Forenjunkie

Forenjunkie

Zur Zeit schreibe ich für meinen Wochenplan mit, was ich die ganze Zeit so mache. Und da taucht erschreckend häufig das Forum auf.

Ich setze mich an den Computer, eigentlich um zu schreiben, schaue aber zuerst im Forum nach, ob es da etwas Neues gibt. Leider gibt es da oft genug etwas zu lesen, manchmal fühle ich mich dann auch berufen, zu kommentieren. Vergessen ist mein ursprüngliches Vorhaben.

Es kann dann sein, dass ich zwei Stunden im Forum unterwegs bin und merke, wie meine Konzentration nachlässt. Dann schmeiße ich mich erstmal vor den Fernseher und brauche dann auch so ein bis zwei Stunden, bis ich wieder so weit bin. Es ist also mal eben vier Stunden später. Das ist natürlich sehr ärgerlich.

Warum also rufe ich das Forum auf, obwohl ich eigentlich an meinem Roman arbeiten will? Eigentlich will ich nur schnell nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Ob sie auch ohne mich zurecht kommen. Wie bescheuert ist das denn? Das liegt doch nicht in meiner Verantwortung und was auch immer wäre, hätte Zeit, bis ich wieder eine Pause mache.

Ich bin froh, dass es ein recht kleines Forum ist und ich gleich am Anfang gelernt habe, dass ich es dort nicht schaffe, alles zu lesen. Trotzdem, ich picke mir bevorzugt den Nonsens raus, die Themen, in denen am ehesten die Stimmung aufzufangen ist. Inhaltlich eigentlich das Zeug, was am ehesten rausfliegt, wenn man die Lektüre an sein Zeitbudget anpassen will.

Am liebsten bin ich im Chat, aber da habe ich schon gelernt, dass ich nicht reindarf, wenn ich noch nicht fertig bin mit Schreiben, weil es sich ruckzuck wandeln kann und plötzlich ist man in einem lebhaften Austausch und nicht mehr im Abstand von zwanzig Minuten eine Zeile.

Flugzeugmodus, jaja. Aber ich schaue ja sogar abends im Bett per Handy noch schnell im Forum nach. Das muss ich mir echt abgewöhnen.

Ich glaube, wonach ich so giere, ist einfach sozialer Kontakt. Ich sitze hier im Prinzip den ganzen Tag alleine rum und brauche einfach Leute, mit denen ich quatschen kann und je drängender das Bedürfnis, desto egaler ist mir auch mit wem oder worüber ich reden kann.

Wenn mein Ehemann nicht ausgerechnet einen Beruf hätte, wo er den ganzen Tag mit Leuten reden muss, hätte der abends auch sicher noch Energie für ein Gespräch mit mir. Das würde auch nicht ganz reichen, die Lage aber erheblich verbessern.

Tatsächlich habe ich auch schon darüber nachgedacht, mutwillig Einrichtungen aufzusuchen, in denen man anderen Menschen begegnet und an besonders verzweifelten Tagen habe ich das auch schon getan, aber für den Alltag erscheint mir das unklug, weil ich ja dann erst recht keine Zeit mehr zum Schreiben habe. Und, ehrlich gesagt, so oberflächlichen Smalltalk kann ich auch in einem x-beliebigen Chat haben.

Vielleicht wäre so ein Mietbüro eine gute Idee, um etwas disziplinierter an die Arbeit zu gehen. Aber zum einen erscheint mir das etwas übertrieben für die eine Stunde Schreibarbeit pro Tag, über die ich mich bereits freuen würde und zum anderen: Wer sagt mir, dass ich dann nicht von dort aus das Forum aufsuche?

 

Seiten bei Facebook

Seiten bei Facebook

Ich habe nun die Erfahrung gemacht, dass ich bei Seiten, die ich abonniert habe, manchmal nur sehr wenig angezeigt bekomme, obwohl sehr viel mehr hätte da sein müssen. Als wenn man da nur sehr kurz runterscrollen kann, wenn ihr versteht, was ich meine. Da scheinen Beiträge zu fehlen, wenn man nicht rechtzeitig die Seite aufruft.

In der Chronik von Freunden kann man dagegen offenbar unendlich in die Vergangenheit scrollen, auch der Newsfeed gibt schon deutlich mehr her. Zudem habe ich von gewieften Nutzern erfahren, dass die Leute einem lieber als Freund folgen, anstatt Seiten zu abonnieren – vielleicht genau aus den vorgenannten Gründen.

Deshalb habe ich nun entschieden, die Beiträge aus dem Blog direkt in meine Chronik zu schieben und die Seiten nach einer Umstellungsphase zu löschen. Dann kann mich auch keiner wegen des EuGH-Urteils verklagen. ;)

Wenn ich alles richtig gemacht habe, sollte dieser Beitrag schon in der Chronik landen.

Datenschutz in meinem Blog

Bei Frau Papa bin ich auf die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) aufmerksam geworden. Sie überlegt, ihr Blog deshalb zu schließen. Ganz so wild ist es, denke ich nicht. Sie ist, soweit ich das beurteilen kann und wie auch von einem Kommentator angemerkt wurde, eine Privatperson, die nach Art. 2 c) DSGVO vom Geltungsbereich der Verordnung ausgenommen sind. Das trifft auf mich auch zu, solange ich nicht unter die Gewerbetreibenden gehe – das habe ich jedoch in absehbarer Zeit vor. Ich denke jedenfalls, dass ich als Schriftsteller ab einem gewissen Punkt als Unternehmer gelte. (Kia erklärt: Ab 50.000 Euro Umsatz pro Jahr, darunter ist man Kleinunternehmer.)

Deshalb muss ich mich erstmal nicht überschlagen, nur weil das Ding am 28. Mai diesen Jahres inkrafttritt. Schließlich will ja auch die Steuererklärung erledigt werden und anderes. Was ich auf die Schnelle hab erledigen können ist bereits angepasst. Dh der Satz bei der Folge-Aufforderung per eMail ist ergänzt um einen, dass dadurch die E-Mail-Adresse gespeichert wird. Wär ja auch keiner drauf gekommen. Der Facebook-Button ist wieder rausgeflogen, ebenso die auf meiner Seite angezeigten Avatare anderer. Für alles weitere brauche ich noch eine Weile. Wenn ich Glück habe, stellt auch WordPress eine Lösung bereit und ich muss nicht alles von Hand basteln.

Meine Datenschutzerklärung muss ich dann auch noch schreiben. Im Augenblick kann ich gar nicht aus dem Ärmel schütteln, welche Daten bei welcher Gelegenheit gesammelt werden, obwohl ich schon eine Weile recherchiere. Die Cookies, aber den Hinweis darauf habe ich von Anfang an. Bei den Kommentaren wird zum Beispiel auch die IP-Adresse gespeichert. Das ist auch etwas, das ich beibehalten werde, sollte es hinsichtlich des Inhalts des Kommentars einmal strafrechtlich relevant werden. Da sollte dann für den Kommentator eine Checkbox hin, dass er oder sie damit einverstanden ist. Aber wie ich das da hinzaubern kann, das weiß ich noch nicht. Beim Kontaktformular ist es mir schon gelungen.

Hier gibt es eine DSGVO-Checkliste für Blogs, die mir sehr weitergeholfen hat. An deren Ende sind auch Blogs verlinkt, die bereits fertig aufgerüstet sind für die DSGVO und in denen erklärt wird, wie man dies erreichen kann. Auch wenn ich nicht ganz verstanden habe warum, habe ich die automatische Umwandlung von Smilies in Bildchen abgeschafft. Gefällt mir im Schriftbild ohnehin besser. :)

Ein Anwalt erklärt die DSGVO auf deutsch, das finde ich sehr hilfreich. Nun weiß ich auch, dass ich verpflichtet bin, mich selbst anzuzeigen, sollte ich gehackt werden.^^

WordPress kündigt ein Update für Ende April, Anfang Mai an.

Nur eine Minute

»Nur noch eine Minute, Schatz.«

»Eine Minute?« Sie schwieg. Ich wandte mich wieder dem Bildschirm zu und tippte weiter. Nur diese Szene noch, ein letzter Absatz.

»Von wegen eine Minute!« Sie stampfte mit dem Fuß auf. In mir verschmolz ihr Tritt mit dem Trampeln der Pferde, deren Reiter aufeinanderzuhielten und ging dann im Tosen der Menge unter, als einer der Männer den anderen mit der Lanze nur knapp verfehlte.

Ein flüchtiger Blick auf mein Mädchen zeigte mir ihren Schmollmund und die verschränkten Arme. Die erdachte holde Jungfer, um die beide Ritter kämpften, schrie entsetzt auf, da sie um ihren Favoriten bangte.

»Du hast mich gar nicht lieb!« Der Film auf meiner inneren Leinwand erlosch augenblicklich, ich wirbelte herum und sah sie ernst an.

»Andrea, natürlich hab ich Dich lieb.« Ich breitete die Arme aus. Sie sah mich mit einem Stirnrunzeln an. Enttäuscht ließ ich die Arme sinken. »Warum glaubst Du, ich hätte Dich nicht lieb?«

Sie funkelte mich an für ein »Mama hat immer Zeit für mich« und blickte dann zu Boden.

Ich schloss meine Kleine in den Arm.

 

Na, wer hat noch eine Minute? Die ausführliche Version gibt es hier bei den Geschichten.

 

 

Das Gesichtsbuch

Das Gesichtsbuch

So. Jetzt habe ich mich in einem Anfall von „Ich will berühmt werden!“ bei Facebook angemeldet. Schöne Scheiße.

Ich bin einfach völlig überfordert davon. Zu viele Menschen, die mir präsentiert werden, die ich kennen könnte. Zu vieles, das rot ist und um Aufmerksamkeit schreit, zur Kenntnis genommen werden will, Reaktionen einfordert. Zu viele Nachrichten im Feed, zu viele bunte Bilder, zu viele Videos. Von allem zu viel. Wie soll ich da eine Auswahl treffen?

In der Werbung wurden die Möglichkeiten gepriesen, Facebook an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. In den Spots sah auch alles ganz einfach aus. Das ist es aber nicht. Wenn ich einen Beitrag ausblende, wird genau derselbe nochmal angezeigt. Und so vieles ist mir nicht klar, was ich hier oder dort schreibe, wo es dann von wem gelesen werden kann. So kann ich die Konsequenzen meines Tuns überhaupt nicht absehen. Das ist mir zu heiß. Ich habe zwar kein Problem damit, mich zum Narren zu machen, aber ich will meine Freunde nicht kompromittieren mit meinen Verrücktheiten.

Als ich vor Jahren das erste Mal im Gesichtsbuch war, hat sich jemand darüber beschwert, dass ich mich auf seiner Wall als schwul geoutet habe. Diese Anekdote habe ich bei Mitzis Geschichte Stalker wider Willen im Kommentar zum besten gegeben, was im Grunde dasselbe in Grün ist. Ich verstehe einfach nicht, was daran so schlimm sein soll. Wollte der nicht, dass seine Freunde erfahren, dass er einen Schwulen kennt? Ich bin nunmal ich und ich trage das Herz auf der Zunge. Wem ich peinlich bin, der braucht nicht mit mir befreundet sein.

Desweiteren habe ich leider keine Möglichkeit gefunden, Beiträge von meinem Blog aus automatisch auf verschiedene Seiten zu verteilen. Ich bin also gezwungen mich jedes Mal bei FB einzuloggen, um die Beiträge von meinem Blog aus auf meiner dortigen Schriftsteller-Seite zu teilen. Und bei dieser Gelegenheit springt mich dann alles an, das beachtet werden will. Unter diesen scheinbar wichtigen Nachrichten sind dann auch Hinweise darauf, was ich eben gerade selbst geteilt habe. *kopfschüttel

Noch dazu fühle ich mich wie ein Spammer, wenn ich mehrmals am Tag etwas poste, weil mir auch Sachen gefallen, die andere geteilt haben. Wenn ich dann auch noch Leute einladen soll, sich meine Seite anzusehen, komme ich mir vor wie ein Stalker. Ganz am Anfang habe ich versehentlich einen Link an Freunde von Freunden geschickt, weil ich dachte, dass man das halt so macht, wenn man etwas teilt. Dass es noch weitere Möglichkeiten gibt, die Reichweite einzuschränken, ist mir erst danach aufgefallen. Der Effekt dürfte nun der gegenteilige von dem sein, den ich angestrebt hatte.

Deshalb halte ich erstmal weitestgehend Abstand. Falls ich es schaffe, der Neugier zu widerstehen. FB-Freunde zu haben, schafft so ein Gefühl von Verbundenheit, das süchtig macht. Sind es doch Menschen, denen man bereits persönlich begegnet ist. Ein ganz anderes Chatten als mit Fremden, denen gegenüber man seine Anonymität genießt.

Wer meine Seite dort abonnieren will, nur zu. Da landen dann meine Blogbeiträge auf und fertig. Aber bitte nicht wundern, wenn ich monate -oder jahrelang auf nichts reagiere. Aber das kennt ihr ja schon. Einen Versuch wars wert. Ich schau bestimmt nochmal rein, aber nicht allzu häufig.

Euer vom Gesichtsbuch frustrierter Ingo

Verändertes Leseverhalten von Kindern und Erwachsenen

Verändertes Leseverhalten von Kindern und Erwachsenen

Michael Behr hatte ja neulich von den Kinderbüchern berichtet, die künftig mit gekürzten Texten erscheinen werden aufgrund der veränderten Lesegewohnheiten der Kinder. Meine These war gewesen, dass der Apfel nicht weit vom Birnbaum fällt und die Eltern ihre Lesegewohnheiten durch das Netz ja auch schon verändert haben. Karl Olsberg meinte sogar vor einigen Jahren, dass die Leute bald keine Bücher mehr lesen würden, nur noch Kurzgeschichten. (Ich glaube ja, er wollte mich trösten, weil ich damals glaubte, keinen Roman, sondern nur Kurzgeschichten schreiben zu können.)

Aber vielleicht kommt ja der Fortsetzungsroman ganz neu in Mode, in gut verdaulichen Häppchen als Textnachricht per WhatsApp und gleich vorgelesen als Audio hinterher, das Mini-Hörbuch. Lässt sich auch supereasy weiterverschicken ans gesamte Telefonbuch. Nur wie kriegen wir das nun monetarisiert?

Vielleicht müssen wir mit der Zeit gehen und eine SMS-Geschichten-App entwickeln. Die verbinden wir dann mit unseren Blogs und können so unsere erlauchten hochbezahlten Gedanken bequem an den interessierten Handyjunkie bringen. Auf Klebezetteln – auch darüber tauschte ich mich neulich hier aus, kann ich mir das Vorhaben allerdings nicht gut vorstellen; das wäre völlig unwirtschaftlich und auch nicht umweltschonend.
Mir sind aber auch schon diese bei WhatsApp kursierenden Videos aufgefallen, die kleine Geschichten erzählen. Vielleicht ist das die künftig dominierende Erzählform von Geschichten.

Übrigens, habt ihr mal einen Blick in Richtung der Spieleautoren geworfen? Da hat sich sehr viel rasanter sehr viel mehr verändert. Und auch da gibt es immer noch die Brettspiele, egal ob auf dem Handy in der U-Bahn gezockt wird.

Zeit zum Spielen ebenso wie zum Lesen von Büchern muss man sich nehmen. Ich will wieder mehr Romane lesen und werde dafür weniger Zeit in Blogs und Foren verbringen. Und ich werde selektiver lesen, nicht mehr jeden einzelnen Beitrag. Das ist gar nicht immer so einfach, weil mich vieles reizt. Aber von der Masse bin ich einfach erschlagen und irgendwo muss einfach Schluss sein.

Der Vorfall vom 18.2. (I can tell #metoo)

Heute vor 12 Jahren wurde ich in meiner eigenen Wohnung Opfer eines Raubüberfalls. Es war eine Beziehungstat, nachdem ich eine Beziehung beendet hatte, die sich hatte entwickeln können, weil ich nicht in der Lage war, rechtzeitig NEIN zu sagen.

Es war CSD gewesen, ich war auf einen One-Night-Stand aus gewesen. Wie das außerhalb des BDSM-Bereichs unter Heten üblich ist, gab es keine klaren Absprachen, einfach rin in die Kiste und probieren, was geht. Am nächsten Morgen bekam ich einen Heiratsantrag, hallelujah!

„Du bist meine Traumfrau!“ *möööööööööp! Pulleralarm!

Dieses Wort Traumfrau hat sich mit der Zeit zu einem Trigger entwickelt.

Da ich das aber irgendwie süß fand – ich meine, ich hatte ja noch die Hupen und so – und ich Mitleid hatte, habe ich an der Stelle nicht klipp und klar zur Tür gewiesen. Ich wollte ihm nicht weh tun. Schonmal zwei falsche Gründe, mit einem Mann was anzufangen, aber ich war jung und naiv und er war so nett leicht zu begeistern mit seinen bescheidenen Träumen.

Als er mich bei yahoo hinzufügen wollte, ging das nicht. Ich hatte ihn auf der blacklist!!! Das bedeutet, der ist mir im Netz bereits als absolutes NOGO aufgefallen, als er versucht hatte, mich über den Messenger zu daten. Was das angeht, kann ich mich wirklich auf meine Intuition hundertpro verlassen, im Netz habe ich immer sofort die Arschgeigen ausgefiltert. Die Typen, die ich hatte, waren alle schwer in Ordnung und konnten bis auf einen ihr Glück nicht fassen. Und bei dem hat sowas von Mega-Alarm gebrüllt, aber ich habe ihn ignoriert, weil ich ihm gefallen wollte.

Um das nur kurz zu skizzieren: Über ein halbes Jahr hinweg hat es sich so entwickelt, dass sich zunächst zeigte, dass er nicht nur lammfromm und ein bisschen dümmlicher Schuljunge sein konnte, sondern auch sehr leicht aufbrausend und brutal – ohne allerdings je handgreiflich zu werden. Es wechselte für mich unberechenbar und ich bekam Angst vor ihm. Die steigerte sich derart, dass ich, als mir längst klar war, dass ich das Ganze dringend beenden muss, nicht mehr lange aushalte, viel zu viel Angst vor seiner Reaktion darauf hatte.

Das ganze komplizierte sich noch durch meine BDSM-Neigung, die bei ihm etwas antriggerte, was später vor Gericht relevant wurde. Er heulte wie ein Schloßhund auf der Anklagebank und bekam am Ende zwei Jahre auf Bewährung, dafür dass er mich dillettantisch gefesselt, beraubt und mich sowie andere bedroht und gestalkt hat. Ich selbst habe mich noch dafür stark gemacht, dass der arme Junge in die Psychiatrie kommt und nicht wieder in den Knast, was mir einen Rüffel des Richters einbrachte, der mich ohnehin viel zu gefasst fand. Dabei hatte ich eine derartige Angst, dass ich mich ein halbes Jahr nicht in meine Wohnung gewagt habe und bei einem Messie (!!!) Unterschlupf suchte, weil ich niemandem anders mehr vertrauen konnte.

Um den Mist und vor allem das ganze Nachspiel mit Polizei, Anwalt, Weisser Ring, Psychologinnen, Gericht zu verdauen, habe ich I can tell geschrieben, damit den Englischkurs in Verlegenheit gebracht und es später ins Deutsche übertragen: Über das Danach.

Heute frage ich mich natürlich, ob ich das zur Feier des Tages mal mit meinem Therapeuten besprechen sollte. Eigentlich juckt es mich nicht mehr wirklich, schon lange nicht mehr, aber vielleicht ist genau das der Grund, warum ich das überhaupt mal besprechen kann, ohne dabei auf 180 zu kommen. Und wer weiß, was alles damit zusammenhängt.

Das ist mein Beitrag zur #metoo-Bewegung: Sexuell belästigt wurde ich an meinem Arbeitsplatz in der Küche während meiner Kochlehre. Da wurde mir von den (marrokkanischen) Spülern völlig selbstverständlich an die Brüste gegrabscht. Die fanden das lustig und waren der Überzeugung, das Recht dazu zu haben. Als es mir zu bunt wurde, bekam einer von ihnen vor den anderen mein Knie in die Eier und dann hatte ich meine Ruhe. Der heute sich jährende Vorfall fühlte sich für mich an wie eine Vergewaltigung, auch wenn keine stattfand. Ich habe die Geschichte erzählt, um aufzuzeigen, wie wichtig es ist, dass man sich möglichst früh zur Wehr setzt und unmissverständlich Grenzen aufzeigt.

Mein Wort zum Ostersonntag

Mein Wort zum Ostersonntag

Liebe Gemeinde, Männer und Frauen, Menschen, Suchende und Erfahrene, treue Schafe und Ungläubige, liebe Lesenden, …

;)

Karfreitag ist der Tag, an dem Jesus am Kreuz starb. Ostern ist das höchste evangelische Fest. Näheres zu den Hintergründen bei schlankmitverstand.

Welche Bedeutung messen die Deutschen dem heute bei all den Schokoeiern- und Hasen noch bei? Und wie wichtig ist dieser Tag für den IS?

Ich traue mich gar nicht mehr, die Nachrichten zu verfolgen, weil ich meine Zuversicht behalten will und ich mich schützen muss vor der immer hitziger werdenden Stimmung im deutschen Sprachraum, die mir sehr zusetzt. Wenn es Hellfühligkeit wirklich geben sollte, trifft das vielleicht auf mich zu.

Ich spüre zur Zeit eine sehr starke spirituelle Kraft, wie auch schon zu Karneval und am Valentinstag. Das kenne ich aus früheren Jahren so nicht. Das hängt vielleicht mit meinem Glauben an eine göttliche Kraft zusammen, die ich erst durch meine Psychose wiedergefunden habe. Früher nannte ich Gott immer eine Krücke, die nutzen dürfe wer will und auf die ich nicht angewiesen sei, weil ich an mich selbst glaubte – ich war Agnostiker, weil mein Wunsch, mir solle ein Penis wachsen, sich nach einem Gebet nicht gleich am nächsten Morgen erfüllt hatte. Nunja, Gott ist ja auch kein Weihnachtsmann, dessen Geschenke durch die Eltern ausgeliefert werden. Kann man ja mal verwechseln.

Dieses Bild mit der Krücke ist sehr hilfreich, da sie mir das Recht zugestanden hat, wenn ich schwach werde, eben doch darauf zurückzugreifen. Und das passierte Mitte 2012, nachdem ich ein halbes Jahr eine zunehmende Angst davor entwickelt hatte, die Welt werde untergehen. Es gab ja sogar Duschgel zu diesem Anlass: AXE Final Edition. Nun interpretiere ich diese Flüchtlingskrise als den Untergang der alten Welt. Es ist wohl der Scheitelpunkt des Übergangs ins Wassermannzeitalter.

Diese folgende Passage im Zitat hatte ich bereits am Karfreitag als des Artikels Woher ich meine eiserne Disziplin nehme verfasst und, nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen hatte, wieder rausgenommen, weil das das eigentlich nicht mehr zum Thema gehört.

(Manchmal gehen die Pferde etwas mit mir durch und ich komme dann von Hölzchen auf Stöckchen.)

Darum jetzt hier, weil das Ding mit der Wahrnehmung und dem Umgang miteinander mich wirklich sehr tief bewegt und mir daher sehr wichtig ist.

So machen das auch Krankengymnasten: Dehnen, bis es wehtut, dann ein bissl doller und wenn man dann weniger dehnt, fühlt es sich schon angenehmer an. Das habe ich nach der Entfernung des Ganglion-Rezidivs gelernt. (Als das das dritte Mal wiederkam, war ich bereits ein mündiger Patient und es hat sich von selbst wieder zurückgezogen.) Eigentlich sollten in den Schulen Transferleistungen gefördert und gefordert werden. Zu meiner Zeit hat das jedenfalls noch geklappt. Und das Ergebnis ist, dass ich so kackfrech bin, auch aus den Fehlern anderer zu lernen. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was es heißt, als Amerikanerin im Iran zu leben, brauche ich nur ein Buch darüber zu lesen. Und wenn ich dann wissen will, wie sich das auf die nächste Generation auswirkt, lese ich das Buch der Tochter. Wenn ich dann mitbekomme, was gerade um mich herum in dieser Welt passiert, kann ich nicht anders, als zu ermahnen: Seid friedlich, Kinders. Gebt euch die Hand, vertragt euch. Hört auf mit diesem verkackten Theaterspielen und schmeißt euer künstliches Gesicht lieber freiwillig weg. Dann werdet ihr mit Erstaunen feststellen, dass der andere ja genau so eine Scheiß-Berührungsangst hat. Und dann ist man auf einmal gar nicht mehr alleine damit, sondern herrlich normal.

Ich möchte wirklich hoffen – sorry Martin – und glaube auch fest daran, dass der Zoller sich geirrt hat (wenn er schon wie ein Holzgliedermessstab heißt…) oder aber anders gesprochen, dass Mutti recht hat und wir das schaffen. Ich bin überzeugt, dass wir alle unseren Teil dazu beitragen können, unsere Energien zu vereinen, anstatt einander zu bekriegen. Es ist auf der makroskopischen Ebene doch genau dasselbe Prinzip wie das, was wir uns selbst antun, wenn wir uns im Wege stehen. Wir müssen diese Flüchtlingskrise als Chance betrachten und den Auftrag annehmen, uns zu verändern – beide Seiten verlieren dabei gleichviel ihrer Identität, wenn sie aufeinander zu gehen und sich miteinander arrangieren. Daraus entsteht etwas Neues und dafür muss das alte Ich sterben – aber es müssen keine Menschen sterben. Sie müssen sich nur weiterentwickeln wollen und nicht auf dem Gestern beharren.

Gute Reise wünsche ich euch, innen wie außen.

Ich bin kein Esoteriker. Diesbezüglich bin  ich eher zweifelnd, also vielleicht Eso-Agnostiker. Ich kann es eben nicht mit Gewissheit ausschließen. Aber ich möchte mir neben der ausschließlichen Interpretation, an Wahnvorstellungen und anderen Krankheitssymptomen gelitten zu haben auch noch eine weitere Erklärungsmöglichkeit offen halten.

Warum man mir diese Diagnose gegeben hat, kann ich inzwischen sehr gut nachvollziehen und bin nicht nur compliant, sondern auch mittlerweile vollkommen einsichtig. Aber eine Diagnose ist eben nur ein Abrechnungsschlüssel für die Krankenkasse, der einem das Recht auf ausgewählte Heilbehandlungen verschafft und da ist nichts weiter dahinter. Mir reicht das nicht als Sinn, also gebe ich mir den selbst. Benefit Finding ist hilfreich, um dieses Kreuz zu tragen. Ein Genesungsweg ist sehr oft leider auch ein Leidensweg, je nachdem, welchen Abschnitt des Weges man betrachtet.

Kommen wir zurück zu dem Mann, der dem gesellschaftlich hierzulande noch akzeptiertesten Glauben nach am Freitag am Kreuz gestorben ist. Heute soll er auferstanden sein. Auch diese Geschichte ist doch nichts weiter als ein Beispiel für das Prinzip, dass jede Krise eine Chance sein kann. Nur sollte man das Ding mit dem Sterben und Auferstehen doch bitte nicht so wörtlich nehmen.

Ich selbst habe das anders gelöst. Ich habe mein Leben in der gesellschaftlichen Rolle einer Frau beendet, um es in der Rolle eines Mannes fortzuführen. Warum? Und warum werden es immer mehr, die ihre angestammten Geschlechtsrollen verlassen? Weil jetzt die Möglichkeit besteht, die früher ohne Internet und ohne offenen Austausch nicht bestand, weil die Informationen sehr viel zähflüssiger und viel verfremdeter ausgetauscht wurden?

Welche Rolle hat eigentlich das Internet heute im Zusammenhang mit unseren Glaubenssätzen? Ist jeder Blogger nicht auch irgendwo ein Prediger, der von seiner Kanzel aus zu seiner Gemeinde spricht? Ich Jesus – Du Jünger? Das wäre doch mal eine lustige Idee für eine Geschichte. Denn tatsächlich erlebt habe ich es ja bereits, dass ich in der Prodromalphase vor meiner Psychose meinem Berufungscoach (Obacht: Studium der christlichen Psychologie) gegenüber am Telefon erwähnte, mich augenblicklich für Jesus zu halten.

Ich war da irgendwie drauf gekommen, weil ich Anfang Januar geboren bin und ich eigentlich für um Weihnachten ausgerechnet war. Weil ich erst viel zu früh rauswollte, wurden wehenhemmende Mittel gegeben mit dem Ergebnis, dass ich dann drei Wochen Verspätung hatte. Tolle Leistung, Herr Doktor. Ihnen habe ich zu verdanken, dass ich jedes Jahr um den Jahreswechsel durch die Hölle gehe, weil sich mein Geburtstrauma wiederholt. Und sich nicht nur auf einen Tag beschränkt, den man vielleicht feiern könnte, sondern über ein Quartal erstreckt. So, Sündenbock gefunden, ganz so wie man das heute üblicherweise macht.

Mein Berufungscoach fand mich da ganz und gar nicht verrückt mit dieser Vision. Und mittlerweile bin ich selbst auch so weit, das einfach etwas freier und nicht so wörtlich zu interpretieren, sondern auf der Sinnebene: Da steht der Messias einfach für einen Menschen, der andere inspiriert. Der sie anführt, ohne sich je als Führungskraft aufgestellt zu haben. Sonst hätte er ja „was richtiges gelernt“ und nicht bloß Zimmermann. Und wenn er ordentlich was auf sich und sein Handwerk gehalten hätte, dann hätte er ja mindestens den Meister gemacht und wäre bei seinem Leisten geblieben wie die Schuster. Stattdessen schult er um auf Hirte.

Na denn, dann mache ich das eben auch und begleite demnächst Menschen auf ihrem Genesungsweg, anstatt weiter die Maschinensprache zu studieren. Hat ja auch nur knapp fünf Jahre gedauert, um das zu kapieren. Das kommt eben davon:

Wer nicht hören will, muss fühlen.

(Meine Mutter)

Amen

;)

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