Keine Frage des Genres: Märchen oder Reportage?

Ich finde das eine sehr interessante Überlegung, Romane und damit das Zielpublikum einzuteilen in Leser von Märchen oder Reportagen einzuteilen. Bisher dachte ich, dass man es nach Möglichkeit versuchen sollte, allen oder einer möglichst großen Gruppe recht zu machen.

Ob die Geschichten, die ich bisher geschrieben habe, eher in die eine oder andere Kategorie fallen, kann ich nicht sagen. Ich weiß jedoch, dass mir immer wichtig war, wie die Figuren ankommen und welche Emotionen meine Leser beim Lesen haben. Dazu kommt, dass ich auf knietiefe Recherche eher keine Lust habe. Dass Geschichten plausibel sind und alles realistisch erscheint, ist mir hingegen schon wichtig.

Laut Marcus ist es wichtig, dass man sich klar dazu positioniert. Doch lest selbst!

Warum nur geht mir das immer wieder so nahe?

Warum nur geht mir das immer wieder so nahe?

Es ist so, dass ich hochsensibel bin. Die Frage ist rhetorisch. Es ärgert mich und wäre mal wieder ein Fall fürs mimimi. Ich weiß, warum ich keine Distanz wahren kann. Ich sehe mich in dem jungen Mann wieder. Schon einmal war mir das passiert mit einem Patienten, während meines Vertiefungspraktikums. Da war die mangelnde Distanz unprofessionell. Jetzt bin ich Kollege – da ist es einfach menschlich, finde ich. Ich habe mich u.a. ja wegen dieser Problematik gegen die Tätigkeit als Genesungsbegleiter entschieden.

Weil ich das einfach nicht in den Griff kriegen können kann. Heute war doppelt doof, weil ich einen Tag nicht geschlafen habe und gerade von tags auf nachts schlafen umschalten wollte, als mich abends ereilte, miterleben zu müssen, wie der Knabe sich mal wieder in Diskussionen verstrickte, die beiden Seiten nur Kummer bereiteten. Weil wegen diese Sache mit der Kommunikation ist eine, wo mindestens zwei Seiten dran sägen und eben auch Verantwortung haben.

Und nun geht mir der Scheiß rauf und runter, ich fiebere mit und überlege, welche Lebensratschläge ich ihm erteilen könnte, welche Verhaltensvorschläge ich machen könnte. Wie der Dialog hätte erfolgreich verlaufen können. Wo ich die Fehler auf beiden Seiten sah. Und mich doch machtlos erleben musste, nur sehr zaghaft überhaupt eingreifend und mit der Vermittlung über- und eigentlich auch gar nicht gefordert.

Das müssen die beiden lernen. Aneinander womöglich.

Ich könnte Geschichten darüber schreiben noch und nöcher, aber sie langweilen mich schon beim Gedanken daran. Ein idealer, konfliktloser Dialog ist nicht von Interesse in der Literatur. Aber er könnte es versuchen mit einem, wo eine Seite sich besonnen verhält, während die andere auf die Beziehungsebene der Botschaft reagiert. Wäre ne super Schreibtherapie-Übung. Dazu müsste er Verantwortung übernehmen. Verantwortung für die Gefühle des Lesers. So wie er es bei seinen Geschichten sonst auch tut.

Zerbrich Dir nicht den Kopf für andere„, hat meine Mutter mir oft gesagt.

Ja, würde ich gerne tun, nur wie zum Teufel soll das gehen? Ich zerbreche ihn mir, dieser abendliche Konflikt im Chat hat mich aufgewühlt und lebt in mir weiter, raubt mir den so wertvollen Schlaf und wegen meiner Erkrankung *mimimi* muss ich mir schon wieder Sorgen machen, nun nicht wieder in die andere Richtung aus dem Lot gerate.

Wieviel Pillen muss ich nehmen, damit ich in diese scheißverdammte Gesellschaft passe?

Muss ich meinen Roman im Psychotikerforum schreiben, weil die da gepflegt miteinander umgehen, weil sie wissen, wie das ist? Könnte ich thematisch tatsächlich tun, denn Verrückt vor Liebe weist Figuren mit psychischen Erkrankungen auf. Sicher werde ich mir auch einzelne Probeleser dort rauspicken, aber Schriftsteller, die mir konstruktive Kritik geben, werde ich da nicht allzu viele finden.

Projekt nachts schlafen ist gescheitert, wir sind wieder im Level überhaupt schlafen angelangt. Die letzten Tage bzw Nächte, als ich nur nachts on war und niemand dort im Chat anzutreffen, waren irgendwie ruhiger. Auch die Nacht mit der geklauten Stunde, die war sehr schön zu dritt verchillt. Ein Freund von mir arbeitet ja am liebsten nachts, weil es da ruhiger ist. Ich fand die Frühschichten in der Küche immer sehr angenehm. Aber da lag ich auch um vier Uhr nachmittags platt im Bett und nichts anderes ging.

Der nette Nebeneffekt wird sein, dass ich schlafentzügig wieder schreibfreudiger sein werde und nicht mehr so durchhänge wie die letzte Woche. Wenn „psychisch stabil“ unter Lithium ein Hin- und Herpendeln bedeutet, wie mit dem Kollegen neulich besprochen, dann bin ich ja stabil. Wenn einer fragt: Es geht mir gut. ;)

Es geht mir auf den Sack! *mimimi

Was wäre also für mich das korrekte Verhalten? Den Chat zu verlassen, sobald sich hitzige Diskussionen anzetteln? Das habe ich eine Weile im Psychoseforum gemacht, weil Menschen in einer gewissen mitteilungsbedürftigen Weltrettungsstimmung einfach nicht zu bremsen sind. Aber auch, weil mich ganz normale Harmlosigkeiten total auf die Palme gebracht haben. Solche, die nicht hochsensible Personen gar nicht wahrnehmen. Über den Punkt bin ich, glaube ich, hinweg.

Ich will teilnehmen am scheißnormalen Leben mit Zickenkrieg und Ätzkollegen. Und ich habe im Schreibforum genau das gefunden und ich habe jede Möglichkeit, mich sofort zurückzuziehen, sobald Miss Nölnase auftaucht und trotzdem tue ich es nicht. Wenn ich mich nur in Watte packe, fühle ich mich auch elend. Alles schon ausprobiert.

Was mir jetzt noch fehlt zum normal sein ist ein Freundeskreis, dem ich vorjammern kann, wie gottverdammt stressig so ein Leben als Schriftsteller doch ist. Die Bezahlung ist unterirdisch und der Lektor – ja, ich freu mich schon aufs Lektorat! Wenn mich denn einer will – also mein Buch. Wenn ich es denn schaffe zu schreiben.^^

Wenn ich lauthals über meinen unsensiblen, sturen und verständnislosen Lektor plärren kann, dann bin ich glücklich. Für einen klitzekleinen Moment zumindest. Bis mir wieder einfällt, was ich dafür alles auf mich nehmen musste. Zeichen um Zeichen, Zeile um Zeile, Seite um Seite. Diese verdammte, ätzende, anstrengende Schreiberei!

Ich will genau das haben und nichts anderes. Und wenn ich mich durch Kindergeschichten quälen muss, damit ich aus meiner Komfortzone rauskomme, dann tue ich das aus freien Stücken. Wenn die dann hinreichend für niedlich befunden worden ist, poste ich die auch bestimmt – noch habe ich ja keinen Ruf zu verlieren.

Nur eine Minute

»Nur noch eine Minute, Schatz.«

»Eine Minute?« Sie schwieg. Ich wandte mich wieder dem Bildschirm zu und tippte weiter. Nur diese Szene noch, ein letzter Absatz.

»Von wegen eine Minute!« Sie stampfte mit dem Fuß auf. In mir verschmolz ihr Tritt mit dem Trampeln der Pferde, deren Reiter aufeinanderzuhielten und ging dann im Tosen der Menge unter, als einer der Männer den anderen mit der Lanze nur knapp verfehlte.

Ein flüchtiger Blick auf mein Mädchen zeigte mir ihren Schmollmund und die verschränkten Arme. Die erdachte holde Jungfer, um die beide Ritter kämpften, schrie entsetzt auf, da sie um ihren Favoriten bangte.

»Du hast mich gar nicht lieb!« Der Film auf meiner inneren Leinwand erlosch augenblicklich, ich wirbelte herum und sah sie ernst an.

»Andrea, natürlich hab ich Dich lieb.« Ich breitete die Arme aus. Sie sah mich mit einem Stirnrunzeln an. Enttäuscht ließ ich die Arme sinken. »Warum glaubst Du, ich hätte Dich nicht lieb?«

Sie funkelte mich an für ein »Mama hat immer Zeit für mich« und blickte dann zu Boden.

Ich schloss meine Kleine in den Arm.

 

Na, wer hat noch eine Minute? Die ausführliche Version gibt es hier bei den Geschichten.

 

 

„Das können Sie nicht!“

„Das können Sie nicht!“

Mir hat eine Bewegungstherapeutin, als ich in der Psychoedukationsgruppe mein Vorhaben, jetzt einen Roman schreiben zu wollen, äußerte, diesen Satz an den Kopf geknallt. „Wenn Sie ein Buch schreiben wollen, müssen Sie etwas erlebt haben. Und Sie müssen es verarbeitet haben.“

Leider wusste ich nicht, dass das völliger Nonsens ist, und habe mich für vier Jahre ins Bockshorn jagen lassen. Zum einen kannte die Dame mich kaum – sie wusste nur von Psychoseerfahrung und nicht von trans* -,zum anderen verarbeite ich ja gerade durch das Schreiben.

Genausogut hätte sie sagen können: „Sie sind nichts, Sie können nichts, Sie können noch nicht einmal putzen!“ Das wäre vermutlich weniger verheerend gewesen, weil ich natürlich weiß, dass ich putzen kann. (So gehört von einem Vorgesetzten in der Küche während meiner Kochlehre, aber da erwarte ich es auch nicht anders.)

Die Ergotherapeutin war damals übrigens ganz auf meiner Seite, wenn nicht schon Feuer und Flamme. Für sie habe ich immer Kurzgeschichten geschrieben und diese dann mit ihr besprochen. Das hat mir sehr gut getan und Spaß gemacht. Ich hätte große Lust, meinen Roman mit einer Ergotherapeutin zusammen zu schreiben, Kapitel für Kapitel zu besprechen. Davon würde ich sicherlich ungemein profitieren.

Aber da denke ich dann wieder, dass das (vom Eigenanteil abgesehen) die Krankenkasse trägt und ich will der Allgemeinheit nicht auf der Tasche liegen, wenn es mit einem Schreib-Forum auch getan ist. Ich frage mal meinen Therapeuten, was er dazu meint.


 

Und eben ist es mir wieder passiert: Ich bekomme eine Meinung, um die ich nicht gebeten habe. Ich habe im Chat laut darüber nachgedacht, wie ich eine Szene beim Rollenspiel darstellen kann. Es ging mir dabei darum, dass alle Leser etwas damit anfangen können, sowohl RPG-Cracks als auch Menschen, denen diese Art des Zeitvertreibs völlig unbekannt ist.

Was ich im Einzelnen gefragt habe, weiß ich nicht mehr, war aber ausschlaggebend für eine unschöne Unterhaltung, die dann damit endete, dass derjenige nun gar nichts mehr zu meinem Projekt sagen wollte. Ich bin nicht der erste, mit dem er aneinander geraten ist. Er glaubt nun, seine Kritik sei nicht erwünscht, weil sie auf die Planungsebene abzielt. Das ist nicht der Grund.

Er kannte weder Figur noch Szene, unterstellte aber, ich wisse nicht, dass die Darstellung des Charakters im Vordergrund zu stehen habe. Ich bekam das Gefühl, ich hätte keine Ahnung von dem, was ich da tue – jedenfalls schien er wohl davon auszugehen. Leider verwendet er sehr viele akademisch geprägte Fachwörter und wollte mich in eine Fachsimpelei ziehen darüber, was bei der Planung dieser Szene zu beachten sei.

Es handelt sich um einen Schriftsteller, der selbst erst ein Kapitel geschrieben hat und einige Kurzgeschichten. Da ist es schwer, den Eindruck zu gewinnen: „Boah, der hat es echt drauf, so wie er will ich auch schreiben können.“ Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer, Kritik anzunehmen, die auf meine Arbeitsweise abzielt und sich nicht auf meinen Text beschränkt.

Wie ich arbeite, passe ich an, sobald ich die Erfahrung mache, dass das für mich Vorteile bringt, etwas zu ändern. Wenn ich selbst mit meiner Arbeitsweise nicht zurechtkomme. Aber ich möchte mir nicht sagen lassen, wie ich zu arbeiten habe. Bisher plane ich keine Szenen. Meine Kurzgeschichten habe ich bis auf eine Ausnahme auch nicht geplant. Es würde mir auch niemals Spaß machen und das ist offensichtlich der gravierende Unterschied zwischen besagtem Herrn und mir.

Den Spaß werde ich mir nicht verderben lassen und dazu muss ich eben an der richtigen Stelle die Ohren auf Durchzug stellen.

Update: Er hat sich entschuldigt, noch bevor ich die Worte gefunden hatte, ihm zu erklären, dass mir seine Kritik nicht jederzeit willkommen ist, sondern nur dann, wenn ich um Feedback bitte. Er kam von selbst drauf. Ich bin sehr froh, dass er sich wieder eingekriegt hat.

Ich mag den Mann wirklich sehr gerne und er hat mir bisher schon sehr geholfen mit seinem Wissen übers Plotten, seinem Sprachgefühl und der einfühlsamen Art, Rückmeldungen zum Text zu geben. Wäre dem nicht so, hätte ich wohl einfach nur den Kopf geschüttelt über so einen Arschgeigerich und mir nichts weiter dabei gedacht.

Maurerblockade

Maurerblockade

Ich bin liiert mit einem Konzeptautor. Dieser hat mir, als ich mitten in der schönsten Schreibblockade steckte, ordentlich den Kopf gewaschen. „Stell dir mal vor, ein Maurer sagt zu seinem Chef ‚Tja, Chef, heute ist ganz schlecht… Ich kann die Kelle kaum heben. Maurerblockade‘ und der Chef sagt dann ‚Ja, Jung, kann ich verstehen. Sag Bescheid, wenn Du wieder kannst.‘ und tätschelt ihm sanft die Schulter. Wie wahrscheinlich ist das denn?“

Schreiben ist ein Beruf wie jeder andere auch und niemand anders hat großartige Blockaden, wenn es darum geht, seinen Beruf auszuüben. Ein Koch mit Schneideblockade, ein Briefträger mit Einwurfblockade, wo kämen wir denn dahin?

Es gibt eine Möglichkeit, was man tun kann, um wieder in Schreibfluss zu kommen. Man fängt erstmal mit irgendeinem Wort an, zum Beispiel Maurerblockade. Das muss nicht toll sein, das muss nicht schön sein, das muss keinen Sinn ergeben. Einfach nur ein Wort.

Maurerblockade.

Dann schreibt man fünf weitere Wörter, irgendwelche.

Mauerblockade.

Abfluss.

Gardine.

reinigen

Kohldampf.

Hut.

Dann fängt man an, aus irgendeinem der Wörter einen Satz zu bilden.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist.

Jetzt haben wir schon einen ganzen Satz. Weitere fünf Sätze.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist. Gardinen reinigen ist nicht so häufig notwendig, das reicht einmal im Jahr. Ich trage keinen Hut, wenn ich die Gardinen abhänge. Es ist mir egal, wenn diese Sätze lächerlich sein sollten, sie dienen lediglich der Demonstration. Es ist besser, ich schreibe blödsinnige Sätze als gar keine. Und jetzt habe ich schon einen ganzen Absatz geschrieben.

Ihr merkt, jetzt bin ich schon von einem einzelnen Wort zu mehreren Sätzen gekommen. Aus diesem Absatz kann eine Seite werden oder mehr. Viele Autoren brauchen ein paar Sätze oder eine halbe Seite, um sich erstmal warmzuschreiben und streichen diese später ersatzlos.

Das Bild zeigt mich mit blauen Haaren.

Das bin ich Ende 2014 mit „verrückter“ Frisur., Fotograf: Stellan Wetzig, Bildbearbeitung und Modell: Horst L. Médo

Ich wünsche euch viel Erfolg dabei, euch aus eurer nächsten Schreibblockade herauszuschreiben.

Euer Ingo

Dieser Beitrag ist auch erschienen in der Schreibkommune.

Therapiesitzung bei Bedarf

Therapiesitzung bei Bedarf

5. März 2018

Heute war ich so weit. Nachdem ich den Psychologen nun ein halbes Jahr von einer Sitzung pro Monat „kenne“, mich also an sein Aussehen gewöhnt habe, wollte ich damit beginnen, das Thema anzusprechen, weshalb ich mir den Therapieplatz gesucht hatte. Mit dieser Suche hatte ich vor zwei Jahren begonnen, als ich sehr verzweifelt sehr viel in mein Tagebuch geschrieben hatte. Dieses hatte ich heute mitgenommen, als Mutmacher. Ich hätte es jederzeit aufschlagen und daraus vorlesen können.

Vielleicht wäre das sogar besser gewesen. Es ist nämlich irgendwie irgendwas schief gelaufen. Seine Reaktion war in etwa so, wie ich das all die Zeit befürchtet hatte, dass eine Reaktion sein könnte, wenn ich meine Gedanken* äußere. Ich bin gar nicht dazu gekommen, richtig zu erzählen, da brachte er mich mit seiner Vorstellung davon, was in Ordnung sei und was nicht, völlig durcheinander.

Ich zog mich auf Oberflächlichkeiten zurück und stellte am Ende der Sitzung fest, dass ich keine (nennenswerten) Probleme habe (die eine Therapiesitzung rechtfertigen). Wir vereinbarten dann, dass ich mich melde, wenn ich ein Gespräch mit einer außenstehenden Person brauche.

Der Tag wird wohl nicht kommen, da ich ja auch seitens der IV keine Gespräche mehr brauche. Ich müsste akut depressiv oder manisch werden, um ein entsprechendes Mitteilungsbedürfnis zu entwickeln, dass so stark ist, dass ich mich einer fremden Person anvertraue, damit mir überhaupt jemand zuhört. (In solchen Fällen suche ich idR den Chat meines Vertrauens auf, weil mich das idR nachts überkommt, wenn ich nicht schlafen kann.) Und dann soll ich die Geduld haben, vorher einen Termin zu vereinbaren und auf ein solches Gespräch zu warten?

Ich bin frustriert und enttäuscht, weil aus meiner Sicht die ganzen Bemühungen um einen Therapieplatz für die Katz waren. Wahrscheinlich wieder ein Fall, wo ich auf mein Bauchgefühl hätte hören müssen. In den probatorischen Sitzungen hatte ich die ersten beiden Male kein gutes Gefühl und glaubte, es läge an mir und ich müsse mich erst an ihn gewöhnen.

Wahrscheinlich war das das letzte Mal, dass ich mir einen Therapieplatz gesucht habe. Offensichtlich sind solche Gespräche für mich nicht hilfreich. Eine Frage, die er am Anfang mindestens zweimal gestellt hat. Für mich ist das Schreiben hilfreich und wie ich jetzt gelernt habe das Führen innerer Dialoge, was ich beim Schreiben tun kann bzw seit Jahren tue indem ich blogge oder auch Geschichten schreibe.

Ich brauche kein Gegenüber, das mich in den Arsch tritt oder den Finger in die Wunde legt. Vielleicht ist das die Ausnahme, aber ich arbeite freiwillig an mir und entwickele mich gerne weiter, da braucht man nicht rüpelig werden, egal ob es ums Gewicht geht (sagte er auch, das sieht man, dass ich nicht gerade abgenommen habe – aber selber ne Wampe!) oder um andere Themen.

Was ich mir denn wünschen würde für mein Leben. Natürlich, dass ich nicht krank bin, dass ich Vollzeit arbeiten und drüber kühmen kann wie alle anderen (wertvollen! normalen!) Leute auch. Bevor ich das erste Mal in die Psychiatrie kam, hatte ich die Tendenz zu diesen bipolaren Schwankungen bereits. Das fiel auf, aber ich wurde nicht ausgesondert.

Er hat recht damit, dass das Gewicht das einzige ist, dass ich tatsächlich in der Hand habe. Die Krankheit ist nunmal da, damit muss ich klarkommen. Mit trans* sowieso. Weil ich nicht arbeiten kann, bekomme ich Rente. Ist doch alles super mittlerweile, den Umständen entsprechend. Das einzige, womit ich mein Leben noch verbessern kann, wäre Abnehmen. Trostlose Aussichten.

Natürlich freue ich mich, dass ich mir meine Zeit beim Schreiben frei einteilen kann. Vor allem aber bin ich froh, dass ich überhaupt wieder schreiben kann und nicht dazu verdammt bin, vor der Glotze dahinzuvegitieren. Wenn dann andere am Wochenende über ihren Schichtdienst klagen oder übers frühe Aufstehen am Montag jammern, dann bringe ich vielleicht beim nächsten Mal den Spruch: „Du hast doch bestimmt einen guten Therapeuten, dem Du das erzählen kannst?“


* Es ging um die Behandlung durch eine Schulpsychologin, die offensichtlich EEG und EKG an mir durchgeführt hat und dazu Fragen stellte, die mich auch aufgrund des Szenarios ungeheuer einschüchterten. Von anderen Psychologen weiß ich, dass eine Dipl.-Psych. das nicht darf. Körperliche Untersuchungen müssen Ärzte durchführen. Das ist der Anfang dessen, woran ich mich erinnere, aber soweit kam ich gar nicht mit meinen Ausführungen.^^

Sich Zeit lassen

Sich Zeit lassen

Das fällt mir nicht immer leicht, nicht zu hastig zu sein. Das betrifft nicht nur das Schreiben, aber gerade beim Schreiben muss ich mir Zeit lassen. Wenn ich Kritik bekommen habe, muss ich die mit Abstand betrachten. Mein Manuskript muss ich mit Abstand betrachten, wenn ich es verbessern will. Meine gemachten Erfahrungen, vor deren Hintergrund ich schreiben will, dürfen nicht zu frisch sein. Vor allem darf es nicht sofort brandeilig veröffentlicht und Kritik ausgesetzt werden, dann bin ich viel zu nah dran und verletzbar.

Ich hatte geglaubt, wenn ich jetzt ernsthaft anfange mit dem Roman schreiben, dann muss ich aber auch jede freie Minute damit verbringen und schreiben, schreiben, schreiben. Weit gefehlt. Ganz im Gegenteil, ich muss bewusst den inneren Prozessen ihren Raum lassen und auch ihnen Zeit geben.

Es auf nur anderthalb Stunde Arbeit am Roman pro Tag zu bringen fand ich viel zu wenig, ich machte mir noch mehr Druck, bis ich gar keine Freude mehr daran hatte. Ich wollte mich doch unbedingt beeilen und ganz fix diese erste Geschichte fertigschreiben, damit ich sie huschhusch an den Mann oder die Frau bringen kann – dabei ist das überhaupt nicht mein Tempo. Ich muss ein Vielfaches an Wörtern bloggen im Verhältnis zu den rund 250 Wörtern pro Tag, um die ich meinen Entwurf erweitere.

Das bedeutet, ich habe total viel Zeit, um anderes zu tun. Lesen zum Beispiel, aber wirklich Bücher lesen. Das Handbuch für Autoren von Uschtrin zum Beispiel. Die Krankheitensammlerin. Und alle die, die ich dann doch wieder aus der Hand gelegt habe, weil mir anderes wichtiger war. Vor allem die Druckbücher, die  ich noch auf dem Schreibtisch stehen habe, zum Beispiel Verdammt starke Liebe von Lutz van Dijk oder Meine Zeit der Trauer von Joyce Carol Oates. Aber ich glaube, dass die liegen geblieben sind, weil mich das Thema nicht mehr bewegte. Gibt es eine Verpflichtung, Bücher zu Ende zu lesen, nur weil sie gut sind?

Ich kann mir auch mehr Zeit für die einzelnen Blogbeiträge nehmen und sie aufwändiger gestalten. Aber ich kann nur arg schlecht weniger bloggen, dann müsste ich bei sehr viel Schreibdruck wie am 18. Februar der Fall war, meine Mutter oder Freunde extrem bemailen, um alles losgeworden zu sein. Oder ich müsste alles auf Papier schreiben mit der Hand, das ginge auch – langsamer. Und dann habe ich nicht das Gefühl, dass jemand Anteil nimmt. Klar, wem soll ich auch mein Tagebuch in die Hand drücken außer vielleicht meinem Therapeuten.

Kaum war der Druck weg, mich unbedingt beeilen zu müssen, konnte ich plötzlich sehr viel flüssiger schreiben und das mehrere Stunden am Tag, was ich allerdings auch auf meine akute Hypomanie den vergangenen Kreativitätsschub zurückführe.

Und ich habe viel mehr Zeit für Pausen. Die brauche ich auch. In den Pausen arbeite ich dann als Hausmann. Und wenn der Hausmann Pause braucht, bin ich wieder Schriftsteller. Wenn beide Pause brauchen, bin ich Rentner. Ist das nicht toll, so viele Jobs muss ich stemmen. ;)

Foto: Pixabay

Tagebuchgedanken

Tagebuchgedanken

23. Februar 2018

Inzwischen bin ich gut ausgeschlafen und wieder sehr viel ruhiger. Durch die Medireduktion anfälliger geworden, hatte mich der 18. Februar ziemlich getriggert. Ich bekam einen ungemeinen Schreibdruck und machte mir so einige Gedanken, die eigentlich ins Tagebuch gehören. Mit der Hand schreiben wäre vielleicht auch eine Idee gewesen, wenn ich nicht das enorme Bedürfnis gehabt hätte, damit sofort an die Weltöffentlichkeit zu gehen.

Ich habe lange hin und herüberlegt: Gehören solche Tagebuchgedanken, ellenlange Selbstbetrachtungen in dieses Blog? Sollte ich nicht doch besser in meinem Genesungsblog posten, wenn es um meine Krankheit geht? Deshalb landete zwischenzeitlich einiges im Papierkorb.

Dazu kam im Zuge meiner Anmeldung bei Facebook die Frage, was ich für ein Image haben will. Will ich nicht seriöser auftreten? Kauf man Bücher nicht lieber von einem, über den man noch nichts weiß oder nehmen vielmehr Verlage lieber jemanden, aus dessen Leben nicht bereits prekäre Details bekannt sind? Gibt das später, wenn ich mal veröffentlicht habe, einen Shitstorm, der mein doch recht persönliches Blog überrollt? Oder ist es doch genau ein Verkaufsvorteil, dass ich der bin, der ich bin?

Ich bin zum Schluss gekommen, dass jedes Buch seinen Käufer findet, jeder Autor seinen Leser. Die Leute, die mich bisher schätzen, tun das ja auch, weil ich so bin, wie ich bin und nicht anders.

Natürlich könnte ich als Schriftsteller ein eigenes Blog führen, in dem ich nur Schriftsteller bin und nichts Privates von mir preisgebe. Bei Facebook habe ich eine solche Seite erstellt, auf der ich darauf achte, dass es nur ums Schreiben geht und Geschichten teile ich da. Da muss ich ja nicht noch ein extra Blog pflegen, zumal ich hier bei diesem jetzt die neue URL habe. Und ehrlich gesagt finde ich das immer ein bisschen schade, wenn Autoren sich so wenig zeigen. Andersherum könnte ich das wohl auch kaum, ein Image pflegen, bei dem ich ständig darauf achten muss, dass ich mich nicht verplappere.

Weil ich nicht so gerne für die Tonne arbeite, habe ich nun mehrere Beiträge in einem zusammengefasst. Vielleicht kann ja doch jemand davon profitieren. :)

Weiterlesen

Schreibkommune: Interview

Die Schreibkommune habe ich nun schon mehrmals erwähnt, weil ich im Augenblick ein bisschen die Werbetrommel rühre. Nun hat mich der Chefredakteur interviewt – naja, uns alle. *lach

Wie lange bist du schon im Schreib-Forum dabei?

Februar: Seit dem 30.12.17.

 

Was war der Beweggrund, dich hier anzumelden?

Februar: Wie im Profil angegeben, ich suchte Gesellschaft beim Schreiben und Austausch über meine Texte. Mich haben vor allem die Schreibprojekte gereizt. Die Möglichkeit, hier auch Probeleser für später zu finden, war nur ein Bonus.

Vor allem hatte ich auf Motivation gehofft. Ich brauchte es einfach, dass mir mal wieder jemand sagte, wie schön meine Texte zu lesen sind, dass ich schreiben kann. Mittlerweile habe ich sogar schon ein „druckreif“ gehört. Ich habe wieder Freude am Schreiben gefunden und darauf hatte ich es angelegt.

 

Warum bist du nicht mehr im Schreib-Forum aktiv (falls das zutrifft)?

Februar: Trifft nicht zu. ;)

 

Was findest du gut im Forum?

Februar: Die Atmosphäre, alle gehen sehr herzlich miteinander um. Die Intimität in den Schreibprojekten. Ich finde die Schreibübungen prima, auch wenn ich nicht alle mitmachen kann.

 

Was brauchst du nicht wirklich?

Februar: Das kann ich noch nicht sagen, alles ist noch neu und in der Erprobungsphase. Die Forenblogs scheinen kaum genutzt zu werden, ebenso der Talkbereich. Den Talk finde ich aber sehr gut, der kann helfen, das Forum nicht zu zerchatten. Es gibt doch immer wieder so Spezialisten, die nur Einzeiler wechseln.

 

Was sollten wir dir unbedingt noch bieten?

Februar: Lektorat, Korrektorat und nen Vertrag beim Verlag. ;)
Gemeinsame Anthologien herausgeben… ich träume ein bisschen. Die Schreibkommune ist schon super.

 

Wie lange beschäftigst du dich schon mit dem kreativen Schreiben?

Februar: 12 Jahre.

 

Was war der Auslöser dafür?

Februar: Seelenballast, wenn Du es unbedingt wissen willst, kannst Du es hier nachlesen: https://ingo-schreibt-anders.blog/2018/02/18/der-vorfall-vom-18-2-i-can-tell-metoo/

 

Was bringt oder hat dir das Schreib-Forum in Sachen Schreiben und die Entwicklung dorthin gebracht?

Februar: Ich habe sehr viel gelernt! Zum Beispiel hatte ich das falsche Erzähltempo und habe mich immer sehr bemüht, bekam aber nur wenig Worte pro Tag zustande. Und jetzt fluppt es auf einmal. :)))
Der Zusammenhalt in den Schreibprojekten beschert mir zudem ganz ungemein viel Motivation und Lebensfreude.

 

Was ist dein großes Ziel in Bezug auf kreatives Schreiben (wo soll deine Reise hingehen)?

Februar: Verrückt vor Liebe fertigstellen und dann mal überlegen, wie ich das vermarkte.
Tochtersohn als nächstes Projekt in Angriff nehmen.


Nenne hier vier Dinge, über die es sich lohnt zu schreiben.

# Trigger. Weil das sich davon losschreiben ungemein befreit.

# Alltag. Weil es ungemein hilfreich ist, diesen zu schätzen.

# Psychische Erkrankungen, weil die immer noch mit Stigma behaftet sind.

# Transsexualität, ebenfalls im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Vervollständige bitte folgende Satzanfänge!

*Schreiben ist für mich …. mein Ventil, Entspannung und Seelenheil

*Am Schreiben hindert mich … mein Perfektionismus und die Angst, etwas falsch zu machen

*Von Schreibratgebern halte ich … nicht wirklich viel, da ich aus Blogs im Prinzip dasselbe erfahre und dort die Gelegenheit habe, direkt nachzufragen.

*Ich kenne folgende Schreibratgeber …Wie man einen verdammt guten Roman schreibt 1+2, James N. Frey und Campbells Heldenreise

*Plotten ist für mich …am Anfang erstmal schwierig gewesen,

*Stil ist für mich …eine Frage des Geschmacks.

*Der innere Kritiker ….hat Sendepause, wenn ich meinen ersten Entwurf schreibe.

 

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

Aus dem zweiten Teil könnte man eigentlich ein Blogstöckchen machen… feel free!

Das war es für heute

Euer Ingo

Was ist erzählenswert?

Welche Ausschnitte einer Geschichte erzählt man ausführlich und welche kürzt man ab? Klar, die langweiligen, die erzählt man nicht. Die spannenden dagegen baut man aus.

Ein Kollege gab mir dazu den Tipp: „Stell Dir vor, Dein Buch ist fertig und Du hast es gerade in einem Rutsch gelesen – fehlt die Szene dann?“

Damit konnte ich auf Anhieb etwas anfangen und wenn mein Textwertgefühl stimmt, ist das super. Aber was, wenn nicht?

Was ist erzählenswert?
Es soll spannend sein und nicht langweilig, das ist klar. Aber wie trefft ihr, wenn ihr eine Geschichte plant, da die Entscheidung, was in eine Geschichte reingehört und was streicht ihr nachher wieder, weil es doch ein für die Handlung unwichtiger Nebenschauplatz ist?
Ich habe dazu den Hinweis bekommen, dass ich nach meinem Gefühl gehen soll. Leider fühlt sich meist entweder alles supertoll oder alles megascheiße an. ^^

Tja, das habe ich Marcus Johanus von den Schreibdilettanten gefragt und die beiden haben meine Frage tatsächlich aufgegriffen und wie ich finde auch beantwortet. Vielen Dank dafür!

https://www.youtube-nocookie.com/embed/Td3lor22bRE

 

 

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