Der Übergang vom Nobody zum Autor

Der Übergang vom Nobody zum Autor

Ich mache mir immer mal wieder Gedanken darüber, was wohl alles anders werden wird, wenn ich mein erstes Buch veröffentlicht habe. Wenn Leute mich aufgrund dieses Buches googeln und dieses Blog finden, was passiert dann?

Bei Nadja Hermann habe ich es miterlebt, wie sie von der Resonanz völlig überrascht wurde. Es fanden sich plötzlich Leute ein, die sie persönlich angegriffen und das teilweise sogar, ohne ihr Buch überhaupt gekauft zu haben. Sie hat dann einfach tabula rasa gemacht, alle Beiträge gelöscht und von vorne angefangen.

Ich sage mir seit die Sache mit dem Datenschutzumrüsten aufkam, dass es durchaus eine Option ist, einfach dicht zu machen. Andere haben das ja auch getan. Und so tröste ich mich mit dem Gedanken, zum Veröffentlichungstermin einfach alle Beiträge auf Entwurf zu setzen. Dann kann ich sie bei Bedarf nochmal rausholen. Bisher wurden die uralten Beiträge eh kaum aufgerufen, es scheint kein Verlust zu sein.

Aber vielleicht verkaufe ich ja nur fünf Bücher. Erleichtert wäre ich dann wohl nicht, eher enttäuscht.

Denn einiges wird sich ja auf jeden Fall ändern. Sobald ich Einkommen aus selbständiger Arbeit habe, kann ich nicht mehr zum Lohnsteuerhilfeverein. Die Rechtsschutzversicherung gilt dann auch nicht mehr und ich muss einen neuen Vertrag abschließen. Und wie es aussieht, muss ich mich dann in der Künstlersozialkasse versichern lassen, falls ich nicht noch mit „nebenberuflich“ durchkomme.

Na zum Glück bin ich noch lange nicht fertig mit einem Buch und bleibe noch ein bisschen Nobody.

 

Kommissar Taubert erobert die Herzen

Kommissar Taubert erobert die Herzen

Wir hatten im Forenchat eines Tages die Idee, uns mit einer Geschichte herauszufordern, die einem Genre zugehörig ist, von dem wir bisher meinten, dass wir das gar nicht mögen oder/und nicht beherrschen.

Es entstanden verschiedene Geschichten, darunter meine (konfliktscheue) Kindergeschichte, eine schreckliche Schnulze, aber eben auch ein Krimi. Aus diesem Krimi ist eine Reihe entstanden, weil der Tauberich sich immer wieder in Schreibübungen schummelte.

Mittlerweile sind vier Teile in der Schreibkommune erschienen:

  1. Federobduktion
  2. Ermittlungen
  3. Der Gullydeckel
  4. Das Labor

Weitere werden folgen, Yann schreibt noch weiter.

Viel Spaß beim Lesen!

„Bäh, das ist ja ne Liebesschnulze“

„Bäh, das ist ja ne Liebesschnulze“

Ich habe neulich das erste Mal mehr über mein aktuelles Projekt erzählt und zwar jemandem, der (bisher) nicht selbst schreibt. Dabei habe ich auf meinen Pitch zurückgegriffen. Reaktion war in etwa, das sei ja langweilig, so eine Liebesschnulze.

Zum Glück konnte eine befreundete Kollegin mir entgegenhalten: „Du und Schnulze? Das geht ja mal gar nicht.“ Zugegeben, das käme auf einen Versuch an. Jedenfalls weiß sie auch sehr viel mehr über das Projekt, kann es daher sehr viel besser beurteilen und es ist natürlich keine Schnulze.

Ja, es hat eine Love-Story im B-Plot. Und ich gebe sogar zu, dass mich dieser und die damit verbundenen Konflikte anfangs am meisten gereizt hatten, so dass ich schwer überlegte, ob Liebe hier nicht die Hauptsache ist.

Jedoch habe ich mich dagegen entschieden. Mehr wird nicht verraten.

Ver-rückt vor Liebe Baum

Klinik am Baum

Nettes aus meinem Autorentagebuch: Ich habe inzwischen 48 Normseiten überarbeitetes Manuskript. Und wohl fast nochmal so viel an Entwürfen, die noch nicht bearbeitet sind.

Von wegen Schnulzen: Woher der Arbeitstitel „Ver-rückt vor Liebe“ kommt

„Die Liebe macht jeden verrückt“, raunte er.
Hatte er das wirklich gesagt oder hatte ich seine Stimme wieder nur halluziniert? Spielte das noch eine Rolle? Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken, sog seinen Duft in mich hinein und genoss das Kribbeln in meinem Schoss. Ich fühlte mich wohl, sicher und geborgen in seinen starken Armen. Wenn das alles nur Einbildung war, so würde ich dann eben für immer verrückt bleiben. Verrückt nach meinem Krankenpfleger.

Das war das kitschige Ende in der Urversion des Projektes. Ich hatte diese Notiz mindestens ein Jahr beiseite gelegt und als ich sie wieder raussuchte, hatten die Figuren sich sehr verändert und der Plot natürlich auch. Einen Krankenpfleger, in den sich seine schizophrene Patientin verliebt, wird es also nicht geben.

Ich denke, einen besseren Pitch suche ich mir dann, wenn ich ihn das nächste Mal brauche, spätestens, wenn das Manuskript fertig ist und es an die Bewerbungen geht.

„Ui, toll!“ will ich hören

„Ui, toll!“ will ich hören

04.07.18

Ich muss feststellen, dass ich immer wieder nach Bestätigung giere und das im Schreib-Forum durch Kollegen und Freunde nicht ausreichend bedient werden kann. Oft habe ich das belächelt, wenn Autoren sich gegenseitig über den grünen Klee lobten für Texte, die das in meinen Augen nicht verdient hatten. Nun sehe ich das anders. Der Mensch braucht lobende Worte, nicht das Werk.

Ich brauche das. Jetzt insbesondere, da ich selbst fast alles von mir Geschriebene miserabel finde oder zumindest immer wieder infrage stelle, ebenso wie mich selbst. Es ist das erste Mal, dass ich einen Roman schreibe und immer wieder vermute ich hinter der nächsten Ecke die bahnbrechende Erkenntnis, die Hammer-Methode, die mir bisher gefehlt hat. Aber für kreativ Schaffende gibt es keine Arbeitsanleitung, nach der man sich Schritt für Schritt richten kann.

Viele lassen sich durch den Schreibprozess begleiten. Ich habe mich dazu einem Forum angeschlossen, andere besuchen Treffen oder nehmen sich einen Coach. Ich frage morgen meine Ärztin, was sie von einer Runde Ergotherapie diesbezüglich hält. Darüber hatte ich schon einmal nachgedacht, fand das dann aber unangemessen, weil ich mich ja nicht so krank fühlte einerseits und anderen nicht auf der Tasche liegen wollte andererseits. Vielleicht wäre ein Coach die Lösung.

05.07.18

Yes! Ich habe eine Verordnung für Ergotherapie bekommen. Meine Ärztin meinte, es gibt zwar Patienten, die sich bespassen lassen durch Behandlung, aber ich habe ja ein Ziel. Eigentlich sogar drei. Das mit dem Schlafen, Essen und Schreiben hinkriegen.

Vielleicht werde ich diesmal nicht nur mit der halben Arschbacke dasitzen. Ich werde Texte auch inhaltlich besprechen können und ich werde auf jeden Fall die Sache mit meinem Therapeuten besprechen können. Vielleicht finde ich Wege, das irgendwie einzurenken, vielleicht bekomme ich auch den Impuls, dass das in diesem Fall eher keinen Sinn hat. Seither hatte ich jedenfalls keinen Bedarf an einem Gespräch mit meinem Psychologen.

Ich hatte mir auch Gedanken darüber gemacht, wie es nach der Aussteuerung bei der Integrierten Versorgung weitergeht. Ich hatte überlegt, ob eine ASP-Maßnahme für mich passend sein könnte. Da habe ich sogar bei einer Einrichtung angerufen und mich nach den Kosten erkundigt. Dabei handelt es sich um eine Art Alltagsbegleitung für psychisch kranke Menschen.

Dann habe ich zum Glück erfahren, dass ich bei der IV auch weiterhin zu Gesprächen kommen kann im Bedarfsfall. Da ist zwar nicht mehr die Notfallversorgung im Angebot, aber Beratungsgespräche. Von denen ich in der Vergangenheit so gut wie keinen Gebrauch gemacht habe. Aber die bevorstehende Veränderung macht mich schon nervös, ich habe dort seit fünf Jahren einen Vertrag, der jetzt ausläuft.

Mit Ergotherapie bin ich aber dann doppelt abgesichert. :))

Meine Kontakte im Schreib-Forum werde ich dann nicht über Gebühr strapazieren müssen mit meinem erhöhten Pflegebedarf. Das wäre mir nämlich echt schade drum. Und mir wird es helfen, den Entwurf runterzuschreiben, wenn ich erstmal tüchtig auf die Schulter geklopft bekomme, ohne dass dies gleich mit Kritik verbunden ist, woraus ich wieder Überarbeitungswünsche ableite.

Ich habe keine Zeit, keine Zeit zu haben!

Mein Aufreger des Tages war mal wieder die Begründung „keine Zeit“ für mangelndes Engagement. Diese Ausrede bringt mich regelmäßig zur Weißglut, weil sich so oft „keine Lust“ dahinter verbirgt. Mich stört daran die Unaufrichtigkeit.

Wenn ich mir Zeit fürs gemeinsame Projekt nehme und andere nicht, weil sie „keine Zeit“ haben, dann bewerten sie damit die gemeinsame Tätigkeit als minderwertig gegenüber anderen, für die sie sich Zeit genommen haben.

Ich glaube, was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass mir einfach irgendwann die Kraft ausgeht und noch Zeit übrig bleibt, während andere vor Schaffenskraft nur so strotzen und deren Vorhaben lediglich durch die Zeitkonkurrenz begrenzt sind.

Deshalb gibt es bei mir nie das Argument „keine Zeit“, weil ich immer bis zur Belastungsgrenze gehe. Vielleicht erwarte ich das deshalb von anderen auch, dass sie sich eben keine Zeit für Geburtstagsfeiern, Kinobesuche und anderes nehmen.

Wenn ich beispielsweise auf eine Grillparty gehen wollte, so wäre das für mich eine mehr als tagfüllende Beschäftigung. Natürlich habe ich für sowas keine Zeit, wenn ich ein Buch schreiben will und daneben für zwei Blogs schreibe.

Und schon hats mich auch erwischt. Keine Zeit. -.-

Es ist ein Kreuz mit ihm – Figur weigert sich, sich richtig zu zeigen

Es ist ein Kreuz mit ihm – Figur weigert sich, sich richtig zu zeigen

Ich will jetzt auch endlich mal über meine ach so anstrengende Arbeit jammern. ;)

Fangen wir damit an, dass mir gestern mein Stuhl geplatzt ist. Also mein Sitzball hatte plötzlich ein Loch und verlor recht fix die Luft. Der andere Stuhl ist, ähm, nicht für längere Sitzungen geeignet. Dafür ist er zu unbequem. Was ich ja wollte, um nicht nur vor dem PC zu hängen. Das war, bevor ich anfing, einen Roman zu schreiben.

Und in einer der Nachbarwohnungen wird renoviert. Hier war also nach einer Stunde meines Schreibzeitfensters Bohren und Klopfen zu hören. Zwischendurch klingelte es, weil jemand mich zu einer Konferenz, die im Zusammenhang mit einer Bibel stand, einladen wollte …

Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich euch mal mein Projekt Ver-rückt vor Liebe vorstellen kann, ohne euch alle zu verspoilern. Lassen wir es einfach sein, es ergibt sich schon von selbst.

Tja, meine männliche Hauptfigur scheint unbedingt ins Rampenlicht zu wollen. Das kann er haben. Ich habe jetzt schon vier Versuche gemacht, ein Kapitel zu schreiben, in dem er in die Geschichte eingeführt wird.

Erst war er beim Rollenspiel mit Freunden. Problem hierbei: Er blieb völlig im Hintergrund und hat keinen Ton gesagt. Dafür habe ich seine Freunde dann auch mal kennengelernt.

Dann habe ich ihn bei seiner Arbeit bzw. Ausbildung zeigen wollen. Dabei stand diese dann so sehr im Vordergrund, dass er dahinter zurückblieb. Und bei der Gelegenheit hat sich eine Nebenfigur die Hauptrolle geschnappt. Der, den ich als engsten Kollegen angedacht hatte, wusste offenbar nichts davon und ließ sich kurzerhand abwimmeln.

Beim dritten Versuch schickte ich ihn auf einen Spaziergang mit seiner besten Freundin. Das schien sehr gut anzukommen – bis ich andere Meinungen einholte von Leuten, die die Figur nicht schon von früheren Versuchen kannten. Zudem war dieses Kapitel als drittes zu nah am zweiten, weil ich dasselbe Thema nochmal drin hatte. Daher entschied ich, dieses Kapitel nach hinten zu schieben und ein neues erstes zu schreiben.

Ich muss wohl wahnsinnig sein, denn ich versuchte es tatsächlich nochmal mit dem Rollenspiel. Allerdings mit dem Unterschied, dass er nun der Meister ist. Und diesmal kommt er nicht zur Geltung, weil die anderen nicht richtig streiten. Jawoll, streiten! In einer Gruppe, die sich seit Jahren kennt usw. – ich werde diese Fassung noch dahingehend überarbeiten, damit er dann den Streit schlichten kann.

Für mich ist das sehr schwierig, solche Rollenspielszenen zu schreiben. Zum einen, weil es ein Wissen erfordert, das ich nicht habe, weil ich selbst kein Rollenspieler bin. Zum anderen, weil es mehrere Figuren sind, die agieren. Bei solchen Szenen habe ich schon als Leser Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen und nicht den Überblick zu verfolgen.

Vielleicht ist das auch einfach eine beknackte Idee, eine Figur in einer Gruppe agieren zu lassen? Ich hatte eigentlich noch mehr Gruppenaktionen angedacht.

Fortschrittchen

Fortschrittchen

Ich denke, ich kann mit vergleichsweise guten Nachrichten aufwarten.

Was das Essen angeht, habe ich mir ein Zeitfenster gesetzt: Von 17 bis 23 darf gegessen werden. Das nennt sich intermittierendes Fasten, ich hatte im Oktober schon einmal davon berichtet, dann war es mir leider außer Kontrolle geraten. Jetzt bin ich in der zweiten Woche und in der ersten Woche habe ich ein Kilo abgenommen. Ich versuche, die Schokolade langsam zu drosseln, aber wenn ich weiter warte, bis ich ganz davon los bin, nehme ich nur weiter zu.^^ Im Augenblick will ich mich erstmal daran gewöhnen, 18 Stunden regelmäßig zu fasten.

Da dies klappte, dachte ich mir, warum nicht mit dem Schlafen auch? Ich setze mir ein Zeitfenster, in dem ich wach bleiben muss (tagsüber) und in der restlichen Zeit darf ich schlafen, muss aber nicht. Ich habe jetzt erstmal mit 14 Uhr bis 22 Uhr angefangen, weil ich meine Termine nach Möglichkeit alle auf den Nachmittag lege und weil ich abends Austausch mit anderen Menschen habe und das kann auch schonmal aufwühlend sein. Ich will nicht den Computer um acht ausmachen müssen und den ganzen Spaß verpassen, damit ich um zwölf schlafen kann.

Weil ich die letzten zwei Wochen eigentlich erst vormittags in den Schlaf gefunden habe und abends wieder aufgestanden bin, quasi auf Nachtschicht war, habe ich nun einige Probleme bei der Umstellung und schlafe sehr wenig, zuletzt nur eine Stunde. Vorgestern war ich daher leicht manisch. Im Augenblick hat es sich jedoch wieder beruhigt und ich bin vor allem müde, nachdem ich heute Lust auf einen Spaziergang hatte (!) und diesen auch gemacht habe. :))) Da die letzten sechs Wochen Depression ziemlich übel waren, bin ich sehr froh darüber. Die letzten zwei Wochen gehen vielleicht aufs Konto der Nebenschilddrüsenüberfunktion, die ich möglicherweise habe. Von zwei Blutproben, die fünf Tage auseinanderliegen, ist eine deutlich erhöht und die andere ohne Befund. Ich habe keine Lust, drei Monate depressiv zu sein, bis bei der nächsten Blutentnahme festgestellt wird, dass ich doch…

Dieser ungeheure Antriebsmangel hat mich echt fertig gemacht und ich habe es irgendwann gar nicht mal mehr versucht, an meinem Roman zu schreiben und habe mich gleich vor den Fernseher gelegt. Ich wollte auch nichts und niemanden sehen, nichtmal chatten. Ich habe den Computer gar nicht erst angemacht. Durch die ausgiebige Erkältung war ich zuvor schon ausgefallen, deshalb war ich sechs Wochen nicht mehr an Ver-rückt vor Liebe dran. Heute ist der vierte Tag in Folge, den ich mich wieder damit beschäftige. Ich habe mir meine männliche Hauptfigur nochmal vorgeknöpft und nun mache ich den vierten Versuch, ihn in die Geschichte einzuführen. Das ursprüngliche erste Kapitel mit ihm musste ich leider nach hinten schieben, deshalb bot es sich an, ein neues erstes zu schreiben.

Ver-rückt vor Liebe mit Herzen

Ein kitschiger Liebesroman? Nein!

Der nächste Schritt meiner Wiedererlangung von Struktur wird die Einrichtung von Schreibzeitfenstern sein. Auch wenn ich am Dienstag voriger Woche noch das Gegenteil behauptet habe, klappt es tatsächlich sogar sehr gut, wenn ich mich zu einer bestimmten Zeit hinsetze und schreibe, weil es jetzt an der Zeit ist. Wenn wir im Forum sonntags um acht unsere Fingerübungen schreiben, dann klappt das ja auch. Warum sollte es also nicht mit dem Roman auch klappen?

(Sorry, falls doppelt. Habe das Datum aktualisiert.)

Roman-Werkstatt

Ich habe am vergangenen Wochenende einen VHS-Kurs namens „Roman-Werkstatt“ bei Kerstin Brockmann besucht. Sie ist Journalistin und leitet ehrenamtlich die Schreibwerkstatt Harburg. Am Ende hatte ich das befriedigende Gefühl, genug über das Schreiben eines Romans zu wissen, um dies tun zu können. Daran hatte ich bisher immer wieder gezweifelt.

Trotz Verspätung bin ich noch gut reingekommen und habe als erstes einen Klappentext runtergeschrieben, den ich mir allerdings schonmal zurechtgelegt hatte, weil ich im Chat mehrmals erklärt hatte, worum es in meinem Buch in der Hauptsache geht.

Als nächstes haben wir Figuren entwickelt. Bei mir ist einer herausgekommen, der gut in eine Komödie gepasst hätte. Irgendwie habe ich die Übung nicht wirklich ernst genommen, da wir zuerst so einen Steckbrief schreiben sollten und sowas mag ich gar nicht. Bei der indirekten Charakterisierung hatte ich dagegen keine Probleme. Diese Figur habe ich dann mitgenommen in die nächste Übung, in der eine vorgegebene Szene umgeschrieben werden sollte.

Das nächste Thema waren Dialoge und da habe ich in der Übung ausgerechnet zwei sehr wortkarge Typen erwischt. Es ging darum, keine Sprecherverben zu benutzen und über die Begleitsätze deutlich zu machen, wer spricht. Das Ergebnis dieser Schreibübung will ich euch nicht vorenthalten:

Als ich die Kneipe betrat, schlug mir der typische feuchte Mief aus abgestandenem Bier und altem Rauch entgegen.

»Moin!«

Als einziger Gast war ich dem Kerl hinterm Tresen nicht entgangen.

»Hast Glück, dass ich schon auf hab.«

Charmanter konne er mir wohl nicht sagen, dass ich ein versoffener Versager war. Ich erklomm meinen Stammplatz an der Theke und sah Kuddel auffordernd an.

Wortlos stellte er mir mein Gaffel vor die Nase und fuhr fort, die Gläser zu polieren.

Sofort nahm ich einen tiefen Zug. »War nix.« Ich starrte auf Kuddels dicken Bauch, über den sich ein T-Shirt mit dem Schriftzug I have the pussy I make the rules spannte. »Schickes Shirt.«

»Danke.«

Ich leerte mein Glas und beäugte weiter die Plauze, die beim Polieren etwas ins Schwabbeln geriet.

»Holger?«

Ich spürte seinen Blick. Noch war ich nicht soweit. Obwohl die Gelegenheit günstig wäre, da der Laden noch nicht brummte. »Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, Kuddel.«

Beim Lesen selbst hilft natürlich auch noch der Zeilenumbruch an der richtigen Stelle, aber dieser Dialog funktioniert auch noch beim Vorlesen.

Das Thema Spannung begann bereits mit dem Titel und für mich überraschend hat auch ein für mich eher reizloser Titel viele Interessenten gefunden. Der persönliche Geschmack spielt da offensichtlich auch eine große Rolle. So interessieren sich zwanzigjährige Jungs für einen Titel „Andrea“, der uns bis auf eine völlig kalt ließ.

Es gab sehr viele Lesebeispiele zu verschiedenen Techniken, aber bei der Übung habe ich einfach geschrieben, ohne groß das Nachdenken anzufangen und heraus kam, dass ich eine Mischung verschiedener Methoden angewendet hatte. Ich glaube, das ist auch ganz gut so, denn wenn nur ein Merkmal heraussticht, würde mir das wohl beim Lesen auffallen.

Dann kamen wir endlich zu der Frage, wie man das bitteschön alles bis zum Ende durchhalten soll, ohne in den Sack zu hauen. Ich musste feststellen, dass ich auf das meiste schon von selbst gekommen bin:

  • Das Schreiben zum Ritual machen. Dann hat man die Macht der Gewohnheit auf seiner Seite. Wichtig ist, dass man sich erreichbare Ziele steckt. Für Berufstätige kann 1 Seite pro Tag bereits zu viel sein, aber man kann sich auch ein Wochenziel setzen. Vielen hilft es auch, die geschriebenen Wörter zu zählen und zB am NaNoWriMo teilzunehmen.
  • Andere darüber informieren, dass man ein Buch schreibt. In einem Blog darüber berichten, ein Forum aufsuchen … Ich habe sogar eine wöchentliche Teamspeak-Gruppe neben Forum und Chat. Dazu kann ich noch 14tägig die Schreibwerkstatt aufsuchen. Also an Mitstreitern mangelt es mir wahrlich nicht. Die haben mich sogar schon einmal vom Aufgeben abgehalten.
  • Den Bauplan muss man nur im Hinterkopf haben und darf in beliebiger Reihenfolge schreiben. Wer sich vornimmt, von vorne nach hinten zu schreiben, kann daran scheitern.
  • Wenn man Blockaden bekommt, sollte man analysieren warum. Es gibt Leute, die gegen Ende Probleme bekommen, weil sie einfach noch nicht aufhören wollen, an diesem Buch zu schreiben. Andere Probleme kann es geben, wenn einem das Thema oder Figuren zu nah oder zu weit weg sind. Helfen kann, es Alternativen zu schreiben.
  • Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Für mich eher nicht das Problem, auch wenn auch ich mich ablenken lasse, vor allem im Netz. Dennoch: Ich habe oft noch Zeit übrig, wenn ich einfach nicht mehr kann. Ich schaffe nur begrenzte Zeit kognitive Arbeit.
  • Es kann helfen, sich Notizen für die nächste Schreibzeit zu machen, bevor man aufhört. Ich habe in meinem Dokument jede Menge Notizen verteilt an kleinen oder großen Baustellen. Mir hilft das auf jeden Fall beim Wiedereinstieg.

Zum Abschluss ging es darum, einen Verlag zu finden. Also nicht direkt im Rahmen des Kurses. ;) Aber es wurden Wege aufgezeigt. Am raffiniertesten fand ich die Idee, einfach mal eine Buchhandlung aufzusuchen und nach ähnlichen Büchern wie dem eigenen zu suchen und zu schauen, von wem die verlegt worden sind. Auf jeden Fall von einem seriösen Verlag! Ansonsten gibt es in der Wikipedia eine Liste deutschsprachiger Verlage, die allerdings auch bereits erloschene Verlage enthält, dafür auch die Programmschwerpunkte.

Hat man einmal die Zuschussverlage aussortiert, kommt es bei der Verlagsbewerbung wie bei anderen Bewerbungen auch zunächst auf die Form an. Dabei geht es nicht nur um Rechtschreibfehler, sondern auch darum, nicht ungefragt das gesamte Manuskript einzusenden. Normseiten sind auch gern gesehen. Werden ein Exposé und eine Leseprobe erwartet? Dies kann man idR auf der Homepage nachlesen und wo nicht, würde ich persönlich es bevorzugen, dies telefonisch zu erfragen. Und ich rufe wirklich ungern einfach irgendwo an …

Ein Exposé wird im Präsens geschrieben und sollte nicht länger als drei DIN-A4-Seiten sein. Es dient dazu, den Verlag für das Manuskript zu interessieren. Auch das Ende muss mit rein. Für mich ist das Thema Veröffentlichung aber noch in weiter Ferne. Erstmal will ich es überhaupt schaffen, meinen Roman zu schreiben.

 

Noch eine Ergänzung: Zur Zeit läuft in der Schreibkommune eine Artikelserie von mir zu diesem Thema mit vielen Textbeispielen.

Ich sollte wieder bloggen^^

Mich hats erwischt. Depression. Mehr als nur das bisschen schon gewohnte Antriebsschwäche. Deshalb halte ich mich hier so bedeckt. Ich habe keinerlei Mitteilungsdrang und mag mich lieber zurückziehen, als auf Leute zugehen.

Seit Pfingsten arbeite ich an einem Bericht meiner Reise nach Köln, aber er will und will nicht perfekt werden. Naja und ich komme wirklich nur in ganz kleinen Häppchen voran, als ob ich dann außer Puste wäre. Ich denke, ich muss doch etwas wirklich Bedeutendes gerade über die Parade zu sagen haben, die doch der Anlass meiner Reise gewesen ist – aber irgendwie war da viel zu viel und es sind nur einzelne Fragmente hängen geblieben.

Es gibt so vieles, das objektiv betrachtet sicherlich berichtenswert wäre, sich für mich aber nicht der Rede wert anfühlt. Die Tatsache, dass ich es geschafft habe, ohne Begleitung eine Reise zu unternehmen und den Kölner Dom wiederzusehen, ohne in der Psychiatrie zu langen zum Beispiel. Dann gibt es Dinge, von denen ich nicht sicher bin, ob das unbedingt an die große Glocke gehängt werden muss. Dass ich einen Gallenstein habe und meine Schilddrüse nebst Nebenschilddrüse aus dem Takt ist zum Beispiel.

Überfunktion der Nebenschilddrüse kann zu

Leistungsknick, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, um vermehrtes Durstgefühl, vermehrtes Wasserlassen, depressive Verstimmung, Übelkeit oder funktionelle Beschwerden des Magen-Darmtraktes

führen. Damit wären sogar meine Durchfälle erklärt. Den vermehrten Durst hatte ich bisher dem Lithium selbst zugeordnet. Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht, wenn der Nephrologe seinen Bericht rausgeschickt hat.

Und dann gibt es Dinge, über die ich besser Stillschweigen wahren sollte … Gibt es?

Ich weiß nur, dass ich jetzt schon fast vier Wochen nicht an meinem Roman gearbeitet habe und schon überlegt habe, hinzuschmeißen. Wovon mich meine Kollegen bislang abgehalten haben. Ich will also weitermachen, weiß aber nicht, wie ich wieder reinkomme. Vielleicht bringt mich der VHS-Kurs „Roman-Werkstatt“ weiter, den ich dieses Wochenende besuche.

 

Keine Frage des Genres: Märchen oder Reportage?

Ich finde das eine sehr interessante Überlegung, Romane und damit das Zielpublikum einzuteilen in Leser von Märchen oder Reportagen einzuteilen. Bisher dachte ich, dass man es nach Möglichkeit versuchen sollte, allen oder einer möglichst großen Gruppe recht zu machen.

Ob die Geschichten, die ich bisher geschrieben habe, eher in die eine oder andere Kategorie fallen, kann ich nicht sagen. Ich weiß jedoch, dass mir immer wichtig war, wie die Figuren ankommen und welche Emotionen meine Leser beim Lesen haben. Dazu kommt, dass ich auf knietiefe Recherche eher keine Lust habe. Dass Geschichten plausibel sind und alles realistisch erscheint, ist mir hingegen schon wichtig.

Laut Marcus ist es wichtig, dass man sich klar dazu positioniert. Doch lest selbst!

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