Abnehmen und Psychopharmaka

In der Abnehmgruppe, die ich zur Zeit besuche, war eine Ärztin zu Gast. Diese hat über die Wirkung der Tabletten gesprochen, die wir nehmen müssen. Medikamente können den Appetit steigern und so zur Zunahme führen oder das Gegenteil bewirken, manche sind dahingehend neutral.

Ich habe unser Flipchart abgeschrieben. Dies stellt natürlich nur eine Auswahl der Medikamente dar, die auf dem Markt sind. Aber vielleicht ist Deins dabei.


Antidepressiva

  • Mirtazapin führt zur Zunahme
  • Sertralin und Citalopram wirken neutral
  • Elontril führt zur Abnahme

Neuroleptika

  • Leponex, Olanzapin, Seroquel, Risperdal führen zur Zunahme
  • Amisulprid wirkt neutral
  • Abilify und Ziprasidon führen zur Abnahme

Phasenprophylaxe

  • Lithium, Valproinsäure führen zur Zunahme
  • Lamotrigin wirkt neutral

Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich vielleicht Lamotrigin vor Lithium ausprobiert. Natürlich hätte ich meine Ärztin gezielt danach fragen können, aber das Gewicht war mir in dem Moment nicht so wichtig. Im Vordergrund stand, dass ich endlich psychisch stabil werden wollte und von Lithium hatte ich viel Gutes gehört.

Vor anderthalb Jahren in der Klinik hatte ich leider Olanzapin vorgezogen, obwohl ich wusste, dass es dick macht. Ich wusste, dass es mir aus der Manie helfen würde. Damit, dass ich fast alles wieder zunehmen würde, hatte ich nicht gerechnet. Rückblickend betrachtet hätte ich damals schon das Lithium nehmen sollen, das man mir angeboten hatte.

Meine Tabletten erhöhen also den Appetit. Das zu wissen, macht den Kampf nicht gerade einfacher, aber ich habe mehr Nachsicht mit mir, wenn ich ihn verliere.

Zweijahresrückblick

Als ich dieses Blog Anfang 2016 gründete, war ich bereits manisch und hatte einen unbändigen Mitteilungsdrang. Aber meine Beiträge waren, einzeln betrachtet, noch eine ganze Weile unauffällig.

Im Mai war ich für eine Nacht in der Klinik, weil ich Geschirr aus dem Fenster geworfen hatte. Ich lag fixiert im Flur in der Notaufnahme. Ab da waren meine Helfer nicht mehr auf meiner Seite, sondern meine Feinde. Meine Manie wurde ab diesem Zeitpunkt sehr anstrengend, weil sie nicht mehr euphorisch war, sondern dysphorisch.

Ich war ständig gereizt, erschöpft und äußerst misstrauisch. Dazu das typisch Getriebene und der Schlafmangel, weil ich vor lauter Anspannung nicht schlafen konnte. Es war eine Frage der Zeit, bis ich wieder psychotisch wurde und das war im August der Fall. Ein Taxifahrer schlug mir mit der Faust ins Gesicht, weil er mich nicht mitnehmen wollte, so irre wie ich war. Ich schenkte einem Bettler tausend Euro, einfach so. Warum ich soviel Geld überhaupt bei mir hatte, weiß ich nicht mehr.

Ich bedrohte einen anderen Taxifahrer, weil ich einfach mitten an einer Fussgängerinsel mit Gepäck einstieg und in einem fort plapperte, darunter faselte ich etwas davon, ich könnte mich nicht erinnern, ob dieser Koffer der mit der Bombe sei oder der andere. Das zog eine Anzeige nach sich, die allerdings fallen gelassen wurde, weil ich zu diesem Zeitpunkt krank war, sogar eine AU bei mir gehabt hatte.

Mein Ehemann brachte mich ins Krankenhaus. Ich verbrachte zwei Wochen gegen meinen Willen in Hamburg in der Klinik, setzte aber danach die Tabletten wieder ab, weil ich der Überzeugung war, sie nicht zu brauchen.

Etwa eine Woche später fand ich mich in Bonn in der Klinik wieder. Unterwegs hatte ich meine Habe an Tankstellentoiletten verteilt und war barfuß. Meinen Laptop und mein Portemonnaie sowie den Umschlag mit knapp 700,- Euro in bar hat die Polizei für mich in der Klinik abgegeben. Psychotisch wie ich war, hatte ich mich selbst in Gefahr gebracht. Diesmal musste ich drei Wochen bleiben und inzwischen war ich auch einsichtig. Meine Mutter stand mir dort zur Seite.

Dieses Jahr hat mir die Krankheitseinsicht überhaupt verschafft. Mich kann keine Hypomanie mehr verlocken, besonders tolle kreative Leistungen zu erbringen und diese Energie nutzen und diesen Zustand genießen zu wollen. Leider bestand ich damals noch auf Olanzapin, weil ich das kannte. Die Klinik hätte mich sonst auf Lithium eingestellt.

Und danach kam die Depression und kaum noch ein Beitrag von mir. Zu Hause verbrachte ich die meiste Zeit im Bett, gefolgt von vor dem Fernseher. Ich schlief über 15 Stunden. Fast alles, was ich abgenommen hatte seit 2014, nahm ich nun wieder zu. Hauptsächlich deshalb, weil ich mich aufgegeben hatte.

Viel mehr belastete mich aber die Spracharmut durch die Neuroleptika. Ich konnte mich an Gesprächen nicht beteiligen, saß nur daneben. Wenn man sich mit einem Gedanken ins Gespräch einklinken will und den richtigen Zeitpunkt nicht findet, dann ist das eine Sache, diesen Gedanken aber gar nicht erst zu haben, eine ganz andere.

Aber ich hatte noch die Erinnerung an denjenigen, der ich eigentlich bin. Sobald ich konnte, reduzierte ich das Olanzapin soweit es ging. Im September begann ich mit Lithium. Der Antriebsmangel war vom einen auf den anderen Tag weg und meine Stimmung fand sich endlich im Normalbereich.

Unsere Ehe hat auch diese große Krise überstanden – auch wenn ich hier schon geschrieben hatte, ich werde mich trennen. Es waren einige Netzwerkgespräche bei der Integrierten Versorgung notwendig, um etliches wieder ins rechte Bild zu rücken. Es gab vieles, das ich gesagt hatte, woran ich mich aber aufgrund der Manie aber nicht erinnern konnte und so habe ich dies auch nie richtigstellen können. Das habe ich dann nachholen können, so gut es ging.

Noch etwas passierte 2016/17: Ich nahm an der EX-IN-Ausbildung teil, was mich in eine gewisse Struktur zwang und an meine Grenzen brachte, aber leider nicht wie erhofft zurück ins Berufsleben. Dazu schaffte ich einfach noch zu wenig und traute mir zu wenig zu. Das bewies mir, dass ich meine Rente zu Recht bekomme.

Tatsächlich verhilft mir die Ausbildung zum Genesungsbegleiter immer noch dazu, gewisse Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich sage mir jedes Mal, dass ich jetzt Berufserfahrung sammle, wodurch ich mich als Patient weniger als Bittsteller fühle. Ehrlich gesagt sehe ich meine Zukunft aber nicht in diesem Beruf, weil ich mich in den Praktika beide Male sehr unwohl gefühlt habe ich meiner Rolle.

Für das kommende Jahr habe ich mir fest vorgenommen, den im November begonnenen Roman zu Ende zu bringen. Erstmal den ersten Entwurf, danach dann die erste Überarbeitung usw. Meine Krankheit tritt darüber hoffentlich etwas in den Hintergrund, zumal ich ja jetzt endlich medikamentös richtig eingestellt bin.

Daneben werde ich weiter abnehmen; ich bin schon fast zehn Kilo los, seit ich im Oktober der Gruppe beigetreten bin. Ich wiege jetzt etwa 125 kg. Mit Sport habe ich auch wieder angefangen. Ich laufe dreimal die Woche zwanzig Minuten auf dem Crosstrainer und zweimal die Woche mache ich Krankengymnastik für meine lädierten Knie. Das möchte ich erstmal so beibehalten, nur etwas aufs Tempo gehen und die Pumpe ein wenig mehr fordern.

Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Scham-Rolle à la Geschlossene

Überrollt von der Scham nach der Manie mache ich mir Gedanken über die Rolle der Scham und schäme mich meiner wieder frisch angefutterten Speckrollen. Superduper Wortspiel und das trotz Tablettenkonsum – oder gerade deshalb wieder möglich?

Nachdem ich bereits im September zwei Wochen mit Beschluss in Hamburg in der Klinik verbracht hatte, blieb mir noch weniger Zeit, um mein Leben in Hamburg wieder zu ordnen. Mein neues tolles Leben, in dem ich endlich wieder erwerbstätig oder zumindest erkennbar auf dem Weg dahin bin. Das Leben, in dem ich Genesungsbegleiter werde. Weiterlesen

Wer zuerst den Kittel an hat, hat recht: Drogenrazzia

So in etwa habe ich es jetzt verstanden. Als gesund gilt, wer schneller dabei ist, den anderen ihre Krankheit nachzuweisen oder auch einzureden.

Heute Am Freitag hatte ich ein sehr aufregendes Erlebnis: Drogenrazzia-Rollenspieltherapie nenne ich es mal. Ich fühlte mich zwangstherapiert, richtiggehend wie ein Schwerverbrecher behandelt und gefilzt – allerdings weniger gründlich, als ich es selbst gemacht hätte.

Der Krankenpfleger hat triumphierend meine Bedarfsmedikation aus meinem Notfall-Kulturbeutel geholt: Zäpfchen gegen Übelkeit, Tabletten gegen Schmerzen und meine 5mg-Olanzapin-Tabletten. Leider will mir das nicht in den Kopf, was daran verwerflich sein soll. Die haben doch xmal mit mir rumdiskutiert und mir das Olanzapin ständig aufschwatzen wollen. Da bin ich doch der erste, der freiwillig drauf verzichtet.

Und die 10mg-Tablette hatte ich am selben Tag vor der Razzia freiwillig abgegeben, nachdem ich sie in einer Hosentasche gefunden hatte. Die hatte man mir hier in der Notaufnahme gegeben für den Fall, dass ich ohne nicht schlafen könne.

Warum werden einem Medikamente aufgezwungen, die einem dann gleich wieder weggenommen werden? Das ist doch zumindest mal absolut unlogisch. Es kann sich lediglich um einen Kontrollfetisch oder -zwang handeln.

Was ist aus der schönen Gutenachtgeschichte von der Begegnung auf Augenhöhe und der einvernehmlichen Behandlungsplanung, vom Mitspracherecht des Patienten geworden?

Wenn die mich nicht auf 4mg Tavor pro Tag hochgejagt hätten, dann hätte ich jetzt nicht das Theater, davon wieder runterkommen zu müssen. Aber es ist natürlich auch einfach, jemandem, der sich nicht daran erinnern kann, dass er schon dreimal 1mg genommen hat, auch noch ein viertes Milligramm zu verabreichen. Für mich fühlt sich das nach Körperverletzung an.

Warum muss man, nachdem ich extra alle Hosentaschen geleert habe, nochmal mit den eigenen Händen da reinfassen? Deutlicher kann man mir nicht misstrauen. Angenommen ich wäre ein Psychotiker, wäre das Gift für die Behandler_in-Patient_in-Beziehung.

Zum Kiosk Schokolade holen darf ich jetzt natürlich nicht. Also nochmal die Nachtschwester nerven. Die ist ja eh wach.

 

 

 

Feuchter Traum mit oder ohne Sch(l)af

Beim Gruppensex ist es irgendwie egal, wer wen lieb hat oder nicht  – Hauptsache am Ende sind alle zufrieden und keiner ist schuld, oder?

Ich mein, den Ärzten ist doch auch egal wie ich das hinkriege, nicht ständig durchzudrehen. Solange ich mir selber ne Gutenachtgeschichte erzähle, dann muss ich dem Arzt ja auch nicht verraten, wie er das geschafft hat. Sonst fällt er nachher noch vom Glauben ab und dann muss ich ihn zwangstherapieren und dat dreht sich dann ewig so im Kreis. Nee, da muss man dann einfach mal nen Schlussstrich ziehen.

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten. Oder eben den Drehtürpatient mimen. Merkt ihr noch was? Is mir hupe. Warum soll ich Pillen fressen, wenn ich mit der Zunge drankomme? Also ehrlich…. das ist doch einfach.

Naja, erklär nem Psychosomatiker mal was von Somatophysik, da versteht der nur Bahnhof. Funktioniert trotzdem. Das ist doch die Hauptsache. Man darf nur seine Ziele nicht aus den Augen verlieren, hat der Herr Doktor gesagt. Und solange alle dasselbe Ziel haben, ist dat auch plötzlich ganz einfach, an einem Strang zu ziehen. Naja, manche haben halt nich so den Überblick, kann ich verstehen.

Soweit mein heutiger Beitrag zu Weltfrieden, Völkerverständigung und Arterhaltung. Aber ficken könnt ihr euch selber, ich kann ja nicht alles alleine machen – sonst komme ich ja nie ins Bett. Klingt paradox? Einfach mal runterfahren. Ich mache das immer so: Erst den Computer runterfahren, dann kann ich mir Zeit lassen. Sonst ist das immer son Wettrennen, wer zuerst in die Heia darf.^^

Ende der Geschichte.

Ich mache, dass ich mich wohl fühle, bis einer STOP sagt!

Ich mache, dass ich mich wohl fühle, bis einer STOP sagt!

Das ist er, der langersehnte Durchbruch in Sachen Genesung. Ich habe es geschafft, Hilfe anzunehmen. Wie ein kleines Mädchen Rotz und Wasser geheult und mich endlich nicht mehr geschämt dafür, sondern ich war einfach nur total dankbar, dass ich es endlich kann und sein darf und man mich nicht zwingt.

An mir ist nichts Bedrohliches. Es gibt keinen Grund, mir Hilfe aufzuzwingen. Ich kann eigentlich alles sehr gut alleine bewältigen, dank meiner „Erziehung zur Selbständigkeit“, die heutzutage sicherlich vielerseits als sträfliche Vernachlässigung betrachtet werden würde. Das ist eine Sicht darauf, die ich zwar nachvollziehen kann, aber nicht vollumfänglich teile. Ich bin sehr dankbar für diesen Erfahrungsschatz, ohne den ich heute nicht ich wäre, sondern jemand anders. Und dieser andere jemand könnte nicht das, was ich kann: Mich an meinem eigenen Haarschopf aus der Scheiße ziehen. Un dieser andere, der ich nicht geworden wäre, wäre sicherlich nicht in der Lage, so hart zu sich zu sein, wie ich das kann und hätte entsprechend sehr viel weniger Potential, erfolgreich zu werden. Und ob der auch so einen unerschütterlichen Glauben an sich selbst und seine Selbstheilungskräfte hätte, das wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

Zurück nochmal: Ich mag es nicht, wenn man mir Hilfe aufzwingt. Ich lasse mich gerne anbinden, vor allem dann, wenn ich Angst vor mir selbst habe. Aber ich lege Wert auf Einvernehmlichkeit. Ich schätze Privatsphäre. Mir ist klar, dass die Notaufnahme eines Krankenhauses nicht der Ort ist, an dem man sein möchte zwecks TPE-Sessions – für solche Zwecke suche ich dafür geeignetere Etablissements auf und das selbstverständlich freiwillig. (Insider verstehen mich.) Ich stehe zwar auf Uniform und kann mittlerweile auch entwürdigende Situationen retrospektivisch erotisieren, aber es ist etwas anderes, ob man Demütigung spielt, oder ob man es tatsächlich erlebt, ausgeliefert zu sein und entwürdigt zu werden. Da muss auch niemand sich großartig irgendwo in Gesetzestexte einlesen, um herauszufinden, wer was darf: In unserem Grundgesetz steht die Würde ganz oben in Artikel 1 .

Es gibt keine Rechtfertigung dafür, jemanden in den Flur zu stellen und ihn da einmachen zu lassen. Vor allem dann nicht, wenn man sehr wohl verstanden hat, was er will. Da kann mir auch keiner erzählen, er habe es nicht besser gewusst und sich daher leider unangemessen verhalten. Ich werde mich beschweren. Definitiv. Noch bin ich unentschlossen, wie und bei wem und welchen Weg ich nutze, aber es wird eine Retourkutsche geben, damit diese Person gerügt wird. Die Eier, mich zu verteidigen, habe ich mittlerweile wiedergefunden und es ist eine Frage der Zeit, bis ich hinreichend Kraft gesammelt habe.

Es wird noch etwas dauern, bis ich das alles verarbeitet habe… aber ich bin wieder voll einsatzfähig, weil ich nun weiß, dass ich meiner Intuition sehr wohl vertrauen darf, dass ich alles richtig gemacht habe, und die anderen sich mir gegenüber falsch verhalten habe. Es liegt nicht in meiner Macht, zu machen, dass andere sich bessern. Also kann ich nur den Täter_innen gute Besserung wünschen.

Wenn nun nicht zufällig mein Genesungsbegleiter mir am Mittwoch diese Hiobsbotschaft überbracht hätte, dass mein Vertrag mit der IV bald (irrtümlich hatte er angenommen am 8.8., meinem zweiten Geburtstag, der sich dieses Jahr zum 8. Mal jährt), dann weiß ich nicht, wie lange meine Angst vor dem geholfen werden noch größer geblieben wäre als der Schmerz, der schon so lange in mir tobt.

Damit man eine Vertragsverlängerung bekommt, muss fachärztlich bestätigt werden, dass man sich in einer akuten Krise befindet und sonst in eine Klinik müsste. Das ist natürlich sehr förderlich in Sachen Krankheitseinsicht. Und auch die Tatsache, dass die Krisenpension immer da ist, wo zuerst jemand um Hilfe gebeten hat, trägt dazu bei. Und da ist es doch eine prima Sache, dass die Krankenkasse jene vor die Tür setzt, die die Hilfe gar nicht mehr so dringend brauchen. So brauche ich mir auch keine Sorge machen, von dieser besonderen Form der Unterstützung abhängig zu werden. Das ist eine runde Sache und somit ist die Integrierte Versorgung (Hamburg Süd) wirklich in jeder Hinsicht zu empfehlen.

Dann schwatze ich den Leuten auch keinen Mist auf, wenn ich später als Genesungsbegleiter davon schwärme. Das war mir sehr wichtig zu überprüfen.

Und ja, natürlich: Es ging mir wirklich der Arsch auf Grundeis. Meine Diagnose hätte „Liebeskummer“ gelautet. Aber wie man das Kind nennt, ist eigentlich hackenkackenscheissegal, so lange man in der Lage ist, es richtig zu schaukeln.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mein Vertrag verlängert werden würde, jetzt nachdem ich sozusagen meine dreijährige Ausbildung zum Berufspatienten mit Bravour bestanden habe (hätte Lust, mir ein Abschlusszeugnis zu schreiben und das an die Wand zu hängen), wäre es ganz nett, einfach noch ein bisschen weiter kuscheln zu dürfen. Andererseits läuft es am 20. August ab und ich weiß, dass die Welt nicht untergehen wird, wenn ich da nicht mehr hindarf. Dann finde ich einen anderen Lösungsweg. Es wäre mir jedoch eine große Hilfe, wenn ich noch etwas Zeit bekäme, mir ein neues Umfeld aufzubauen. Um solche ausgesteuerten Fälle sozusagen beim Wieder-ganz-alleine-klarkommen zu unterstützen, soll eine Selbsthilfegruppe gegründet werden, deren Leitung ich gerne und notfalls auch ohne Entgelt übernehmen würde. Die Entscheidung, wie sehr bei mir die Kacke gerade am Dampfen ist, darf zum Glück meine Ärztin treffen und nicht ich. Komisch, dabei können Psychiater_innen doch gar keine Gedanken lesen. Woher die wohl wissen will, wie es mir geht? Liest die etwa mein Blog?

Naja, jedenfalls wollte ich ein Lebenszeichen von mir geben, nachdem sicherlich einigen aufgefallen sein dürfte, dass es freitags keinen Blogbeitrag gab. Aber vielleicht ist es ja doch keinem aufgefallen. Auf manche Fragen werde ich nie Antworten bekommen und auch das werde ich lernen, (noch) besser auszuhalten. Allerdings werde ich häufiger nachfragen, um zumindestens alles versucht zu haben, an Anworten zu gelangen – solange dies noch realistisch ist.

Ich freue mich auch schon ganz dolle auf die Studie zur MKT-Forschung, bei der ich ab September mitmachen darf. Aber damit ihr nicht zuviel zu lesen habt und weil ich auch jetzt erstmal genug vom Stapel (endlich ist es wieder ein geordneter Stapel und kein ausgekippter Papierkorb!) rausgelassen habe und noch anderes tun möchte heute, mache ich an dieser Stelle mal einen Punkt.


Denk an die Amnesie für das heutige Gespräch. Diktat Ende.

(Mein Lieblingsleser)

Ist erledigt, Chef! Und im Übrigen: Danke gleichfalls. :)))


An meinen Fan Nr. 1:

Ich glaube, so ganz ohne Schubladen werde ich nie auskommen, aber ich kann Unordnung zunehmend besser vertragen. Dein Buch, das ich von Dir ausgeliehen habe, habe ich mir in die Wiedervorlage für Oktober gelegt zusammen mit einem, das ich Dir zur Lektüre anbieten möchte. Hoffe, wir sehen uns dann spätestens dort.


PS:

Mir ist noch wichtig zu erwähnen, dass ich ohne Bedarfsmedikation ausgekommen bin – weil ich keinen Bedarf an Psychopharma hatte, sondern einfach an menschlicher Zuwendung in Form einer Schulter zum Ausheulen – und weil ich das dort durfte, ist die Krisenpension für mich auch eine waschechte Soteria – auch wenn da Psychologen mitspielen dürfen. So eng sehe ich das nicht mehr, habe ja keine Angst mehr vor ihnen dank den bloggenden Kolleg_innen.

Punkt.

Die Karte habe ich mir übrigens selbst gekauft, ohne groß drüber nachzudenken, einfach aus einem Impuls heraus, und habe sie heute in meinem Posteingang gefunden, war schon etwas abgesoffen, habe mich aber sehr über diese Aufmerksamkeit gefreut.

Punkt, zum Dritten. *seufz

Wer liebt, muss auch loslassen können.

(Muss wer Schlaues gesagt haben)

Also: Schluss, aus, ab die Post. Gute Reise, liebe Blogpost… bis bald in alter Frische und auf jeden Fall ein Wiederlesen – Ende, Aus, Cut. STOP!

Hochsensibel und erschöpft? Wie man der Erschöpfung Herr werden kann

Hochsensibel und erschöpft? Wie man der Erschöpfung Herr werden kann

Donnerstag, 30. Juni 16

Ich mag Thomas Bröker von einigen Videos und seiner Homepage her; er ist für mich ein gutes Beispiel eines sensiblen Mannes, der erfolgreich im Leben steht und sich nicht hinter (s)einer Frau versteckt.

Er ist sich seiner Schwäche(n) bewusst und gerade die Tatsache, dass er diese zulassen kann, macht ihn in meinen Augen stark. Er respektiert seine Grenzen und bestätigt mir nochmal meine eigenen Erfahrung: Ich erhole mich rasch, auch wenn ich mich sehr erschöpft fühlte, wenn ich mir rechtzeitig eine Auszeit gönne.

https://www.youtube-nocookie.com/embed/2OOeKNFLlW0

Es fasziniert mich, dass auch Thomas von solchen Situationen beschreibt, in denen er ein Projekt uuunbedingt noch abschließen will. Das kenne ich nur zu gut.

Er kommt gar nicht auf die Idee, seine Erschöpfung als Symptom einer Erkrankung zu interpretieren und „gesund werden“ oder genesen zu wollen, sondern er ist sich völlig darüber im Klaren, dass es an unpassenden weil reizüberflutenden Rahmenbedingungen liegen muss, wenn er chronisch erschöpft ist. Folgerichtig passt(e) er dann diesen Rahmen an sich an und nicht anders herum.

Ich stand immer schon auf Langweiler und was andere so richtig öde finden – im Büro zum Beispiel die Ablage zu machen – dabei blühe ich so richtig auf. Immer wurde mir das Gefühl gegeben, nicht richtig zu sein, so wie ich bin, und das verpaarte sich mit meinem Drang, den Erwartungen anderer gerecht werden zu wollen: Weiterlesen

Bist Du noch krank oder schon verrentet?

Freitag, 24. Juni 16

Hallo ihr Lieben,

ich versuche, etwas mehr Transparenz zu schaffen (hinsichtlich Sonjas Frage, wie ich das alles schaffe) und jeweils den Tag dazuzuschreiben, an dem ich schreibe. Ich fange jetzt um elf Uhr abends an und habe mir ein Zeitfenster von drei Stunden gesetzt, nach dem mein Handy mich daran erinnert, auch mal eine Pause bzw. Feierabend zu machen.

Damit ich das dann auch höre – weil ich Kopfhörer aufsetzen und Musik hören muss, um mich hier (siehe )auf überhaupt irgendetwas konzentrieren zu können – höre ich die Musik vom Handy. Natürlich habe ich Ruhemodus eingeschaltet und zudem draußen an meine Bürotür das Bitte-nicht-stören-Schild (wie im Hotel rot, andere Seite grün: Bitte aufräumen) gehängt.

Übrigens habe ich jetzt drei Tabs auf, um dem neuen Konzept folgend zwischen gestern, heute und morgen springen zu können.

Soviel zur äußeren Ordnung. Los geht’s mit der Gegenwartsbewältigung.

Montag.

Nachdem wir am Wochenende zur Familienaufstellung für Schwule (Thema: Sexualität und Beziehung)  in der Akademie Waldschlösschen bei Göttingen waren, fing die Woche eigentlich recht gechillt an. Ausschlafen, Bilder aufhängen, Belege für die Steuer zu Ende raussuchen. Meine 3 TO DOs für den Tag. Alle erledigt und den Rest erfolgreich vertagt.

An der Aufstellung selbst hatte ich absichtlich nicht teilgenommen, weil ich bereits total reizüberflutet war und einfach nur Ruhe und nach zwei schlaflosen Nächten einfach nur noch schlafen wollte. Ich habe es sehr genossen, durch die Nennung meiner Diagnose von dem Leiter der Veranstaltung davon befreit zu werden, in seinem Setting Klient sein zu müssen.

Davor war ich nie auf die Idee gekommen, dass diese Diagnose mich auch einmal schützen könnte – bisher hatte ich es nur als Bedrohung erlebt, weil ich davon ausging, wenn man erstmal weiß, dass ich offiziell für plem erklärt worden bin, sei dies ein Freifahrtschein dafür, mir Gewalt anzutun.

Der veranstaltungsleitende Therapeut bestätigte mir die Einschätzung meiner Begleiter bei der Integrierten Versorgung, dass das Risiko einer Retraumatisierung bei einer Teilnahme jetzt viel zu hoch wäre und er wollte das Risiko daher nicht übernehmen. Das deckte sich mit meiner eigenen Einschätzung meiner Verfassung. Weiterlesen

Neue Reihe: Wochenrückblick

Diese Reihe eröffne ich, um jeweils nach einer Woche Arbeit an diesem Blog zurückzublicken und zu sehen, wie es mir damit geht und zu überlegen, ob ich etwas anders machen möchte und die Gelegenheit zu nutzen, um auf neue Seiten hinzuweisen.

Jetzt am Anfang – und ich habe gar nicht die ganze Woche mitgeschrieben, sind es sehr viele neue Seiten, die ich euch jetzt über eine Auswahl hinaus nicht alle auflisten und verlinken möchte. Da sage ich lieber pauschal: Guckt mal, es gibt oben im Menü noch andere Menüpunkte.

Noch bin ich dabei, mich zu ordnen und meinen Erfahrungsschatz zu sortieren sowie den Umgang mit der Funktionsweise hier bei WordPress zu üben. Die ungefähre Struktur dessen, was werden wird lässt sich bereits anhand der Menüpunkte und des Wochenplans erahnen. Als Unterpunkt für das Blog habe ich auch die Seite Aktuelle Reihen aufgenommen, damit Neueinsteiger sich besser orientieren können, zu welchen Rubriken die Themen passen, die mich derzeit hauptsächlich beschäftigen.

Mit den Kategorien und Schlagworten bin ich noch sehr dynamisch unterwegs. Aus einigen häufig gebrauchten Schlagworten habe ich Kategorien gemacht, zB bei der 90-Tage-Challenge. Einfach deshalb, weil die Kategorien für mich bequemer zu verwenden sind, weil sie geordneter sind als die Schlagworte. Ich halte allerdings auch die Unterscheidung in Kategorien für die grobe Orientierung zu einem Thema und Schlagworte für Konkreteres für zweckmäßig.

Die gewählten Rubriken sind für mich bisher sehr stimmig, aber der Arbeitsablaufplan, den ich mir gemacht hatte, passte bereits nach zwei Tagen nicht mehr. Als sehr hilfreich hat sich erwiesen, mich von einer Maschine (ja, jetzt habe ich auch ein Streichelfon) an meine Pausen und an den Feierabend erinnern zu lassen. Aber die Zeiten, die ich mir für das Bloggen eingeplant habe, passen nicht zu den Themen, die ich mir für diese Momente vorgenommen habe.

Es funktioniert, Themen passend zu Rubriken zu liefern, aber es funktioniert nicht, dass ich mir zu einem bestimmten Zeitpunkt um ein bestimmtes Thema Gedanken mache. Das ist wohl etwas, wo ich meiner Intuition vertrauen darf und meine Flexibilität dort einsetze, wo es um das Einordnen der spontan entstandenen Themen in diese Rubriken geht.

Ich möchte, wie gesagt, den Blog in erster Linie dazu nutzen, ungehemmt laut vor mich hinzudenken und später darauf hin, dass auf den jeweiligen Seiten im Menü Wissenswertes zu finden ist für Menschen, die Antworten suchen auf Fragen, die ich mir auch schon gestellt habe.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Softwareprojekten wäre es unklug, irgendwann mit einem Tag zu rechnen, an dem alles „fertig“ ist und erst dann damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es wird nach und nach entstehen.

Ich genieße es, die Texte einfach aus mir herausfließen lassen zu dürfen. Es erdet mich bereits das Aufschreiben meiner Gedanken, weil ich mich dadurch ordne. Und es gibt mir eine Rückmeldung, wie kohärent mein Denken gegenwärtig ist.

Diese Selbsteinschätzung ist für mich sehr wichtig, da sich die Zwangseinweisung damals während meiner ersten Psychose und die dortige Medizierung – welche die darauffolgende sehr viel stärkere Psychose und den zweiten Klinikaufenthalt überhaupt erst nach sich zog – auf inkohärentem Denken begründete.

Vor allem deshalb gehört das regelmäßige Tagebuchschreiben, das ich ohnehin seit zehn Jahren betreibe, inzwischen zu meinen bewusst angewandten Selbsthilfestrategien im Sinne einer Prophylaxe, also Krisenvorbeugung, aber auch Krisenentschärfung.

 

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