanzen und frei einteilbarer Zeit an meinem Roman weiterzuarbeiten. Das kann ich ja nun wirklich auch mitten in der Nacht machen. Aber ich tue es nicht.

Weil ich keine Lust habe, nachdem ich mich versucht habe, dazu zu zwingen anhand eines Stundenplans. Ich wollte wieder dazu zurück, eine Stunde am Tag zu schreiben, was mir im ersten halben Jahr gelungen ist.

Und weil ich ein Arbeitsumfeld schmerzlich vermisse. Es gibt Foren, Chats und Blogs sowie Gruppen von Autoren, die sich vor Ort treffen. Aber es gibt niemanden, der zur gleichen Zeit mit mir im Büro sitzt und ein Pläuschchen am Kopierer hält. Wo ich weiß, dass ich weiß, dass der mich für ne faule Sau hält, wenn ich mich nicht auf meinen Hosenboden setze. Nein, Schreiben gilt sehr verbreitet als Hobby und die meisten raten mir eher dazu, mir Zeit zu lassen und mich nicht unter Druck zu setzen – was ich derzeit auch mache.

Vor November wird es nicht wieder losgehen, allein schon wegen des Urlaubs. Und dann wird mich wohl der Umzug ereilen, also möglicherweise war es das für dieses Jahr. Ein halbes Jahr Arbeit pro Jahr, wo gibt es denn das?

In der Werkstatt für behinderte Menschen jedenfalls nicht. Manchmal würde ich da gerne teilhaben dürfen. Um wenigstens eine Illusion von „normal“ zu haben, um ein Arbeitsleben zu haben. Es gibt sogar ein Atelier in der Stadt für psychisch kranke Künstler (Maler) – aber nicht für Schriftsteller.

Ich glaube, ich möchte einfach nicht zum Schreiben gezwungen sein. Ich möchte es gern tun, weil ich es kann und weil eine Geschichte aus mir heraus will. Aber manchmal war der Gedanke verlockend, immer noch einfach alles hinzuwerfen und in eine Werkstatt zu gehen und jetzt kann ich nicht einmal mehr das.

Forenjunkie

Forenjunkie

Zur Zeit schreibe ich für meinen Wochenplan mit, was ich die ganze Zeit so mache. Und da taucht erschreckend häufig das Forum auf.

Ich setze mich an den Computer, eigentlich um zu schreiben, schaue aber zuerst im Forum nach, ob es da etwas Neues gibt. Leider gibt es da oft genug etwas zu lesen, manchmal fühle ich mich dann auch berufen, zu kommentieren. Vergessen ist mein ursprüngliches Vorhaben.

Es kann dann sein, dass ich zwei Stunden im Forum unterwegs bin und merke, wie meine Konzentration nachlässt. Dann schmeiße ich mich erstmal vor den Fernseher und brauche dann auch so ein bis zwei Stunden, bis ich wieder so weit bin. Es ist also mal eben vier Stunden später. Das ist natürlich sehr ärgerlich.

Warum also rufe ich das Forum auf, obwohl ich eigentlich an meinem Roman arbeiten will? Eigentlich will ich nur schnell nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Ob sie auch ohne mich zurecht kommen. Wie bescheuert ist das denn? Das liegt doch nicht in meiner Verantwortung und was auch immer wäre, hätte Zeit, bis ich wieder eine Pause mache.

Ich bin froh, dass es ein recht kleines Forum ist und ich gleich am Anfang gelernt habe, dass ich es dort nicht schaffe, alles zu lesen. Trotzdem, ich picke mir bevorzugt den Nonsens raus, die Themen, in denen am ehesten die Stimmung aufzufangen ist. Inhaltlich eigentlich das Zeug, was am ehesten rausfliegt, wenn man die Lektüre an sein Zeitbudget anpassen will.

Am liebsten bin ich im Chat, aber da habe ich schon gelernt, dass ich nicht reindarf, wenn ich noch nicht fertig bin mit Schreiben, weil es sich ruckzuck wandeln kann und plötzlich ist man in einem lebhaften Austausch und nicht mehr im Abstand von zwanzig Minuten eine Zeile.

Flugzeugmodus, jaja. Aber ich schaue ja sogar abends im Bett per Handy noch schnell im Forum nach. Das muss ich mir echt abgewöhnen.

Ich glaube, wonach ich so giere, ist einfach sozialer Kontakt. Ich sitze hier im Prinzip den ganzen Tag alleine rum und brauche einfach Leute, mit denen ich quatschen kann und je drängender das Bedürfnis, desto egaler ist mir auch mit wem oder worüber ich reden kann.

Wenn mein Ehemann nicht ausgerechnet einen Beruf hätte, wo er den ganzen Tag mit Leuten reden muss, hätte der abends auch sicher noch Energie für ein Gespräch mit mir. Das würde auch nicht ganz reichen, die Lage aber erheblich verbessern.

Tatsächlich habe ich auch schon darüber nachgedacht, mutwillig Einrichtungen aufzusuchen, in denen man anderen Menschen begegnet und an besonders verzweifelten Tagen habe ich das auch schon getan, aber für den Alltag erscheint mir das unklug, weil ich ja dann erst recht keine Zeit mehr zum Schreiben habe. Und, ehrlich gesagt, so oberflächlichen Smalltalk kann ich auch in einem x-beliebigen Chat haben.

Vielleicht wäre so ein Mietbüro eine gute Idee, um etwas disziplinierter an die Arbeit zu gehen. Aber zum einen erscheint mir das etwas übertrieben für die eine Stunde Schreibarbeit pro Tag, über die ich mich bereits freuen würde und zum anderen: Wer sagt mir, dass ich dann nicht von dort aus das Forum aufsuche?

 

Der Übergang vom Nobody zum Autor

Der Übergang vom Nobody zum Autor

Ich mache mir immer mal wieder Gedanken darüber, was wohl alles anders werden wird, wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe. Wenn Leute mich aufgrund dieses Buches googeln und dieses Blog finden, was passiert dann?

Bei Nadja Hermann habe ich es miterlebt, wie sie von der Resonanz völlig überrascht wurde. Es fanden sich plötzlich Leute ein, die sie persönlich angegriffen und das teilweise sogar, ohne ihr Buch überhaupt gekauft zu haben. Sie hat dann einfach tabula rasa gemacht, alle Beiträge gelöscht und von vorne angefangen.

Ich sage mir seit die Sache mit dem Datenschutzumrüsten aufkam, dass es durchaus eine Option ist, einfach dicht zu machen. Andere haben das ja auch getan. Und so tröste ich mich mit dem Gedanken, zum Veröffentlichungstermin einfach alle Beiträge auf Entwurf zu setzen. Dann kann ich sie bei Bedarf nochmal rausholen. Bisher wurden die uralten Beiträge eh kaum aufgerufen, es scheint kein Verlust zu sein.

Aber vielleicht verkaufe ich ja nur fünf Bücher. Erleichtert wäre ich dann wohl nicht, eher enttäuscht.

Denn einiges wird sich ja auf jeden Fall ändern. Sobald ich Einkommen aus selbständiger Arbeit habe, kann ich nicht mehr zum Lohnsteuerhilfeverein. Die Rechtsschutzversicherung gilt dann auch nicht mehr und ich muss einen neuen Vertrag abschließen. Und wie es aussieht, muss ich mich dann in der Künstlersozialkasse versichern lassen, falls ich nicht noch mit „nebenberuflich“ durchkomme.

Na zum Glück bin ich noch lange nicht fertig mit einem Buch und bleibe noch ein bisschen Nobody.

 

Kommissar Taubert erobert die Herzen

Kommissar Taubert erobert die Herzen

Wir hatten im Forenchat eines Tages die Idee, uns mit einer Geschichte herauszufordern, die einem Genre zugehörig ist, von dem wir bisher meinten, dass wir das gar nicht mögen oder/und nicht beherrschen.

Es entstanden verschiedene Geschichten, darunter meine (konfliktscheue) Kindergeschichte, eine schreckliche Schnulze, aber eben auch ein Krimi. Aus diesem Krimi ist eine Reihe entstanden, weil der Tauberich sich immer wieder in Schreibübungen schummelte.

Mittlerweile sind vier Teile in der Schreibkommune erschienen:

  1. Federobduktion
  2. Ermittlungen
  3. Der Gullydeckel
  4. Das Labor

Weitere werden folgen, Yann schreibt noch weiter.

Viel Spaß beim Lesen!

„Bäh, das ist ja ne Liebesschnulze“

„Bäh, das ist ja ne Liebesschnulze“

Ich habe neulich das erste Mal mehr über mein aktuelles Projekt erzählt und zwar jemandem, der (bisher) nicht selbst schreibt. Dabei habe ich auf meinen Pitch zurückgegriffen. Reaktion war in etwa, das sei ja langweilig, so eine Liebesschnulze.

Zum Glück konnte eine befreundete Kollegin mir entgegenhalten: „Du und Schnulze? Das geht ja mal gar nicht.“ Zugegeben, das käme auf einen Versuch an. Jedenfalls weiß sie auch sehr viel mehr über das Projekt, kann es daher sehr viel besser beurteilen und es ist natürlich keine Schnulze.

Ja, es hat eine Love-Story im B-Plot. Und ich gebe sogar zu, dass mich dieser und die damit verbundenen Konflikte anfangs am meisten gereizt hatten, so dass ich schwer überlegte, ob Liebe hier nicht die Hauptsache ist.

Jedoch habe ich mich dagegen entschieden. Mehr wird nicht verraten.

Ver-rückt vor Liebe Baum

Klinik am Baum

Nettes aus meinem Autorentagebuch: Ich habe inzwischen 48 Normseiten überarbeitetes Manuskript. Und wohl fast nochmal so viel an Entwürfen, die noch nicht bearbeitet sind.

Von wegen Schnulzen: Woher der Arbeitstitel „Ver-rückt vor Liebe“ kommt

„Die Liebe macht jeden verrückt“, raunte er.
Hatte er das wirklich gesagt oder hatte ich seine Stimme wieder nur halluziniert? Spielte das noch eine Rolle? Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken, sog seinen Duft in mich hinein und genoss das Kribbeln in meinem Schoss. Ich fühlte mich wohl, sicher und geborgen in seinen starken Armen. Wenn das alles nur Einbildung war, so würde ich dann eben für immer verrückt bleiben. Verrückt nach meinem Krankenpfleger.

Das war das kitschige Ende in der Urversion des Projektes. Ich hatte diese Notiz mindestens ein Jahr beiseite gelegt und als ich sie wieder raussuchte, hatten die Figuren sich sehr verändert und der Plot natürlich auch. Einen Krankenpfleger, in den sich seine schizophrene Patientin verliebt, wird es also nicht geben.

Ich denke, einen besseren Pitch suche ich mir dann, wenn ich ihn das nächste Mal brauche, spätestens, wenn das Manuskript fertig ist und es an die Bewerbungen geht.

„Ui, toll!“ will ich hören

„Ui, toll!“ will ich hören

04.07.18

Ich muss feststellen, dass ich immer wieder nach Bestätigung giere und das im Schreib-Forum durch Kollegen und Freunde nicht ausreichend bedient werden kann. Oft habe ich das belächelt, wenn Autoren sich gegenseitig über den grünen Klee lobten für Texte, die das in meinen Augen nicht verdient hatten. Nun sehe ich das anders. Der Mensch braucht lobende Worte, nicht das Werk.

Ich brauche das. Jetzt insbesondere, da ich selbst fast alles von mir Geschriebene miserabel finde oder zumindest immer wieder infrage stelle, ebenso wie mich selbst. Es ist das erste Mal, dass ich einen Roman schreibe und immer wieder vermute ich hinter der nächsten Ecke die bahnbrechende Erkenntnis, die Hammer-Methode, die mir bisher gefehlt hat. Aber für kreativ Schaffende gibt es keine Arbeitsanleitung, nach der man sich Schritt für Schritt richten kann.

Viele lassen sich durch den Schreibprozess begleiten. Ich habe mich dazu einem Forum angeschlossen, andere besuchen Treffen oder nehmen sich einen Coach. Ich frage morgen meine Ärztin, was sie von einer Runde Ergotherapie diesbezüglich hält. Darüber hatte ich schon einmal nachgedacht, fand das dann aber unangemessen, weil ich mich ja nicht so krank fühlte einerseits und anderen nicht auf der Tasche liegen wollte andererseits. Vielleicht wäre ein Coach die Lösung.

05.07.18

Yes! Ich habe eine Verordnung für Ergotherapie bekommen. Meine Ärztin meinte, es gibt zwar Patienten, die sich bespassen lassen durch Behandlung, aber ich habe ja ein Ziel. Eigentlich sogar drei. Das mit dem Schlafen, Essen und Schreiben hinkriegen.

Vielleicht werde ich diesmal nicht nur mit der halben Arschbacke dasitzen. Ich werde Texte auch inhaltlich besprechen können und ich werde auf jeden Fall die Sache mit meinem Therapeuten besprechen können. Vielleicht finde ich Wege, das irgendwie einzurenken, vielleicht bekomme ich auch den Impuls, dass das in diesem Fall eher keinen Sinn hat. Seither hatte ich jedenfalls keinen Bedarf an einem Gespräch mit meinem Psychologen.

Ich hatte mir auch Gedanken darüber gemacht, wie es nach der Aussteuerung bei der Integrierten Versorgung weitergeht. Ich hatte überlegt, ob eine ASP-Maßnahme für mich passend sein könnte. Da habe ich sogar bei einer Einrichtung angerufen und mich nach den Kosten erkundigt. Dabei handelt es sich um eine Art Alltagsbegleitung für psychisch kranke Menschen.

Dann habe ich zum Glück erfahren, dass ich bei der IV auch weiterhin zu Gesprächen kommen kann im Bedarfsfall. Da ist zwar nicht mehr die Notfallversorgung im Angebot, aber Beratungsgespräche. Von denen ich in der Vergangenheit so gut wie keinen Gebrauch gemacht habe. Aber die bevorstehende Veränderung macht mich schon nervös, ich habe dort seit fünf Jahren einen Vertrag, der jetzt ausläuft.

Mit Ergotherapie bin ich aber dann doppelt abgesichert. :))

Meine Kontakte im Schreib-Forum werde ich dann nicht über Gebühr strapazieren müssen mit meinem erhöhten Pflegebedarf. Das wäre mir nämlich echt schade drum. Und mir wird es helfen, den Entwurf runterzuschreiben, wenn ich erstmal tüchtig auf die Schulter geklopft bekomme, ohne dass dies gleich mit Kritik verbunden ist, woraus ich wieder Überarbeitungswünsche ableite.

Ich habe keine Zeit, keine Zeit zu haben!

Mein Aufreger des Tages war mal wieder die Begründung „keine Zeit“ für mangelndes Engagement. Diese Ausrede bringt mich regelmäßig zur Weißglut, weil sich so oft „keine Lust“ dahinter verbirgt. Mich stört daran die Unaufrichtigkeit.

Wenn ich mir Zeit fürs gemeinsame Projekt nehme und andere nicht, weil sie „keine Zeit“ haben, dann bewerten sie damit die gemeinsame Tätigkeit als minderwertig gegenüber anderen, für die sie sich Zeit genommen haben.

Ich glaube, was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass mir einfach irgendwann die Kraft ausgeht und noch Zeit übrig bleibt, während andere vor Schaffenskraft nur so strotzen und deren Vorhaben lediglich durch die Zeitkonkurrenz begrenzt sind.

Deshalb gibt es bei mir nie das Argument „keine Zeit“, weil ich immer bis zur Belastungsgrenze gehe. Vielleicht erwarte ich das deshalb von anderen auch, dass sie sich eben keine Zeit für Geburtstagsfeiern, Kinobesuche und anderes nehmen.

Wenn ich beispielsweise auf eine Grillparty gehen wollte, so wäre das für mich eine mehr als tagfüllende Beschäftigung. Natürlich habe ich für sowas keine Zeit, wenn ich ein Buch schreiben will und daneben für zwei Blogs schreibe.

Und schon hats mich auch erwischt. Keine Zeit. -.-

Es ist ein Kreuz mit ihm – Figur weigert sich, sich richtig zu zeigen

Es ist ein Kreuz mit ihm – Figur weigert sich, sich richtig zu zeigen

Ich will jetzt auch endlich mal über meine ach so anstrengende Arbeit jammern. ;)

Fangen wir damit an, dass mir gestern mein Stuhl geplatzt ist. Also mein Sitzball hatte plötzlich ein Loch und verlor recht fix die Luft. Der andere Stuhl ist, ähm, nicht für längere Sitzungen geeignet. Dafür ist er zu unbequem. Was ich ja wollte, um nicht nur vor dem PC zu hängen. Das war, bevor ich anfing, einen Roman zu schreiben.

Und in einer der Nachbarwohnungen wird renoviert. Hier war also nach einer Stunde meines Schreibzeitfensters Bohren und Klopfen zu hören. Zwischendurch klingelte es, weil jemand mich zu einer Konferenz, die im Zusammenhang mit einer Bibel stand, einladen wollte …

Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich euch mal mein Projekt Ver-rückt vor Liebe vorstellen kann, ohne euch alle zu verspoilern. Lassen wir es einfach sein, es ergibt sich schon von selbst.

Tja, meine männliche Hauptfigur scheint unbedingt ins Rampenlicht zu wollen. Das kann er haben. Ich habe jetzt schon vier Versuche gemacht, ein Kapitel zu schreiben, in dem er in die Geschichte eingeführt wird.

Erst war er beim Rollenspiel mit Freunden. Problem hierbei: Er blieb völlig im Hintergrund und hat keinen Ton gesagt. Dafür habe ich seine Freunde dann auch mal kennengelernt.

Dann habe ich ihn bei seiner Arbeit bzw. Ausbildung zeigen wollen. Dabei stand diese dann so sehr im Vordergrund, dass er dahinter zurückblieb. Und bei der Gelegenheit hat sich eine Nebenfigur die Hauptrolle geschnappt. Der, den ich als engsten Kollegen angedacht hatte, wusste offenbar nichts davon und ließ sich kurzerhand abwimmeln.

Beim dritten Versuch schickte ich ihn auf einen Spaziergang mit seiner besten Freundin. Das schien sehr gut anzukommen – bis ich andere Meinungen einholte von Leuten, die die Figur nicht schon von früheren Versuchen kannten. Zudem war dieses Kapitel als drittes zu nah am zweiten, weil ich dasselbe Thema nochmal drin hatte. Daher entschied ich, dieses Kapitel nach hinten zu schieben und ein neues erstes zu schreiben.

Ich muss wohl wahnsinnig sein, denn ich versuchte es tatsächlich nochmal mit dem Rollenspiel. Allerdings mit dem Unterschied, dass er nun der Meister ist. Und diesmal kommt er nicht zur Geltung, weil die anderen nicht richtig streiten. Jawoll, streiten! In einer Gruppe, die sich seit Jahren kennt usw. – ich werde diese Fassung noch dahingehend überarbeiten, damit er dann den Streit schlichten kann.

Für mich ist das sehr schwierig, solche Rollenspielszenen zu schreiben. Zum einen, weil es ein Wissen erfordert, das ich nicht habe, weil ich selbst kein Rollenspieler bin. Zum anderen, weil es mehrere Figuren sind, die agieren. Bei solchen Szenen habe ich schon als Leser Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen und nicht den Überblick zu verfolgen.

Vielleicht ist das auch einfach eine beknackte Idee, eine Figur in einer Gruppe agieren zu lassen? Ich hatte eigentlich noch mehr Gruppenaktionen angedacht.

Fortschrittchen

Fortschrittchen

Ich denke, ich kann mit vergleichsweise guten Nachrichten aufwarten.

Was das Essen angeht, habe ich mir ein Zeitfenster gesetzt: Von 17 bis 23 darf gegessen werden. Das nennt sich intermittierendes Fasten, ich hatte im Oktober schon einmal davon berichtet, dann war es mir leider außer Kontrolle geraten. Jetzt bin ich in der zweiten Woche und in der ersten Woche habe ich ein Kilo abgenommen. Ich versuche, die Schokolade langsam zu drosseln, aber wenn ich weiter warte, bis ich ganz davon los bin, nehme ich nur weiter zu.^^ Im Augenblick will ich mich erstmal daran gewöhnen, 18 Stunden regelmäßig zu fasten.

Da dies klappte, dachte ich mir, warum nicht mit dem Schlafen auch? Ich setze mir ein Zeitfenster, in dem ich wach bleiben muss (tagsüber) und in der restlichen Zeit darf ich schlafen, muss aber nicht. Ich habe jetzt erstmal mit 14 Uhr bis 22 Uhr angefangen, weil ich meine Termine nach Möglichkeit alle auf den Nachmittag lege und weil ich abends Austausch mit anderen Menschen habe und das kann auch schonmal aufwühlend sein. Ich will nicht den Computer um acht ausmachen müssen und den ganzen Spaß verpassen, damit ich um zwölf schlafen kann.

Weil ich die letzten zwei Wochen eigentlich erst vormittags in den Schlaf gefunden habe und abends wieder aufgestanden bin, quasi auf Nachtschicht war, habe ich nun einige Probleme bei der Umstellung und schlafe sehr wenig, zuletzt nur eine Stunde. Vorgestern war ich daher leicht manisch. Im Augenblick hat es sich jedoch wieder beruhigt und ich bin vor allem müde, nachdem ich heute Lust auf einen Spaziergang hatte (!) und diesen auch gemacht habe. :))) Da die letzten sechs Wochen Depression ziemlich übel waren, bin ich sehr froh darüber. Die letzten zwei Wochen gehen vielleicht aufs Konto der Nebenschilddrüsenüberfunktion, die ich möglicherweise habe. Von zwei Blutproben, die fünf Tage auseinanderliegen, ist eine deutlich erhöht und die andere ohne Befund. Ich habe keine Lust, drei Monate depressiv zu sein, bis bei der nächsten Blutentnahme festgestellt wird, dass ich doch…

Dieser ungeheure Antriebsmangel hat mich echt fertig gemacht und ich habe es irgendwann gar nicht mal mehr versucht, an meinem Roman zu schreiben und habe mich gleich vor den Fernseher gelegt. Ich wollte auch nichts und niemanden sehen, nichtmal chatten. Ich habe den Computer gar nicht erst angemacht. Durch die ausgiebige Erkältung war ich zuvor schon ausgefallen, deshalb war ich sechs Wochen nicht mehr an Ver-rückt vor Liebe dran. Heute ist der vierte Tag in Folge, den ich mich wieder damit beschäftige. Ich habe mir meine männliche Hauptfigur nochmal vorgeknöpft und nun mache ich den vierten Versuch, ihn in die Geschichte einzuführen. Das ursprüngliche erste Kapitel mit ihm musste ich leider nach hinten schieben, deshalb bot es sich an, ein neues erstes zu schreiben.

Ver-rückt vor Liebe mit Herzen

Ein kitschiger Liebesroman? Nein!

Der nächste Schritt meiner Wiedererlangung von Struktur wird die Einrichtung von Schreibzeitfenstern sein. Auch wenn ich am Dienstag voriger Woche noch das Gegenteil behauptet habe, klappt es tatsächlich sogar sehr gut, wenn ich mich zu einer bestimmten Zeit hinsetze und schreibe, weil es jetzt an der Zeit ist. Wenn wir im Forum sonntags um acht unsere Fingerübungen schreiben, dann klappt das ja auch. Warum sollte es also nicht mit dem Roman auch klappen?

(Sorry, falls doppelt. Habe das Datum aktualisiert.)

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