Fortschrittchen

Fortschrittchen

Ich denke, ich kann mit vergleichsweise guten Nachrichten aufwarten.

Was das Essen angeht, habe ich mir ein Zeitfenster gesetzt: Von 17 bis 23 darf gegessen werden. Das nennt sich intermittierendes Fasten, ich hatte im Oktober schon einmal davon berichtet, dann war es mir leider außer Kontrolle geraten. Jetzt bin ich in der zweiten Woche und in der ersten Woche habe ich ein Kilo abgenommen. Ich versuche, die Schokolade langsam zu drosseln, aber wenn ich weiter warte, bis ich ganz davon los bin, nehme ich nur weiter zu.^^ Im Augenblick will ich mich erstmal daran gewöhnen, 18 Stunden regelmäßig zu fasten.

Da dies klappte, dachte ich mir, warum nicht mit dem Schlafen auch? Ich setze mir ein Zeitfenster, in dem ich wach bleiben muss (tagsüber) und in der restlichen Zeit darf ich schlafen, muss aber nicht. Ich habe jetzt erstmal mit 14 Uhr bis 22 Uhr angefangen, weil ich meine Termine nach Möglichkeit alle auf den Nachmittag lege und weil ich abends Austausch mit anderen Menschen habe und das kann auch schonmal aufwühlend sein. Ich will nicht den Computer um acht ausmachen müssen und den ganzen Spaß verpassen, damit ich um zwölf schlafen kann.

Weil ich die letzten zwei Wochen eigentlich erst vormittags in den Schlaf gefunden habe und abends wieder aufgestanden bin, quasi auf Nachtschicht war, habe ich nun einige Probleme bei der Umstellung und schlafe sehr wenig, zuletzt nur eine Stunde. Vorgestern war ich daher leicht manisch. Im Augenblick hat es sich jedoch wieder beruhigt und ich bin vor allem müde, nachdem ich heute Lust auf einen Spaziergang hatte (!) und diesen auch gemacht habe. :))) Da die letzten sechs Wochen Depression ziemlich übel waren, bin ich sehr froh darüber. Die letzten zwei Wochen gehen vielleicht aufs Konto der Nebenschilddrüsenüberfunktion, die ich möglicherweise habe. Von zwei Blutproben, die fünf Tage auseinanderliegen, ist eine deutlich erhöht und die andere ohne Befund. Ich habe keine Lust, drei Monate depressiv zu sein, bis bei der nächsten Blutentnahme festgestellt wird, dass ich doch…

Dieser ungeheure Antriebsmangel hat mich echt fertig gemacht und ich habe es irgendwann gar nicht mal mehr versucht, an meinem Roman zu schreiben und habe mich gleich vor den Fernseher gelegt. Ich wollte auch nichts und niemanden sehen, nichtmal chatten. Ich habe den Computer gar nicht erst angemacht. Durch die ausgiebige Erkältung war ich zuvor schon ausgefallen, deshalb war ich sechs Wochen nicht mehr an Ver-rückt vor Liebe dran. Heute ist der vierte Tag in Folge, den ich mich wieder damit beschäftige. Ich habe mir meine männliche Hauptfigur nochmal vorgeknöpft und nun mache ich den vierten Versuch, ihn in die Geschichte einzuführen. Das ursprüngliche erste Kapitel mit ihm musste ich leider nach hinten schieben, deshalb bot es sich an, ein neues erstes zu schreiben.

Ver-rückt vor Liebe mit Herzen

Ein kitschiger Liebesroman? Nein!

Der nächste Schritt meiner Wiedererlangung von Struktur wird die Einrichtung von Schreibzeitfenstern sein. Auch wenn ich am Dienstag voriger Woche noch das Gegenteil behauptet habe, klappt es tatsächlich sogar sehr gut, wenn ich mich zu einer bestimmten Zeit hinsetze und schreibe, weil es jetzt an der Zeit ist. Wenn wir im Forum sonntags um acht unsere Fingerübungen schreiben, dann klappt das ja auch. Warum sollte es also nicht mit dem Roman auch klappen?

(Sorry, falls doppelt. Habe das Datum aktualisiert.)

Erhöhungsantrag ist durch

Am 18. Januar habe ich nach einem Gespräch mit meiner Psychiaterin einen sogenannten Neufeststellungsantrag gestellt. 2012 hatte ich etwas voreilig entgegen dem Rat meiner Hausärztin einen Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung gestellt. Da der Verlauf erst recht kurz war, kam damals ein GdB von 30 heraus. Für mich war das sehr wichtig, da so etwas Amtliches, das ich schwarz auf weiß hatte, für mich etwas war, das ich fassen konnte. Als krank empfand ich mich nicht, aber eine Behinderung zu haben konnte ich einsehen.

Ich fühle mich schon etwas eingeschränkt in meinem Alltag, aber der Grund ist eben eine chronische psychische Erkrankung. Weil der Schlaf so wichtig ist, kann ich keinen abendlichen Treffen beiwohnen – oder ich müsste meinen Schlaf- und Wachrhythmus so weit nach hinten schrauben, dass ich große Schwierigkeiten hätte, meine etlichen Arzttermine nachmittags noch beiwohnen zu können. Das verwehrt mir sämtliche Begegnungen im Freizeitbereich, da sich alles nach den Berufstätigen richtet. Tagsüber bleiben mir nur Veranstaltungen für psychisch Kranke.

Ich hatte dieses Problem mit meinem Therapeuten besprochen und auch er ist der Ansicht, dass ich da nur abwarten kann, was das Lithium auf Dauer an Stabilität und damit vielleicht Belastbarkeit bringt.

Am 14. Februar habe ich eine Eingangsbestätigung erhalten.

Heute, am 3. Mai, habe ich den Neufeststellungsbescheid erhalten: GdB 70 habe ich jetzt befristet auf zwei Jahre. Mit so viel hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte immer, mir ginge es noch vergleichsweise gut, aber offenbar ist das nicht der Fall.

Nun kann ich mir, wenn ich ein Foto einreiche, einen Schwerbehindertenausweis ausstellen lassen. Was ich dann damit anfangen soll, weiß ich noch nicht so recht. Einen Arbeitsplatz habe ich ja nicht. Bei der Steuererklärung gebe ich den höheren GdB natürlich an und bekomme einen höheren Freibetrag.

In den letzten Wochen hatte ich wenige Termine, zu denen ich wach sein musste. Mit dem Schlaf habe ich jetzt das Experiment gewagt und bin einfach dann ins Bett gegangen, wenn ich müde war und aufgestanden, wenn ich mich ausgeruht genug fühlte. Mit dem Ergebnis, dass ich eine Zeit lang genau zur interessantesten Zeit zwischen 20 und 22 Uhr dabei sein konnte und das für mich „morgens“ war, ich also genug Zeit hatte, all die Eindrücke zu verarbeiten.

So war ich auf einer Lesung und bin wieder bei der Schreibwerkstatt dabei. Teilweise bin ich komplett nachts unterwegs und verschlafe die Abende. Im Augenblick geht es ziemlich durcheinander, weil ich versuche, wenigstens an den Nachmittagen bereits wach zu sein. Auf der anderen Seite wache ich um 4 Uhr schon auf, kann mich aber nicht wirklich konzentrieren, weil ich doch unausgeruht bin. Ich brauche einfach 13 Stunden Schlaf und idR machen die Leute große Augen, wenn ich das erzähle.

Besonders stabil fühle ich mich mit diesem Chaos jetzt nicht. Ich kann nicht gut planen, weil alles damit steht und fällt, ob ich genug geschlafen habe und da das nicht auf Knopfdruck funktioniert, muss ich das abwarten. Mit dem Lithium bin ich mittlerweile bei zweieinhalb Tabletten pro Tag angekommen, also 1125mg und dazu nehme ich noch 2,5mg Olanzapin. Es ist schon sehr, sehr viel besser als ohne Lithium, aber ich darf noch auf Besserung hoffen, sagt meine Ärztin. Na denn:

 

Schnecke Volldampf voraus!

Volldampf voraus!

 

Nicht alles, was schwankt, ist bipolar

Nicht alles, was schwankt, ist bipolar

Am vergangenen Sonntag habe ich mich mit anderen Genesungsbegleitern aus meinem EX-IN-Kurs getroffen.

Ein Kollege ist auch bipolar, hat aber im Gegensatz zu mir 23 Jahre Erfahrung mit der Erkrankung, davon ist er 18 Jahre stabil – trotz eines einschneidenden Lebensereignisses vor zwei Jahren. Er sprach davon, dass auch bei ihm das Schlafen immer mal wieder eine Riesennummer ist, dass er zwischenzeitlich richtig Angst vor dem Einschlafen hatte – so ging es auch mir. Auch er nimmt zusätzlich zum Lithium ein Neuroleptikum, damit er schlafen kann. Auch er hat immer mal wieder leichte Schwankungen nach oben in Richtung Manie sowie nach unten in Richtung Depression. Die er aber gut im Griff hat dank der Medis. Er kommt über längere Zeit mit sechs, sieben Stunden Schlaf aus und arbeitet bis zu 50 Stunden die Woche, daneben findet er noch Zeit für seine Kinder. Das finde ich beachtlich.

Es tut gut, mit diesem Erleben nicht allein zu sein. Und es macht mir Hoffnung, dass es auch mir möglich ist, trotz Erkrankung das beste für mich rauszuholen. Im Augenblick ist es die Arbeit an meinem Roman, die ich ganz auf meine Bedürfnisse abstimmen kann. (Dazu: behindertengerechter Arbeitsplatz)

Ich reduzierte das Olanzapin, weil ich zu viel schlief, weil ich zu langsam war im Kopf und zu wenig Ideen hatte, weil mich das total lähmte und mein Leben wenig lebenswert machte. Das ist jetzt mit der Mindestdosierung nicht mehr der Fall. Ich habe im Augenblick eher wieder zu viele Ideen, ich schlafe grenzwertig wenig und bin leicht hypoman, aber ich fühle mich endlich wieder wohl. Die Dosierung scheint jetzt endlich zu stimmen.

Ich bin lebendig, habe am Leben teil so gut es geht. Da mir dieses Treffen wichtig war, hatte ich auf den Stammtisch am Vorabend verzichtet. Ich hatte nämlich mal wieder Lust, aber abends unter Leute zu gehen ist viel zu spät, um noch zu einer halbwegs akzeptablen Uhrzeit Schlaf zu finden. Damit wäre das heutige Treffen gelaufen gewesen, beides zusammen hätte ich nicht bewältigen können. Nach anderthalb Stunden reichte es mir auch und eine halbe Stunde später klinkte ich mich aus.

Ich werde meinen Schlaf weiter beobachten, denn unter sechs Stunden sollte er nicht fallen. Denn dann geht es wieder durch den Schlafentzug in die Manie und von der Manie in die Psychose und spätestens dann wieder in die Klinik und damit in die Fixierung. Wenn man diese Kausalkette einmal begriffen hat, diese Gesetzmäßigkeit der bipolaren Störung, dann begreift man, dass hypoman zu sein nicht einfach bedeutet, eben gute Laune zu haben und eine besonders dolle kreative Schaffensphase. So kann es im Idealfall laufen, dazu muss man aber seine Frühwarnzeichen kennen und entsprechende Strategien ergreifen wie binaurale Klänge hören oder andere Entspannungstechniken anwenden und / oder eben Pillen einwerfen. Jeder Betroffene muss seinen eigenen Weg finden. Ich habe für mich herausgefunden, was mir wann gut tut und was nicht.

Mein Fehler am Sonntag war sicherlich, in den Chat zu gehen, denn dort habe ich mich mit einer anderen Schriftstellerin intensiv ausgetauscht und wir haben meine Geschichte einmal komplett durchgeplottet. Das hat zum einen gedauert bis viertel nach zwölf und zum anderen nochmal gedankliche Prozesse in mir ausgelöst. Genau das war es, was ich hatte vermeiden wollen, als ich mich von der Gruppe um fünf verabschiedet hatte.

Nun denn, das ist eben das Leben. Ich kann mich nicht permanent nur isolieren und vor jeglichen Inspirationen Reißaus nehmen. Es bedrückt mich ohnehin schon, dass ich meine Freunde idR so selten sehe. Zu sozialen Kontakten wird einem aber auch immer von Therapeuten geraten, die ihre Tage damit verbringen, die ganze Zeit mit Menschen zu reden. Das sagte mir ein Kollege, der sich ebenfalls früh ausklinkte und auch eher introvertiert ist.

Zu Hause war ich gegen sechs und es ist jetzt gleich wieder sechs. Zwölf Stunden Nachklingen wäre es nicht gewesen, wenn ich im Chat nur entspannendes, lustiges Rumgeblödel gefunden hätte wie so oft. Ich muss das noch üben, mehr gestaltend einzugreifen. Ich hätte es zum Beispiel beim Pitch belassen können und dann sagen, dass ich heute abend nicht weiter drüber sprechen will. Aber ich hatte für heute schon meine Heldentat, als ich mich von der Gruppe verabschiedete und nicht noch mitging, obwohl ich sehr neugierig war, mich auch mit anderen auszutauschen.

Bereits als ich heimkam, war ich richtig übervoll mit Eindrücken, habe meinem Schatz eine zwanzigminütige WhatsApp geschickt und von meinem Tag erzählt, der nun diesmal wirklich aufregend war im Vergleich zu meinen sonstigen Tagen. Ich achte eben idR darauf, nicht zu viele Aufreger in meine Woche einzubauen. Weil ich hochsensibel bin und um meine Schwierigkeiten mit der Reizüberflutung weiß.

Ich weiß, dass ich mich gerne mehr mit Menschen im RL austauschen würde. Aber ich weiß auch, dass da die Reizflut eine sehr viel höhere ist und ich irrelevante Daten verarbeiten muss wie Gerüche und Hintergrundgeräusche, die ich bei Kontakten via Internet nicht habe. Und erst nachdem ich die neu obendrauf gekommenen Plotgedanken zu meinem Roman abgearbeitet hatte, kam ich dazu, diese RL-Begegnung zu reflektieren.

Andere haben einfach nur gute und schlechte Tage, ich schwanke zwischen Hypomanie und Subdepression hin und her. Das Fatale ist, dass ich manisch immer so eine Ausstrahlung habe, dass die Leute auf mich zukommen und ich dann nicht nein sagen kann zu endlosem Gequatsche, weil ich selbst ja auch kontaktfreudig und mitteilsam bin. Aber genau das ist dann Gift.

Einem Maniker hört man am besten nur stumm nickend zu oder bleibt einsilbig und gibt ihm nach Möglichkeit keine neuen Impulse, die das Gedankenkarussell nur weiter drehen lassen.

Trotzdem empfinde ich diese phasenhaften Schwankungen nicht ausschließlich als eine Krankheit, denn sie begleiten mich schon mein Leben lang und werden das auch weiterhin tun.

Tagebuchgedanken

Tagebuchgedanken

23. Februar 2018

Inzwischen bin ich gut ausgeschlafen und wieder sehr viel ruhiger. Durch die Medireduktion anfälliger geworden, hatte mich der 18. Februar ziemlich getriggert. Ich bekam einen ungemeinen Schreibdruck und machte mir so einige Gedanken, die eigentlich ins Tagebuch gehören. Mit der Hand schreiben wäre vielleicht auch eine Idee gewesen, wenn ich nicht das enorme Bedürfnis gehabt hätte, damit sofort an die Weltöffentlichkeit zu gehen.

Ich habe lange hin und herüberlegt: Gehören solche Tagebuchgedanken, ellenlange Selbstbetrachtungen in dieses Blog? Sollte ich nicht doch besser in meinem Genesungsblog posten, wenn es um meine Krankheit geht? Deshalb landete zwischenzeitlich einiges im Papierkorb.

Dazu kam im Zuge meiner Anmeldung bei Facebook die Frage, was ich für ein Image haben will. Will ich nicht seriöser auftreten? Kauf man Bücher nicht lieber von einem, über den man noch nichts weiß oder nehmen vielmehr Verlage lieber jemanden, aus dessen Leben nicht bereits prekäre Details bekannt sind? Gibt das später, wenn ich mal veröffentlicht habe, einen Shitstorm, der mein doch recht persönliches Blog überrollt? Oder ist es doch genau ein Verkaufsvorteil, dass ich der bin, der ich bin?

Ich bin zum Schluss gekommen, dass jedes Buch seinen Käufer findet, jeder Autor seinen Leser. Die Leute, die mich bisher schätzen, tun das ja auch, weil ich so bin, wie ich bin und nicht anders.

Natürlich könnte ich als Schriftsteller ein eigenes Blog führen, in dem ich nur Schriftsteller bin und nichts Privates von mir preisgebe. Bei Facebook habe ich eine solche Seite erstellt, auf der ich darauf achte, dass es nur ums Schreiben geht und Geschichten teile ich da. Da muss ich ja nicht noch ein extra Blog pflegen, zumal ich hier bei diesem jetzt die neue URL habe. Und ehrlich gesagt finde ich das immer ein bisschen schade, wenn Autoren sich so wenig zeigen. Andersherum könnte ich das wohl auch kaum, ein Image pflegen, bei dem ich ständig darauf achten muss, dass ich mich nicht verplappere.

Weil ich nicht so gerne für die Tonne arbeite, habe ich nun mehrere Beiträge in einem zusammengefasst. Vielleicht kann ja doch jemand davon profitieren. :)

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Zweijahresrückblick

Als ich dieses Blog Anfang 2016 gründete, war ich bereits manisch und hatte einen unbändigen Mitteilungsdrang. Aber meine Beiträge waren, einzeln betrachtet, noch eine ganze Weile unauffällig.

Im Mai war ich für eine Nacht in der Klinik, weil ich Geschirr aus dem Fenster geworfen hatte. Ich lag fixiert im Flur in der Notaufnahme. Ab da waren meine Helfer nicht mehr auf meiner Seite, sondern meine Feinde. Meine Manie wurde ab diesem Zeitpunkt sehr anstrengend, weil sie nicht mehr euphorisch war, sondern dysphorisch.

Ich war ständig gereizt, erschöpft und äußerst misstrauisch. Dazu das typisch Getriebene und der Schlafmangel, weil ich vor lauter Anspannung nicht schlafen konnte. Es war eine Frage der Zeit, bis ich wieder psychotisch wurde und das war im August der Fall. Ein Taxifahrer schlug mir mit der Faust ins Gesicht, weil er mich nicht mitnehmen wollte, so irre wie ich war. Ich schenkte einem Bettler tausend Euro, einfach so. Warum ich soviel Geld überhaupt bei mir hatte, weiß ich nicht mehr.

Ich bedrohte einen anderen Taxifahrer, weil ich einfach mitten an einer Fussgängerinsel mit Gepäck einstieg und in einem fort plapperte, darunter faselte ich etwas davon, ich könnte mich nicht erinnern, ob dieser Koffer der mit der Bombe sei oder der andere. Das zog eine Anzeige nach sich, die allerdings fallen gelassen wurde, weil ich zu diesem Zeitpunkt krank war, sogar eine AU bei mir gehabt hatte.

Mein Ehemann brachte mich ins Krankenhaus. Ich verbrachte zwei Wochen gegen meinen Willen in Hamburg in der Klinik, setzte aber danach die Tabletten wieder ab, weil ich der Überzeugung war, sie nicht zu brauchen.

Etwa eine Woche später fand ich mich in Bonn in der Klinik wieder. Unterwegs hatte ich meine Habe an Tankstellentoiletten verteilt und war barfuß. Meinen Laptop und mein Portemonnaie sowie den Umschlag mit knapp 700,- Euro in bar hat die Polizei für mich in der Klinik abgegeben. Psychotisch wie ich war, hatte ich mich selbst in Gefahr gebracht. Diesmal musste ich drei Wochen bleiben und inzwischen war ich auch einsichtig. Meine Mutter stand mir dort zur Seite.

Dieses Jahr hat mir die Krankheitseinsicht überhaupt verschafft. Mich kann keine Hypomanie mehr verlocken, besonders tolle kreative Leistungen zu erbringen und diese Energie nutzen und diesen Zustand genießen zu wollen. Leider bestand ich damals noch auf Olanzapin, weil ich das kannte. Die Klinik hätte mich sonst auf Lithium eingestellt.

Und danach kam die Depression und kaum noch ein Beitrag von mir. Zu Hause verbrachte ich die meiste Zeit im Bett, gefolgt von vor dem Fernseher. Ich schlief über 15 Stunden. Fast alles, was ich abgenommen hatte seit 2014, nahm ich nun wieder zu. Hauptsächlich deshalb, weil ich mich aufgegeben hatte.

Viel mehr belastete mich aber die Spracharmut durch die Neuroleptika. Ich konnte mich an Gesprächen nicht beteiligen, saß nur daneben. Wenn man sich mit einem Gedanken ins Gespräch einklinken will und den richtigen Zeitpunkt nicht findet, dann ist das eine Sache, diesen Gedanken aber gar nicht erst zu haben, eine ganz andere.

Aber ich hatte noch die Erinnerung an denjenigen, der ich eigentlich bin. Sobald ich konnte, reduzierte ich das Olanzapin soweit es ging. Im September begann ich mit Lithium. Der Antriebsmangel war vom einen auf den anderen Tag weg und meine Stimmung fand sich endlich im Normalbereich.

Unsere Ehe hat auch diese große Krise überstanden – auch wenn ich hier schon geschrieben hatte, ich werde mich trennen. Es waren einige Netzwerkgespräche bei der Integrierten Versorgung notwendig, um etliches wieder ins rechte Bild zu rücken. Es gab vieles, das ich gesagt hatte, woran ich mich aber aufgrund der Manie aber nicht erinnern konnte und so habe ich dies auch nie richtigstellen können. Das habe ich dann nachholen können, so gut es ging.

Noch etwas passierte 2016/17: Ich nahm an der EX-IN-Ausbildung teil, was mich in eine gewisse Struktur zwang und an meine Grenzen brachte, aber leider nicht wie erhofft zurück ins Berufsleben. Dazu schaffte ich einfach noch zu wenig und traute mir zu wenig zu. Das bewies mir, dass ich meine Rente zu Recht bekomme.

Tatsächlich verhilft mir die Ausbildung zum Genesungsbegleiter immer noch dazu, gewisse Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich sage mir jedes Mal, dass ich jetzt Berufserfahrung sammle, wodurch ich mich als Patient weniger als Bittsteller fühle. Ehrlich gesagt sehe ich meine Zukunft aber nicht in diesem Beruf, weil ich mich in den Praktika beide Male sehr unwohl gefühlt habe ich meiner Rolle.

Für das kommende Jahr habe ich mir fest vorgenommen, den im November begonnenen Roman zu Ende zu bringen. Erstmal den ersten Entwurf, danach dann die erste Überarbeitung usw. Meine Krankheit tritt darüber hoffentlich etwas in den Hintergrund, zumal ich ja jetzt endlich medikamentös richtig eingestellt bin.

Daneben werde ich weiter abnehmen; ich bin schon fast zehn Kilo los, seit ich im Oktober der Gruppe beigetreten bin. Ich wiege jetzt etwa 125 kg. Mit Sport habe ich auch wieder angefangen. Ich laufe dreimal die Woche zwanzig Minuten auf dem Crosstrainer und zweimal die Woche mache ich Krankengymnastik für meine lädierten Knie. Das möchte ich erstmal so beibehalten, nur etwas aufs Tempo gehen und die Pumpe ein wenig mehr fordern.

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Lithium passt

Ich bin sehr zufrieden mit dem Lithium für den Anfang. Mit 675mg, was anderthalb Tabletten pro Tag entspricht, bin ich bei einer zwar noch geringen, aber bereits wirksamen Dosis.

Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, was meine Stimmung auch den Antrieb angeht. Ich habe nicht mehr diese depressiven Durchhänger. Dabei nehme ich noch das Olanzapin (5mg), welches mich ausbremst. Das macht sich bei verringertem Bewegungsdrang, dem vielen Schlafen und meiner Gedankenarmut bemerkbar.

Mein nächstes Ziel ist nun, das Olanzapin auszuschleichen. Sollte das gelingen, wird sich auch erst dann zeigen, ob das Lithium als alleinige Phasenprophylaxe wirkt.

 

Krankheitseinsicht gewinnen

Was habe ich von meiner Krankheitseinsicht, wenn ich trotz Tabletten nicht schlafen kann? Seufz. Ich weiß, dass es sich bei meinem neu aufflammendem Tatendrang um Symptome einer Krankheit handelt, denen anders begegnet werden muss, als mich einfach ins frohe Schaffen zu stürzen und die Nächte durchzumachen. Dabei ist es so verlockend. Ich könnte ja sooo viel leisten.

Stattdessen trete ich jetzt auf die Bremse. Für Freitag habe ich mich krank gemeldet, damit ich endlich ausschlafen kann. Leider muss ich heute noch zum Arzt, weil ich auf meine Spritze angewiesen bin. Und ein Gespräch mit meinem Genesungsbegleiter habe ich auch noch, der Behandlungsplan steht an. Letzteres könnte ich sausen lassen, aber Chaos in meinen Hormonhaushalt zu bringen hilft mir im Augenblick keinesfalls und eine Verschiebung der Spritze – hmm, naja – ließe sich eigentlich notfalls mit Testogel überbrücken, das ich noch im Kühlschrank habe.

Ich kann eben sooo viel leisten nicht. Das ist die bittere Wahrheit. Das muss ich immer einplanen. Ausreichend Schlafen ist einfach mein Schlüssel zur Genesung. Schlafe ich zu viel, werde ich depressiv. Schlafe ich zu wenig, werde ich manisch. Durch die manische Energie und das verringerte Schlafbedürfnis katapultiere ich mich ruck-zuck in die nächste Psychose, wenn ich dem nachgebe. Neu entdeckt habe ich jetzt, dass ich auch aus der Depression herausswitche, wenn ich vor lauter depressiven Gedanken oder Erinnerungen an Traumata nicht mehr schlafen kann. Dann vertagt sich das Problem auf später.

Wie kam ich also auf den Trichter, wie krank ich wirklich bin? Durch meine Tagebücher, anhand derer ich meinen Verlauf beobachtet habe (Siehe: Mein Genesungsblog), zeitweise habe ich auch ein Stimmungstagebuch geführt, was sehr aufschlussreich war hinsichtlich der Erkenntnis, was mir in welchem Zustand hilft. Und durch den Austausch mit anderen Betroffenen, anderen Verläufen. Ein Beispiel, wie hart es einen wirklich treffen kann liefert Thomas Melle mit Die Welt im Rücken.

Den Aha-Effekt hat meine Manie im letzten Jahr (natürlich erst im Rückblick) gebracht. Ich bin wirklich an Grenzen gekommen, die ich nie hatte überschreiten wollen. Einem Bettler habe ich 1000 Euro in bar geschenkt, einfach so, weil ich sie gerade dabei hatte. Das mag manchem viel Geld erscheinen, aber ich kann darüber nur lachen. Nicht weil ich Millionär wäre, sondern weil ich weiß, was noch alles hätte passieren können. Zum Glück hatte mein Ehemann meine ec-Karte sperren lassen.

In der Manie wird jede Idee, jeder Gedanke zur Tat, schreibt Melle. Die meisten Ideen, die man so den Tag über hat, werden ja meistens gleich wieder verworfen. Dieses Verwerfen unterbleibt und dazu kommt, dass man ständig neue Assoziationsketten bildet, denen man dann unwillkürlich folgt. Ich habe vielleicht Harndrang und mache mich auf den Weg zur Toilette, unterwegs fällt mein Blick dann auf mein Memoboard und da steht was von fegen, ich fange an zu fegen, dabei steht mir der Wäscheständer im Weg herum, ich hänge die Wäsche ab und als ich die Handtücher ins Bad bringe, komme ich am Klo vorbei und dann fällt mir mein Harndrang wieder ein. Das wäre ein Beispiel mit einem Happy End.

Ich habe wohl Glück damit, dass es bei mir recht fix geht, dass aus der Manie eine Psychose wird und meine Gedanken dann so sehr zerfahren sind, dass ich handlungsunfähig werde und damit derart auffällig, dass ich zwangseingewiesen werde(n darf). So war die schlimmste meiner Taten die Bedrohung eines Taxifahres, dem ich sehr ernergisch erzählte, ich könne mich nicht mehr erinnern, ob dieser Koffer (den ich mit mir führt) der mit der Bombe sei oder der andere. Ich erhielt eine Anzeige, das Verfahren wurde eingestellt, weil ich psychisch krank (und sogar krank geschrieben) war. Hätte ich nicht die Krankmeldung dabei gehabt, hätte ich mich sicherlich nicht so verhalten.

Wenn mich also Angehörige fragen, wie man den Betroffenen zur Krankheitseinsicht verhelfen kann: Schreibt Tagebücher. Beschreibt das Verhalten der betreffenden Person und beschreibt eure Gefühle. Wenn der Maniker in die Depression gefallen ist, ist der richtige Moment, das Tagebuch zu überreichen. Solange man in der Manie drinsteckt, fühlt man sich ja so gar nicht krank. Rückblickend hat man aber oft ein Einsehen, dass man da gerade akut erkrankt war. Das Erinnerungsvermögen, so Melle, ist jedoch durch die Manie wie auch durch die Depression getrübt, so dass man sich im Nachhinein nur noch bruchstückhaft erinnern kann. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, hatte dies jedoch bisher auf die Medikamente geschoben.

Ich genieße, dass ich nach langer Depression jetzt wieder höher gestimmt bin und ich nutze den Antrieb, der mir vergönnt ist. Ich tobe mich aus, geistig wie körperlich. Aber ich setze eben auch die Dosierung meiner Medikation nach oben. Ich melde mich krank, um auszuschlafen. Und ich lasse es ruhig angehn bei allem was ich tue und mache bewusst mehr Pausen als sonst. Ich bin keine Maschine. Ich muss nicht funktionieren ohne Pausen.

Und, seien wir mal ehrlich, das Funktionieren ist doch ohnehin ein Eindruck, den ein Außenstehender gewinnt. Wer gut dissimulieren kann, funktioniert doch prima in dieser Gesellschaft. Wenn ich eben aus Krankheitsgründen Sonntag, Dienstag und Donnerstag ausschlafen muss, damit ich Montag und Mittwoch je drei Stunden arbeiten kann, dann ist das eben so.

Weil das so ist, bekomme ich meine Renten auch zu Recht. Die habe ich nämlich mittlerweile durch, sowohl die von der DRV als auch meine Berufsunfähigkeitsrente. Eigentlich hätte mir die schon viel früher zugestanden, die BU-Rente bereits nach einem halben Jahr Arbeitsunfähigkeit. Aber ich war ja nicht krank(heitseinsichtig).

Was tun nach der Ausbildung?

Ich habe noch einen Praktikumsbericht zu schreiben und eine Abschlusspräsentation vorzubereiten, zwei Module und das wars. Dann stehe ich vor dem großen Loch unstrukturierter Zeit.

Im letzten Jahr war zwar nicht immer jeder Tag mit vorgegebenem Programm gefüllt, aber es gab einen gewissen Rahmen und daneben Aufgaben zur selbständigen Bearbeitung. Jetzt habe ich das Gefühl, bald den Halt zu verlieren.

Was sich auch ändern wird ist meine Medikation. Seit meinem letzten Klinikaufenthalt im August/September nehme ich Olanzapin, mittlerweile nur noch 2,5mg, was mir gut beim Schlafen hilft. Aber es bringt eben auch dieses NL-Zombie-Gefühl, ich bin träge und bocklos bis depressiv und Dinge, die mir eigentlich wichtig sind, verschwinden im Nebel. Vielfach ist mir Lithium empfohlen worden und ich möchte es nun damit versuchen. Auch das beginnt im August.

Was Mitte August ausläuft ist der Vertrag mit der Integrierten Versorgung. Da bin ich noch nicht ganz schlüssig, ob ich den verlängern will. Mittlerweile habe ich das Krankenhaus durch mein Praktikum von einer ganz anderen Seite kennengelernt und bin mir nicht sicher, ob ich weiterhin um jeden Preis ambulante Behandlungen vorziehen will. Das fängt schon mit der Einstellung auf Lithium an, was man im Krankenhaus unter recht engmaschigen Kontrollen machen kann. Darüber werde ich mit meiner Ärztin nochmal sprechen.

Und dann ist da eben die Frage, ob ich wirklich als Genesungsbegleiter tätig werden will. Ich kann mir eine Tätigkeit außer Haus an drei Tagen die Woche zu je drei Stunden gut vorstellen. Das gibt etwas Struktur für die Woche und bietet soziale Kontakte, die mir in gewissem Maß gut tun. Mit Hausarbeit und Arztterminen ist die restliche Zeit schnell gefüllt. Das finde ich etwas schade, weil ich gerne wieder mehr schreiben würde.

Wenn ich auf das letzte Jahr blicke, so ist das Schreiben völlig in den Hintergrund geraten. Ich habe fast nur geschrieben, wenn es eine Aufgabe war, die uns gestellt wurde – weil ich mich insgesamt zu kaum etwas aufraffen konnte, weil alles so viel Kraft kostete. Ich habe die leise Hoffnung, dass das Lithium mir auch damit helfen kann, weil ich dieses Nicht-aufraffen-können für depressive Symptome halte.

Schaffe ich es kaum zu bloggen, ist an das Schreiben eines Romans nicht zu denken. Und ich möchte gerne wenigstens einmal in meinem Leben ein Manuskript fertigstellen. Einmal. Theoretisch habe ich beste Rahmenbedingungen, weil ich finanziell gut versorgt bin und nicht arbeiten muss, leider aber auch nicht kann.

Was mir fehlt, ist Kontinuität. Durch die ständigen wechselnden Phasen schaffe ich kaum etwas zu Ende zu bringen. Erst lege ich in manischem Übereifer los, dann liegt alles monatelang brach, weil ich nur noch im Bett oder vor dem Fernseher liege. Dann ist mir alles zu viel und meine gesteckten Ziele erscheinen mir allesamt überhöht und unrealistisch. Zwischendurch produziere ich Mist, wenn ich psychotisch bin (Beispiel: Gutenachtgeschichte für Psychotikerverstehenwoller).

Vielleicht sollte ich nur einen oder zwei Tage die Woche arbeiten, dann hätte ich mehr Zeit zum Schreiben. Ich muss es nur dann auch wirklich tun und mich tatsächlich daransetzen. Ich denke es würde mir gut tun, wenn ich wieder zur Schreibwerkstatt ginge, weil ich dann nicht ganz so alleine mit meinem Werk wäre. Mir hilft es, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand meine Arbeitsleistung erwartet.

Aus meiner Studienzeit weiß ich noch, wie schwer es mir gefallen ist, alleine am Schreibtisch mit dem Stoff zu kämpfen. Zum Glück hatte ich einen Kommilitonen, der mir per Messenger half. Rückwirkend betrachtet ist mir aber klar, dass ich zu der Zeit depressiv war und ich deshalb blockiert war, genauso wie ich zuvor manische Energie gehabt hatte. Wie wohl die Mitte sein wird?

Ich möchte schon gerne als Genesungsbegleiter tätig werden, fühle mich aber bisher immer wieder unfähig und glaube, dass ich den Leuten mitunter auch schaden kann. Genauso wie ich zwischenzeitlich immer wieder denke, dass meine Texte nichts taugen. Beides in meinem Alltag unterzubringen sollte wohl möglich sein. Ich denke auch, dass mir die Abwechslung gut tun wird.

Was ich noch unterbringen muss ist eine Psychotherapie. Die ist lange überfällig und nicht zum ersten Mal habe ich auch von mir aus den Wunsch danach. Im Augenblick habe ich auch die Kraft, einen Therapieplatz zu suchen. Terminlich gesehen ist es besser, die Suche ab August anzugehen. Im Augenblick bin ich noch ausgebucht.

Wahrscheinlich läuft es doch wieder darauf hinaus, dass ich weniger Zeit habe als mir lieb ist – sobald der Antrieb wieder da ist.

Haarscharf an der Manie vorbeigeschrappt

Als ich im September zuletzt in der Klinik war, wurde ich auf 10mg Olanzapin eingestellt. Dieses haben wir schrittweise reduziert, zuletzt vor Ostern auf 2,5mg. Etwas unglücklich vielleicht das zeitliche Zusammentreffen mit dem Beginn meines zweiten Praktikums. Die letzten zwei Wochen schlief ich schon schlecht ein und dann das:

Gesteigerter Antrieb, gesteigerte Libido, Durchfälle, erhöhtes Mitteilungsbedürfnis und dieses Gefühl von Erschöpfung oder Müdigkeit bei gleichzeitiger Anspannung. Meine Frühwarnzeichen.

Mir hat geholfen, mich sofort abzuschotten mit dem Bitte-nicht-stören-Schild an der Tür, mich ins Bett zu legen und Musik zu hören und ganz langsam runter zu kommen mit einem Freund, an den ich mich wenden konnte. Am Ende reichten mir nochmal binaurale Klänge, sonst hätte ich auch das Lorazepam eingesetzt. Schlaf war diesmal wirklich wichtig.

Ganz über den Berg bin ich noch nicht, weil ich nur knapp acht Stunden geschlafen habe und wieder richtig ausschlafen müsste und auch nicht weiß, wie es heute abend klappt mit dem Einschlafen. Morgen ist wieder Praktikum, was ich nicht absagen will. Die Gruppe am Dienstag werde ich absagen und ziehe in Betracht, das Praktikum am Mittwoch doch abzusagen. Morgen absagen brächte mich sofort auf die sichere Seite…

Das nächste Wochenende ist ohne Modul und bietet mir die Gelegenheit, mich richtig auszuruhen vom Donnerstag bis Sonntag.

Ich hoffe, dass ich es packen werde, sonst muss ich runtergehen auf einmal die Woche drei Stunden und habe dann die Montage nach dem Modul auch frei. Oder ich verschiebe auf den Dienstag, ginge auch. Bin sowieso gespannt, was die für ein Gesicht machen, wenn ich da am Feiertag aufschlage.^^

Das Jammertal nach dem Höhenflug

Lieber Herr Jott-Punkt, hallo Welt,

ich muss mich doch noch einmal zu Wort melden und will hoffen, dass dies nun wieder häufiger geschieht ohne allerdings so auszuarten wie beim letzten Mal. Meine alten Beiträge durchzugehen und ggf. wieder offline zu stellen, was mir zu peinlich ist, würde viel mehr Kraft erfordern als einfach zu sagen: Schwamm drüber! Die ein oder andere Entgleisung tut mir wirklich leid, viele waren wohl eher lustig und nicht weiter wild. Manch Beitrag könnte den ein oder anderen Angriff enthalten, den ich heute so nicht mehr starten würde. Das möchte ich aber meiner allgemeinen Entwicklung zuschreiben.

Heute sehe ich mich fast ein halbes Jahr nach dem psychotischen Gipfel meiner letzten Manie. Wenn ich das vergleiche mit meiner ersten Manie, so liegen Welten dazwischen, was ich in allererster Linie der Medikation zuschreibe, denn die letzte Manie war weitaus heftiger und anstrengender als meine erste. Diesmal bin ich aber nicht so zugeballert, wie die Ärzte es empfahlen; ich habe nicht zu allem Ja und Amen gesagt in der Hoffnung auf Heilung. Und ich habe mit Olanzapin ein Medikament gefunden, das ich abgesehen von Spontanverfettung (30kg in 3 Monaten) vergleichsweise gut vertrage. Bei meinem nächsten Gespräch mit meiner Ärztin will ich noch eine Stufe runtergehen, weil es nach wie vor so ist, dass ich das Gefühl habe, anders zu sein als ich es normalerweise bin: Langsamer, ruhiger, stiller, in mich gekehrter und das in einem solchen Übermaß, dass ich mich nicht wohl damit fühle.

Und natürlich würde ich gerne wieder abnehmen, schaffe es aber bisher nicht. Ich habe immer wieder Schokoladenkaufundfressanfälle, die ich nicht gänzlich unterdrücken kann. Was mich dagegen freut, ist, dass ich wieder gut in Bewegung eingestiegen bin. Ich fühle mich etwas fitter und bin nicht ganz so schnell aus der Puste wie noch im November.

Das alles findet wohlgemerkt neben der Ausbildung statt, die ich seit September absolviere. Beim ersten Modul habe ich mich manisch präsentiert, das zweite wegen Klinikaufenthalts versäumt und seitdem fleißig das mittlerweile straff anziehende Programm absolviert. Dazu gehören ua.a zwei Praktika, ein in Kleingruppen vor der Großgruppe zu haltendes Referat und ein als Gesamtgruppe auszuarbeitender an der Uni zu haltender Vortrag, der bis hin zur Performance in szenischer Ausarbeitung ausgestaltet werden kann.

Bei meinem ersten Praktikum im Oktober/November war ich noch total platt und ziemlich überfordert. Ich habe tapfer am Treff in einer Einrichtung der ambulanten Sozialpsychiatrie teilgenommen, mich aber nicht wirklich als Begleiter einbringen können. Ein Raum, voll mit Menschen, die alle durcheinanderschnattern überfordert mich einfach. Das ist kein geeigneter Arbeitsplatz für mich. Meine Stärke liegt ganz eindeutig in Einzelgesprächen, die ich dort leider nicht führen durfte.

Mein zweites Praktikum wird im stationären Bereich stattfinden. Geplant ist, dass ich dort eine Spielegruppe anbiete und Einzelgespräche. Hier sehe ich die größte Gefahr, in der vorhandenen Struktur unterzugehen. Und die Geruchsbelastung in den Patientenzimmern wird mich herausfordern. Das habe ich bereits bei der Hospitation bemerkt.

Wenn ich mir so ansehe, was ich geschrieben habe, dann ist das schon wieder sehr viel, viele offene Baustellen. Dabei habe ich noch längst nicht alles angesprochen, was mich im Moment gerade bewegt. Ich glaube aber, das Jammertal habe ich schon wieder hinter mir gelassen.

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