Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

Bin ich bereit, wieder schlank zu werden?

05.07.18

Von Abnehmen kann ich hier schon lange nicht mehr sprechen – hatte schon überlegt, es in Zunehmen umzubenennen, aber die Phase ist vorbei. Im Augenblick geht es so ein bisschen rauf und runter. Gewicht halten, wie man so schön sagt. Vielleicht ist das schon der Erfolg des intermittierenden Fastens, eine Abnahme wie von mir erhofft bringt es jedenfalls nicht.

Ich habe da auch schon jemanden in Verdacht… denn wenn man in den sechs Stunden ein Pfund Schokolade futtert, dann sind das einfach zu viele Kalorien. Ich weiß, dass Kalorienzählen bei mir sehr gut funktioniert, aber ich weiß nicht, ob Schlanksein im Augenblick überhaupt ein Ziel von mir ist.

Ich merke, dass mich stört, dass ich zu schlecht konditioniert bin, um Wandern zu gehen, nur weil Urlaubszeit ist. Ich schaffe nur zwei Stunden bzw. 10km. Meinetwegen, meiner Fettleibigkeit und Kurzatmigkeit wegen muss nun ein anderer Urlaub unternommen werden.

Um 135kg ist mein Leidensdruck einfach nicht hoch genug, als dass etwas passieren würde. Ich steige einmal die Woche die Treppe hoch bis in den 4. Stock (wir wohnen im ersten) und ich merke, wie ich schnaufe. Ich wage es nicht, nach dem Bus zu rennen, aus Angst, sofort in Schweißausbrüche zu versinken.

Ich bin viel zu lange schon an diese Einschränkungen gewöhnt. Meine Garderobe ist auf ein Minimum in der passenden Größe eingeschränkt, aber ich komme damit aus. Natürlich habe ich noch schicke Sachen, die ich gerne wieder tragen würde, natürlich würde ich im Spiegel gerne wieder meine Ohren sehen, aber hey, ich hab schon so viel Schlimmeres durch. Wen kratzen da ein paar Kilos.

Der Witz dabei ist, dass ich die Schokolade langsam echt satt habe. Und trotzdem greife ich ritualisiert zu. Mir fehlen neue Ernährungs- und die passenden Einkaufsgewohnheiten. Zu lange bin ich in die Läden gelaufen und habe alles gegriffen, wonach mir gerade war. Damit muss Schluss sein.

Die Bewegung kommt von allein, sobald sie wieder Freude macht. Wenn ich mir unnötig Druck mache, verleide ich es mir nur.

10.07.18

Nun habe ich eine Woche mit dem Fasten ausgesetzt und prompt zwei Kilo zugenommen. Hat es also doch etwas gebracht.

Ich denke, ich strebe das Schlanksein zur Zeit überhaupt nicht an. Das wird das Kernproblem sein. Ich habe keine Lust, permanent zu verzichten, um schlank zu werden, das ist das eine, aber das Schlankbleiben ist mir diesen dauerhaften Verzicht auch nicht wert.

Obendrein habe ich das Problem, dass mir meine Figur zunehmend missfällt, je schlanker ich werde. Meine Konturen werden dann wieder weiblicher und lassen sich für den Betrachter eben nicht mehr allein mit Übergewicht erklären und führen so zu Irritationen.

Ein weiterer Aspekt ist jedoch, dass ich meine Ziele immer höher stecke und unzufriedener werde mit dem, was ich vorher noch super fand. Ich ende nachher noch wie meine schlankere Hälfte und jammer darüber, dass man mein Sixpack nicht sieht.

Trotzdem muss ich dringend einen Ersatz für die Schokolade finden. Ernährungstechnisch müsste ich sie ersatzlos streichen, aber sie dient mir eben als Belohnung nach einem harten, frustigen oder erfolgreichen Tag, spendet Trost bei Kummer und beruhigt mich auch einfach durch die Kombination aus Zucker und Fett, die mich müde macht, was wichtig ist um den heißersehnten Schlaf zu bekommen.

Fortschrittchen

Fortschrittchen

Ich denke, ich kann mit vergleichsweise guten Nachrichten aufwarten.

Was das Essen angeht, habe ich mir ein Zeitfenster gesetzt: Von 17 bis 23 darf gegessen werden. Das nennt sich intermittierendes Fasten, ich hatte im Oktober schon einmal davon berichtet, dann war es mir leider außer Kontrolle geraten. Jetzt bin ich in der zweiten Woche und in der ersten Woche habe ich ein Kilo abgenommen. Ich versuche, die Schokolade langsam zu drosseln, aber wenn ich weiter warte, bis ich ganz davon los bin, nehme ich nur weiter zu.^^ Im Augenblick will ich mich erstmal daran gewöhnen, 18 Stunden regelmäßig zu fasten.

Da dies klappte, dachte ich mir, warum nicht mit dem Schlafen auch? Ich setze mir ein Zeitfenster, in dem ich wach bleiben muss (tagsüber) und in der restlichen Zeit darf ich schlafen, muss aber nicht. Ich habe jetzt erstmal mit 14 Uhr bis 22 Uhr angefangen, weil ich meine Termine nach Möglichkeit alle auf den Nachmittag lege und weil ich abends Austausch mit anderen Menschen habe und das kann auch schonmal aufwühlend sein. Ich will nicht den Computer um acht ausmachen müssen und den ganzen Spaß verpassen, damit ich um zwölf schlafen kann.

Weil ich die letzten zwei Wochen eigentlich erst vormittags in den Schlaf gefunden habe und abends wieder aufgestanden bin, quasi auf Nachtschicht war, habe ich nun einige Probleme bei der Umstellung und schlafe sehr wenig, zuletzt nur eine Stunde. Vorgestern war ich daher leicht manisch. Im Augenblick hat es sich jedoch wieder beruhigt und ich bin vor allem müde, nachdem ich heute Lust auf einen Spaziergang hatte (!) und diesen auch gemacht habe. :))) Da die letzten sechs Wochen Depression ziemlich übel waren, bin ich sehr froh darüber. Die letzten zwei Wochen gehen vielleicht aufs Konto der Nebenschilddrüsenüberfunktion, die ich möglicherweise habe. Von zwei Blutproben, die fünf Tage auseinanderliegen, ist eine deutlich erhöht und die andere ohne Befund. Ich habe keine Lust, drei Monate depressiv zu sein, bis bei der nächsten Blutentnahme festgestellt wird, dass ich doch…

Dieser ungeheure Antriebsmangel hat mich echt fertig gemacht und ich habe es irgendwann gar nicht mal mehr versucht, an meinem Roman zu schreiben und habe mich gleich vor den Fernseher gelegt. Ich wollte auch nichts und niemanden sehen, nichtmal chatten. Ich habe den Computer gar nicht erst angemacht. Durch die ausgiebige Erkältung war ich zuvor schon ausgefallen, deshalb war ich sechs Wochen nicht mehr an Ver-rückt vor Liebe dran. Heute ist der vierte Tag in Folge, den ich mich wieder damit beschäftige. Ich habe mir meine männliche Hauptfigur nochmal vorgeknöpft und nun mache ich den vierten Versuch, ihn in die Geschichte einzuführen. Das ursprüngliche erste Kapitel mit ihm musste ich leider nach hinten schieben, deshalb bot es sich an, ein neues erstes zu schreiben.

Ver-rückt vor Liebe mit Herzen

Ein kitschiger Liebesroman? Nein!

Der nächste Schritt meiner Wiedererlangung von Struktur wird die Einrichtung von Schreibzeitfenstern sein. Auch wenn ich am Dienstag voriger Woche noch das Gegenteil behauptet habe, klappt es tatsächlich sogar sehr gut, wenn ich mich zu einer bestimmten Zeit hinsetze und schreibe, weil es jetzt an der Zeit ist. Wenn wir im Forum sonntags um acht unsere Fingerübungen schreiben, dann klappt das ja auch. Warum sollte es also nicht mit dem Roman auch klappen?

(Sorry, falls doppelt. Habe das Datum aktualisiert.)

Abnehmen und Psychopharmaka

In der Abnehmgruppe, die ich zur Zeit besuche, war eine Ärztin zu Gast. Diese hat über die Wirkung der Tabletten gesprochen, die wir nehmen müssen. Medikamente können den Appetit steigern und so zur Zunahme führen oder das Gegenteil bewirken, manche sind dahingehend neutral.

Ich habe unser Flipchart abgeschrieben. Dies stellt natürlich nur eine Auswahl der Medikamente dar, die auf dem Markt sind. Aber vielleicht ist Deins dabei.


Antidepressiva

  • Mirtazapin führt zur Zunahme
  • Sertralin und Citalopram wirken neutral
  • Elontril führt zur Abnahme

Neuroleptika

  • Leponex, Olanzapin, Seroquel, Risperdal führen zur Zunahme
  • Amisulprid wirkt neutral
  • Abilify und Ziprasidon führen zur Abnahme

Phasenprophylaxe

  • Lithium, Valproinsäure führen zur Zunahme
  • Lamotrigin wirkt neutral

Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich vielleicht Lamotrigin vor Lithium ausprobiert. Natürlich hätte ich meine Ärztin gezielt danach fragen können, aber das Gewicht war mir in dem Moment nicht so wichtig. Im Vordergrund stand, dass ich endlich psychisch stabil werden wollte und von Lithium hatte ich viel Gutes gehört.

Vor anderthalb Jahren in der Klinik hatte ich leider Olanzapin vorgezogen, obwohl ich wusste, dass es dick macht. Ich wusste, dass es mir aus der Manie helfen würde. Damit, dass ich fast alles wieder zunehmen würde, hatte ich nicht gerechnet. Rückblickend betrachtet hätte ich damals schon das Lithium nehmen sollen, das man mir angeboten hatte.

Meine Tabletten erhöhen also den Appetit. Das zu wissen, macht den Kampf nicht gerade einfacher, aber ich habe mehr Nachsicht mit mir, wenn ich ihn verliere.

Einsame Schokolade

Schokolade gegen Einsamkeit, sozialer Rückzug wegen Übergewicht. Klingt unlogisch? Fühlt sich aber sehr schlüssig an.

Heute ist mir erst aufgegangen, dass dieser Zusammenhang bei mir besteht. Bisher dachte ich nicht, dass ich einsam sei – ich dachte ich bin gerne alleine und vielleicht war das auch so und ändert sich eben jetzt. Tagsüber allein zu sein ist okay für mich aber die Abende setzen mir zu. Und heute habe ich wieder Schokolade gekauft, bin abends um acht nochmal losgezogen dafür. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die Gummibären und andere Süßigkeiten, wenn die Eltern abends ausgingen. Das soll jetzt keine Schuldzuweisung sein, mir ist einfach der Zusammenhang aufgefallen. Und jetzt habe ich auch eine Stelle, an der ich den Hebel ansetzen kann. :)

Ich bin jetzt seit zwei Monaten in einer Abnehmgruppe. Wir wiegen uns, wir reden über Ernährung und auch über Bewegung. Die Gruppenleiterin geht im Januar (eigentlich hatte sie es schon kommenden Montag vor) mit der Gruppe zu einer „… für Mollige“-Sporteinheit. Das geht für mich überhaupt nicht. Vor allem nicht abends nach Feierabend, wo ich danach Stunden brauche, um wieder runter zu kommen. Ich habe enorme Schwierigkeiten, mich Gruppen schwitzender Leiber anzuschließen und vor allem dann, wenn es überwiegend Frauen sind, am besten noch in einem verspiegelten Raum. Ich mag mich nicht zeigen, wie alles an mir wabbelt, deswegen habe ich meinen Crosstrainer zu Hause, auf dem ich morgens laufe. Und irgendwie sperrt sich auch alles in mir, mir andere Übergewichtige als Vorbild zu nehmen – ich will doch wieder schlank werden, nicht dick bleiben. Leider konnte ich meine Klappe nicht halten, als eine von der Zumbagruppe erzählte, die sie in dem Prospekt auch gesehen hatte und mir entfuhr ein „Das wollte ich auch schon immer mal ausprobieren!“ – jetzt bin ich quasi-verabredet für Januar zum Zumba mit dieser Dame. Ich weiß jetzt schon, dass mir die Lunge heraushängen wird, weil meine Kondition dafür lange nicht ausreicht, mit schlanken Menschen mitzuhalten. -.-

Und die Schokolade? Der Rest liegt mittlerweile einsam im Schrank. Soll sie doch verrecken da.

Intermittierendes Fasten

Es ist mir gelungen, von der Schokolade loszukommen. Ich musste mich total einigeln, bin nicht mehr einkaufen gegangen, aber irgendwann war es vorbei. Jetzt habe ich auch keine Probleme mehr damit, an Schokolade vorbeizugehen. Die ersten fünf Kilo habe ich schon wieder abgenommen, obschon ich noch jeden Tag Pizza gegessen habe.

Mittlerweile ist es so, dass ich wieder sehr proteinreich esse und auch manchmal mit frischem Gemüse koche. Meistens greife ich jedoch auf Fertiggerichte zurück. Dabei gibt es zur Zeit zwei Mahlzeiten, einmal Magerquark mit 2 Tl Zucker sowie einer Banane und einmal ein warmes Abendessen. Beides innerhalb eines Zeitfensters von sieben Stunden. Das bedeutet, dass ich von 24 Stunden 17 faste. Das hilft mir dabei, nicht ständig jedem Appetit sofort nachzugeben und ich habe wieder regelmäßige Mahlzeiten.

Letzten Dienstag war ich das erste Mal bei einer Abnehmgruppe, was mich sehr motiviert. Dadurch habe ich das Gefühl, dass es auch einen Unterschied macht, wenn ich nicht abnehme. Es fühlt sich einfach wichtiger an, wenn mein Ergebnis auf der Waage auch noch jemand anderen interessiert. Noch bin ich weit entfernt davon, dass man mir die Gewichtsreduktion ansieht und entsprechend lobt.

Mit Bewegung fange ich auch langsam wieder an. Zuerst waren es Dehnübungen, damit ich mich wieder daran gewöhne, täglich etwas auf der Matte zu machen. Jetzt habe ich auch die Aufwärmübungen hinzugenommen und ersten Muskelkater überstanden. Als nächstes will ich wieder mit dem Crosstrainer anfangen, damit ich meine Kondition verbessere und nicht mehr so schnell aus der Puste bin. Neulich habe ich einen Zug verpasst, weil ich nicht schnell genug rennen konnte. Das hat mich frustriert und motiviert.

Ins depressive Loch gefallen

Gefühlt habe ich mich schon deutlich beschissener in meinem Leben, aber so sehr funktionell gestört war ich bisher noch nie. Da das Olanzapin mir die Affekte verflacht, nehme ich an, dass ich eine schwere Depression habe.

Vor sechs Wochen habe ich noch den Halt durch meine Ausbildung gehabt und obwohl ich mir für jeden Wochentag etwas vorgenommen hatte, habe ich doch der Müdigkeit nachgegeben und immer länger ausgeschlafen – meist 13 Stunden-, bin aber auch wach geblieben, bis ich müde wurde und so verschob sich mein Rhythmus Stück für Stück dahin, dass ich morgens gegen sechs ins Bett ging und erst abends gegen sechs wieder aufstand. Das kann man wohl schon als Tag-Nacht-Umkehr bezeichnen.

Dabei habe ich einen recht ordentlichen Acht-Stunden–Tag vor dem Fernseher verbracht. Und da ich ja erst so spät aufgestanden bin, lohnt es sich ja nicht mehr, mich für den Tag noch anzuziehen. Bald stellte ich auch das tägliche Duschen ein, konnte mich nur noch jeden zweiten Tag aufraffen.

Im Augenblick versuche ich, meinen Wachzyklus wieder auf tagsüber zu verlagern. Das Ergebnis ist vorerst, dass ich nur noch unzusammenhängend schlafen kann. Ich habe das Gefühl, alles nur noch schlimmer zu machen. Ich nehme mein Medikament nach wie vor um halb acht abends ein und wenn der Schlafanstoss kommt, lege ich mich hin. Dann wache ich aber nach nur drei oder vier Stunden wieder auf. Nach so kurzer Schlafenszeit fällt es mir sehr viel leichter, aufzustehen, als wenn ich schon zehn Stunden geschlafen habe.

Die gute Nachricht ist, dass ich die Zeit nutzen konnte für einen Entzug von Schokolade. Gestern war ich einkaufen und habe keine Süßigkeiten mitgebracht. Das ist ein Riesenfortschritt, nachdem ich fast ein Jahr täglich über ein Pfund Schokolade zu mir genommen habe.

Ohne die Genesungsgruppe wäre ich wohl noch tiefer versackt und selbst die habe ich einmal verschlafen. Wenn ich Pflichttermine hätte, die ich sonst absagen müsste, würde ich viel leichter funktionieren. Aber da alle Vorhaben reine Beschäftigungstherapie sind und es keinen Unterschied macht, ob ich dort erscheine oder nicht, muss ich auf Antrieb warten und den bekomme ich derzeit nur, wenn ich nicht mehr schlafen kann.

Diese Woche scheint es ein wenig aufwärts zu gehen. Gestern war ein guter Tag. Heute gebe ich mir Mühe, dass heute auch ein guter Tag wird.

Erdung durch Essen / Schokolade für die Nerven

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.

(Sprichwort, Erläuterung im Wiktionary)

Ja klar: Mir hilft auch das Essen von Schokolade, um in der Mitte zu bleiben.

Es hat einen antidepressiven Effekt, wie ich oder besser gesagt Gerald Hüther schon einmal erklärt hatte, weil es die Wiederaufnahme von Serotonin hemmt und zudem hat es wie andere als Suchtmittel geeigneten Substanzen einen antriebssteigernden Effekt, weil durch die Aktivierung des Belohnungszentrums Dopamin ausgeschüttet wird (Quelle: GEO, Ausgabe 06 2016, Titelstory Zucker: unser Feind auf dem Teller).

Zu viel Essen führt aber vor allem dazu, dass Leib und Seele sich immer weiter voneinander entfernen, genauso wie wenn man sich der Nahrungsaufnahme komplett entzieht. Spätestens wenn die Haut reißt, hat man irreversible Schäden, weil diese Narben („Schwangerschaftsstreifen“) zwar mit der Zeit verblassen, aber nie wieder verschwinden. 

Mir reicht inzwischen die Feststellung, dass ich derzeit genauso viel Geld für Süßigkeiten und Junkfood ausgebe wie schon einmal für Zigaretten. Daran ist für mich erkenntlich, dass ich ein ernsthaftes Problem habe, das über das der nicht mehr sitzenden Hose hinausgeht. Weiterlesen

Geplante Improvisation

Eigentlich wollte ich ja einen Plan haben und auch über das informieren, das meine Leser_innen hier von mir erwarten dürfen.

Zur Zeit gestaltet sich das etwas schwierig, da ich ein wenig aus meiner Ordnung gefallen bin.

Wichtig ist für mich, aktuelle Erlebnisse reflektieren zu können. Darüber dürfen aber auch die angestauten inzwischen schon älteren Themen wie zB die Erkenntnisse von der Transtagung nicht untergehen.

Daher habe ich mir nun überlegt, im Wechsel jeweils über Älteres und Neueres zu berichten. Ohne einen ausgefeilten Wochenplan, ganz nach Tagesaktualität.

Zu erwarten ist also noch einiges zum Thema trans* sowie eben auch die Frage, wie ich meine Zukunft neu gestalte, wie ich meine Gegenwart bewältige – also wieder bzw. weiter genese  und irgendwie mit meinen mir helfen wollenden Behandler_innen zurechtkomme(n muss). Eine neue Ordnung muss her. Weiterlesen

Das serotonerge System und wie es durch Nahrung beeinflusst wird

Gerald Hüther erklärt u.a. die Hintergründe, warum mir das Schokoladefressen abends nach einem stressigen Tag bei innerer Unruhe zum Einschlafen geholfen hat.

Das Fasten, erklärt er weiter, wirkt wie ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.

Die Wirkung ist, dass der Serotoninspiegel steigt und das Wohlgefühl zunimmt. Das ist der Hintergrund, warum ich mich phasenweise mit dem Abnehmen und intermittierendem Fasten sehr wohl fühle und warum auch Pro-Ana-Fans tun, was sie tun.

Ich faste nur vorübergehend – von der letzten Mahlzeit vor dem Schlafengehen bis ich am nächsten Tag Hunger bekomme oder mein Workout absolviert habe – und mit dem Ziel, Normalgewicht zu erreichen.


Im folgenden Video einer Ernährungsberaterin wird sehr schön erklärt, was der Körper benötigt, um Serotonin herzustellen:

  • Tryptophan (eine Aminosäure aus Proteinen)
  • Eisen
  • Folsäure
  • Magnesium
  • Vitamin B6

(Anfänglich sehr lange blabla, interessantes Schaubild bei 22:06.)
Fehlt das Licht, wird das Serotonin in Melatonin umgewandelt. Melatonin ist das, was müde macht.
Um Infekten vorzubeugen, kann man mehr Curcuma (in Curry oder direkt Kurkuma) oder Rosmarinsäure (zB in Rosmarin) zu sich nehmen.

Bei mir hat das auch einen stimmungssteigernden Effekt, wenn ich meine Garnelen damit würze. Mein Rezept gegen Depression ist für eine Veröffentlichung in 14 Tagen, am Freitag, den 13. Mai geplant.

Wenn man nun zwar genug Serotonin im Körper hat, sich aber nicht ausreichend bewegt, kommt es nicht im Gehirn an, weil es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Deshalb wird auch immer wieder Sport oder alternative Bewegung gleich welcher Form (Spaziergang, Gartenarbeit, Tätigkeiten im Haushalt, …) gepredigt.

Dem Appell zu mehr Bewegung schließe ich mich inhaltlich an, will aber auch nicht die Sportmuffel unter meinen Lesern vergraulen, zu denen ich selbst über die Hälfte meines Lebens zählte. Ich habe mich nur meinem Gehirn zuliebe zu bewegen begonnen und nicht aus Spaß an der Freud‘.

Der Anfang war wirklich überaus hart und damit meine ich nicht den sanften Einstieg über Bewegungstherapie zweimal wöchentlich 30 Minuten bis hin zu 2 Std/Woche Badminton, gefolgt von Entspannungs- und Körperwahrnehmungen auf der Matte.

Übel war der Beginn auf dem Crosstrainer mit dreimal die Woche je 20 Minuten auf Herzfrequenz 120. Für kürzere Einheiten lohnte es sich nicht wirklich, sich überhaupt umzuziehen. Ich schaffte es jedoch kaum, das richtige Tempo zu finden, ständig schimpfte die Maschine „Herzfrequenz zu hoch – Geschwindigkeit verringern!“ oder es wurde unweigerlich der Widerstand immer mehr und immer mehr erhöht, weil ich einfach verzweifelt nach Luft japste und deshalb so langsam lief, dass der Puls schon wieder unter die geforderte Frequenz gefallen war. Nach vier Monaten wog fing es an, mir zu gefallen.

Heute sind natürlich 20 Minuten gar nichts, da bin ich nichtmal richtig warm – ja selbst ein Sprint nach dem Bus bringt mich nicht ins Schwitzen. Und die Herzfrequenz 120 laufe ich zur Entspannung, einfach weil ich mich so wohl fühle bei monotoner Bewegung: Es beruhigt und erdet mich.

Meine „Geistes“krankheit hat mich dazu gezwungen, meinen Körper dazu zu benutzen, mein Gehirn in seiner Regeneration zu unterstützen. Und auch um meine Affektlabilität in den Griff zu bekommen, habe ich mich angefangen, mit dem Thema Ernährung tiefer auseinanderzusetzen.


Hier geht es bei einem sehr ausführlichen Vortrag noch weiter in die Tiefe um Tryptophan und Co und man lernt, was man alles bei der Ernährung beachten kann hinsichtlich Depressionen.

Da habe ich erfahren, dass Fisch auch gut ist, um Depressionen vorzubeugen, ebenfalls Walnusskerne. Die sind zudem noch prima fürs Bindegewebe (Stichwort Hautüberschuss). Intuitiv hatte ich also schon sehr viel richtig gemacht, bevor ich das erfuhr. Ich mag das Zeug einfach seit meiner Kindheit.

In meinen Quark mache ich seitdem abends und an Regenerationstagen auch zum Frühstück Leinöl (Omega 3) oder Olivenöl (Omega 3 und antientzündlich).


90-Tage-Challenge Tag 39

Donnerstag. Tag 1 ohne Schokolade/Süßkram. Guter Tag.

Eine gemeinsame Reflexion mit Bingedine auf ihr SOS hin hat mir sehr dabei geholfen, zum Abnehmen-Wollen zurückzufinden. Noch bin ich nicht dazu gekommen, die verlinkte Seite auch mit Leben zu füllen.

(Es fühlt sich für mich – wie auch schon neulich bei der Seite über Ernährung – mehr nach einer Verpflichtung euch Lesern gegenüber an als dass ich das Gefühl hätte, mich darüber jetzt unbedingt mitteilen zu müssen. Da ich heute meinen freien Tag habe, werde ich das nachliefern, sobald es aus mir herauswill.)

Meine heutige Antwort auf das Warum: Dieser enorme Kalorienüberschuss in Form von vornehmlich Zucker versorgt das Gehirn schlichtweg mit einer Energie, die es offenbar dazu benötigt, damit ich wieder Antrieb bekomme. Das mit der depressiven Verstimmung verbundene Gefühl von Antriebsmangel hat sich jetzt wieder gelegt. Jedenfalls finde ich auch die Fresslust aus einem Gefühl der Energie-und Kraftlosigkeit heraus sehr plausibel.

Laut einer Studie gibt es einen Zusammenhang zwischen Depressionen und hohem Schokoladenkonsum. Die Kausalität konnte dort nicht geklärt werden. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass ich mich durch Schokoladenkonsum noch depressiver fühle – allerdings nicht aus Selbstvorwürfen heraus.

Neues Workout mit neuer Übung:

BURNER Anzahl Runden: 7

Neuer Rekord! Bei meinem ersten BURNER während des ersten Durchgangs der Challenge waren es nur 6 Runden.


90-Tage-Challenge Tag 40

Wow, da erkenne auch ich als Milchmädchen ohne Taschenrechner, dass das deutlich mehr als ein Drittel und schon fast die Hälfte von 90 Tagen sind.

Freitag. Tag 2 ohne Schokolade, aber mit sehr süß angemachtem Magerquark.

Neues Workout mit bekannten Übungen:

JOKER, Zeit: 12:17:79

Neuer Rekord! Mein erstes JOKER während des ersten Durchgangs der Challenge dauerte 16 Minuten und 09 Sekunden.

Ich habe mich nun zu einer Protokollpause entschieden. Dh ich setze mit dem Ernährungstagebuch und dem Kalorienzählen aus bis nach meiner Rückkehr aus München.


Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, woher depressive Symptome kommen können und die auch mit der Ernährung im Zusammenhang steht:

(Der letzte Teil mit der blonden Dame ist nicht zu empfehlen, aber den Erfahrungsbericht der ersten Frau fand ich sehr beeindruckend.)

Auf der anderen Seite sind Zink und Eisen Gegenspieler und auch ein Zinkmangel kann Depressionen auslösen (Runow).  Zinkmangel-Test
Ein Zuviel von Fruktose (aus Obst, aber auch Fertiggerichte) kann ebenfalls Depressionen zur Folge haben (Runow).

Ein Mangel von Vitamin B12 kann zu Halluzinationen führen (Quelle).
Mit Schizophrenie in Verbindung steht die Zöliakie, weil bei manchen Menschen das Gluten die Symptome auslösen kann. (Runow)

Bei mir hatte ich eine Histapenie vermutet und einfach mal ausprobiert, ob mir eine zusätzliche Zufuhr von Zink helfen könnte und ich fühle mich damit einfach besser. Als nächsten Schritt will ich von den Nahrungsergänzungsmitteln weg und diese Nährstoffe in den Lebensmitteln direkt finden.

Bei der nächsten Gelegenheit werde ich mal sachte ausprobieren, ob ich mich mit Obst von der Tendenz zur Manie zurück zur Mitte bewegen kann. Zucker wie er in Schokolade und anderen Süßigkeiten enthalten ist, hat bei mir einen antriebssteigernden Effekt (dh das beschleunigt die Gedanken, auch wenn ich mich in eine Grübel-Karussell befinde). In der Kombination mit Fett kommt es jedoch zu dem von Gerald Hüther beschriebenen „Betthupferl-Effekt“ – dieser wird der Grund für meine Fressanfälle bei depressiver Verstimmung sein. Eine aus dem Ruder gelaufene Selbstheilungsstrategie.

90-Tage-Challenge Tag 19

It’s not about having time – it’s about making time.

(Mark Lauren)

Die morgige Bonusaufgabe lautet, sich diesen Satz an einem gut sichtbaren Ort aufzuhängen. Sich zu vergegenwärtigen, dass man sich nicht nur Zeit nehmen, sondern auch etwas daraus machen muss, kann sehr hilfreich sein im Kampf gegen den inneren Schweinehund. Die Hauptaufgabe für morgen ist nämlich: Eliminiere Deine Ausreden

Sobald der Schweinehund sich Ausreden ausdenkt, soll man sie aufschreiben und die stärksten Gegenargumente dazu notieren. Direkten Gebrauch in Form von Listen habe ich davon nie gemacht, aber es fließt sicherlich in meine Tagebücher mit ein.

Muskelkater habe ich keinen und müsste schon nachlesen, wann ich zuletzt welchen hatte, wenn ich es wissen wollte. Ich denke, auch die Tatsache, dass ich das Mobility-Workout (Aufwärmübungen und Dehnen hinterher) recht kontinuierlich beibehalten habe, erleichtert mir die Workouts bei diesem Durchgang der Challenge. So ging mir eine grundsätzliche Körperspannung, ebenso wie Beweglichkeit, nicht völlig verloren. Beim ersten Durchgang war ich viel zu erschöpft an den Regenerationstagen, um auch noch freiwillig die Muskeln zu beanspruchen, die ich an den anderen Tagen schon gequält hatte. Auch das kalte Abduschen genieße ich inzwischen sehr.

Was mich etwas ärgert, ist, dass das Gewicht derzeit stagniert. Also bleibt mir nur, mich daran zu erinnern, dass ich gerade die Konfektionsgröße 48 zurückerkämpft habe und Muskeln eben mehr wiegen als Fett.

Dabei muss ich der Ehrlichkeit halber erwähnen, dass mein Kaloriendefizit, das ich seit drei Wochen wieder erhebe, von Woche zu Woche kleiner geworden ist. Ich darf nicht wieder den Fehler machen, die Ernährung schleifen zu lassen, um die Challenge zu schaffen. Der Hauptaugenmerk gleich nach der Regeneration sollte auf der Gewichtsreduktion bleiben.

Wie war das noch? Das Sixpack wird zu 80% in der Küche gemacht.

So, noch den wöchentlichen Wohnungsputz erledigt und schon fühle ich mich wieder wohl auf der Matte auf dem Fußboden. Inzwischen spüre ich auch schon deutlich Hunger. Jetzt kann es losgehen mit meinem Lieblingsworkout!

RUCKUS Anzahl Runden: 9

Wow! Als die Eieruhr klingelte, dachte ich trotz Vorwarnung meines Zeitgefühls: Was, jetzt schon? So in der 7. Runde hatte ich zu meinem Tempo gefunden und merkte in der 10. dann, wie ich einen roten Kopf bekam. Es fehlten gerade noch 3x Türziehen zur Vollendung der 10. Runde. Trotzdem bin ich froh, dass die Uhr mich davon abgehalten hat, wie eine Maschine immer weiterzumachen. 10 Runden waren, glaube ich, beim letzten Durchgang meine persönliche Bestleistung.

Meine Konzentration reichte meiner Erinnerung nach kaum aus, um bei den Lunges beim Aufwärmen sowohl 5 Sekunden Dehnung abzuzählen als auch mir zu merken, die wievielte Wiederholung ich gerade machte. Also habe ich abwechselnd entweder immer die Zahl wiederholt, die die Wiederholungen zählte oder die Wiederholungen geraten und dafür die Dehnung gezählt.

Heute ist mir beides gelungen, auch wenn ich manchmal weiter als bis 5 gezählt habe. Das ein oder andere Mal habe ich auch zu viele Wiederholungen gemacht, weil ich ganz versunken weiterzählte, aber dafür habe ich einige unsaubere Wiederholungen gelten lassen.

Bei den Liegestütze ist mir aufgefallen, dass der Schwerpunkt meines Oberkörpers von der Mitte weg zu der Seite des belasteten Beins hin changierte. Erstaunlich, wie fein meine Körperwahrnehmung geworden ist, wenn ich bewusst darauf achte.

Jetzt genieße ich mein Frühstück, während ich dies hier schreibe und wandere dabei mit der Aufmerksamkeit zwischen dem Tippen hier und dem Geschmackserlebnis hin und her. Einfacher ist es, wenn ich mich ins Esszimmer setze und mich ganz aufs Essen einlasse. Das kostet aber sehr viel Zeit, und auf diese Weise des bewusst gewechselten Fokus kann ich Mikropausen sinnvoll nutzen. Ich glaube, das ist das, was als Multitasking bezeichnet wird. Computer bearbeiten ja auch nie wirklich mehrere Prozesse zur selben Zeit, sondern sie teilen die Ressourcen unterschiedlich zu – da spricht man dann von Multithreading, wenn ich das korrekt in Erinnerung habe.

Gegen die häufige Ausrede, ich müsse jetzt die andere Hälfte Quark auch noch essen, damit das nicht heute früh nach Kühlschrank schmeckt, habe ich übrigens eine Behältnis mit Deckel angeschafft und gestern Abend Gebrauch davon gemacht.

Durch das Regal mit der Schokolade kann ich im Supermarkt jetzt total easy schlendern und mir rein aus Neugierde die Auslagen ansehen, um mich über das Angebot zu informieren. Da ist kein Verlangen, kein Suchtdruck, Jieper oder Heißhunger, nichtmal Appetit. Und sollte ein Gedanke auftauchen, wird der beiseite geschoben mit dem Hinweis: Ich mache Diät bis ans Ende der 90 Tage und dann können wir nochmal schauen, ob was Leckeres dabei ist. Es ist nicht das Ende aller Süßigkeiten in meinem Leben, nur eine vorübergehende Maßnahme.

 

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