„Ui, toll!“ will ich hören

„Ui, toll!“ will ich hören

04.07.18

Ich muss feststellen, dass ich immer wieder nach Bestätigung giere und das im Schreib-Forum durch Kollegen und Freunde nicht ausreichend bedient werden kann. Oft habe ich das belächelt, wenn Autoren sich gegenseitig über den grünen Klee lobten für Texte, die das in meinen Augen nicht verdient hatten. Nun sehe ich das anders. Der Mensch braucht lobende Worte, nicht das Werk.

Ich brauche das. Jetzt insbesondere, da ich selbst fast alles von mir Geschriebene miserabel finde oder zumindest immer wieder infrage stelle, ebenso wie mich selbst. Es ist das erste Mal, dass ich einen Roman schreibe und immer wieder vermute ich hinter der nächsten Ecke die bahnbrechende Erkenntnis, die Hammer-Methode, die mir bisher gefehlt hat. Aber für kreativ Schaffende gibt es keine Arbeitsanleitung, nach der man sich Schritt für Schritt richten kann.

Viele lassen sich durch den Schreibprozess begleiten. Ich habe mich dazu einem Forum angeschlossen, andere besuchen Treffen oder nehmen sich einen Coach. Ich frage morgen meine Ärztin, was sie von einer Runde Ergotherapie diesbezüglich hält. Darüber hatte ich schon einmal nachgedacht, fand das dann aber unangemessen, weil ich mich ja nicht so krank fühlte einerseits und anderen nicht auf der Tasche liegen wollte andererseits. Vielleicht wäre ein Coach die Lösung.

05.07.18

Yes! Ich habe eine Verordnung für Ergotherapie bekommen. Meine Ärztin meinte, es gibt zwar Patienten, die sich bespassen lassen durch Behandlung, aber ich habe ja ein Ziel. Eigentlich sogar drei. Das mit dem Schlafen, Essen und Schreiben hinkriegen.

Vielleicht werde ich diesmal nicht nur mit der halben Arschbacke dasitzen. Ich werde Texte auch inhaltlich besprechen können und ich werde auf jeden Fall die Sache mit meinem Therapeuten besprechen können. Vielleicht finde ich Wege, das irgendwie einzurenken, vielleicht bekomme ich auch den Impuls, dass das in diesem Fall eher keinen Sinn hat. Seither hatte ich jedenfalls keinen Bedarf an einem Gespräch mit meinem Psychologen.

Ich hatte mir auch Gedanken darüber gemacht, wie es nach der Aussteuerung bei der Integrierten Versorgung weitergeht. Ich hatte überlegt, ob eine ASP-Maßnahme für mich passend sein könnte. Da habe ich sogar bei einer Einrichtung angerufen und mich nach den Kosten erkundigt. Dabei handelt es sich um eine Art Alltagsbegleitung für psychisch kranke Menschen.

Dann habe ich zum Glück erfahren, dass ich bei der IV auch weiterhin zu Gesprächen kommen kann im Bedarfsfall. Da ist zwar nicht mehr die Notfallversorgung im Angebot, aber Beratungsgespräche. Von denen ich in der Vergangenheit so gut wie keinen Gebrauch gemacht habe. Aber die bevorstehende Veränderung macht mich schon nervös, ich habe dort seit fünf Jahren einen Vertrag, der jetzt ausläuft.

Mit Ergotherapie bin ich aber dann doppelt abgesichert. :))

Meine Kontakte im Schreib-Forum werde ich dann nicht über Gebühr strapazieren müssen mit meinem erhöhten Pflegebedarf. Das wäre mir nämlich echt schade drum. Und mir wird es helfen, den Entwurf runterzuschreiben, wenn ich erstmal tüchtig auf die Schulter geklopft bekomme, ohne dass dies gleich mit Kritik verbunden ist, woraus ich wieder Überarbeitungswünsche ableite.

Roman-Werkstatt

Ich habe am vergangenen Wochenende einen VHS-Kurs namens „Roman-Werkstatt“ bei Kerstin Brockmann besucht. Sie ist Journalistin und leitet ehrenamtlich die Schreibwerkstatt Harburg. Am Ende hatte ich das befriedigende Gefühl, genug über das Schreiben eines Romans zu wissen, um dies tun zu können. Daran hatte ich bisher immer wieder gezweifelt.

Trotz Verspätung bin ich noch gut reingekommen und habe als erstes einen Klappentext runtergeschrieben, den ich mir allerdings schonmal zurechtgelegt hatte, weil ich im Chat mehrmals erklärt hatte, worum es in meinem Buch in der Hauptsache geht.

Als nächstes haben wir Figuren entwickelt. Bei mir ist einer herausgekommen, der gut in eine Komödie gepasst hätte. Irgendwie habe ich die Übung nicht wirklich ernst genommen, da wir zuerst so einen Steckbrief schreiben sollten und sowas mag ich gar nicht. Bei der indirekten Charakterisierung hatte ich dagegen keine Probleme. Diese Figur habe ich dann mitgenommen in die nächste Übung, in der eine vorgegebene Szene umgeschrieben werden sollte.

Das nächste Thema waren Dialoge und da habe ich in der Übung ausgerechnet zwei sehr wortkarge Typen erwischt. Es ging darum, keine Sprecherverben zu benutzen und über die Begleitsätze deutlich zu machen, wer spricht. Das Ergebnis dieser Schreibübung will ich euch nicht vorenthalten:

Als ich die Kneipe betrat, schlug mir der typische feuchte Mief aus abgestandenem Bier und altem Rauch entgegen.

»Moin!«

Als einziger Gast war ich dem Kerl hinterm Tresen nicht entgangen.

»Hast Glück, dass ich schon auf hab.«

Charmanter konne er mir wohl nicht sagen, dass ich ein versoffener Versager war. Ich erklomm meinen Stammplatz an der Theke und sah Kuddel auffordernd an.

Wortlos stellte er mir mein Gaffel vor die Nase und fuhr fort, die Gläser zu polieren.

Sofort nahm ich einen tiefen Zug. »War nix.« Ich starrte auf Kuddels dicken Bauch, über den sich ein T-Shirt mit dem Schriftzug I have the pussy I make the rules spannte. »Schickes Shirt.«

»Danke.«

Ich leerte mein Glas und beäugte weiter die Plauze, die beim Polieren etwas ins Schwabbeln geriet.

»Holger?«

Ich spürte seinen Blick. Noch war ich nicht soweit. Obwohl die Gelegenheit günstig wäre, da der Laden noch nicht brummte. »Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, Kuddel.«

Beim Lesen selbst hilft natürlich auch noch der Zeilenumbruch an der richtigen Stelle, aber dieser Dialog funktioniert auch noch beim Vorlesen.

Das Thema Spannung begann bereits mit dem Titel und für mich überraschend hat auch ein für mich eher reizloser Titel viele Interessenten gefunden. Der persönliche Geschmack spielt da offensichtlich auch eine große Rolle. So interessieren sich zwanzigjährige Jungs für einen Titel „Andrea“, der uns bis auf eine völlig kalt ließ.

Es gab sehr viele Lesebeispiele zu verschiedenen Techniken, aber bei der Übung habe ich einfach geschrieben, ohne groß das Nachdenken anzufangen und heraus kam, dass ich eine Mischung verschiedener Methoden angewendet hatte. Ich glaube, das ist auch ganz gut so, denn wenn nur ein Merkmal heraussticht, würde mir das wohl beim Lesen auffallen.

Dann kamen wir endlich zu der Frage, wie man das bitteschön alles bis zum Ende durchhalten soll, ohne in den Sack zu hauen. Ich musste feststellen, dass ich auf das meiste schon von selbst gekommen bin:

  • Das Schreiben zum Ritual machen. Dann hat man die Macht der Gewohnheit auf seiner Seite. Wichtig ist, dass man sich erreichbare Ziele steckt. Für Berufstätige kann 1 Seite pro Tag bereits zu viel sein, aber man kann sich auch ein Wochenziel setzen. Vielen hilft es auch, die geschriebenen Wörter zu zählen und zB am NaNoWriMo teilzunehmen.
  • Andere darüber informieren, dass man ein Buch schreibt. In einem Blog darüber berichten, ein Forum aufsuchen … Ich habe sogar eine wöchentliche Teamspeak-Gruppe neben Forum und Chat. Dazu kann ich noch 14tägig die Schreibwerkstatt aufsuchen. Also an Mitstreitern mangelt es mir wahrlich nicht. Die haben mich sogar schon einmal vom Aufgeben abgehalten.
  • Den Bauplan muss man nur im Hinterkopf haben und darf in beliebiger Reihenfolge schreiben. Wer sich vornimmt, von vorne nach hinten zu schreiben, kann daran scheitern.
  • Wenn man Blockaden bekommt, sollte man analysieren warum. Es gibt Leute, die gegen Ende Probleme bekommen, weil sie einfach noch nicht aufhören wollen, an diesem Buch zu schreiben. Andere Probleme kann es geben, wenn einem das Thema oder Figuren zu nah oder zu weit weg sind. Helfen kann, es Alternativen zu schreiben.
  • Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Für mich eher nicht das Problem, auch wenn auch ich mich ablenken lasse, vor allem im Netz. Dennoch: Ich habe oft noch Zeit übrig, wenn ich einfach nicht mehr kann. Ich schaffe nur begrenzte Zeit kognitive Arbeit.
  • Es kann helfen, sich Notizen für die nächste Schreibzeit zu machen, bevor man aufhört. Ich habe in meinem Dokument jede Menge Notizen verteilt an kleinen oder großen Baustellen. Mir hilft das auf jeden Fall beim Wiedereinstieg.

Zum Abschluss ging es darum, einen Verlag zu finden. Also nicht direkt im Rahmen des Kurses. ;) Aber es wurden Wege aufgezeigt. Am raffiniertesten fand ich die Idee, einfach mal eine Buchhandlung aufzusuchen und nach ähnlichen Büchern wie dem eigenen zu suchen und zu schauen, von wem die verlegt worden sind. Auf jeden Fall von einem seriösen Verlag! Ansonsten gibt es in der Wikipedia eine Liste deutschsprachiger Verlage, die allerdings auch bereits erloschene Verlage enthält, dafür auch die Programmschwerpunkte.

Hat man einmal die Zuschussverlage aussortiert, kommt es bei der Verlagsbewerbung wie bei anderen Bewerbungen auch zunächst auf die Form an. Dabei geht es nicht nur um Rechtschreibfehler, sondern auch darum, nicht ungefragt das gesamte Manuskript einzusenden. Normseiten sind auch gern gesehen. Werden ein Exposé und eine Leseprobe erwartet? Dies kann man idR auf der Homepage nachlesen und wo nicht, würde ich persönlich es bevorzugen, dies telefonisch zu erfragen. Und ich rufe wirklich ungern einfach irgendwo an …

Ein Exposé wird im Präsens geschrieben und sollte nicht länger als drei DIN-A4-Seiten sein. Es dient dazu, den Verlag für das Manuskript zu interessieren. Auch das Ende muss mit rein. Für mich ist das Thema Veröffentlichung aber noch in weiter Ferne. Erstmal will ich es überhaupt schaffen, meinen Roman zu schreiben.

 

Noch eine Ergänzung: Zur Zeit läuft in der Schreibkommune eine Artikelserie von mir zu diesem Thema mit vielen Textbeispielen.

„Das können Sie nicht!“

„Das können Sie nicht!“

Mir hat eine Bewegungstherapeutin, als ich in der Psychoedukationsgruppe mein Vorhaben, jetzt einen Roman schreiben zu wollen, äußerte, diesen Satz an den Kopf geknallt. „Wenn Sie ein Buch schreiben wollen, müssen Sie etwas erlebt haben. Und Sie müssen es verarbeitet haben.“

Leider wusste ich nicht, dass das völliger Nonsens ist, und habe mich für vier Jahre ins Bockshorn jagen lassen. Zum einen kannte die Dame mich kaum – sie wusste nur von Psychoseerfahrung und nicht von trans* -,zum anderen verarbeite ich ja gerade durch das Schreiben.

Genausogut hätte sie sagen können: „Sie sind nichts, Sie können nichts, Sie können noch nicht einmal putzen!“ Das wäre vermutlich weniger verheerend gewesen, weil ich natürlich weiß, dass ich putzen kann. (So gehört von einem Vorgesetzten in der Küche während meiner Kochlehre, aber da erwarte ich es auch nicht anders.)

Die Ergotherapeutin war damals übrigens ganz auf meiner Seite, wenn nicht schon Feuer und Flamme. Für sie habe ich immer Kurzgeschichten geschrieben und diese dann mit ihr besprochen. Das hat mir sehr gut getan und Spaß gemacht. Ich hätte große Lust, meinen Roman mit einer Ergotherapeutin zusammen zu schreiben, Kapitel für Kapitel zu besprechen. Davon würde ich sicherlich ungemein profitieren.

Aber da denke ich dann wieder, dass das (vom Eigenanteil abgesehen) die Krankenkasse trägt und ich will der Allgemeinheit nicht auf der Tasche liegen, wenn es mit einem Schreib-Forum auch getan ist. Ich frage mal meinen Therapeuten, was er dazu meint.


 

Und eben ist es mir wieder passiert: Ich bekomme eine Meinung, um die ich nicht gebeten habe. Ich habe im Chat laut darüber nachgedacht, wie ich eine Szene beim Rollenspiel darstellen kann. Es ging mir dabei darum, dass alle Leser etwas damit anfangen können, sowohl RPG-Cracks als auch Menschen, denen diese Art des Zeitvertreibs völlig unbekannt ist.

Was ich im Einzelnen gefragt habe, weiß ich nicht mehr, war aber ausschlaggebend für eine unschöne Unterhaltung, die dann damit endete, dass derjenige nun gar nichts mehr zu meinem Projekt sagen wollte. Ich bin nicht der erste, mit dem er aneinander geraten ist. Er glaubt nun, seine Kritik sei nicht erwünscht, weil sie auf die Planungsebene abzielt. Das ist nicht der Grund.

Er kannte weder Figur noch Szene, unterstellte aber, ich wisse nicht, dass die Darstellung des Charakters im Vordergrund zu stehen habe. Ich bekam das Gefühl, ich hätte keine Ahnung von dem, was ich da tue – jedenfalls schien er wohl davon auszugehen. Leider verwendet er sehr viele akademisch geprägte Fachwörter und wollte mich in eine Fachsimpelei ziehen darüber, was bei der Planung dieser Szene zu beachten sei.

Es handelt sich um einen Schriftsteller, der selbst erst ein Kapitel geschrieben hat und einige Kurzgeschichten. Da ist es schwer, den Eindruck zu gewinnen: „Boah, der hat es echt drauf, so wie er will ich auch schreiben können.“ Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer, Kritik anzunehmen, die auf meine Arbeitsweise abzielt und sich nicht auf meinen Text beschränkt.

Wie ich arbeite, passe ich an, sobald ich die Erfahrung mache, dass das für mich Vorteile bringt, etwas zu ändern. Wenn ich selbst mit meiner Arbeitsweise nicht zurechtkomme. Aber ich möchte mir nicht sagen lassen, wie ich zu arbeiten habe. Bisher plane ich keine Szenen. Meine Kurzgeschichten habe ich bis auf eine Ausnahme auch nicht geplant. Es würde mir auch niemals Spaß machen und das ist offensichtlich der gravierende Unterschied zwischen besagtem Herrn und mir.

Den Spaß werde ich mir nicht verderben lassen und dazu muss ich eben an der richtigen Stelle die Ohren auf Durchzug stellen.

Update: Er hat sich entschuldigt, noch bevor ich die Worte gefunden hatte, ihm zu erklären, dass mir seine Kritik nicht jederzeit willkommen ist, sondern nur dann, wenn ich um Feedback bitte. Er kam von selbst drauf. Ich bin sehr froh, dass er sich wieder eingekriegt hat.

Ich mag den Mann wirklich sehr gerne und er hat mir bisher schon sehr geholfen mit seinem Wissen übers Plotten, seinem Sprachgefühl und der einfühlsamen Art, Rückmeldungen zum Text zu geben. Wäre dem nicht so, hätte ich wohl einfach nur den Kopf geschüttelt über so einen Arschgeigerich und mir nichts weiter dabei gedacht.

Die Krankheitensammlerin

Seit langem kein Buch mehr gelesen, das ich dermaßen durchgesuchtet habe! Genau nach so einem Buch hatte ich mich gesehnt. Ich bin doch auch so ein Krankheitensammler, deshalb passte es wirklich wie Arsch auf Eimer. Ich war wirklich begeistert. Vielleicht wurde ich deshalb enttäuscht.

Es störte mich nicht groß, dass die Heldin Dinge tat, die ich selbst nie nicht tun würde. Kurz nach dem Mittelpunkt geschah aber etwas Seltsames: Ich löste mich von der Figur und begann, das Buch mit den Augen eines Schriftstellers zu betrachten und analysierte, wie das Buch aufgebaut war und überlegte, was man anders hätte machen können. Das hätte nicht passieren dürfen.

Es dauerte eine Weile, aber dann dämmerte mir, warum das geschah: Der Humor passte für mich plötzlich nicht mehr. Auf einmal wirkte die Selbstironie der taffen Heldin als wenn die Autorin sich über die Figur lustig machte. Für mich war mit dem Wendepunkt einfach Schluss mit lustig, da hätte das Thema meiner Meinung nach ernster behandelt werden müssen. Ich hätte auch von einem Entwicklungsroman nicht erwartet, dass er als Komödie daherkommt.

Die Veränderung einer Figur geschieht üblicherweise durch zwingende äußere Umstände und nicht aus einer Laune der Figur heraus. Das fand ich hier erfrischend anders, auch wenn ich es erst nicht glauben konnte. Was mir auch sehr gut gefallen hat – Achtung Spoiler! -, war das Erleben der manischen Psychose, was ich als sehr authentisch empfand. Am Anfang findet man noch alles normal, sie hat eben einfach gute Laune und endlich mal den Antrieb, ihr Leben in die Hand zu leben, aber das steigert sich ins Krankhafte und endet natürlich im Krankenhaus. Die Einsicht kommt mir viel zu plötzlich, die Genesung zu kurz. Ich werde es anders machen, aber ob ich es besser kann, weiß ich nicht.

Ich gebe zu, dass ich mir das Buch u. a. zu Recherchezwecken gekauft habe, weil ich mir einen Eindruck davon verschaffen wollte, wie von anderen über psychisch kranke Figuren geschrieben wird. Die Lektüre der Krankheitensammlerin  habe ich dabei gegenüber Depression abzugeben von Uwe Hauck und Mängelexemplar von Sarah Kuttner vorgezogen.

Die Krankheitensammlerin von Kia Kahawa gefällt mir also vergleichsweise gut, trotz meines Genörgels. Ich weiß aber nicht, ob ich es wirklich empfehlen möchte, weil das Bild, das von psychisch Kranken darin gezeichnet wird, nicht gerade schmeichelhaft ist. Weil diese Heldin eben, nunja, in eine Komödie passt. Vielleicht ist es am ehesten etwas für Betroffene, die über sich selbst lachen können – oder eben gerne über andere lachen.

Die Autorin wird am nächsten Freitag zusammen mit anderen in Leipzig lesen: 9 lesen

Sich Zeit lassen

Sich Zeit lassen

Das fällt mir nicht immer leicht, nicht zu hastig zu sein. Das betrifft nicht nur das Schreiben, aber gerade beim Schreiben muss ich mir Zeit lassen. Wenn ich Kritik bekommen habe, muss ich die mit Abstand betrachten. Mein Manuskript muss ich mit Abstand betrachten, wenn ich es verbessern will. Meine gemachten Erfahrungen, vor deren Hintergrund ich schreiben will, dürfen nicht zu frisch sein. Vor allem darf es nicht sofort brandeilig veröffentlicht und Kritik ausgesetzt werden, dann bin ich viel zu nah dran und verletzbar.

Ich hatte geglaubt, wenn ich jetzt ernsthaft anfange mit dem Roman schreiben, dann muss ich aber auch jede freie Minute damit verbringen und schreiben, schreiben, schreiben. Weit gefehlt. Ganz im Gegenteil, ich muss bewusst den inneren Prozessen ihren Raum lassen und auch ihnen Zeit geben.

Es auf nur anderthalb Stunde Arbeit am Roman pro Tag zu bringen fand ich viel zu wenig, ich machte mir noch mehr Druck, bis ich gar keine Freude mehr daran hatte. Ich wollte mich doch unbedingt beeilen und ganz fix diese erste Geschichte fertigschreiben, damit ich sie huschhusch an den Mann oder die Frau bringen kann – dabei ist das überhaupt nicht mein Tempo. Ich muss ein Vielfaches an Wörtern bloggen im Verhältnis zu den rund 250 Wörtern pro Tag, um die ich meinen Entwurf erweitere.

Das bedeutet, ich habe total viel Zeit, um anderes zu tun. Lesen zum Beispiel, aber wirklich Bücher lesen. Das Handbuch für Autoren von Uschtrin zum Beispiel. Die Krankheitensammlerin. Und alle die, die ich dann doch wieder aus der Hand gelegt habe, weil mir anderes wichtiger war. Vor allem die Druckbücher, die  ich noch auf dem Schreibtisch stehen habe, zum Beispiel Verdammt starke Liebe von Lutz van Dijk oder Meine Zeit der Trauer von Joyce Carol Oates. Aber ich glaube, dass die liegen geblieben sind, weil mich das Thema nicht mehr bewegte. Gibt es eine Verpflichtung, Bücher zu Ende zu lesen, nur weil sie gut sind?

Ich kann mir auch mehr Zeit für die einzelnen Blogbeiträge nehmen und sie aufwändiger gestalten. Aber ich kann nur arg schlecht weniger bloggen, dann müsste ich bei sehr viel Schreibdruck wie am 18. Februar der Fall war, meine Mutter oder Freunde extrem bemailen, um alles losgeworden zu sein. Oder ich müsste alles auf Papier schreiben mit der Hand, das ginge auch – langsamer. Und dann habe ich nicht das Gefühl, dass jemand Anteil nimmt. Klar, wem soll ich auch mein Tagebuch in die Hand drücken außer vielleicht meinem Therapeuten.

Kaum war der Druck weg, mich unbedingt beeilen zu müssen, konnte ich plötzlich sehr viel flüssiger schreiben und das mehrere Stunden am Tag, was ich allerdings auch auf meine akute Hypomanie den vergangenen Kreativitätsschub zurückführe.

Und ich habe viel mehr Zeit für Pausen. Die brauche ich auch. In den Pausen arbeite ich dann als Hausmann. Und wenn der Hausmann Pause braucht, bin ich wieder Schriftsteller. Wenn beide Pause brauchen, bin ich Rentner. Ist das nicht toll, so viele Jobs muss ich stemmen. ;)

Foto: Pixabay

Tagebuchgedanken

Tagebuchgedanken

23. Februar 2018

Inzwischen bin ich gut ausgeschlafen und wieder sehr viel ruhiger. Durch die Medireduktion anfälliger geworden, hatte mich der 18. Februar ziemlich getriggert. Ich bekam einen ungemeinen Schreibdruck und machte mir so einige Gedanken, die eigentlich ins Tagebuch gehören. Mit der Hand schreiben wäre vielleicht auch eine Idee gewesen, wenn ich nicht das enorme Bedürfnis gehabt hätte, damit sofort an die Weltöffentlichkeit zu gehen.

Ich habe lange hin und herüberlegt: Gehören solche Tagebuchgedanken, ellenlange Selbstbetrachtungen in dieses Blog? Sollte ich nicht doch besser in meinem Genesungsblog posten, wenn es um meine Krankheit geht? Deshalb landete zwischenzeitlich einiges im Papierkorb.

Dazu kam im Zuge meiner Anmeldung bei Facebook die Frage, was ich für ein Image haben will. Will ich nicht seriöser auftreten? Kauf man Bücher nicht lieber von einem, über den man noch nichts weiß oder nehmen vielmehr Verlage lieber jemanden, aus dessen Leben nicht bereits prekäre Details bekannt sind? Gibt das später, wenn ich mal veröffentlicht habe, einen Shitstorm, der mein doch recht persönliches Blog überrollt? Oder ist es doch genau ein Verkaufsvorteil, dass ich der bin, der ich bin?

Ich bin zum Schluss gekommen, dass jedes Buch seinen Käufer findet, jeder Autor seinen Leser. Die Leute, die mich bisher schätzen, tun das ja auch, weil ich so bin, wie ich bin und nicht anders.

Natürlich könnte ich als Schriftsteller ein eigenes Blog führen, in dem ich nur Schriftsteller bin und nichts Privates von mir preisgebe. Bei Facebook habe ich eine solche Seite erstellt, auf der ich darauf achte, dass es nur ums Schreiben geht und Geschichten teile ich da. Da muss ich ja nicht noch ein extra Blog pflegen, zumal ich hier bei diesem jetzt die neue URL habe. Und ehrlich gesagt finde ich das immer ein bisschen schade, wenn Autoren sich so wenig zeigen. Andersherum könnte ich das wohl auch kaum, ein Image pflegen, bei dem ich ständig darauf achten muss, dass ich mich nicht verplappere.

Weil ich nicht so gerne für die Tonne arbeite, habe ich nun mehrere Beiträge in einem zusammengefasst. Vielleicht kann ja doch jemand davon profitieren. :)

Weiterlesen

Was ist erzählenswert?

Welche Ausschnitte einer Geschichte erzählt man ausführlich und welche kürzt man ab? Klar, die langweiligen, die erzählt man nicht. Die spannenden dagegen baut man aus.

Ein Kollege gab mir dazu den Tipp: „Stell Dir vor, Dein Buch ist fertig und Du hast es gerade in einem Rutsch gelesen – fehlt die Szene dann?“

Damit konnte ich auf Anhieb etwas anfangen und wenn mein Textwertgefühl stimmt, ist das super. Aber was, wenn nicht?

Was ist erzählenswert?
Es soll spannend sein und nicht langweilig, das ist klar. Aber wie trefft ihr, wenn ihr eine Geschichte plant, da die Entscheidung, was in eine Geschichte reingehört und was streicht ihr nachher wieder, weil es doch ein für die Handlung unwichtiger Nebenschauplatz ist?
Ich habe dazu den Hinweis bekommen, dass ich nach meinem Gefühl gehen soll. Leider fühlt sich meist entweder alles supertoll oder alles megascheiße an. ^^

Tja, das habe ich Marcus Johanus von den Schreibdilettanten gefragt und die beiden haben meine Frage tatsächlich aufgegriffen und wie ich finde auch beantwortet. Vielen Dank dafür!

https://www.youtube-nocookie.com/embed/Td3lor22bRE

 

 

Ich darf mitspielen!

Ich hatte mich einem kleinen Schreibforum angeschlossen und nachdem ich gut drei Wochen an drei Aufgaben gearbeitet habe zum Hintergrund des Projekts, der Figurenentwicklung und Zusammenfassungen bin ich nun aufgenommen worden in die Riege derer, die ihre Schreibprojekte in einem geschützten Bereich des Forums bearbeiten. :-D

Ich freue mich, weil ich dort einen Haufen Probeleser versammelt finde, die allesamt selbst an ihren Projekten arbeiten und entsprechend ein anderes Feedback geben können als beispielsweise meine Mutter (no offense).

Meine Mutter findet nämlich alles toll, was ich schreibe. Das ist natürlich super, weil es die Motivation aufrechterhält und das Ego streichelt, aber nicht hilfreich, wenn man einen Text ausarbeitet, der an einen Verlag und letztlich an den Leser verkauft werden soll.

Meine ersten vier Kapitel habe ich schon eingestellt, am fünften arbeite ich noch. Ich gehe davon aus, dass mich diese kleine Leserschaft ausreichend motivieren wird, weiterzumachen. Meine ersten Kurzgeschichten hatte ich allesamt in Foren veröffentlicht und mich sehr an dem „Applaus“ erfreut. Das hat mich motiviert, immer weiterzumachen.

Wenn ich meinen Roman später über einen Verlag (momentan tendiere ich dazu) veröffentlichen will, kann ich ihn natürlich nicht schnipselweise in meinem Blog hochladen. Ich nehme an, dafür habt ihr alle Verständnis.

Mit meinen Kurzgeschichten halte ich das anders, weil ich da schnell eine neue schreiben kann, wenn ich eine für eine Platzierung in einer Zeitung brauchen sollte und die, die ich jetzt hier online habe, sind qualitativ auch nicht allzu hochwertig. Mit anderen Worten: Sie müssten mal dringend überarbeitet werden.

Ich werde nun einiges zu tun haben, weil ich natürlich nicht nur meine Texte einstellen und auf Kommentare warten kann, sondern auch die Werke der anderen begutachten und kommentieren werde. Darauf freue ich mich schon!

Wie erkenne ich, warum es hakt?

Ich habe mir jetzt vorgenommen, diesen Roman zu schreiben. Meinen ersten. Es ist nicht das erste Mal, dass ich einen solchen Versuch starte, aber diesmal wähne ich mich entschlossen genug, nicht wieder hinzuwerfen.

Nun sitze ich daran und es ist, als wenn ich um jede einzelne Zeile kämpfen muss. Ich muss immer an Andreas Eschbach denken, der meint, es reiche, wenn diejenigen schreiben, die man vom Computer wegzerren muss, weil sie sonst das Essen vergessen. Wenn ich danach gehe, kann ich es gleich sein lassen.

Nun frage ich mich: Ist die Szene doof oder gar überflüssig? Ist das der Grund, warum ich mit ihr nicht warm werde? Ist die Geschichte an sich etwa zu langweilig? Oder ist sie mir zu peinlich, stehe ich nicht dahinter? Habe ich nicht (gut) genug geplottet? Liegt es an den Figuren, haben sie ein Eigenleben?

Ich muss zugeben, dass ich zunächst begonnen hatte, schlecht zu schreiben und danach, als das Feuer versiegt war, noch einmal von vorne angefangen habe. Weil sich die Geschichte durch das Plotten grob verändert hatte. Und am Anfang ging es gut, ich kam sogar einmal richtig in einen Schreibfluss. Jetzt gibt es bestenfalls ein Tröpfeln.

Meine Ausbeute von gestern und heute sind 29 Wörter. Ist das normal? Ich meine, wie will man auf diese Weise – neben dem Brotberuf – 3000 Wörter pro Tag und mehr schaffen? Schlafen andere Autoren nicht?

Und immer wieder: Tauge ich nicht als Schriftsteller?

Latest News: Auch Maschinen irren sich, nicht nur Menschen!

Rezept für eine Erfolgsstory: Man füttere ein Feedbackformular mit folgender Anfrage, die nur ein Mensch verstehen kann. Maschinen sind mit sowas überfordert, man programmiert ja nur die Regelfälle, die die DAUs oder jene, auf die im IT-Sprech mit Anspielungen wie Fehler 40  herabgesehen wird. Ich meine die Menschen, die vor Computern sitzen, um Probleme zu lösen, die sie ohne diese Vollidioten, die nicht daran interessiert sind, ihren Anwender_innen zu helfen, gar nicht hätten. Die …  – lange Geschichte. *abwink

Also irgendeinen maschinenunverdaulichen Text schreiben. Eigentlich reicht auch ein Satz mit ein paar Reizworten. Die Bedeutung sollte ein klar denkender Mensch verstehen können, aber eben nicht vom Administrator durch automatisch generierte Nachrichten abgefangen werden können. Das ist wichtig, um zu prüfen, ob man mit einer Maschine kommuniziert oder mit einem Menschen. Denn die Maschine hat ja keine Gefühle, der kann man nicht weh tun. Die kann man ruhig kaputtmachen. Die werden doch eh so gebaut, dass die nach Ablauf der Gewährleistungsfrist den Geist aufgeben, wenn sie nicht schon vorher durch ein neueres Modell an Wert verloren haben. Also bitte: Nur keine Hemmungen. Das ist schon kaputt.

Beispieltext zum besseren Verständnis: 

Ich war im ersten Augenblick verwirrt und fragte mich, ob der spinnt oder ich, aber ich habe einen Screenshot gemacht.

Ich bekam 1 Rosengeschenk, freute mich, klickte oben auf den Link.
 Dann öffnete sich ein Fenster: (Screenshot kann ich hier nicht anhängen)
 Da hat der Gärtner mir ein Blümchen gepflückt, das ganz offensichtlich für eine andere Person bestimmt war. Es handelte sich um eine Geschichte von "Naschkatze" mit dem Titel "Sommernachtstraum" - ein +18-Inhalt.
 Da ich Freeuser bin, erinnere ich nicht, einen solchen eingestellt zu haben und schon gar nicht ein fremdes Werk unter falschem Namen - daher habe ich die Rosen zertreten, weil ich mich nicht mit fremden Lorbeeren schmücken wollte.
 Oder war der Fehler etwa, dass der Link auf eine andere als die beabsichtige Datei führte?
 Wenn ich wirklich einen 1. Platz gewonnen habe, möchte ich die Rosen natürlich öffentlich annehmen und nicht zertreten. Bin unschlüssig, ob ich mich richtig entschieden habe.
 Wäre lieb, wenn ihr das mal prüfen mögt.
 Danke!

Lysander / Fremde Angst

Mit so einem Quatsch mit Soße die Maschine füttern. Das ist dann einfacher, weil man sich vorstellen kann, man tut dem Spielzeug was gutes und meint es gar nicht böse. Man möchte ja nur sehen, wie das Ding reagiert. Mir persönlich fällt es leichter, wenn ich mir vorstelle, dass ich mir die Maschine zum Untertan mache und sie benutze und quäle, aber jeder Jeck is ja anders.

Also simsalabim im Handumdrehen haben wir eine Kurzgeschichte im Stil des Dialogromans.

[Hier wird die Geschichte verlinkt]

Der Kollege Karl Olsberg war so freundlich, mich darüber aufzuklären, wie der Markt heute funktioniert – Kurzgeschichten sind in, zum Lesen dicker Schinken fehlt heute einfach die Zeit. Er ist wirklich vom Fach, lest von ihm gerne „Das System“ – das hat mich sehr beeindruckt und mir dabei geholfen, die Welt zu verstehen. Aber natürlich nur dann, wenn ihr euch dafür interessiert. Ganz freiwillig. Ich quatsche zwar Opern, aber niemandem was auf. Ich möchte mich nur für seine Unterstützung bedanken, weil er mir eine Frage schenkte, die ich nicht beantworten konnte: Warum …

Nein, nicht, warum die Banane krumm ist, Hasi.

Warum ist nur das eine Buch, das ich geschrieben habe, ein Bestseller geworden? *kopfkratz

Dabei habe ich mir doch mit allen so viel Mühe gegeben und so. Versteh ich gar nicht. Was hab ich denn falsch gemacht?

So sinngemäß. Das wusste ich zwar in dem Moment auch nicht, aber ich wusste, dass ich andere Bücher von ihm natürlich nicht lesen werde. Warum? Weil er mir höchstselbst davon abgeraten hat. Ich wollte ja lernen, wie man gelesen wird und nicht nur, wie man schreibt. Letzteres war eher Mittel zum Zweck. Ich dachte, man müsste schreiben können und hab mir jahrelang die Ohren gebrochen. Tja, bis er mir das erklärt hat.

Mei, ist das lange her: So roundabout vier Jahre. Ich weiß gar nicht, ob es sein Projekt noch gibt von damals? Müsste ich mal suchen, aber er müsste ja derjenige sein, der an der Antwort auf seine Frage ist. Folglich muss er zu mir kommen und ich ihm nicht hinterherlaufen. Also Karl, auch wenn Du mein damaliges Angebot, geschäftlich zusammenzukommen, abgelehnt hast, zweite Chance: Frag mich einfach. Ich hab die Antwort und will sie doch sooo gerne loswerden… Na komm, gooogle Dich mal schnell, ist doch ganz einfach!

Bis bald!

Fortsetzung folgt, sobald ich die Geschichte formatiert habe, deren erster Entwurf gefühlte 15 Minuten gedauert hat. Dann zu finden auf einer neuen Seite, die ich kurz ankündige, aber auch nur für die ganz ganz faulen Socken, die gar keine Lust haben, sich in meine hübsch aufgebaute Ordnung einzukuscheln.

Das war die Stelle mit dem Berg und dem Propheten. Kann man ja mal verwechseln, nicht schlimm…

Achso ja und dann gibts auch gleich das Beispielbild dazu, das eigentlich (AIDA-Prinzip) für Aufmerksamkeit sorgen sollte, aber das dauert mir zu lange gerade. Will das erstmal loswerden.

 

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