Quasselstrippe

Quasselstrippe

Montag, 19. Februar

Heute habe ich es zum allerersten Mal geschafft. Und das mit gutem Gefühl.

Ich wollte nur eben zum Hausarzt, einen Termin für den Checkup machen. Vor der Tür traf ich zehn nach zwölf mit einem älteren Herrn zusammen, der sich gerade darin versuchte, die Praxis zu betreten. Ich hatte auf die Uhr gesehen und fragte ihn, ob wohl schon geschlossen ist. Ein Blick auf die Öffnungszeiten bestätigte dies. Er platzte damit los, dass er nur ein Rezept hatte holen wollen und weil er so nett lächelte in seinem seltsam derangierten, ungepflegten Aufzug und weil ich für den Moment gerne zuhören wollte, blieb ich kurz stehen. Er quasselte und quasselte ich wandte mich zum Gehen und langsam wurde es mir unangenehm, da ich auch noch das Buch aus der Buchhandlung holen wollte. Als er dann von seiner Erkältung anfing und ich mich daran erinnerte, dass er gerade eben davon geplappert hatte, sich in der Bar verquatscht zu haben und deshalb zu spät zum Arzt gekommen sei, machte ich einen weiteren, immer noch höflich, aber sehr deutlichen Versuch, mich zu verabschieden. Darauf reagierte er in keinster Weise, also ließ ich ihn einfach stehen und ging.

Darauf bin ich stolz. Keine Spur von schlechtem Gewissen.

Und ich weiß, wie das ist, quasselstrippig zu sein. Wenn ich manisch bin, muss man mir sehr deutlich Grenzen aufzeigen. Ob der Mann krank war oder einfach nur ein Plappermaul? Mir egal, das Gespräch war überwiegend nett, bis eben an diesen Punkt, wo deutlich wurde, dass er auf mich und meine Bemühungen, das Gespräch zu beenden, überhaupt nicht einging. Und diese Erfahrung gibt mir zu denken. Sollte ich meine quasselstrippigen Beiträge hier besser nicht alle veröffentlichen, mehr ausmerzen? Vor allem, wo ich jetzt auch daran denke, alles automatisch bei Facebook zu teilen. Mal sehen. Im Augenblick fühlt es sich gut an, wie es ist. Und ein Blog ist ja kein Gespräch im RL, den Unterschied kenne ich noch. ;)

Tagebuchgedanken

Tagebuchgedanken

23. Februar 2018

Inzwischen bin ich gut ausgeschlafen und wieder sehr viel ruhiger. Durch die Medireduktion anfälliger geworden, hatte mich der 18. Februar ziemlich getriggert. Ich bekam einen ungemeinen Schreibdruck und machte mir so einige Gedanken, die eigentlich ins Tagebuch gehören. Mit der Hand schreiben wäre vielleicht auch eine Idee gewesen, wenn ich nicht das enorme Bedürfnis gehabt hätte, damit sofort an die Weltöffentlichkeit zu gehen.

Ich habe lange hin und herüberlegt: Gehören solche Tagebuchgedanken, ellenlange Selbstbetrachtungen in dieses Blog? Sollte ich nicht doch besser in meinem Genesungsblog posten, wenn es um meine Krankheit geht? Deshalb landete zwischenzeitlich einiges im Papierkorb.

Dazu kam im Zuge meiner Anmeldung bei Facebook die Frage, was ich für ein Image haben will. Will ich nicht seriöser auftreten? Kauf man Bücher nicht lieber von einem, über den man noch nichts weiß oder nehmen vielmehr Verlage lieber jemanden, aus dessen Leben nicht bereits prekäre Details bekannt sind? Gibt das später, wenn ich mal veröffentlicht habe, einen Shitstorm, der mein doch recht persönliches Blog überrollt? Oder ist es doch genau ein Verkaufsvorteil, dass ich der bin, der ich bin?

Ich bin zum Schluss gekommen, dass jedes Buch seinen Käufer findet, jeder Autor seinen Leser. Die Leute, die mich bisher schätzen, tun das ja auch, weil ich so bin, wie ich bin und nicht anders.

Natürlich könnte ich als Schriftsteller ein eigenes Blog führen, in dem ich nur Schriftsteller bin und nichts Privates von mir preisgebe. Bei Facebook habe ich eine solche Seite erstellt, auf der ich darauf achte, dass es nur ums Schreiben geht und Geschichten teile ich da. Da muss ich ja nicht noch ein extra Blog pflegen, zumal ich hier bei diesem jetzt die neue URL habe. Und ehrlich gesagt finde ich das immer ein bisschen schade, wenn Autoren sich so wenig zeigen. Andersherum könnte ich das wohl auch kaum, ein Image pflegen, bei dem ich ständig darauf achten muss, dass ich mich nicht verplappere.

Weil ich nicht so gerne für die Tonne arbeite, habe ich nun mehrere Beiträge in einem zusammengefasst. Vielleicht kann ja doch jemand davon profitieren. :)

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Harndrang

Pullerette vergessen beim Spaziergang. Und wieder wird deutlich spürbar, dass da was fehlt.

Ich hatte eine kleine Runde gedreht, um die Neubau-Baustelle, und als ich fast zu Hause war, doch entschieden, noch eine Runde durchs Göhlbachtal zu gehen. Und als ich dort ganz am Ende war an der Stelle, an der ich immer umdrehe, habe ich mich auf die Bank gesetzt. Die Bank, neben der ich damals die Epithese ausprobiert habe. Und als ich da saß, entspannte ich mich und spürte die Erschöpfung und da meldete sich auch meine Blase. In meinem Rucksack habe ich immer eine Pinkelhilfe dabei, aber in meinen Jackentaschen ist kein Platz dafür. Und dazu brauche ich sie auch zu selten.

In die Hocke geht schon wegen meiner Arthrose in den Knien nicht, dazu ist es scheißkalt und ich würde auch bestimmt die Hose vollpinkeln. Mal abgesehen von der Möglichkeit, dass es auch andere Spaziergänger bis da hinten hin verschlägt. Es bliebt mir also nichts anderes über, als einzuhalten. Der Rückweg dauerte eine halbe Stunde. Und die ganze Zeit über war der Harndrang sehr präsent.

Ich musste daran denken, wie ich damals mit den Kommilitonen Semesterabschied besoffen habe und alle drei marschierten erst einzeln und später gemeinsam wenige Meter bis an den nächsten Busch und erleichterten sich da, während ich einhielt. Ich bekam ordentlich Komplimente dafür, dass ich immer noch nicht pissen musste und schwitzte das Bier dabei schon aus allen Poren aus, weil ich ums Verrecken nicht die Gruppe verlassen wollte, um die nächste mir bekannte Toilette in einem Gebäude ein Stück die Straße runter aufzusuchen. Heldenmutig bin ich sogar noch in der U-Bahn-Station verschwunden, fand dort aber keine Toilette und hielt es, schwitzend und zitternd mit dem Gedanken, an Ort und Stelle laufen zu lassen, sogar noch eine Station bis zum Hauptbahnhof aus, wo ich ein Café stürmte und endlich eine Sitzgelegenheit bekam. Das war der übelste Druck gewesen, den ich je hatte.

Ich musste daran denken, wie ich nach der Mastek mit der Bettpfanne gerungen und dann doch auf der Toilette sitzend den Pfleger herbeigerufen habe, der allein auf Station war und einen Riesenschreck bekommen hat, als er mich da sah und mir erklärte, dass er mich alleine nicht vom Boden hochkriegt. Danach habe ich es einmal in die Pfanne geschafft, aber auch nur, weil ich ein Einzelzimmer und sportlichen Ehrgeiz dabei hatte. Durch das Gas im Bauch hatte ich ständig Druck, es kam aber nicht wirklich viel raus.

Und ich musste daran denken, wie ich auf der Rückfahrt aus dem Frankreich-Urlaub so dringend musste und Papa nicht anhalten wollte und wir dann in Stau kamen und ich dann, als das Auto zu Hause vor der Tür anhielt, vor lauter Erleichterung beim Blick auf unser Haus laufen ließ. Papa kaufte dann bald den schwarzen BMW und Mama musste den roten auftragen.

Ich musste daran denken, wie ich in der Fixierung einmachen musste. Im Flur in der Notaufnahme. Wie das beim zweiten Mal, alleine in einem Raum mit geschlossener Türe, so viel einfacher war als beim ersten Mal. Und wie sie mich beim dritten Mal losmachten, als ich sagte, dass ich aufs Klo muss, und danach wieder anbanden und die ganze Zeit jemand dabei saß am Laptop tippte und auf mich aufpasste.

Und ich habe mich gerne daran erinnert, wie ich mit Sofia Pinkelproben gemacht habe. Nach und nach habe ich herausgefunden, was den Harndrang beschleunigt (Tee, Zucker) und ich habe gelernt, los zu lassen und das in der richtigen Dosierung. Auch wenn da noch jemand ist. Deshalb kann ich jetzt im Ergebnis auch auf öffentlichen Toiletten, auch wenn noch andere Leute zu hören sind. Aber eben nur im Sitzen.

reingefuchst

Inzwischen habe ich so langsam den Bogen raus und bin auf Seite 12 meines Manuskripts. Die 15-Punkte-Struktur verstehe ich immer besser.

Es hat mir sehr geholfen, Zusammenfassungen der Geschichte zu schreiben. Und zwar erst zweiseitige von den Figuren her, dann aus neutraler Sicht. Ich habe jetzt eine sehr viel bessere Vorstellung von meiner Geschichte und einen noch besseren Draht zu den Figuren, auch wenn ich vor allem im Mittelteil noch nicht weiß, was genau im Einzelnen passiert.

Den Tipp, 30 Minuten schnell zu schreiben, habe ich ausprobiert und nach 10 Minuten kam gar nichts mehr. Da war ich dann einfach erschöpft von der Anstrengung.

Mein Eindruck ist, dass ich am besten Schritt für Schritt von vorne nach hinten runtertippe und mir nicht mehr als die nächsten drei Szenen und das Ende vornehme. Ich recherchiere auch Häppchen für Häppchen, nachdem ich zum hauptsächlichen Thema nicht recherchieren muss.

Ich hatte eine Szenenliste angefangen und dachte, ich überlege mir, welche Szenen ich schreiben will und tippe die dann einfach runter und jetzt mache ich es anders herum und notiere nur noch, welche ich geschrieben habe, um später einen Überblick zu haben. Ich hatte einfach viel zu oft gravierend etwas geändert.

So weit im Voraus kann und will ich das nicht planen. Ich scheine wohl eher ein entdeckender Schreiber zu sein. Ich finde sehr schön, wie die SchreibDilettanten die Vor- und vor allem Nachteile aufzählen. Daher weiß ich nämlich, weshalb ich doch ein wenig planen muss. Mir reicht es aber, einen groben Rahmen gesteckt zu haben und den Rest auf mich zukommen zu lassen. So macht es mir am meisten Spaß und das ist in meinen Rentneraugen die Hauptsache.

Ich habe mir vorgenommen, diesen Roman in diesem Jahr zu Ende zu schreiben. Aus therapeutischen Gründen. Wenn das ein verkaufbares Manuskript wird, freut es mich, aber beim Gedanken an Verlagssuche und Bewerbung gruselt es mich. Deshalb schreibe ich erstmal nur für mich. Ich kann das Ergebnis meiner Arbeit ja auch gratis als eBook hochladen – und wenn ich manisch bin, mache ich das wahrscheinlich auch.

Verschnaufpause

Liebe Sonja,

ich brauche mal eine kurze Verschnaufpause. Mir ist schwindelig vor Glück, ich muss ganz dringend schlafen und ich kann einfach nicht so schnell schreiben und gleichzeitig Rücksicht darauf nehmen, wer was in welchen Hals bekommen hat.

Vielleicht magst Du mir helfen, den Gedankensalat gemeinsam zu ordnen? Du kannst ja schonmal anfangen und ich bin dann wieder dabei, wenn ich wieder unterscheiden kann, was Phantasie und was Realität ist. Das kann ich echt nur alleine. Dazu muss ich erstmal schlafen und langsam machen und echt meine Ruhe haben… ist mir zu brenzlig, sorry.

Nur ein Rat, sicherheitshalber: Ärzte können keine Gedanken lesen, die nehmen sich nichtmal die Zeit, meine Gedanken zu lesen, egal ob ich aufs Blog verweise oder ob ich mein Tagebuch vorlege und darum bitte, mich einfach mal nur schlafen zu lassen. Ärzte glauben sogar noch daran, Pillchen könnten irgendwie helfen. Die haben sich wahrscheinlich weit weniger unter Kontrolle als ich und können sich gar nicht vorstellen, dass das bei mir klappen kann, dass ich auch ohne Schlaftablette einschlafen kann. Das muss man doch erstmal wissen. Ist doch gar kein Problem. Ich zwinge niemanden dazu, etwas von mir zu lernen. Wenn ich das einfach nur weiß, dass das so funktioniert, dass man da erst eine Tablette nehmen muss, damit man überhaupt ins Bett darf – dann helfen sie mir halt nicht, war ja nur ein Angebot. Dachte, sie wollten Geld verdienen. Pfft, mir doch egal. Ich hätte nie gedacht, dass das so einfach sein könnte. Beim nächsten Mal erzähle ich einfach dem Arzt eine Gute-Nacht-Geschichte, dann beruhigt der sich erstmal. Damit ist der dann zufrieden, auch wenn der gar nicht verstanden hat warum. Muss man einem doch erstmal sagen, wie man sich als Patient in der Psychiatrie zu verhalten hat! Auf die Idee wäre ich nie gekommen, dass das so einfach sein könnte. Dachte immer, die wollten mir was Böses. Dabei sind die total harmlos. Seit wir das jetzt einmal geklärt haben, mache ich mir keine Sorgen mehr, dass mich nochmal einer falsch versteht und in der Hektik dann doch wieder Gewalt ausgeübt wird. Die sind nur immer so ungeduldig und wollen gar nicht zuhören. Aber wenn Du mit Selbstmord drohst, dann werden sie plötzlich ganz handzahm und fressen Dir aus der Hand. Also ich verstehe das einfach nicht, ich will nicht gezwungen werden und die stehen da drauf. Aber ich will da gar nicht länger drüber nachdenken. Ich finde das schon schlimm genug, dass das Studium nur diejenigen schaffen, die so gut im Auswendiglernen sind, dass sie gar keine Zeit haben, mal darüber nachzudenken, wem sie da was nachplappern. Egal, nicht mein Problem. Darum kümmert sich der Kollege Hirschhausen. Aber beim nächsten Mal weiss ich dann einfach: Langsamer ist manchmal schneller. Das hilft denen, wenn man denen das immer sagt, und einmal vormacht, dass man sich ganz dolle alleine beruhigen kann. Ganz langsam, immer wiederholen, wie bei einem kleinen Baby. Die sind einfach nicht so helle, die Ärzte. Die hätten das gerne. Und den Traum darf man ihnen nicht zerstören. Das ist ganz wichtig, sonst drehen die den Spieß um und drohen mit Selbstmord. Also einfach immer hübsch mitspielen und lächeln. So geht das mit dem Herrn Doktor. Ganz einfach, kein Grund zur Panik. Vor Polizisten haben sie Respekt, das wollen sie dann alles richtig machen und nehmen sich dann etwas mehr Zeit. Das kann auch helfen, etwas mehr Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Dann ist nämlich plötzlich der Polizist schuld, wenn was schief geht, und nicht mehr der Arzt. Dann fühlt der Arzt sich nicht mehr so ganz alleine mit der ganzen Verantwortung. Das ist für mich persönlich schwer nachzuvollziehen, weil ich ganz gerne die Kontrolle über die Situation habe. Aber: Jeder Jeck is anders, selbst die im Kittel.

Ich war jetzt kurz davor, dass ich tatsächlich darauf reingefallen wäre, ich hätte mir eine Geschichte von einer Maschine diktieren lassen – dabei hatte ich mir das nur ausgedacht. Da halte ich mich ja dann schon selbst für übergeschnappt.

Also nochmal bissl langsamer fahren im Gedankenkarussell. Ja, so ist gut. Ruuuuuhig. Laaaangsam. Einfach auch mal gar nichts tun, einfach mal so sein. *summ

Kurz zur Orientierung, Sonja:

  1. Mein Blog, Meine Regeln. Dein Blog, Deine Regeln.
  2. Ich entscheide, was ich denken will und was Du denkst ist Deine Sache.
  3. Habe ich das Gefühl, Dich evtl. irgendwie unterwegs zu verlieren, dann frage ich nochmal nach, ob es Dir zu schnell geht.
  4. Hast Du das Gefühl, dass ich immer noch viel, viel zu viel auf einmal schreibe und bist verwirrt, was Du davon halten sollst, dann frag bitte nochmal nach.
  5. Wenn Du nicht willst, dass jemand mitbekommen hat, dass Du was nicht gepeilt hast: Einfach per eMail schreiben, dann kriegt es ja keiner mit.
  6. Alle anderen können denken was sie wollen. Darum kann ich mich nicht auch noch kümmern. Aber Du liegst mir sehr am Herzen, Sonja, und ich möchte da nur sicher gehen, dass ich Dich nicht aus Versehen kaputtkuschel. Okay?

Ich hoffe, wir können so verbleiben. Ich brauche noch etwas mehr Zeit, um mich wieder zu orientieren und habe keine Lust, nun jetzt auch noch Rücksicht auf andere zu nehmen – ich muss mich in erster Linie um mich selbst kümmern. Die anderen müssen schon selbst auf sich aufpassen können, das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin doch nicht der Messias oder so, auch wenn ich manchmal ganz gerne verrückt spiele. Bei Dir mache ich ne Ausnahme, indem ich mal kurz um etwas Geduld bitte, weil Du mir wirklich sehr am Herzen liegst, Sonja. Wird sich alles finden. *lächel

Kurz gesagt: Wir zwei beide tanzen hier miteinander und den Rest der Welt betrachten wir als Publikum. Und wer das nicht verstanden hat, der ist dann wohl ein Zuschauer.

Und ich bemühe mich, noch ein bisschen weniger, langsamer und spannender zu schreiben und dann ist glaube ich allen am ehesten geholfen. Ich mag es, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen und ich kriege sie idR alle dazu, weil mir jedes Mittel recht ist und ich keine Angst habe, weil ich weiß, dass ich jede Situation klären kann, wenn ich mir nur ausreichend Zeit aushandele und wenn ich dafür Sorge trage, dass ich meine Eigenverantwortung behalte.

Ärzte sind damit völlig überfordert, es mir recht zu machen. Die geben ihr Bestes und da muss man einfach mal Geduld aufwenden. Schwer zu ertragen, wenn man große Angst hat und es eilig hat. Aber vieles regelt sich dann ganz von selbst und selbst wenn man am Ende dem lieben Gott die Schuld in die Schuhe schiebt. Hauptsache der Herr Doktor hat alles richtig gemacht. Ja, bitteschön, dann tun wir einfach mal so, als wär das so. Blablabla, Mäxchen, blablabla – machen die ja genauso mit ihrem Fachchinesisch. Irgendwann glätten sich die Fronten, wenn der Arzt das Gefühl behalten darf, er habe alles unter Kontrolle. Das ist nur eine Frage der Zeit und, ja, in Notfällen sind eben andere Prioritäten angesagt und da schrecke ich dann auch nicht vor Gewalt zurück, um mich zu verteidigen.

Also, wer Interesse an einem therapeutischen Rollenspiel in einem gegenseitigen Einvernehmen hat, der wendet sich an den Herrn S. R., der kennt sich mit sowas aus. Der hat sehr viel Rollenspielerfahrung und nen Youtube-Kanal und er wurde auch mal irgendwo drin als Quelle zitiert. Wer sich dafür näher interessiert, der kann das ja irgendwie ausm Netz fischen und falls es mir nochmal zufällig in die Hände fällt, dann teile ich es mit euch.

So und wer Interesse an einem TPE-Setting hat, der dreht einfach ne Runde durch die Klapper. Die nehmen einem das nicht übel. Die spielen sogar gerne mit, wenn sie das Gefühl haben, einem dabei irgendwie zu helfen. Echt knorke. Und ich war kurz davor, doch in der SZ ne Anzeige aufzugeben oder mal ins Catonium zu gehen. lol

Aber, ehrlich gesagt: Wenn ich mich freiwillig anbinden lasse, dann merken die schon irgendwie, dass da was faul ist. Dann wollen sie einen loswerden und fangen Grundsatzdiskussionen über das Für und Wider von Medikation an und wenn sie dabei zufällig auf nen Psychotiker treffen, dann ist das die beste Medizin, weil er dann nämlich erkennt, dass er sich das gar nicht einbildet, sondern dass es wirklich so ist, dass die einfach keine Ahnung haben, was sie damit anrichten, was sie da von sich geben.

Ich habe da aber jetzt die Empfehlung bekommen, einfach dafür zu sorgen, dass ich nicht weiter auffalle und den Nachbarn keine Angst mache und wenn mir einfach nur danach ist, laut herumzuheulen und zu schreien, einfach dafür zu sorgen, dass das keiner mitkriegt. Das wars schon. Wenn ich also wirklich völlig verzweifle und einfach nur in den Arm will und ganz laut schreien und heulen – dann wende ich mich damit an Menschen, die dafür Verständnis haben, dass man auch als erwachsener Mensch manchmal so verzweifelt ist, dass man sich wieder wie ein kleines Kind fühlt.

Deshalb kapiere ich also nicht, warum die Wissenschaftler so unsagbar dämlich sind und immer noch nicht verstanden haben, wie Psychosen entstehen und wie man sie vermeiden kann. Für mich ist das irgendwie jetzt, vier Jahre nach der Fehldiagnose, völlig sonnenklar. Aber, Herr Professor T. B., wenn Sie wirklich etwas lernen wollen, dann laufe ich Ihnen damit nicht hinterher. Zeigen Sie bitte etwas mehr Respekt vor Experten von Erfahrung. Hocken Sie sich nicht dahin und machen auf Ich-weiss-was. Ich habe ihr Buch gelesen und ich habe das Pipi in Ihren Augen gesehen. Sie haben keine Ahnung.

Aber ich mache Ihnen mal einen Vorschlag, lieber Herr Prof. B.: Fragen Sie mich doch einfach mal, wenn sie etwas über Psychosen wissen wollen. Eigentlich ganz einfach, oder? Immer noch nicht klarer geworden? Nein? Na gut, aber das ist wirklich das allerletzte Mal, dass ich mitspiele: Ich komme noch einmal zum Psychoseseminar und wiederhole mein Angebot. Und dann erkläre ich Ihnen auch, wie man das macht, ohne Medis wieder runterzukommen.

Okay? Aber nur wir beide, ganz alleine. Und hinterher tun wir dann so, als wenn Sie da ganz alleine drauf gekommen wäre. Klingt gut, oder? Kommt aber nicht in die Tüte. Ich bin doch nicht verrückt und lasse mir von jemandem, der noch an Märchen glaubt, die Regeln diktieren! Nee, ich nicht. Aber ich spiel ganz gerne mal mit, solange ich das Gefühl habe, dass das zielführend ist. Aber erzähle niemandem was vom Pferd und wunder mich dann, wenn ich mich derart unglaubwürdig gemacht habe, dass das Vertrauen einfach dahin ist.

Ich gebe Ihnen einen Tip: Versuchen Sie es doch einfach auch mal mit mehr professioneller Nähe und geben Sie die Masche mit der professionellen Distanz auf. Wenn Sie einem Psychotiker die Angst nehmen wollen, dann tun Sie mal so, als hätten Sie jemanden vor sich, der klar bei Verstand ist und beantworten Sie seine Fragen.

Wenn Sie Nachhilfe brauchen, dann kann ich Sie gerne darin unterstützen. Aber nicht, wenn Sie keine Lust haben, auf meine eMails zu antworten. Dann fühle ich mich plötzlich unangemessen unwichtig und Augenhöhe geht ganz anders. Aber für den ersten Versuch nicht schlecht und das Ding mit dem Psychoseseminar ist ein ganz guter Trick: Da sieht man nämlich mal, dass es so ist, wie der Hirschhausen sagt: Wir behandeln die falschen.

Also, an alle: Wer seine Kindheitstraumen heilen will, der ist bei der Psychiatrie an der falschen Adresse. Da werden die repariert, wo einfach alles schief gelaufen ist. Das ist kein gutes Vorbild dafür, wie es in einer normalen Familie zugehen sollte.

Arbeitet lieber in einem Kindergarten. Die Kinder bringen euch das bei. Doch echt, so einfach kann das sein. Die haben das noch nicht verlernt. Einfach nachmachen. Ganz einfach. :)))

Nur blöde, wenn man Angst vor Kindern hat. Dann ist das etwas schwierig, sich helfen zu lassen, gebe ich zu. Aber ich habe da schon eine Idee. Dazu später mehr, wenn ich mich ausgeruht habe und wieder besser sortiert bin.

Prozessmusterwechsel

Prozessmusterwechsel

Ich werde nun meinen Worten Taten folgen lassen und meine eigenen Rat-Schläge befolgen. Daher nun auch die Trendwende.

Das Wort Prozessmusterwechsel gefiel mir dafür, um auszudrücken, dass man auch mal alles übern Haufen werfen muss, die alte Ordnung niedertrampeln, um dann nochmal zurück auf los und einfach einen zweiten Versuch wagen. So einen Neustart wie Nadja ihn machte. Lediglich… bei mir bleibt die Historie erhalten.

Ich werde bissl basteln, peu a peu wird eine neue Ordnung entstehen, ganz sutsche, und es wird sich, wenn ich wandern gehe, wie gedacht, zwangsläufig eine Blogpause ergeben. Allerdings nehme ich nun auch keine falsche Rücksicht mehr auf überforderte Leser_innen. Wenn ich das mache, dann habt ihr es viel zu bequem, und lernt es nie, was ich gelernt habe: Nicht mehr so über-rücksichtsvoll zu sein. Das wäre gemein von mir.Vor allem mir selbst gegenüber.

Und wenn sich dann jemand überfrisst am Lesestoff – sorry Sonja – dann möge der_diejenige bitte etwas Reizzufuhr drosseln lernen. Die Chance nehme ich Dir ja sonst. Wäre doch gemein, oder?

An dieser Stelle sei bemerkt, dass der HSP-Test online ist: zum Test (öffnet in neuem Fenster / Tab)

Ich blogge weiterhin live und in Echtzeit. Andere Leute nehmen ja auch keine Rücksicht darauf, wann ich eMails kriegen will und wann nicht. Aber das kann ich ja zum Glück selber einstellen, ob die immer sofort abgerufen werden sollen oder nur einmal am Tag oder in der Woche. Wer Wert auf meine Meinung legt, wird warten, damit ich hinreichend Zeit zur Reflektion habe. Tim Schnelzig macht es ja auch sich selbst bei der Arbeit bequem und nicht seiner Kundschaft. So wie mein hochverehrter Zahnarzt. Warum soll ich mich dann immer unter den König Kunden unterordnen? Das wäre doch echt däm_herrlich!

Also, ohne Rücksicht auf Verluste nun bis auf Weiteres nur noch konsequent diese Haltung: Ich sitze selbst am Steuer meines Gedankenkarrussells und ich entscheide, wann ich auf die Bremse latsche. Manchmal habe ich gerne einen Fahrlehrer dabeisitzen, der notfalls mit reintreten kann, aber meistens ist der dann überrascht, dass er im Vergleich ne lahme Ente ist, was Reaktionsgeschwindigkeit angeht und dann ruckt es so unangenehm, weil das doppelte Bremsen eben stärker wirkt als wenn nur einer von uns bremst. Echt wahr: Fragt mal meinen Fahrlehrer aus der City-Fahrschule in Bonn, der ist echt knorke. Keine Ahnung, ob der zwischenzeitlich unter die – Verzeihung, ich schweife ab. Um das Geblubber rauszukürzen: Sonja, ich bin zuständig für mein Schreibtempo und Du für Dein Lesetempo, okay? Können wir uns darauf einigen? Wäre lieb. Andersrum machen wir das ja genauso, äh andersrum, ach passt scho.

Ich schreibe für mich zu Selbstheilungszwecken oder aus lauter Spaß an der Freud. Wer das lesen möchte, herzlich willkommen. Vor allem schreibe ich nicht mehr, um… sondern ich schreibe oder ich schreibe nicht, weil ich gerade was anderes mache. Punkt.

Fragen: Herzlich gerne. Dafür gibt es die Kommentarfunktion da unten oder diskreter die verschiedenen Briefkästen da oben. Die werdet ihr schon finden, wenn es euch wichtig ist.

Dir fehlt die Intonation zu Interpretationszwecken? Na dann hübsch antreten zum Diktat und selber tippen, hopphopp! Geld ist Zeit, also bitte. Echt jetzt, ist doch nix Neues…

Dir fallen keine Fragen ein? Na dann gehörst Du wohl nicht zu meiner Zielgruppe. Macht nix. Darfst trotzdem weiter mitlesen. :) Gratis!

Ich mache, dass ich mich wohl fühle, bis einer STOP sagt!

Ich mache, dass ich mich wohl fühle, bis einer STOP sagt!

Das ist er, der langersehnte Durchbruch in Sachen Genesung. Ich habe es geschafft, Hilfe anzunehmen. Wie ein kleines Mädchen Rotz und Wasser geheult und mich endlich nicht mehr geschämt dafür, sondern ich war einfach nur total dankbar, dass ich es endlich kann und sein darf und man mich nicht zwingt.

An mir ist nichts Bedrohliches. Es gibt keinen Grund, mir Hilfe aufzuzwingen. Ich kann eigentlich alles sehr gut alleine bewältigen, dank meiner „Erziehung zur Selbständigkeit“, die heutzutage sicherlich vielerseits als sträfliche Vernachlässigung betrachtet werden würde. Das ist eine Sicht darauf, die ich zwar nachvollziehen kann, aber nicht vollumfänglich teile. Ich bin sehr dankbar für diesen Erfahrungsschatz, ohne den ich heute nicht ich wäre, sondern jemand anders. Und dieser andere jemand könnte nicht das, was ich kann: Mich an meinem eigenen Haarschopf aus der Scheiße ziehen. Un dieser andere, der ich nicht geworden wäre, wäre sicherlich nicht in der Lage, so hart zu sich zu sein, wie ich das kann und hätte entsprechend sehr viel weniger Potential, erfolgreich zu werden. Und ob der auch so einen unerschütterlichen Glauben an sich selbst und seine Selbstheilungskräfte hätte, das wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

Zurück nochmal: Ich mag es nicht, wenn man mir Hilfe aufzwingt. Ich lasse mich gerne anbinden, vor allem dann, wenn ich Angst vor mir selbst habe. Aber ich lege Wert auf Einvernehmlichkeit. Ich schätze Privatsphäre. Mir ist klar, dass die Notaufnahme eines Krankenhauses nicht der Ort ist, an dem man sein möchte zwecks TPE-Sessions – für solche Zwecke suche ich dafür geeignetere Etablissements auf und das selbstverständlich freiwillig. (Insider verstehen mich.) Ich stehe zwar auf Uniform und kann mittlerweile auch entwürdigende Situationen retrospektivisch erotisieren, aber es ist etwas anderes, ob man Demütigung spielt, oder ob man es tatsächlich erlebt, ausgeliefert zu sein und entwürdigt zu werden. Da muss auch niemand sich großartig irgendwo in Gesetzestexte einlesen, um herauszufinden, wer was darf: In unserem Grundgesetz steht die Würde ganz oben in Artikel 1 .

Es gibt keine Rechtfertigung dafür, jemanden in den Flur zu stellen und ihn da einmachen zu lassen. Vor allem dann nicht, wenn man sehr wohl verstanden hat, was er will. Da kann mir auch keiner erzählen, er habe es nicht besser gewusst und sich daher leider unangemessen verhalten. Ich werde mich beschweren. Definitiv. Noch bin ich unentschlossen, wie und bei wem und welchen Weg ich nutze, aber es wird eine Retourkutsche geben, damit diese Person gerügt wird. Die Eier, mich zu verteidigen, habe ich mittlerweile wiedergefunden und es ist eine Frage der Zeit, bis ich hinreichend Kraft gesammelt habe.

Es wird noch etwas dauern, bis ich das alles verarbeitet habe… aber ich bin wieder voll einsatzfähig, weil ich nun weiß, dass ich meiner Intuition sehr wohl vertrauen darf, dass ich alles richtig gemacht habe, und die anderen sich mir gegenüber falsch verhalten habe. Es liegt nicht in meiner Macht, zu machen, dass andere sich bessern. Also kann ich nur den Täter_innen gute Besserung wünschen.

Wenn nun nicht zufällig mein Genesungsbegleiter mir am Mittwoch diese Hiobsbotschaft überbracht hätte, dass mein Vertrag mit der IV bald (irrtümlich hatte er angenommen am 8.8., meinem zweiten Geburtstag, der sich dieses Jahr zum 8. Mal jährt), dann weiß ich nicht, wie lange meine Angst vor dem geholfen werden noch größer geblieben wäre als der Schmerz, der schon so lange in mir tobt.

Damit man eine Vertragsverlängerung bekommt, muss fachärztlich bestätigt werden, dass man sich in einer akuten Krise befindet und sonst in eine Klinik müsste. Das ist natürlich sehr förderlich in Sachen Krankheitseinsicht. Und auch die Tatsache, dass die Krisenpension immer da ist, wo zuerst jemand um Hilfe gebeten hat, trägt dazu bei. Und da ist es doch eine prima Sache, dass die Krankenkasse jene vor die Tür setzt, die die Hilfe gar nicht mehr so dringend brauchen. So brauche ich mir auch keine Sorge machen, von dieser besonderen Form der Unterstützung abhängig zu werden. Das ist eine runde Sache und somit ist die Integrierte Versorgung (Hamburg Süd) wirklich in jeder Hinsicht zu empfehlen.

Dann schwatze ich den Leuten auch keinen Mist auf, wenn ich später als Genesungsbegleiter davon schwärme. Das war mir sehr wichtig zu überprüfen.

Und ja, natürlich: Es ging mir wirklich der Arsch auf Grundeis. Meine Diagnose hätte „Liebeskummer“ gelautet. Aber wie man das Kind nennt, ist eigentlich hackenkackenscheissegal, so lange man in der Lage ist, es richtig zu schaukeln.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mein Vertrag verlängert werden würde, jetzt nachdem ich sozusagen meine dreijährige Ausbildung zum Berufspatienten mit Bravour bestanden habe (hätte Lust, mir ein Abschlusszeugnis zu schreiben und das an die Wand zu hängen), wäre es ganz nett, einfach noch ein bisschen weiter kuscheln zu dürfen. Andererseits läuft es am 20. August ab und ich weiß, dass die Welt nicht untergehen wird, wenn ich da nicht mehr hindarf. Dann finde ich einen anderen Lösungsweg. Es wäre mir jedoch eine große Hilfe, wenn ich noch etwas Zeit bekäme, mir ein neues Umfeld aufzubauen. Um solche ausgesteuerten Fälle sozusagen beim Wieder-ganz-alleine-klarkommen zu unterstützen, soll eine Selbsthilfegruppe gegründet werden, deren Leitung ich gerne und notfalls auch ohne Entgelt übernehmen würde. Die Entscheidung, wie sehr bei mir die Kacke gerade am Dampfen ist, darf zum Glück meine Ärztin treffen und nicht ich. Komisch, dabei können Psychiater_innen doch gar keine Gedanken lesen. Woher die wohl wissen will, wie es mir geht? Liest die etwa mein Blog?

Naja, jedenfalls wollte ich ein Lebenszeichen von mir geben, nachdem sicherlich einigen aufgefallen sein dürfte, dass es freitags keinen Blogbeitrag gab. Aber vielleicht ist es ja doch keinem aufgefallen. Auf manche Fragen werde ich nie Antworten bekommen und auch das werde ich lernen, (noch) besser auszuhalten. Allerdings werde ich häufiger nachfragen, um zumindestens alles versucht zu haben, an Anworten zu gelangen – solange dies noch realistisch ist.

Ich freue mich auch schon ganz dolle auf die Studie zur MKT-Forschung, bei der ich ab September mitmachen darf. Aber damit ihr nicht zuviel zu lesen habt und weil ich auch jetzt erstmal genug vom Stapel (endlich ist es wieder ein geordneter Stapel und kein ausgekippter Papierkorb!) rausgelassen habe und noch anderes tun möchte heute, mache ich an dieser Stelle mal einen Punkt.


Denk an die Amnesie für das heutige Gespräch. Diktat Ende.

(Mein Lieblingsleser)

Ist erledigt, Chef! Und im Übrigen: Danke gleichfalls. :)))


An meinen Fan Nr. 1:

Ich glaube, so ganz ohne Schubladen werde ich nie auskommen, aber ich kann Unordnung zunehmend besser vertragen. Dein Buch, das ich von Dir ausgeliehen habe, habe ich mir in die Wiedervorlage für Oktober gelegt zusammen mit einem, das ich Dir zur Lektüre anbieten möchte. Hoffe, wir sehen uns dann spätestens dort.


PS:

Mir ist noch wichtig zu erwähnen, dass ich ohne Bedarfsmedikation ausgekommen bin – weil ich keinen Bedarf an Psychopharma hatte, sondern einfach an menschlicher Zuwendung in Form einer Schulter zum Ausheulen – und weil ich das dort durfte, ist die Krisenpension für mich auch eine waschechte Soteria – auch wenn da Psychologen mitspielen dürfen. So eng sehe ich das nicht mehr, habe ja keine Angst mehr vor ihnen dank den bloggenden Kolleg_innen.

Punkt.

Die Karte habe ich mir übrigens selbst gekauft, ohne groß drüber nachzudenken, einfach aus einem Impuls heraus, und habe sie heute in meinem Posteingang gefunden, war schon etwas abgesoffen, habe mich aber sehr über diese Aufmerksamkeit gefreut.

Punkt, zum Dritten. *seufz

Wer liebt, muss auch loslassen können.

(Muss wer Schlaues gesagt haben)

Also: Schluss, aus, ab die Post. Gute Reise, liebe Blogpost… bis bald in alter Frische und auf jeden Fall ein Wiederlesen – Ende, Aus, Cut. STOP!

Peers: Experten aus Erfahrung

Wenn Du heute aufgibst, wirst Du niemals erfahren, ob Du es morgen geschafft hättest.

(Im Netz aufgeschnappt)

27. Juli 2016

Seit drei Jahren interessiere ich mich für die Ausbildung zum Genesungsbegleiter, genauer die EX-IN-Ausbildung am UKE in Hamburg, um wieder ins Erwerbsleben einzusteigen.

2014 habe ich mich passiv verhalten und nur ab und an auf der Homepage nachgesehen, ob diese aktualisiert werden würde, weil dort nur der Bewerbungsschluss 30.04.2013 angegeben war. Es tat sich nichts; ich tat nichts.

2015 wurde ich aktiv, reichte meine Bewerbung ein und wurde sogar zum Gespräch eingeladen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass es an mir liegen würde, ob ich die Ausbildung denn auch machen wolle. Aufgrund etlicher Zweifel und auch meiner Unfähigkeit, eine mich selbst überzeugende Absichtserklärung zu verfassen, zog ich meine Bewerbung zurück. Ein halbes Jahr später hätte ich mich in den Hintern beißen können, weil ich gekniffen hatte. Dennoch hat mir dieses Jahr sehr gut getan.

2016 habe ich mich erneut beworben und war sogar zu spät zum Vorstellungsgespräch. Aber ich war da und sogar rasiert. Zu meinem eigenen Erstaunen war ich gar nicht dermaßen aufgeregt, dass ich in der Nacht davor nicht hätte schlafen können. Auch angesichts meiner Verspätung konnte ich gelassen bleiben.

Inzwischen habe ich die Zusage erhalten und meinerseits auch zugesagt. Es ist also wirklich wahr und ich habe etwas erreicht, zu dem mir schon gratuliert wurde. Mich selbst auch für mich zu freuen wage ich immer noch nicht.

Um mich auf das kommende Jahr einzustimmen, habe ich Vom Erfahrenen zum Experten gelesen, eine Gemeinschaftsarbeit von Jörg Utschakowski, Gyöngyvér Sielaff und Thomas Bock (Hg.). Es erklärt zunächst, worum es sich bei Peerarbeit überhaupt handelt, beschreibt, wie die Ausbildung zum Genesungsbegleiter konzipiert ist, wie sie entstanden ist und wohin dies führen könnte. Der Untertitel lautet treffenderweise: Wie Peers die Psychiatrie verändern.

Besonders aufschlussreich fand ich die Erläuterung, dass Peerberater, deren Lebenswelt sich zu sehr von denen anderer Peers unterscheidet, gar nicht als Peers angenommen werden. Zitat:

Beispielsweise wurden Peers, die in langjährigen stabilen Partnerschaften lebten oder finanziell gut abgesichert waren, von Teilnehmenden in Wohnheimen als fremd und damit nur bedingt als Mutmacher erlebt. Im Gegenteil kann sogar die Haltung entstehen: „Ja, manche können es schaffen, solche wie ihr, aber für uns ist das unerreichbar.“

Das ist mir leider auch schon einige Male passiert, dass Menschen mich als Einzelfall wahrnahmen und mir zwar auf die Schulter klopften, für sich selbst aber ähnliche Erfolge kategorisch ausschlossen. Ich finde das jedes Mal jammerschade, bin dann aber offenbar nicht der geeignete Ansprechpartner.

Es beruhigt mich alleine schon zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, dem das passiert. Weiterhin begreife ich es jetzt nicht mehr als mein persönliches Versagen.

Weiter heißt es:

Peers können durch ein solches Feedback in die schwierige Situation geraten, dass sie ihre eigene Entwicklung zu verheimlichen suchen, vergangene Krisen besonders betonen oder aktuelle Schwierigkeiten sogar „erfinden“.

Einige Male habe ich mich schon dafür geschämt, dass es mir vergleichsweise gut ging. Es kann sein, dass ich dadurch auch mal den Fokus aufs das Positive verloren habe.

Ich bin sehr gespannt, wie nun mein weiterer Entwicklungsweg sein wird und freue mich auf die kommende Zeit und den Austausch mit meinen künftigen Kolleg_innen.

Um mich auch für eine spätere Tätigkeit bei einem psychosozialen Träger gerüstet zu fühlen, lese ich zur Zeit Mit Peers arbeiten von Jörg Utschakowski, das sich als Leitfaden für die Beschäftigung von Experten aus Erfahrung eigentlich an Arbeitgeber richtet, aber die Rolle der Genesungsbegleiter sehr klar definiert, was für mich persönlich immer sehr wichtig ist.

Viele Arbeitgeber oder Vorgesetzte schaffen es leider nicht, Arbeitsplätze präzise zu beschreiben und klar von denen anderer Mitarbeiter abzugrenzen. Dadurch entstehen Über- oder Unterforderung, was psychische Erkrankungen forciert. Daher finde ich es prima, dass es in diesem Fall ein Buch gibt, in dem ich das nachlesen und auf das ich bei etwaigen Differenzen verweisen kann.

Es gibt übrigens auch eine Festschrift zum zehnjährigen Jubiläum: pdf-Download

 

Meine Marke als Nichtraucher

Meine Marke als Nichtraucher

Am 16.12.2010 habe ich meine letzte Zigarette geraucht.

Eigentlich keine große Sache. Einmal den Entschluss gefasst und fertig, Finger davon gelassen.

Aber bis ich dahin kam, habe ich fünf Jahre versucht aufzuhören. Immer wieder. Mit verschiedenen Methoden. Unter anderem habe ich Strichlisten geführt und festgestellt, dass die Schmerzgrenze nach unten bei 10 Stück am Tag lag, während ich auch gut zwei Bigpacks schaffen konnte. Ein Bigpack pro Tag habe ich üblicherweise an einem Arbeitstag geraucht. Das war ein Gegenwert von etwa 5 Euro.

Den größten Erfolg hatte ich, als ich mit der Schlusspunkt-Methode (Silvester) für ein Dreivierteljahr ausgesetzt hatte. Mitten in einem Raucherhaushalt. War mir ganz egal, ich wollte einfach nicht mehr. Bis ich an so einen Punkt kam, an dem mir alles scheißegal war. Da fing ich wieder an und alles Durchhalten bis dahin war vergebens.

Insgesamt habe ich acht Jahre geraucht. Ich bin also schon weitaus länger Nichtraucher als Raucher, aber noch nicht so besonders lange Ex-Raucher.

Und ich finde die Vorstellung ganz nett, dass es auch für mich als ehemaligen Raucher Plakatwerbung gibt, die mit Imageübertragung arbeitet, so wie seinerzeit die mit den Cowboys. Nichtrauchen sollte ultracool und erstrebenswert sein. Für meine Lunge ist es jedenfalls ein Segen.

Einmal war ich an der Grenze zum Asthma, bekam sogar ein Asthmaspray verordnet, weil meine Werte derart schlecht waren. Es hatten sich Stress, Hausstaubmilbenallergie sowie Heuschnupfen gemeinsam mit Bewegungsmangel und Übergewicht gegen meine geteerte Lunge verschworen.

Tatsächlich habe ich eine Kampagne gefunden, aber eine aus Südafrika, die sich gegen Alkoholmissbrauch ausspricht: You decide

Die Frage, ob man seinen eigenen Weg geht, ist meiner Meinung nach eine der hilfreichsten, wenn man seine Gewohnheiten hinterfragen möchte. Das Treffen einer bewussten Entscheidung für oder gegen einen Konsum kann auf jeden Fall dazu beitragen, Nichtraucher zu werden und ich kann einfach nur hoffen, dass diese Plakatserie viele Menschen dazu animiert, das Rauchen aufzugeben.

Geplant ist dies von den Initiatoren natürlich nicht, denn diese Werbung stammt von der Tabakindustrie, wie ich hier gelesen habe: YOU DECIDE. YOU DIE.

Über mein eigenes Schlüsselerlebnis hatte ich damals frisch gebloggt, bevor ich wissen konnte, dass dies von Erfolg gekrönt sein würde: Nichtraucher

Bist Du noch krank oder schon verrentet?

Freitag, 24. Juni 16

Hallo ihr Lieben,

ich versuche, etwas mehr Transparenz zu schaffen (hinsichtlich Sonjas Frage, wie ich das alles schaffe) und jeweils den Tag dazuzuschreiben, an dem ich schreibe. Ich fange jetzt um elf Uhr abends an und habe mir ein Zeitfenster von drei Stunden gesetzt, nach dem mein Handy mich daran erinnert, auch mal eine Pause bzw. Feierabend zu machen.

Damit ich das dann auch höre – weil ich Kopfhörer aufsetzen und Musik hören muss, um mich hier (siehe )auf überhaupt irgendetwas konzentrieren zu können – höre ich die Musik vom Handy. Natürlich habe ich Ruhemodus eingeschaltet und zudem draußen an meine Bürotür das Bitte-nicht-stören-Schild (wie im Hotel rot, andere Seite grün: Bitte aufräumen) gehängt.

Übrigens habe ich jetzt drei Tabs auf, um dem neuen Konzept folgend zwischen gestern, heute und morgen springen zu können.

Soviel zur äußeren Ordnung. Los geht’s mit der Gegenwartsbewältigung.

Montag.

Nachdem wir am Wochenende zur Familienaufstellung für Schwule (Thema: Sexualität und Beziehung)  in der Akademie Waldschlösschen bei Göttingen waren, fing die Woche eigentlich recht gechillt an. Ausschlafen, Bilder aufhängen, Belege für die Steuer zu Ende raussuchen. Meine 3 TO DOs für den Tag. Alle erledigt und den Rest erfolgreich vertagt.

An der Aufstellung selbst hatte ich absichtlich nicht teilgenommen, weil ich bereits total reizüberflutet war und einfach nur Ruhe und nach zwei schlaflosen Nächten einfach nur noch schlafen wollte. Ich habe es sehr genossen, durch die Nennung meiner Diagnose von dem Leiter der Veranstaltung davon befreit zu werden, in seinem Setting Klient sein zu müssen.

Davor war ich nie auf die Idee gekommen, dass diese Diagnose mich auch einmal schützen könnte – bisher hatte ich es nur als Bedrohung erlebt, weil ich davon ausging, wenn man erstmal weiß, dass ich offiziell für plem erklärt worden bin, sei dies ein Freifahrtschein dafür, mir Gewalt anzutun.

Der veranstaltungsleitende Therapeut bestätigte mir die Einschätzung meiner Begleiter bei der Integrierten Versorgung, dass das Risiko einer Retraumatisierung bei einer Teilnahme jetzt viel zu hoch wäre und er wollte das Risiko daher nicht übernehmen. Das deckte sich mit meiner eigenen Einschätzung meiner Verfassung. Weiterlesen

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